Zeitrechnung in Geschichte einfach erklärt
Zeitrechnung ordnet Ereignisse auf einer gemeinsamen Zeitskala. Dafür braucht sie Zeiteinheiten wie Jahre und einen vereinbarten Bezugspunkt. In der traditionellen christlichen Zeitrechnung ist dieser Bezugspunkt die Geburt Christi: Die Jahre werden als vor Christus oder nach Christus bezeichnet.
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Warum Geschichte eine Zeitrechnung braucht
Stell dir vor, zwei Berichte nennen ein Ereignis nur „im zehnten Jahr“. Ohne weitere Angabe bleibt unklar, von welchem Anfang aus gezählt wurde. Erst ein gemeinsamer Bezugspunkt macht die Jahreszahl eindeutig.
Zeitrechnung
Eine Zeitrechnung ordnet Zeit und historische Ereignisse mithilfe festgelegter Einheiten und eines vereinbarten Bezugspunkts.
Viele Zeiteinheiten gehen auf beobachtbare Vorgänge zurück:
- Die Erdrotation liefert die Grundlage für den Tag.
- Der Umlauf der Erde um die Sonne liefert die Grundlage für das Jahr.
- Die Bewegung des Mondes liefert eine Grundlage für den Monat.
Die Natur liefert also wiederkehrende Zeitabschnitte. Welches Ereignis als Anfang einer Jahreszählung gilt, entscheiden Menschen dagegen durch eine Vereinbarung.
Eine Gesellschaft kann ab der Gründung einer Stadt zählen, eine andere ab einem religiösen Ereignis. Dasselbe historische Ereignis erhält dann in beiden Systemen unterschiedliche Jahreszahlen, obwohl es zum selben Zeitpunkt stattgefunden hat.
Zeiteinheit und Bezugspunkt erfüllen verschiedene Aufgaben: Die Einheit bestimmt, in welchen Schritten gezählt wird. Der Bezugspunkt bestimmt, von wo aus gezählt wird.
Wie vor und nach Christus gezählt wird
Die traditionelle christliche Zeitrechnung setzt die Geburt Christi als Jahr 1. Dabei bedeuten:
- v. Chr.: vor Christi Geburt
- n. Chr.: nach Christi Geburt
Zwischen 1 v. Chr. und 1 n. Chr. gibt es in dieser Zeitrechnung kein Jahr 0.
Eine Folge rund um den Bezugspunkt sieht deshalb so aus:
3 v. Chr. → 2 v. Chr. → 1 v. Chr. → 1 n. Chr. → 2 n. Chr. → 3 n. Chr.
Vor Christus werden die Zahlen kleiner, wenn die Zeit voranschreitet. Deshalb liegt 200 v. Chr. früher als 100 v. Chr. Nach Christus werden die Zahlen mit fortschreitender Zeit größer.
Der Bezugspunkt ist eine historische Festlegung. Die später berechnete historisch wahrscheinliche Geburt Jesu liegt zwischen 7 und 4 v. Chr. Das ändert nichts daran, wie die vereinbarte Zeitrechnung verwendet wird.
Ordne 44 v. Chr., 1 v. Chr., 1 n. Chr. und 800 n. Chr. vom frühesten zum spätesten Zeitpunkt.
- 44 v. Chr. liegt am weitesten vor dem Bezugspunkt.
- Danach folgt 1 v. Chr..
- Direkt darauf folgt 1 n. Chr., weil es kein Jahr 0 gibt.
- 800 n. Chr. liegt am spätesten.
Die richtige Reihenfolge lautet daher:
44 v. Chr. → 1 v. Chr. → 1 n. Chr. → 800 n. Chr.
Wie du das Jahrhundert bestimmst
Ein Jahrhundert umfasst 100 Jahre. Die Nummer des Jahrhunderts ist meist um eins größer als die ersten Ziffern der Jahreszahl. Der Grund: Das 1. Jahrhundert n. Chr. beginnt bereits mit Jahr 1 und endet mit Jahr 100.
Für Jahre nach Christus gelten diese Bereiche:
- 1–100: 1. Jahrhundert n. Chr.
- 101–200: 2. Jahrhundert n. Chr.
- 1201–1300: 13. Jahrhundert n. Chr.
- 1501–1600: 16. Jahrhundert n. Chr.
In welches Jahrhundert gehört das Jahr 1517 n. Chr.?
- Das 15. Jahrhundert reicht von 1401 bis 1500.
- Der nächste Bereich reicht von 1501 bis 1600.
- 1517 liegt in diesem Bereich.
Ergebnis: 1517 gehört zum 16. Jahrhundert n. Chr.
Bei Jahren vor Christus läuft die Reihenfolge der einzelnen Jahre rückwärts. Das 8. Jahrhundert v. Chr. reicht deshalb von 800 bis 701 v. Chr.
In welches Jahrhundert gehört die Gründung Roms im Jahr 753 v. Chr.?
- Das 8. Jahrhundert v. Chr. umfasst die Jahre 800 bis 701 v. Chr.
- 753 liegt zwischen diesen Grenzen.
Ergebnis: 753 v. Chr. gehört zum 8. Jahrhundert v. Chr.
Ein Jahr mit zwei Nullen steht am Ende eines Jahrhunderts: 1300 gehört zum 13. Jahrhundert, 1600 zum 16. Jahrhundert. Das gilt auch vor Christus: 800 v. Chr. gehört zum 8. Jahrhundert v. Chr.
Was relative und absolute Chronologie unterscheidet
Chronologie bedeutet zeitliche Ordnung. Historikerinnen und Historiker können Funde oder Ereignisse zunächst untereinander ordnen, auch wenn ihre genauen Jahreszahlen noch unbekannt sind.
Relative Chronologie
Eine relative Chronologie zeigt, was früher und was später geschah. Sie sagt ohne weiteren Fixpunkt nicht, wie lange die Ereignisse zurückliegen.
Absolute Chronologie
Eine absolute Chronologie verbindet Ereignisse mit datierten Fixpunkten und damit mit einer Zeitrechnung, die bis zur Gegenwart reicht.
Bei einer Ausgrabung liegt Schicht C unter Schicht B und Schicht B unter Schicht A. Daraus lässt sich zunächst nur die Reihenfolge ableiten: C ist älter als B, B ist älter als A. Das ist eine relative Chronologie.
Wird in Schicht B ein zuverlässig auf 500 v. Chr. datierter Fixpunkt gefunden, kann die Abfolge an eine Jahreszählung angeschlossen werden. Dadurch wird eine absolute zeitliche Einordnung möglich.
Warum es verschiedene Bezugssysteme gibt
Menschen haben Jahreszählungen an sehr unterschiedliche Ereignisse gebunden. Als Bezugspunkte dienten zum Beispiel:
- die angenommene Erschaffung der Welt,
- der Amtsantritt eines Herrschers,
- die Gründung einer Stadt,
- ein religiöses Ereignis,
- eine politische Revolution,
- ein technisch festgelegter Startzeitpunkt.
Die römische Rechnung ab urbe condita bezog sich auf die Gründung Roms. Die jüdische Zeitrechnung setzt einen berechneten Schöpfungsanfang an. Die Unixzeit zählt Sekunden seit dem 1. Januar 1970 um 0 Uhr.
Kalender und Jahreszählung
Ein Kalender gliedert Zeit beispielsweise in Tage, Monate und Jahre. Eine Jahreszählung nummeriert die Jahre von einem Bezugspunkt aus. Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe.
Der gregorianische Kalender wurde 1582 eingeführt und wird international häufig verwendet. Daneben bestehen weitere Kalender und Jahreszählungen. Deshalb bedeutet internationale Verbreitung nicht, dass überall nur ein einziges System genutzt wird.
Eine Zeitrechnung liefert einen Maßstab für Jahreszahlen. Epochen wie Antike oder Mittelalter fassen dagegen längere geschichtliche Entwicklungen zusammen. Ihre Grenzen sind von Menschen gesetzte Orientierungshilfen und kein weltweiter Wechsel an einem einzigen Tag.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Zeitrechnung in Geschichte
- Zeiteinheiten: Tag, Monat und Jahr
- Bezugspunkt: vereinbarter Anfang der Zählung
- Christliche Zählung: vor und nach Christus ohne Jahr 0
- Jahrhundertrechnung: Gruppen von jeweils 100 Jahren
- Relative Chronologie: Reihenfolge ohne festes Datum
- Absolute Chronologie: Einordnung mithilfe datierter Fixpunkte
- Andere Systeme: andere Bezugspunkte und Jahreszahlen
Abschluss-Check
Du kannst historische Jahresangaben nun prüfen, indem du nacheinander fragst: Welches Bezugssystem gilt? Liegt das Jahr vor oder nach Christus? Zu welchem Jahrhundert gehört es? Ist die Einordnung relativ oder absolut?
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