Logische Schaltungen verstehen und entwerfen
Eine logische Schaltung verbindet Gatter, die binäre Eingangssignale nach festen Regeln in ein binäres Ausgangssignal umwandeln. Dabei stehen 0 und 1 für zwei unterscheidbare Zustände, zum Beispiel „aus“ und „an“ oder „falsch“ und „wahr“.
Auf dieser Seite lernst du, UND, ODER und NICHT auszuwerten, Wahrheitstabellen zu lesen und aus einer Bedingung eine einfache Schaltung zu entwickeln.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vom Eingang zum Ausgang
Stell dir eine Lampe mit zwei Schaltern vor. Die Schalter liefern die Eingänge, die Lampe zeigt den Ausgang. Eine logische Regel legt fest, bei welchen Schalterstellungen die Lampe leuchtet.
Binäres Signal
Ein binäres Signal hat genau zwei mögliche Zustände. In Wahrheitstabellen werden sie mit 0 und 1 notiert. Welche physikalischen Zustände dahinterstehen, hängt von der technischen Umsetzung ab.
Ein Gatter setzt eine einzelne logische Regel um. Werden mehrere Gatter verbunden, entsteht eine logische Schaltung. Der Ausgang eines Gatters kann dabei zum Eingang eines weiteren Gatters werden.
Der Denkweg lautet: Eingangswerte → Gatterregel → Ausgangswert.
Die drei Grundgatter sicher unterscheiden
UND, ODER und NICHT reichen als Grundbausteine aus, um viele Bedingungen zu formulieren. Die Namen sagen, welche Regel gilt.
UND: Alle Bedingungen müssen erfüllt sein
Beim UND-Gatter ist der Ausgang nur dann 1, wenn beide Eingänge 1 sind.
$$A = a \land b$$
a | b | Ausgang A |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 0 |
| 1 | 0 | 0 |
| 1 | 1 | 1 |
Eine Lampe soll nur leuchten, wenn Schalter a und Schalter b eingeschaltet sind. Bei a = 1 und b = 1 liefert das UND-Gatter A = 1. Ist auch nur ein Schalter aus, bleibt der Ausgang 0.
ODER: Mindestens eine Bedingung muss erfüllt sein
Beim ODER-Gatter ist der Ausgang 1, wenn mindestens ein Eingang 1 ist. Sind beide Eingänge 1, bleibt der Ausgang ebenfalls 1.
$$A = a \lor b$$
a | b | Ausgang A |
|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | 1 |
| 1 | 0 | 1 |
| 1 | 1 | 1 |
NICHT: Ein Zustand wird umgekehrt
Das NICHT-Gatter hat nur einen Eingang. Es invertiert ihn, tauscht also 0 und 1.
$$A = \lnot a$$
a | Ausgang A |
|---|---|
| 0 | 1 |
| 1 | 0 |
UND fragt: „Sind alle Bedingungen erfüllt?“ ODER fragt: „Ist mindestens eine erfüllt?“ NICHT fragt: „Was ist der entgegengesetzte Zustand?“
Wahrheitstabellen vollständig aufbauen
Eine Wahrheitstabelle führt alle möglichen Eingangskombinationen und die zugehörigen Ausgänge auf. Bei zwei Eingängen gibt es vier Kombinationen: 00, 01, 10 und 11.
So gehst du vor:
- Schreibe jede mögliche Eingangskombination genau einmal auf.
- Lies die Gatterregel oder den Schaltterm von innen nach außen.
- Berechne für jedes Gatter eine eigene Zwischenspalte.
- Trage zuletzt den Ausgang der gesamten Schaltung ein.
Für die Schaltung $X = \lnot(a \land b)$ berechnest du zuerst $Z = a \land b$. Danach kehrt NICHT den Zwischenwert Z um.
a | b | Z = a UND b | X = NICHT Z |
|---|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 | 1 |
| 0 | 1 | 0 | 1 |
| 1 | 0 | 0 | 1 |
| 1 | 1 | 1 | 0 |
Die Verbindung aus UND und anschließender NICHT-Verknüpfung heißt NAND. Der Ausgang ist nur bei zwei Eingängen mit Wert 1 gleich 0.
Entsprechend heißt ein ODER-Gatter mit anschließender Negation NOR. Auch XOR und XNOR sind verbreitet: Bei zwei Eingängen liefert XOR bei unterschiedlichen Werten 1, XNOR dagegen bei gleichen Werten. Für den Entwurf auf dieser Seite brauchst du vor allem UND, ODER und NICHT.
Von einer Bedingung zur Schaltung
Eine Schaltung entsteht nicht durch Raten. Übersetze zuerst die gewünschte Funktion in klare Teilbedingungen.
Eine Signallampe soll leuchten, wenn die Freigabe F eingeschaltet ist und mindestens einer der beiden Taster a oder b gedrückt wird.
- „Mindestens einer der Taster“ wird zu $a \lor b$.
- Dieses Zwischenergebnis wird mit der Freigabe durch UND verbunden.
- Der vollständige Schaltterm lautet:
$$L = F \land (a \lor b)$$
Die Wahrheitstabelle prüft alle acht Fälle:
F | a | b | a ODER b | Lampe L |
|---|---|---|---|---|
| 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| 0 | 0 | 1 | 1 | 0 |
| 0 | 1 | 0 | 1 | 0 |
| 0 | 1 | 1 | 1 | 0 |
| 1 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| 1 | 0 | 1 | 1 | 1 |
| 1 | 1 | 0 | 1 | 1 |
| 1 | 1 | 1 | 1 | 1 |
Das Ergebnis ist plausibel: Ohne Freigabe bleibt die Lampe immer aus. Mit Freigabe genügt mindestens ein gedrückter Taster.
Für F = 1, a = 0 und b = 1 gilt zuerst: a ODER b = 1. Danach gilt: F UND 1 = 1. Die Lampe leuchtet.
Logische und technische Ebene auseinanderhalten
Eine Wahrheitstabelle beschreibt die logische Funktion: Sie sagt, welcher Ausgang zu welchen Eingängen gehört. Ein Gatter ist der Baustein, der diese Funktion umsetzt.
In elektronischen Schaltungen können Transistoren als Schaltelemente zwischen leitenden und sperrenden Zuständen wechseln. Mehrere Bauelemente bilden Gatter; viele Gatter können in einer integrierten Schaltung, kurz IC, zusammengefasst sein. Dazu gehören auch komplexe digitale Bausteine.
Die logische Ebene erklärt was berechnet wird. Die physische Ebene erklärt womit die Funktion technisch realisiert wird. Aus einer Wahrheitstabelle allein folgt noch kein detailliertes Halbleitermodell.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Logische Schaltung
- verarbeitet binäre Signale mit `0` und `1`
- verbindet Gatter zu einer Funktion
- wird mit Wahrheitstabellen geprüft
- entsteht aus klar formulierten Bedingungen
- besitzt eine logische und eine technische Ebene
- Grundgatter
- UND verlangt alle Bedingungen
- ODER verlangt mindestens eine Bedingung
- NICHT kehrt einen Zustand um
- Entwurfsweg
- Funktion festlegen
- Teilbedingungen in Gatter übersetzen
- Wahrheitstabelle vollständig auswerten
- Ergebnis auf Plausibilität prüfen
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du zu einer neuen Bedingung die Teilregeln markieren, passende Gatter wählen und jede Zeile der Wahrheitstabelle begründen? Dann kannst du den grundlegenden Entwurfsweg für logische Schaltungen anwenden.
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