Informatik

Digitaltechnik: Bits, Gatter und Speicher verstehen

Digitaltechnik: Bits, Gatter und Speicher verstehen
Digitaltechnik: Bits, Gatter und Speicher verstehen
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Digitaltechnik verarbeitet Informationen mit diskreten Zuständen, meist 0 und 1. Aus diesen beiden Zuständen entstehen durch logische Verknüpfungen Schaltungen, die Daten verarbeiten oder speichern.

Du lernst den Weg vom Signal über Bits und Logikgatter bis zu einfachen Schaltungen kennen. Außerdem unterscheidest du Schaltungen mit und ohne Gedächtnis.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom kontinuierlichen Wert zum digitalen Signal

Eine Rampe steigt stufenlos an. Eine Treppe besitzt dagegen einzelne Stufen. Dieser Vergleich zeigt den Unterschied zwischen analogen und digitalen Größen.

Definition

Analoge Größe

Eine analoge Größe kann innerhalb eines Bereichs kontinuierlich Zwischenwerte annehmen. Beispiele sind eine elektrische Spannung oder eine Temperatur.

Definition

Digitale Größe

Eine digitale Größe besitzt festgelegte, voneinander unterscheidbare Werte. Bei einem binären Signal sind das zwei Zustände, die als 0 und 1 bezeichnet werden.

Die Zeichen 0 und 1 stehen in einer Schaltung für festgelegte Signalbereiche, zum Beispiel Low und High. Sie sind nicht einfach mit den Spannungswerten 0 Volt und 1 Volt gleichzusetzen.

Bei der Digitalisierung werden kontinuierliche Werte und Zeitpunkte gerastert. Dadurch können feine Unterschiede verloren gehen. Die so gewonnenen Daten lassen sich jedoch leichter speichern, übertragen und mit logischen Schaltungen verarbeiten.

Digitale Signale sind innerhalb ihrer zulässigen Grenzen störfest: Eine kleine Abweichung verändert den erkannten Zustand nicht, solange der Empfänger sie noch eindeutig als 0 oder 1 einordnet. Zu starke Störungen oder falsche Zeitpunkte können trotzdem Bitfehler verursachen.

Beispiel

Ein Mikrofon wandelt Schall zunächst in ein analoges elektrisches Signal um. Bei der Digitalisierung werden daraus Zahlenwerte. Diese Werte können gespeichert und verarbeitet werden. Für einen Lautsprecher müssen sie wieder in ein analoges Signal zurückgewandelt werden.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt ein digitales Binärsignal richtig?
Lösung: Es besitzt zwei festgelegte Zustände, die als 0 und 1 dargestellt werden. — Digitale Signale sind diskret. Ihre Störfestigkeit gilt nur, solange Pegel und zeitliche Bedingungen eine eindeutige Erkennung erlauben.
Bits bündeln mehrere Zustände
Definition

Bit

Ein Bit ist die kleinste digitale Informationseinheit. Es kann genau einen von zwei Zuständen annehmen: 0 oder 1.

Mehrere Bits bilden ein Bitwort. Mit jedem zusätzlichen Bit verdoppelt sich die Zahl der möglichen Bitmuster. Für n Bits gilt:

$$N=2^n$$

In Worten: Die Anzahl N der möglichen Zustände ist 2 hoch n.

BitbreiteMögliche ZuständeWertebereich ohne Vorzeichen
1 Bit20 bis 1
2 Bit40 bis 3
4 Bit160 bis 15
8 Bit2560 bis 255

Der größte vorzeichenlose Wert eines n-Bit-Wortes ist deshalb $2^n-1$. Bei 4 Bit ist das $2^4-1=15$.

Beispiel

Mit 3 Bit sind $2^3=8$ Muster möglich:

000, 001, 010, 011, 100, 101, 110, 111.

Werden sie als vorzeichenlose Binärzahlen gelesen, stellen sie die Werte 0 bis 7 dar.

Ein Byte besteht aus 8 Bits. Bitmuster erhalten ihre Bedeutung erst durch eine vereinbarte Codierung. Dasselbe Muster kann beispielsweise eine Zahl, ein Zeichen, eine Farbe oder einen Teil eines Maschinenbefehls darstellen.

Merke

Bits liefern mögliche Muster. Erst die Codierung legt fest, welche Information ein Muster bedeutet.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWie viele unterschiedliche Muster besitzt ein 5-Bit-Wort?
Lösung: 32 — Es gilt $2^5=32$. Der vorzeichenlose Wertebereich reicht damit von 0 bis 31.
Logikgatter treffen einfache Entscheidungen

Ein Logikgatter verarbeitet einen oder mehrere binäre Eingänge und erzeugt einen binären Ausgang. Eine Wahrheitstabelle zeigt den Ausgang für jede mögliche Eingangskombination.

UND, ODER und NICHT

ABA UND BA ODER B
0000
0101
1001
1111
  • UND liefert nur dann 1, wenn beide Eingänge 1 sind.
  • ODER liefert 1, wenn mindestens ein Eingang 1 ist.

NICHT besitzt nur einen Eingang:

ANICHT A
01
10

NICHT kehrt den Eingang um.

XOR und Äquivalenz

ABXORÄquivalenz
0001
0110
1010
1101
  • XOR liefert 1, wenn genau ein Eingang 1 ist.
  • Äquivalenz, auch XNOR genannt, liefert 1, wenn beide Eingänge gleich sind.
Beispiel

Zwei Schalter werden durch A und B beschrieben. Eine Kontrollleuchte soll leuchten, wenn beide dieselbe Stellung haben. Dafür eignet sich die Äquivalenz: Bei 00 und 11 ist der Ausgang 1, bei 01 und 10 ist er 0.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtBei welchen Eingängen liefert ODER eine 0?
Lösung: Nur bei A = 0 und B = 0. — ODER liefert eine 1, sobald mindestens ein Eingang 1 ist. Deshalb bleibt nur die Belegung 00 mit dem Ausgang 0.
Frage 2 von 2MittelFür A = 1 und B = 0 gilt: Welchen Ausgang liefert XOR?
Lösung: 1 — Genau einer der beiden Eingänge ist 1. Das erfüllt die XOR-Bedingung.
Aus einer Wahrheitstabelle entsteht eine Schaltung

Eine Wahrheitstabelle beschreibt was eine Schaltung tun soll. Logikgatter legen fest, wie diese Funktion technisch aufgebaut werden kann.

Eine Warnleuchte soll eingeschaltet sein, wenn ein Sensor A eine Bewegung meldet und die Anlage nicht deaktiviert ist. B = 1 bedeutet: Die Anlage ist deaktiviert.

A: BewegungB: deaktiviertY: Warnleuchte
000
010
101
110

Der Ausgang ist nur für A = 1 und B = 0 aktiv. Daraus folgt:

$$Y=A\text{ UND }(\text{NICHT }B)$$

Die Schaltung entsteht in zwei Schritten:

  1. Ein NICHT-Gatter kehrt B um.
  2. Ein UND-Gatter verknüpft A mit dem umgekehrten Wert von B.
Beispiel

Für A = 1 und B = 0 erzeugt NICHT aus B den Wert 1. Das UND-Gatter erhält damit 1 und 1. Der Ausgang Y wird 1: Die Warnleuchte geht an.

Für A = 1 und B = 1 wird aus B durch NICHT eine 0. Das UND-Gatter erhält 1 und 0; deshalb bleibt Y = 0.

Merke

Prüfe beim Ableiten einer Schaltung zuerst, bei welchen Zeilen der Ausgang 1 sein soll. Übersetze dann die Bedingungen mit passenden Gattern.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Lampe soll nur leuchten, wenn A und B beide 1 sind. Welches Gatter genügt?
Lösung: UND — UND liefert genau für die Belegung A = 1 und B = 1 den Ausgang 1.
Frage 2 von 2SchwerEine Türanzeige soll 1 sein, wenn genau einer von zwei Kontakten aktiv ist. Welche Verknüpfung passt?
Lösung: XOR — XOR erkennt unterschiedliche Eingänge: 01 und 10 führen zu 1, 00 und 11 zu 0.
Schaltnetz oder Schaltwerk: Hat die Schaltung Gedächtnis?
Definition

Schaltnetz

Ein Schaltnetz besitzt kein Gedächtnis. Seine Ausgänge hängen ausschließlich von den aktuellen Eingängen ab.

Die Warnleuchtenschaltung aus dem vorigen Kapitel ist ein Schaltnetz. Bei gleichen aktuellen Eingängen entsteht immer derselbe Ausgang – unabhängig davon, was vorher passiert ist.

Definition

Schaltwerk

Ein Schaltwerk besitzt einen gespeicherten inneren Zustand. Sein Ausgang oder sein nächster Zustand kann deshalb auch von der Vorgeschichte abhängen.

Rückgekoppelte Gatter ermöglichen einfache Speicher. Latches, Flipflops und Register speichern Bits. Ein D-Flipflop übernimmt beispielsweise den Wert seines Dateneingangs an einer festgelegten Taktflanke und hält ihn bis zur nächsten Übernahme fest.

Beispiel

Ein Schalter liefert kurzzeitig 1. Ein Schaltnetz verliert diese Information, sobald der Eingang wieder 0 ist. Ein geeignetes Schaltwerk kann die 1 speichern und später noch ausgeben.

MerkmalSchaltnetzSchaltwerk
Gedächtnisneinja
Ausgang abhängig vonaktuellen EingängenEingängen und innerem Zustand
BeispieleGatterkombination, AddiererRegister, Zähler, Automat
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Frage 1 von 1MittelZwei Schaltungen erhalten gerade dieselben Eingänge, liefern aber wegen ihrer unterschiedlichen Vorgeschichte verschiedene Ausgänge. Was folgt daraus?
Lösung: Mindestens eine zustandsabhängige Schaltung ist beteiligt. — Verschiedene Ergebnisse bei gleichen aktuellen Eingängen weisen auf einen gespeicherten Zustand hin. Das ist das Kennzeichen eines Schaltwerks.
Von Transistoren bis zum Rechner

Digitale Systeme lassen sich auf mehreren Ebenen betrachten. Jede Ebene beantwortet eine andere Frage:

  1. Signalebene: Welche Bereiche gelten als Low beziehungsweise High?
  2. Gatterebene: Wie werden binäre Zustände durch UND, ODER, NICHT und weitere Verknüpfungen verarbeitet?
  3. Schaltungsebene: Wie arbeiten Schaltnetze, Flipflops, Register oder Zähler zusammen?
  4. Bauteilebene: Wie werden viele Schaltungen zu Prozessoren, Speichern und Schnittstellen verbunden?
  5. Systemebene: Wie arbeiten Eingabe, Verarbeitung, Speicherung und Ausgabe zusammen?

Transistoren können als elektronische Schaltelemente eingesetzt werden. Mehrere Transistoren bilden Logikgatter; sehr viele Gatter und Speicherzellen befinden sich gemeinsam in integrierten Schaltungen. Für das Verständnis der logischen Funktion ist kein detailliertes Halbleitermodell nötig.

Ein Rechner verarbeitet Informationen nach dem Grundmuster Eingabe – Verarbeitung – Ausgabe. Eingabegeräte liefern Daten. Der Prozessor verarbeitet Befehle und Daten, während der Arbeitsspeicher aktuell benötigte Informationen bereithält. Ausgabegeräte stellen Ergebnisse bereit.

Gut zu wissen

Digitale Schaltungen werden heute häufig am Computer beschrieben, simuliert und anschließend als Hardware umgesetzt. Bei einem FPGA legt eine Hardwarebeschreibung fest, wie vorhandene Logik- und Speicherbausteine verschaltet werden. Die Schaltung wird damit konfiguriert; der Code läuft nicht wie ein gewöhnliches Programm nacheinander auf einem Prozessor ab.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Reihenfolge ordnet die Ebenen sinnvoll vom einfachen Bauelement zum vollständigen Rechnersystem?
Lösung: Transistor – Logikgatter – Register – Prozessor und Speicher – Rechnersystem — Transistoren realisieren Gatter. Gatter bilden Schaltungen wie Register. Viele solcher Schaltungen ergeben Prozessoren und Speicher, die gemeinsam im Rechnersystem arbeiten.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Digitaltechnik
    • Signale
      • analog: kontinuierliche Werte
      • digital: diskrete Zustände
    • Information
      • Bit: 0 oder 1
      • n Bits: 2 hoch n Muster
    • Verarbeitung
      • Wahrheitstabelle beschreibt die Funktion
      • Logikgatter setzen die Funktion um
    • Schaltungen
      • Schaltnetz ohne Gedächtnis
      • Schaltwerk mit gespeichertem Zustand
    • Rechner
      • Transistoren und integrierte Schaltungen
      • Prozessor, Speicher, Ein- und Ausgabe
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Verknüpfung liefert nur bei gleichen Eingängen den Ausgang 1?
Lösung: Äquivalenz — Äquivalenz ergibt für 00 und 11 den Ausgang 1.
Frage 2 von 4MittelWie viele unterschiedliche Muster können 4 Bits bilden?
Lösung: 16 — Es gilt $2^4=16$. Als vorzeichenlose Zahlen entsprechen diese Muster den Werten 0 bis 15.
Frage 3 von 4MittelEine Schaltung soll Y = 1 liefern, wenn A = 1 und B = 0 sind. Welche Struktur passt?
Lösung: B zuerst mit NICHT umkehren und das Ergebnis mit A durch UND verknüpfen. — Die Bedingung lautet A UND NICHT B. Daher braucht die Schaltung ein NICHT-Gatter für B und danach ein UND-Gatter.
Frage 4 von 4SchwerEin Gerät soll sich merken, ob seit dem Einschalten bereits ein Impuls aufgetreten ist. Warum genügt ein reines Schaltnetz nicht?
Lösung: Nach dem Impuls wird ein gespeicherter Zustand benötigt, der die Vorgeschichte festhält. — Der aktuelle Eingang zeigt nach dem Ende des Impulses nicht mehr, was vorher geschehen ist. Ein Schaltwerk kann diese Information in seinem Zustand speichern.

Wenn du alle vier Fragen begründen kannst, beherrschst du den Kernweg der Digitaltechnik: digitale Zustände darstellen, logisch verarbeiten, zu Schaltungen verbinden und bei Bedarf speichern.

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