Mooresches Gesetz: Bedeutung, Formel und Grenzen
Das mooresche Gesetz beschreibt einen historischen Trend der Halbleitertechnik: Die Zahl der Transistoren beziehungsweise Schaltkreiskomponenten auf integrierten Schaltkreisen verdoppelt sich ungefähr in regelmäßigen Abständen. Häufig werden dafür etwa zwei Jahre genannt. Es ist kein Naturgesetz und verspricht nicht, dass Computer im selben Rhythmus doppelt so schnell werden.
Auf dieser Seite lernst du, die Aussage präzise zu deuten, exponentielles Wachstum zu berechnen und Grenzen der Faustregel zu beurteilen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was besagt das mooresche Gesetz genau?
Ein Transistor ist ein winziger elektronischer Schalter. Viele Transistoren zusammen bilden die Schaltungen eines Chips und ermöglichen unter anderem Berechnungen und das Speichern von Informationen.
Mooresches Gesetz
Das mooresche Gesetz ist eine empirische, also aus Beobachtungen gewonnene Wachstumsregel für integrierte Schaltkreise. Vereinfacht besagt sie: Die Zahl der Transistoren oder Komponenten verdoppelt sich ungefähr alle zwei Jahre.
Gordon Moore beschrieb den Trend 1965 zunächst mit einer jährlichen Verdopplung. 1975 änderte er die Prognose auf ungefähr zwei Jahre. Die ebenfalls verbreiteten 18 Monate gehen auf David House zurück und gehören zu einer anderen Fassung.
Die Formulierungen unterscheiden sich außerdem in ihrer Bezugsgröße:
- Komponenten pro integriertem Schaltkreis,
- Transistoren pro Chip,
- Transistoren pro Flächeneinheit,
- in vereinfachten Darstellungen fälschlich die Rechenleistung.
Moores ursprüngliche Betrachtung bezog auch das jeweilige Minimum der Kosten pro Komponente ein. Vergleiche sind deshalb nur aussagekräftig, wenn Bezugsgröße, Zeitraum und wirtschaftlicher Maßstab klar sind.
Frage bei jeder Aussage zum mooreschen Gesetz: Was wird gemessen, in welchem Zeitraum und unter welchen Kostenbedingungen?
Wie lässt sich der Trend berechnen?
Regelmäßige Verdopplungen ergeben exponentielles Wachstum: In gleich langen Zeitabschnitten kommt nicht immer derselbe Betrag hinzu. Stattdessen wird der aktuelle Wert jeweils mit demselben Faktor multipliziert.
Für die Komplexität $K(t)$ gilt:
$$K(t)=K_0\cdot 2^{t/T_2}$$
Dabei bedeuten:
- $K_0$: Ausgangszahl der Transistoren oder Komponenten,
- $t$: vergangene Zeit,
- $T_2$: Verdopplungszeit,
- $K(t)$: Wert nach der Zeit $t$.
Die gleichwertige Darstellung mit der Wachstumsrate $\lambda$ lautet:
$$K(t)=K_0 e^{\lambda t}$$
Zwischen Wachstumsrate und Verdopplungszeit gilt:
$$\lambda=\frac{\ln(2)}{T_2}$$
Bei $T_2=2$ Jahren ist $\lambda$ ungefähr $0{,}35$ pro Jahr.
Ein Chip startet im vereinfachten Modell mit $K_0=1\,000\,000$ Transistoren. Die Verdopplungszeit beträgt zwei Jahre. Wie viele Transistoren sagt das Modell nach sechs Jahren voraus?
Zuerst bestimmst du die Zahl der Verdopplungszeiträume:
$$\frac{t}{T_2}=\frac{6}{2}=3$$
Drei Verdopplungen ergeben den Faktor $2^3=8$:
$$K(6)=1\,000\,000\cdot 8=8\,000\,000$$
Das Modell sagt nach sechs Jahren 8 Millionen Transistoren voraus. Das ist eine Modellrechnung, keine Garantie für einen bestimmten realen Chip.
Warum bedeuten mehr Transistoren nicht automatisch mehr Tempo?
Zusätzliche Transistoren können unterschiedlich eingesetzt werden: für weitere Rechenkerne, größere Cache-Speicher oder andere Funktionen. Ein Cache hält häufig benötigte Daten nahe am Prozessor bereit. Er kann Abläufe beschleunigen, führt aber nicht unmittelbar zu einer proportional höheren Rechenleistung.
Auch mehrere Prozessorkerne machen ein einzelnes Programm nicht beliebig schnell. Manche Arbeitsschritte lassen sich parallel ausführen, andere müssen nacheinander ablaufen. Hinzu kommen Kommunikation zwischen Kernen, Wärmegrenzen und Software, die vorhandene Hardware nicht vollständig nutzt.
Nach Amdahls Gesetz begrenzt bereits ein kleiner nicht parallelisierbarer Programmteil die maximale Beschleunigung. Sind 10 Prozent eines Programms zwingend nacheinander auszuführen, kann der gesamte Ablauf selbst mit beliebig vielen Kernen höchstens um den Faktor 10 beschleunigt werden.
Mehr Transistoren schaffen Möglichkeiten für höhere Leistung. Wie viel davon ankommt, hängt von Architektur, Speicherzugriffen, Parallelisierbarkeit, Wärme und Software ab.
Warum wirkte die Beobachtung wie ein Gesetz?
Das mooresche Gesetz beschreibt nicht nur eine technische Entwicklung. Es wurde auch zu einem gemeinsamen Ziel der Halbleiterindustrie. Unternehmen aus Chipfertigung, Materialtechnik und optischer Fertigung konnten Forschung, Produktionsverfahren und Investitionen an ähnlichen Zeitplänen ausrichten.
So entstand teilweise eine selbsterfüllende Prophezeiung: Der beobachtete Trend beeinflusste Planungen, und diese Planungen halfen wiederum dabei, den Trend fortzusetzen. Das macht die Aussage jedoch nicht zu einem Naturgesetz.
Das ursprüngliche Kostenoptimum erklärt die wirtschaftliche Seite:
- Bei wenigen Komponenten wird das verfügbare Material schlecht genutzt.
- Bei extrem vielen Komponenten können neue Verfahren noch sehr teuer und fehleranfällig sein.
- Dazwischen liegt ein Bereich mit niedrigen Kosten pro Komponente.
- Technischer Fortschritt verschiebt dieses Kostenminimum zu höheren Komponentenzahlen.
Wo liegen die Grenzen und gilt das Gesetz noch?
Weitere Miniaturisierung wird technisch und wirtschaftlich schwieriger. Zu den Problemen gehören:
- Wärme auf kleiner Fläche,
- Leckströme und quantenmechanische Effekte bei sehr kleinen Strukturen,
- Grenzen der verwendeten Materialien,
- stark steigende Entwicklungs- und Fertigungskosten,
- begrenzter Nutzen zusätzlicher Kerne für nicht parallelisierbare Programme.
Ob das Gesetz „noch gilt“, hängt deshalb von der gewählten Fassung und Bezugsgröße ab. Manche Darstellungen betrachten den klassischen Verdopplungstrend als beendet. Andere halten seine Zukunft für offen oder sehen seine Wirkung in veränderter Form fortbestehen. Ein eindeutiges Enddatum lässt sich aus dem vorliegenden Material nicht ableiten.
Technischer Fortschritt kann außerdem andere Wege nehmen:
- dreidimensionales Stapeln von Chips oder Transistorstrukturen,
- neue Materialien,
- spezialisierte Prozessoren,
- photonische oder neuromorphe Systeme,
- Quantencomputer,
- effizientere Software.
Solche Ansätze können Systeme leistungsfähiger machen, ohne die klassische Transistordichte pro Fläche im bisherigen Rhythmus zu verdoppeln.
Ein Fortschritt bei der Systemleistung bestätigt nicht automatisch das klassische mooresche Gesetz. Dafür müsste weiterhin dieselbe klar definierte Transistor- oder Komponentengröße betrachtet werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Mooresches Gesetz
- Kern: regelmäßige Verdopplung von Transistoren oder Komponenten
- Mathematik: exponentielles Wachstum mit einer Verdopplungszeit
- Präzision: Bezugsgröße, Zeitraum und Kostenbedingungen nennen
- Wirkung: Orientierung für Forschung, Fertigung und Investitionen
- Fehlannahme: mehr Transistoren bedeuten nicht automatisch gleich viel mehr Tempo
- Grenzen: Physik, Wärme, Kosten, Parallelisierung und Software
- Zukunft: Fortschritt kann auch durch neue Materialien und Architekturen entstehen
Abschluss-Check
Du hast das Thema verstanden, wenn du nicht nur „Verdopplung“ nennen kannst, sondern auch erklärst, was sich verdoppelt, wie du den Modellwert berechnest und warum daraus keine automatische Verdopplung der Rechenleistung folgt.
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