Hypothesentest mit Binomialverteilung

Hypothesentest mit Binomialverteilung
Hypothesentest mit Binomialverteilung
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Ein Hypothesentest prüft mit einer Stichprobe, ob ein Ergebnis so stark gegen eine Ausgangsbehauptung spricht, dass du diese verwirfst. Er liefert keinen Beweis mit hundertprozentiger Sicherheit: Du verwirfst die Nullhypothese $H_0$ oder du verwirfst sie nicht.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was wird bei einem Hypothesentest geprüft?

Stell dir vor, eine Partei geht von mindestens $30\,\%$ Zustimmung für ihren Kandidaten aus. In einer zufälligen Befragung von $n=100$ Personen stimmen $X$ Personen zu. Die Testgröße $X$ zählt also die Treffer. Unter einer festgelegten Trefferwahrscheinlichkeit $p$ gilt bei unabhängigen Ja-Nein-Versuchen:

$$X\sim B(n,p)$$

Definition

Null- und Gegenhypothese

Die Nullhypothese $H_0$ ist die Ausgangsbehauptung, die nur bei ausreichend starken Gegenbelegen verworfen wird. Die Gegenhypothese $H_1$ beschreibt die Abweichung, die nachgewiesen werden soll.

Für die Frage „Ist die Zustimmung unter $30\,\%$ gesunken?“ lauten die Hypothesen:

$$H_0:p\geq 0{,}3 \qquad H_1:p\lt0{,}3$$

Die Gleichheit gehört zu $H_0$. Kleine Trefferzahlen sprechen für $H_1$ und damit gegen $H_0$.

Merke

Die Richtung liest du an $H_1$ ab: $p\lt p_0$ bedeutet linksseitig, $p\gt p_0$ rechtsseitig und $p\neq p_0$ beidseitig.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtEine Abfüllanlage soll höchstens $2\,\%$ fehlerhafte Packungen produzieren. Welche Gegenhypothese prüft eine Verschlechterung?
Lösung: $H_1:p\gt0{,}02$ — „Mehr als“ weist nach rechts. Deshalb ist der Test rechtsseitig und die Gleichheit bleibt in $H_0:p\leq0{,}02$.
Wie begrenzt das Signifikanzniveau einen Fehlalarm?

Der Ablehnungsbereich enthält alle Stichprobenergebnisse, bei denen du $H_0$ verwirfst. Alle übrigen Ergebnisse bilden den Nichtablehnungsbereich. Er wird oft auch Annahmebereich genannt; „nicht verwerfen“ ist genauer, weil $H_0$ dadurch nicht bewiesen wird.

Definition

Signifikanzniveau

Das vorab festgelegte Signifikanzniveau $\alpha$ begrenzt die Wahrscheinlichkeit, eine wahre Nullhypothese zu verwerfen. Diese Fehlentscheidung heißt Fehler 1. Art.

Bei einem linksseitigen Test suchst du die größte ganze Zahl $k$, für die am Randwert $p_0$ noch gilt:

$$P_{p_0}(X\leq k)\leq\alpha$$

Dann ist $\{0,1,\ldots,k\}$ der Ablehnungsbereich. Beim rechtsseitigen Test suchst du entsprechend einen rechten Rand mit $P_{p_0}(X\geq k)\leq\alpha$. Beim beidseitigen Test liegen Ablehnungswerte an beiden Rändern; bei der üblichen gleichmäßigen Aufteilung erhält jede Seite höchstens $\alpha/2$.

Gut zu wissen

Bei einer diskreten Binomialverteilung wird das vorgegebene Niveau meist nicht exakt getroffen. Entscheidend ist, dass die tatsächliche Wahrscheinlichkeit des Ablehnungsbereichs unter $H_0$ höchstens $\alpha$ beträgt.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Fehlentscheidung wird durch $\alpha$ begrenzt?
Lösung: Eine wahre Nullhypothese wird verworfen. — Das Signifikanzniveau begrenzt den Fehler 1. Art: einen Fehlalarm gegen eine tatsächlich wahre Nullhypothese.
Wie entsteht eine exakte Entscheidungsregel?

Wir testen die Zustimmung mit $n=100$ und $\alpha=0{,}05$ linksseitig. Für den Randwert $p_0=0{,}3$ liefert die kumulierte Binomialverteilung:

$$P_{0{,}3}(X\leq22)\approx0{,}04787$$

$$P_{0{,}3}(X\leq23)\approx0{,}07553$$

Die Zahl $22$ ist der größte zulässige Grenzwert: Bis 22 bleibt die Wahrscheinlichkeit unter $5\,\%$, bei 23 wäre sie bereits größer.

Beispiel

Entscheidungsregel:

  • Ablehnungsbereich: $\{0,1,\ldots,22\}$
  • Nichtablehnungsbereich: $\{23,24,\ldots,100\}$

Beobachtet werden $X=28$ Zustimmungen. Da $28$ im Nichtablehnungsbereich liegt, wird $H_0$ nicht verworfen. Die Stichprobe weist keinen signifikanten Rückgang unter $30\,\%$ nach. Sie beweist aber auch nicht, dass die Zustimmung mindestens $30\,\%$ beträgt.

Warum wird bei der zusammengesetzten Nullhypothese $p\geq0{,}3$ mit $p=0{,}3$ gerechnet? Für ein festes kleines $k$ wird $P_p(X\leq k)$ kleiner, wenn $p$ größer wird. Der Randwert $0{,}3$ ist daher der ungünstigste Fall für einen linksseitigen Fehlalarm.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum ist 23 nicht mehr als linke Ablehnungsgrenze zulässig?
Lösung: Weil $P_{0{,}3}(X\leq23)\approx0{,}07553$ größer als $\alpha=0{,}05$ ist. — Die Grenze wird nicht nach ihrer Größe, sondern durch die Wahrscheinlichkeit des gesamten Ablehnungsbereichs festgelegt.
Was sagt der p-Wert aus?

Der p-Wert misst, wie wahrscheinlich unter $H_0$ ein mindestens so stark gegen $H_0$ gerichtetes Ergebnis wäre. Die Richtung ist entscheidend: Beim linksseitigen Test gehören Werte bis zum beobachteten Wert dazu, beim rechtsseitigen Werte ab dem beobachteten Wert.

Für $X=28$ im Zustimmungsbeispiel gilt am Rand von $H_0$:

$$p\text{-Wert}=P_{0{,}3}(X\leq28)\approx0{,}37678$$

Der p-Wert ist deutlich größer als $\alpha=0{,}05$. Deshalb wird $H_0$ nicht verworfen. Das stimmt mit der Entscheidungsregel überein, denn $28$ liegt nicht im Ablehnungsbereich.

Merke

Gilt p-Wert $\leq\alpha$, verwirfst du $H_0$. Gilt p-Wert $\gt\alpha$, verwirfst du $H_0$ nicht. Der p-Wert ist nicht die Wahrscheinlichkeit, dass $H_0$ wahr ist.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelBei einem rechtsseitigen Test werden $x=39$ Treffer beobachtet. Welche Wahrscheinlichkeit bildet den p-Wert?
Lösung: $P_{p_0}(X\geq39)$ — „Mindestens so stark nach rechts“ umfasst 39 und alle größeren Trefferzahlen. Deshalb wird die rechte Restwahrscheinlichkeit berechnet.
Welche zwei Fehler können auftreten?

Die Testentscheidung kann falsch sein, weil eine Stichprobe zufällig ungewöhnlich ausfällt.

Wirklichkeit$H_0$ nicht verwerfen$H_0$ verwerfen
$H_0$ ist wahrrichtige EntscheidungFehler 1. Art
$H_0$ ist falschFehler 2. Artrichtige Entscheidung

Im Zustimmungsbeispiel bedeutet das:

  • Fehler 1. Art: Du meldest einen Rückgang unter $30\,\%$, obwohl die Zustimmung tatsächlich mindestens $30\,\%$ beträgt. Am Randwert beträgt dieses Risiko hier etwa $4{,}79\,\%$ und ist damit höchstens $5\,\%$.
  • Fehler 2. Art: Du weist keinen Rückgang nach, obwohl die Zustimmung tatsächlich unter $30\,\%$ liegt.

Für den Fehler 2. Art brauchst du einen konkreten tatsächlichen Wert. Angenommen, in Wahrheit gilt $p=0{,}2$. Dann ist der Nichtablehnungsbereich weiterhin $X\geq23$ und damit:

$$\beta(0{,}2)=P_{0{,}2}(X\geq23)\approx0{,}26107$$

Mit etwa $26{,}11\,\%$ Wahrscheinlichkeit würde der Test den Rückgang bei diesem konkreten Alternativwert übersehen.

Gut zu wissen

Ein kleineres $\alpha$ schützt stärker vor Fehlern 1. Art, vergrößert bei sonst gleichen Bedingungen aber häufig das Risiko eines Fehlers 2. Art. Ein größerer Stichprobenumfang kann beide Fehlerwahrscheinlichkeiten verringern.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum lässt sich der Fehler 2. Art hier nicht allein aus $H_1:p\lt0{,}3$ als eine Zahl angeben?
Lösung: Seine Wahrscheinlichkeit hängt davon ab, welcher konkrete Wert unter $0{,}3$ tatsächlich gilt. — Für jeden konkreten Alternativwert, etwa $p=0{,}2$, ergibt sich eine andere Wahrscheinlichkeit, im Nichtablehnungsbereich zu landen.
So löst du eine Testaufgabe Schritt für Schritt
  1. Bestimme Treffer, Trefferwahrscheinlichkeit $p$, Stichprobenumfang $n$ und Testgröße $X$.
  2. Formuliere die nachzuweisende Aussage als $H_1$ und ergänze $H_0$ mit Gleichheit.
  3. Lies aus $H_1$ die Testrichtung ab.
  4. Lege $\alpha$ vor der Auswertung fest.
  5. Bestimme den Ablehnungsbereich mit passenden Binomialwahrscheinlichkeiten.
  6. Ordne den beobachteten Wert ein oder vergleiche den gerichteten p-Wert mit $\alpha$.
  7. Formuliere die Entscheidung vorsichtig im Sachzusammenhang.
  8. Benenne mögliche Fehler; berechne $\beta$ nur für einen konkreten Alternativwert.
Teste dich
Frage 1 von 2MittelFür einen linksseitigen Test mit $n=100$, $p_0=0{,}3$ und $\alpha=0{,}05$ gilt $P(X\leq22)\approx0{,}04787$ und $P(X\leq23)\approx0{,}07553$. Welcher Ablehnungsbereich ist korrekt?
Lösung: $X\leq22$ — Links liegen kleine Trefferzahlen. 22 ist der größte Grenzwert, dessen kumulierte Wahrscheinlichkeit noch höchstens $5\,\%$ beträgt.
Frage 2 von 2SchwerIn derselben Situation werden 20 Treffer beobachtet. Welche Schlussfolgerung ist angemessen?
Lösung: $H_0$ wird verworfen; die Daten sprechen auf dem $5\,\%$-Niveau für $p\lt0{,}3$. — Da $20$ zum Ablehnungsbereich gehört, wird $H_0$ verworfen. Die Aussage bleibt eine risikobehaftete Testentscheidung, kein sicherer Beweis.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Hypothesentest
    • Hypothesen: $H_0$ mit Gleichheit, $H_1$ als Nachweisziel
    • Planung: Testrichtung und Signifikanzniveau festlegen
    • Entscheidung: Ablehnungsbereich oder p-Wert verwenden
    • Unsicherheit: Fehler 1. und 2. Art unterscheiden
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage über ein nicht signifikantes Ergebnis ist korrekt?
Lösung: $H_0$ wird nicht verworfen, aber dadurch nicht bewiesen. — Ein Test kontrolliert Irrtumsrisiken, liefert aber weder beim Verwerfen noch beim Nichtverwerfen absolute Sicherheit.
Frage 2 von 3MittelBei $H_1:p\lt0{,}4$ ist der beobachtete Wert $x$. Welche Form hat der p-Wert?
Lösung: $P_{0{,}4}(X\leq x)$ — Die Gegenhypothese zeigt nach links. Deshalb zählen der beobachtete und alle kleineren Werte als mindestens ebenso starker Gegenbeleg.
Frage 3 von 3SchwerEin Test verwirft $H_0$, obwohl $H_0$ in Wirklichkeit wahr ist. Was ist geschehen?
Lösung: Ein Fehler 1. Art — Das Verwerfen einer wahren Nullhypothese ist genau der Fehler 1. Art; seine Wahrscheinlichkeit wird durch $\alpha$ begrenzt.

Passend dazu