Mathematik

Binomialverteilung: Formel, Beispiele, Aufgaben

Binomialverteilung: Formel, Beispiele, Aufgaben
Binomialverteilung: Formel, Beispiele, Aufgaben
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Die Binomialverteilung beschreibt, wie wahrscheinlich 0, 1, 2, …, n Treffer in einer festen Zahl gleichartiger, unabhängiger Versuche sind. Du prüfst zuerst das Modell, übersetzt dann das Ereignis in eine Bedingung an die Trefferzahl $X$ und wählst die passende Rechnung.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wann passt die Binomialverteilung?

Stell dir vor, ein Würfel wird zehnmal geworfen. Als Treffer gilt eine Sechs, alle anderen Augenzahlen gelten als Nichttreffer. Die Zufallsvariable $X$ zählt die Treffer.

Definition

Bernoulli-Kette

Eine Bernoulli-Kette besteht aus wiederholten Versuchen mit genau zwei betrachteten Ausgängen: Treffer und Nichttreffer. Die Trefferwahrscheinlichkeit bleibt in jedem Versuch gleich, und die Versuche sind unabhängig.

Für eine Binomialverteilung müssen vier Bedingungen erfüllt sein:

  1. Die Anzahl der Versuche $n$ steht vorher fest.
  2. Jeder Versuch wird nur als Treffer oder Nichttreffer bewertet.
  3. Die Trefferwahrscheinlichkeit $p$ bleibt konstant.
  4. Die Versuche sind unabhängig: Ein Ergebnis verändert die Wahrscheinlichkeiten der folgenden Versuche nicht.

Beim zehnmaligen Würfeln gilt $n=10$ und $p=\frac16$. Alle vier Bedingungen sind erfüllt. Beim Ziehen aus einer Urne ohne Zurücklegen ändert sich dagegen meist die Zusammensetzung der Urne. Dann ändern sich die Wahrscheinlichkeiten, und die Versuche sind nicht unabhängig. Dieses Modell ist im Allgemeinen nicht binomialverteilt.

Merke

Zwei mögliche Ausgänge allein reichen nicht. Prüfe immer auch: festes $n$, konstantes $p$ und unabhängige Versuche.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Situation ist binomialverteilt?
Lösung: Eine faire Münze wird achtmal geworfen; $X$ zählt „Kopf“. — Bei acht Münzwürfen sind $n=8$ und $p=0{,}5$ fest, die Würfe sind unabhängig und jeder Wurf hat zwei betrachtete Ausgänge.
Wie entsteht die Formel für genau k Treffer?

Sei $X$ die Trefferzahl in $n$ Versuchen. Eine ganz bestimmte Reihenfolge mit $k$ Treffern und $n-k$ Nichttreffern hat die Wahrscheinlichkeit

$$p^k(1-p)^{n-k}.$$

Die Treffer können aber an verschiedenen Positionen liegen. Der Binomialkoeffizient zählt diese Anordnungen:

$$\binom nk=\frac{n!}{k!(n-k)!}.$$

Dabei bedeutet $n!=1\cdot2\cdot\ldots\cdot n$. Außerdem gilt $0!=1$. Weil jede der $\binom nk$ Anordnungen dieselbe Wahrscheinlichkeit besitzt, gilt für $k=0,1,\ldots,n$:

Definition

Binomialverteilung

Ist $X$ die Trefferzahl einer Bernoulli-Kette mit Länge $n$ und Trefferwahrscheinlichkeit $p$, dann gilt

$$P(X=k)=\binom nk p^k(1-p)^{n-k}.$$

Die beiden Teile der Formel haben verschiedene Aufgaben:

  • $\binom nk$ zählt, wie viele Trefferanordnungen möglich sind.
  • $p^k(1-p)^{n-k}$ berechnet die Wahrscheinlichkeit einer solchen Anordnung.
Beispiel

Ein Würfel wird zehnmal geworfen. Wie wahrscheinlich sind genau vier Sechsen?

Es gelten $n=10$, $p=\frac16$ und $k=4$. Somit:

$$P(X=4)=\binom{10}{4}\left(\frac16\right)^4\left(\frac56\right)^6.$$

Der Koeffizient ist

$$\binom{10}{4}=\frac{10!}{4!\cdot6!}=210.$$

Also

$$P(X=4)=210\left(\frac16\right)^4\left(\frac56\right)^6=\frac{546875}{10077696}\approx0{,}0543.$$

Genau vier Sechsen treten damit mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa $5{,}43\,\%$ auf.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelBei vier unabhängigen Versuchen gilt $p=\frac13$. Welcher Term berechnet genau zwei Treffer?
Lösung: $\binom42\left(\frac13\right)^2\left(\frac23\right)^2$ — Bei genau zwei Treffern gibt es auch genau zwei Nichttreffer. Der vollständige Wert ist $\frac8{27}\approx0{,}296$.
Wie übersetzt du höchstens und mindestens?

Die Trefferzahl $X$ ist ganzzahlig. Wörter in der Aufgabe bestimmen, welche Einzelwahrscheinlichkeiten zum Ereignis gehören:

FormulierungBedingungRechenidee
genau $r$$X=r$eine Einzelwahrscheinlichkeit
höchstens $r$$X\le r$von $0$ bis $r$ summieren
weniger als $r$$X\lt r$, also $X\le r-1$von $0$ bis $r-1$ summieren
mindestens $r$$X\ge r$oft $1-P(X\le r-1)$
mehr als $r$$X\gt r$, also $X\ge r+1$oft $1-P(X\le r)$
Beispiel

In vier unabhängigen Versuchen beträgt die Trefferwahrscheinlichkeit $p=\frac13$. Wie wahrscheinlich sind mindestens zwei Treffer?

Das Gegenereignis lautet „höchstens ein Treffer“:

$$P(X\ge2)=1-P(X\le1).$$

Damit:

$$P(X\ge2)=1-P(X=0)-P(X=1).$$

$$P(X\ge2)=1-\left(\frac23\right)^4-\binom41\left(\frac13\right)\left(\frac23\right)^3=\frac{11}{27}\approx0{,}407.$$

Die Wahrscheinlichkeit für mindestens zwei Treffer beträgt also etwa $40{,}7\,\%$.

Gut zu wissen

Bei einem Intervall kannst du ebenfalls kumulierte Wahrscheinlichkeiten nutzen. Zum Beispiel gilt für ganzzahliges $X$: $P(1\lt X\lt4)=P(X\le3)-P(X\le1)$.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Gegenereignis gehört zu „mindestens drei Treffer“?
Lösung: Höchstens zwei Treffer — $X\ge3$ und $X\le2$ schließen sich aus und erfassen zusammen alle möglichen Trefferzahlen.
Frage 2 von 2MittelWelche Rechnung passt zu „mehr als zwei Treffer“?
Lösung: $1-P(X\le2)$ — „Mehr als zwei“ bedeutet $X\ge3$. Das Gegenereignis ist $X\le2$.
Was sagen Erwartungswert und Streuung?

Eine vollständige Verteilung ordnet jeder Trefferzahl von $0$ bis $n$ ihre Wahrscheinlichkeit zu. In einem Histogramm steht die Trefferzahl auf der waagerechten Achse; die Säulenhöhe zeigt die jeweilige Wahrscheinlichkeit.

Der Erwartungswert beschreibt die Trefferzahl, die sich langfristig im Mittel ergibt:

$$E(X)=np.$$

Die Varianz misst die Streuung um diesen Mittelwert:

$$V(X)=np(1-p).$$

Die Standardabweichung besitzt dieselbe Einheit wie $X$ und ist die Wurzel der Varianz:

$$\sigma=\sqrt{V(X)}=\sqrt{np(1-p)}.$$

Beispiel

Für $n=4$ und $p=\frac13$ gilt:

$$E(X)=4\cdot\frac13=\frac43,$$

$$V(X)=4\cdot\frac13\cdot\frac23=\frac89,$$

$$\sigma=\sqrt{\frac89}=\frac{2\sqrt2}{3}\approx0{,}943.$$

Der Erwartungswert $\frac43$ bedeutet nicht, dass in einem einzelnen Durchgang genau $1{,}33$ Treffer möglich wären. Trefferzahlen sind ganzzahlig. Über viele gleichartige Viererserien liegt der Durchschnitt aber nahe $1{,}33$ Treffern pro Serie.

Bei einer fairen Münze mit $p=0{,}5$ ist das Histogramm symmetrisch. Bei zehn Würfen liegt der Erwartungswert bei $10\cdot0{,}5=5$ Treffern; die größte Säule liegt in der Mitte.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Trefferzahl hat $n=20$ und $p=0{,}3$. Wie deutest du $E(X)=6$ richtig?
Lösung: In vielen gleichartigen Serien werden langfristig durchschnittlich etwa sechs Treffer pro Serie erzielt. — $E(X)=np=20\cdot0{,}3=6$. Einzelne Serien können deutlich weniger oder mehr Treffer liefern.
Frage 2 von 2SchwerZwei binomialverteilte Trefferzahlen haben beide den Erwartungswert $10$. Für Modell A gilt $n=20$, $p=0{,}5$ und $V(X)=5$. Für Modell B gilt $n=50$, $p=0{,}2$ und $V(X)=8$. Was bedeutet die größere Varianz von Modell B?
Lösung: Die Trefferzahlen von Modell B streuen stärker um den gemeinsamen Erwartungswert. — Je größer Varianz und Standardabweichung sind, desto breiter verteilen sich die möglichen Trefferzahlen um den Erwartungswert. Hier ist auch $\sigma_B=\sqrt8$ größer als $\sigma_A=\sqrt5$.
Eine Sachsituation vollständig lösen

Gehe bei Aufgaben immer in derselben Reihenfolge vor:

  1. Lege Treffer und Nichttreffer fest.
  2. Prüfe die vier Binomialbedingungen.
  3. Notiere $n$, $p$ und die Zufallsvariable $X$.
  4. Übersetze die Formulierung in ein Ereignis.
  5. Rechne und deute das Ergebnis im Kontext.
Beispiel

Eine Spielerin trifft einen Freiwurf mit Wahrscheinlichkeit $p=0{,}7$. Sie wirft unter gleichbleibenden Bedingungen zehnmal; die Ergebnisse werden als unabhängig modelliert. Wie wahrscheinlich sind mindestens acht Treffer?

Treffer ist „Freiwurf gelingt“. Es gelten $n=10$, $p=0{,}7$ und $X=$ Anzahl der Treffer. Gesucht ist $P(X\ge8)$:

$$P(X\ge8)=P(X=8)+P(X=9)+P(X=10).$$

$$P(X\ge8)=\binom{10}{8}0{,}7^8 0{,}3^2+\binom{10}{9}0{,}7^9 0{,}3+0{,}7^{10}.$$

$$P(X\ge8)=\frac{478478483}{1250000000}\approx0{,}3828.$$

Unter dem gewählten Modell beträgt die Wahrscheinlichkeit für mindestens acht Treffer etwa $38{,}28\,\%$.

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Frage 1 von 1SchwerEine Maschine produziert nacheinander 50 Teile. Die Fehlerwahrscheinlichkeit steigt während der Schicht. Warum darfst du die gesamte Serie nicht ohne Weiteres binomialverteilt modellieren?
Lösung: Die Trefferwahrscheinlichkeit $p$ ist nicht konstant. — Zwei Ausgänge passen zwar, aber veränderliches $p$ verletzt eine notwendige Modellbedingung.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Binomialverteilung
    • Modell prüfen: festes n, konstantes p, Unabhängigkeit, zwei Ausgänge
    • Zufallsvariable X: zählt Treffer von 0 bis n
    • Genau k: Binomialkoeffizient mal Pfadwahrscheinlichkeit
    • Bereiche: Einzelwahrscheinlichkeiten summieren oder Gegenereignis nutzen
    • Lage: Erwartungswert np
    • Streuung: Varianz np(1-p) und Standardabweichung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Aussage ist notwendig, damit $X$ binomialverteilt ist?
Lösung: Die Trefferwahrscheinlichkeit bleibt in allen Versuchen gleich. — Zur Binomialverteilung gehören festes $n$, zwei betrachtete Ausgänge, konstantes $p$ und unabhängige Versuche.
Frage 2 von 4MittelFür $n=4$ und $p=\frac13$: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für genau zwei Treffer?
Lösung: $\frac8{27}$ — $P(X=2)=\binom42\left(\frac13\right)^2\left(\frac23\right)^2=6\cdot\frac19\cdot\frac49=\frac8{27}$.
Frage 3 von 4SchwerEine Aufgabe fragt nach „weniger als vier Treffern“. Welche Bedingung ist gleichbedeutend?
Lösung: $X\le3$ — Weil $X$ nur ganzzahlige Werte annimmt, bedeutet $X\lt4$ genau dasselbe wie $X\le3$.
Frage 4 von 4SchwerBei einer Modellprüfung sind $n$ und $p$ fest, aber frühe Treffer machen spätere Treffer wahrscheinlicher. Was folgt?
Lösung: Das Modell ist nicht binomialverteilt, weil die Versuche abhängig sind. — Wenn ein Ergebnis spätere Wahrscheinlichkeiten beeinflusst, fehlt die Unabhängigkeit. Die Binomialformel darf dann nicht einfach verwendet werden.

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