Mathematik

Konfidenzintervall für Anteile berechnen

Konfidenzintervall für Anteile berechnen
Konfidenzintervall für Anteile berechnen
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Ein Konfidenzintervall grenzt eine unbekannte Trefferwahrscheinlichkeit oder einen unbekannten Anteil $p$ mithilfe einer Stichprobe ein. Du berechnest zuerst den beobachteten Anteil $h$ und ergänzt dann einen Sicherheitsabstand nach unten und oben. Auf dieser Seite lernst du das normalapproximierte, symmetrische Intervall kennen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom Stichprobenergebnis zum unbekannten Anteil

Angenommen, du befragst $n$ zufällig ausgewählte Personen. $X$ von ihnen stimmen einer Aussage zu. Dann ist

$$h=\frac{X}{n}$$

der Stichprobenanteil. Er ist die Punktschätzung für den unbekannten Anteil $p$ in der gesamten Grundgesamtheit.

Definition

Konfidenzintervall

Ein Konfidenzintervall ist ein aus Stichprobendaten berechneter Bereich für einen unbekannten Parameter. Hier ist der Parameter der Anteil $p$ in der Grundgesamtheit.

Eine andere Stichprobe liefert meist einen anderen Wert für $h$. Das Intervall macht diese Stichprobenunsicherheit sichtbar: Ein schmales Intervall schätzt genauer als ein breites.

Beispiel

Von $500$ Befragten stimmen $300$ zu. Damit ist $h=300/500=0{,}60$. Die Punktschätzung für $p$ beträgt also $60\,\%$.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas beschreibt $h=0{,}60$?
Lösung: In der Stichprobe stimmen 60 % zu. — $h$ beschreibt zunächst nur die beobachtete relative Häufigkeit in der Stichprobe.
So entsteht das symmetrische Intervall

Für ein zweiseitiges Konfidenzniveau von $95\,\%$ wird meist der kritische Wert $z=1{,}96$ verwendet. Die verbleibenden $5\,\%$ verteilen sich auf beide Seiten der Standardnormalverteilung.

Das normalapproximierte Intervall für einen Anteil lautet:

$$\left[h-z\sqrt{\frac{h(1-h)}{n}}\;\mathbin{;}\;h+z\sqrt{\frac{h(1-h)}{n}}\right]$$

Der Ausdruck unter der Wurzel bestimmt den Standardfehler. Multipliziert mit $z$ ergibt er die halbe Intervallbreite, also den Sicherheitsabstand $m$:

$$m=z\sqrt{\frac{h(1-h)}{n}}$$

Danach gilt kurz: Intervall $=[h-m;h+m]$.

Merke

Schätzwert plus und minus Sicherheitsabstand: Diese Struktur hilft dir, Mittelpunkt und Grenzen nicht zu verwechseln.

Die Formel ist eine Normalapproximation. Sie setzt eine hinreichend große Stichprobe voraus. Liegen nur sehr wenige Treffer oder sehr wenige Nichttreffer vor, kann diese symmetrische Näherung unzuverlässig sein. Außerdem muss das Ergebnis im möglichen Anteilsbereich von $0$ bis $1$ geprüft werden.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Aus $X$ Treffern unter $n$ Beobachtungen folgt $h=$. Für ein 95-%-Intervall ist der kritische Wert . Der Sicherheitsabstand wird bei größerem $n$ .

Lösungen: Lücke 1: X/n; Lücke 2: 1,96; Lücke 3: kleiner. Erst bestimmst du $h=X/n$. Dann verwendest du $z=1{,}96$; der Faktor $1/\sqrt{n}$ lässt den Sicherheitsabstand mit wachsendem $n$ sinken.
Ein vollständiges Beispiel

Bei einer Befragung unterstützen $60\,\%$ von $n=500$ Personen eine Fußgängerzone. Gesucht ist das normalapproximierte 95-%-Konfidenzintervall für den unbekannten Anteil $p$.

Beispiel

1. Angaben ordnen: $h=0{,}60$, $n=500$ und $z=1{,}96$.

2. Sicherheitsabstand berechnen:

$$m=1{,}96\sqrt{\frac{0{,}60\cdot0{,}40}{500}}\approx0{,}043$$

Das sind rund $4{,}3$ Prozentpunkte.

3. Grenzen bilden:

$$0{,}60-0{,}043\approx0{,}557$$

$$0{,}60+0{,}043\approx0{,}643$$

4. Ergebnis angeben: Das Intervall ist gerundet $[0{,}557;0{,}643]$, also $[55{,}7\,\%;64{,}3\,\%]$.

5. Plausibilität prüfen: Der Mittelpunkt ist $60\,\%$, beide Grenzen sind gleich weit davon entfernt und liegen zwischen $0\,\%$ und $100\,\%$.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelVon 400 Befragten nennen 80 eine Partei. Welcher Stichprobenanteil gehört in die Intervallformel?
Lösung: $h=0{,}20$ — Die Punktschätzung lautet $h=X/n=80/400=0{,}20$.
Frage 2 von 2MittelEin 95-%-Intervall hat den Mittelpunkt $0{,}60$ und den Sicherheitsabstand $0{,}043$. Welche Grenzen sind richtig?
Lösung: $[0{,}557;0{,}643]$ — Rechne symmetrisch: $0{,}60-0{,}043$ und $0{,}60+0{,}043$.
Was 95 % Konfidenz bedeutet

Das Konfidenzniveau beschreibt die Zuverlässigkeit des Verfahrens. Würdest du sehr oft gleichartige Zufallsstichproben ziehen und jedes Mal nach demselben Verfahren ein 95-%-Intervall berechnen, würden ungefähr 95 % dieser Intervalle den festen wahren Anteil $p$ überdecken.

Nach der Stichprobe sind die beiden berechneten Grenzen fest. Deshalb ist die Aussage „Mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt $p$ in genau diesem Intervall“ als Deutung des klassischen Verfahrens ungenau. Sachgerecht ist: Das Intervall wurde mit einem Verfahren erzeugt, das den wahren Parameter langfristig zu 95 % überdeckt.

Das Intervall garantiert außerdem nicht, dass die Stichprobe die Grundgesamtheit gut abbildet. Eine große, aber verzerrte Auswahl kann ein schmales und dennoch irreführendes Intervall liefern.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEine Online-Umfrage erreicht fast nur Mitglieder eines Sportvereins. Warum löst ein enges 95-%-Intervall das Problem nicht?
Lösung: Das Intervall erfasst Stichprobenstreuung, aber keine systematische Verzerrung der Auswahl. — Das Rechenverfahren setzt passende Stichprobendaten voraus. Auswahlfehler verschwinden nicht durch ein hohes Konfidenzniveau oder eine große Stichprobe.
Wovon die Breite abhängt

Die Intervalllänge des symmetrischen Näherungsintervalls ist

$$L=2z\sqrt{\frac{h(1-h)}{n}}$$

Daraus kannst du drei Einflüsse ablesen:

  • Größeres $n$: Der Standardfehler sinkt; das Intervall wird schmaler.
  • Höheres Konfidenzniveau: Der kritische Wert $z$ steigt; das Intervall wird breiter.
  • Anteil näher bei $0{,}5$: Das Produkt $h(1-h)$ wird größer; bei gleichem $n$ und $z$ wird das Intervall breiter.
Gut zu wissen

Mehr Sicherheit und mehr Genauigkeit sind bei unveränderten Daten Gegenspieler: Ein höheres Konfidenzniveau liefert mehr Verfahrenssicherheit, aber ein breiteres Intervall. Mehr Beobachtungen können das Intervall dagegen bei gleichem Konfidenzniveau verengen.

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Frage 1 von 2MittelZwei Institute beobachten denselben Anteil und verwenden beide 95 % Konfidenz. Institut B hat die größere Zufallsstichprobe. Welches Intervall ist normalerweise schmaler?
Lösung: Das Intervall von Institut B. — Bei gleichem Anteil und gleichem Konfidenzniveau senkt das größere $n$ den Standardfehler.
Frage 2 von 2SchwerEin 90-%- und ein 99-%-Intervall werden aus denselben Daten berechnet. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Das 99-%-Intervall ist breiter. — Gleiche Daten bedeuten gleiches $h$ und $n$, aber das höhere Niveau hat den größeren kritischen Wert.
Typische Fehler sicher vermeiden
  1. Parameter verwechseln: Für einen Anteil verwendest du $h$ und die Anteilsformel. Ein Intervall für einen Mittelwert braucht eine andere Formel mit Mittelwert und Standardabweichung.
  2. Prozent und Dezimalzahl mischen: Setze $60\,\%$ als $0{,}60$ ein. Wandle das Endergebnis anschließend wieder in Prozent um.
  3. Nur eine Grenze berechnen: Ein symmetrisches Intervall braucht $h-m$ und $h+m$.
  4. Prozentpunkte übersehen: Von $60\,\%$ auf $64{,}3\,\%$ sind es $4{,}3$ Prozentpunkte, nicht $4{,}3\,\%$ von $60\,\%$.
  5. Sicherheit behaupten: Das Intervall ist keine Garantie für den konkreten Parameterwert und korrigiert keine verzerrte Stichprobe.
Merke

Prüfe am Ende Parameter, Einheit, Symmetrie, möglichen Wertebereich und sachgerechte Deutung.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Rechnung liefert die obere Grenze $0{,}643$. Wie gibst du sie in Prozent an?
Lösung: $64{,}3\,\%$ — $0{,}643\cdot100\,\%=64{,}3\,\%$.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Konfidenzintervall für einen Anteil
    • Ausgangspunkt: Trefferzahl $X$ und Stichprobengröße $n$
    • Punktschätzung: $h=X/n$
    • Berechnung: $h$ plus und minus Sicherheitsabstand
    • Präzision: größeres $n$ ergibt meist ein schmaleres Intervall
    • Sicherheit: höheres Niveau ergibt ein breiteres Intervall
    • Prüfung: Wertebereich, Auswahl und Deutung kontrollieren
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe ist bei einer binomialen Stichprobe der direkte Schätzwert für $p$?
Lösung: Der Stichprobenanteil $h=X/n$. — Der beobachtete Anteil $h$ schätzt den unbekannten Grundgesamtheitsanteil $p$.
Frage 2 von 3MittelEin 95-%-Intervall ist $[0{,}23;0{,}29]$. Was sind Mittelpunkt und halbe Breite?
Lösung: Mittelpunkt $0{,}26$, halbe Breite $0{,}03$. — Der Mittelpunkt ist $(0{,}23+0{,}29)/2=0{,}26$; die halbe Breite ist $(0{,}29-0{,}23)/2=0{,}03$.
Frage 3 von 3SchwerInstitut 1 meldet $[0{,}23;0{,}29]$, Institut 2 aus demselben Stichprobenanteil $[0{,}24;0{,}28]$. Beide nutzen dieselbe Methode. Was folgt bei gleichem Konfidenzniveau?
Lösung: Institut 2 hat die größere Stichprobe. — Das zweite Intervall ist schmaler. Bei gleichem Anteil und Konfidenzniveau spricht das für einen kleineren Standardfehler und damit ein größeres $n$.

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