Mathematik

Normalverteilung: Glockenkurve und Sigma-Regeln

Normalverteilung: Glockenkurve und Sigma-Regeln
Normalverteilung: Glockenkurve und Sigma-Regeln
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Die Normalverteilung beschreibt stetige Zufallsgrößen, deren Werte sich symmetrisch um einen Mittelwert häufen. Wahrscheinlichkeiten entsprechen dabei Flächen unter einer Glockenkurve. Du kannst sie mithilfe der Sigma-Regeln abschätzen oder durch Standardisierung berechnen.

Deine Lernziele

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Die Glockenkurve verstehen

Stell dir vor, viele gleichartige Kerzen werden unter ähnlichen Bedingungen hergestellt. Ihre Brenndauern sind nicht alle gleich: Viele liegen nahe am Durchschnitt, sehr kurze oder sehr lange Brenndauern kommen seltener vor. Ein symmetrisches Histogramm solcher Messwerte kann an eine Glocke erinnern.

Definition

Normalverteilung

Eine Normalverteilung ist eine stetige Wahrscheinlichkeitsverteilung mit einer symmetrischen, glockenförmigen Dichtekurve. Sie wird vollständig durch den Erwartungswert μ und die Standardabweichung σ bestimmt.

Stetig bedeutet: Die Zufallsgröße kann grundsätzlich jeden reellen Wert in einem Bereich annehmen. Zwischen 48 g und 49 g liegen beispielsweise noch 48,1 g, 48,12 g und unendlich viele weitere mögliche Messwerte.

Die Glockenkurve hat einen Gipfel bei μ. Nach links und rechts fällt sie ab und nähert sich der waagerechten Achse an. Die gesamte Fläche unter ihr beträgt 1, also 100 %.

Merke

Eine Glockenform in einem Histogramm ist ein Hinweis auf eine mögliche Normalverteilung, aber noch kein Beweis. Eine große Datenmenge allein macht Daten ebenfalls nicht automatisch normalverteilt.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung passt zu einer Normalverteilung?
Lösung: Viele Werte liegen nahe am Mittelwert, extreme Werte sind seltener, und die Verteilung ist symmetrisch. — Eine Normalverteilung ist stetig, symmetrisch und besitzt einen Gipfel beim Erwartungswert.
So verändern μ und σ die Kurve

Der Erwartungswert μ legt die Lage der Glocke fest. Er ist zugleich ihr Symmetriezentrum und die Stelle ihres höchsten Punkts.

Die Standardabweichung σ beschreibt die typische Streuung um μ. Die Varianz ist das Quadrat der Standardabweichung, also $σ^2$.

  • Ein größeres μ verschiebt die gesamte Kurve nach rechts.
  • Ein kleineres μ verschiebt sie nach links.
  • Ein größeres σ macht die Kurve breiter und flacher.
  • Ein kleineres σ macht sie schmaler und höher.

Eine verbreitete Schreibweise ist $X \sim N(μ,σ^2)$. Dabei steht der zweite Parameter für die Varianz. Prüfe bei anderen Schreibweisen immer, ob als zweiter Parameter σ oder $σ^2$ gemeint ist.

Beispiel

Zwei Maschinen füllen Packungen im Mittel mit 500 g. Bei Maschine A schwanken die Füllmengen weniger als bei Maschine B.

Beide Verteilungen haben dasselbe μ und deshalb denselben Mittelpunkt. Maschine A besitzt das kleinere σ: Ihre Glocke ist schmaler und höher. Maschine B besitzt das größere σ: Ihre Glocke ist breiter und flacher.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Der Parameter bestimmt die Lage der Glocke. Der Parameter beschreibt ihre Streuung. Ein größeres σ führt zu einer Kurve. Der höchste Punkt liegt bei .

Lösungen: Lücke 1: μ; Lücke 2: σ; Lücke 3: breiteren; Lücke 4: μ. Trenne Lage und Streuung: μ verschiebt die Glocke, während σ ihre Breite verändert.
Wahrscheinlichkeiten als Flächen deuten

Die Kurvenhöhe an einer Stelle ist keine Wahrscheinlichkeit. Erst die Fläche unter der Kurve über einem Intervall gibt an, wie wahrscheinlich Werte in diesem Intervall sind.

Die Verteilungsfunktion $F(b)$ sammelt die gesamte Fläche links von b:

$$F(b)=P(X\le b)$$

Für ein Intervall von a bis b wird die kleinere linke Fläche von der größeren abgezogen:

$$P(a\le X\le b)=F(b)-F(a)$$

Da die Normalverteilung stetig ist, gilt für jeden einzelnen Wert a:

$$P(X=a)=0$$

Das bedeutet nicht, dass ein Messwert unmöglich ist. Ein einzelner Punkt besitzt lediglich keine Fläche. Bei realen Messungen fragt man deshalb nach einem Intervall, etwa von 59,5 kg bis 60,5 kg.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas stellt eine Wahrscheinlichkeit bei einer Normalverteilung dar?
Lösung: Eine Fläche unter der Dichtekurve — Bei stetigen Verteilungen werden Wahrscheinlichkeiten durch Flächen bestimmt.
Frage 2 von 2MittelWie berechnest du $P(a\le X\le b)$ aus der Verteilungsfunktion?
Lösung: $F(b)-F(a)$ — Ziehe den Verteilungswert an der unteren Grenze vom Verteilungswert an der oberen Grenze ab.
Durch Standardisierung rechnen

Für Normalverteilungen mit verschiedenen Mittelwerten und Streuungen wäre jeweils eine eigene Tabelle nötig. Deshalb wird ein Wert x in einen z-Wert umgerechnet:

$$z=\frac{x-μ}{σ}$$

Der z-Wert gibt an, wie viele Standardabweichungen x vom Erwartungswert entfernt liegt:

  • $z=0$: x liegt genau bei μ.
  • $z=1$: x liegt eine Standardabweichung über μ.
  • $z=-2$: x liegt zwei Standardabweichungen unter μ.

Nach der Standardisierung entsteht die Standardnormalverteilung mit Erwartungswert 0 und Standardabweichung 1. Ihre Verteilungsfunktion heißt $Φ$. Dabei ist

$$Φ(z)=P(Z\le z).$$

Wegen der Symmetrie gilt:

$$Φ(-z)=1-Φ(z)$$

Beispiel

Die Brenndauer X einer Kerze sei normalverteilt mit $μ=40$ Stunden und $σ=7$ Stunden. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit für eine Brenndauer zwischen 33 und 47 Stunden.

1. Grenzen standardisieren:

$$z_1=\frac{33-40}{7}=-1$$

$$z_2=\frac{47-40}{7}=1$$

2. Tabellenwerte verwenden:

$Φ(1)=0{,}84134$. Wegen der Symmetrie ist

$$Φ(-1)=1-0{,}84134=0{,}15866.$$

3. Flächendifferenz bilden:

$$P(33\le X\le47)=0{,}84134-0{,}15866=0{,}68268.$$

Die Kerze brennt mit einer Wahrscheinlichkeit von ungefähr 68,27 % zwischen 33 und 47 Stunden. Das Ergebnis ist plausibel: Das Intervall reicht genau von $μ-σ$ bis $μ+σ$.

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Frage 1 von 2MittelFür eine normalverteilte Größe gelten $μ=40$ und $σ=7$. Welchen z-Wert hat $x=47$?
Lösung: $z=1$ — Es gilt $z=(47-40)/7=1$. Der Wert liegt eine Standardabweichung über dem Erwartungswert.
Frage 2 von 2MittelWarum werden bei einer Intervallwahrscheinlichkeit zwei Φ-Werte voneinander abgezogen?
Lösung: Dadurch bleibt genau die Fläche zwischen den beiden Grenzen übrig. — $Φ(z_2)$ enthält die gesamte Fläche links der oberen Grenze. Nach dem Abzug von $Φ(z_1)$ bleibt die Fläche zwischen den Grenzen.
Mit Sigma-Regeln schätzen und Modelle prüfen

Für eine Normalverteilung liefern symmetrische Bereiche um μ schnelle Näherungen:

  • Zwischen $μ-σ$ und $μ+σ$ liegen ungefähr 68 % der Werte.
  • Zwischen $μ-2σ$ und $μ+2σ$ liegen ungefähr 95 % der Werte.
  • Zwischen $μ-3σ$ und $μ+3σ$ liegen ungefähr 99,7 % der Werte.
Merke

Je weiter ein Wert bei einer Normalverteilung von μ entfernt liegt, desto ungewöhnlicher ist er. Ein ungewöhnlicher Wert ist aber nicht automatisch falsch.

Ist das Modell passend?

Eine Normalverteilung kann als Näherungsmodell sinnvoll sein, wenn eine stetige Messgröße untersucht wird und die Daten ungefähr

  • einen einzelnen Gipfel besitzen,
  • links und rechts vom Mittelwert ähnlich verlaufen,
  • nahe am Mittelwert gehäuft sind und
  • mit wachsendem Abstand vom Mittelwert seltener werden.

Starke Schiefe, mehrere deutlich getrennte Gipfel oder feste Begrenzungen mit vielen Randwerten sprechen gegen eine einfache Normalverteilung. Entscheidend sind daher die Situation und die Verteilungsform, nicht nur die Anzahl der Messungen.

Beispiel

Die Durchmesser vieler Schrauben aus einem stabilen Herstellungsprozess werden gemessen. Das Histogramm ist annähernd symmetrisch, besitzt einen Gipfel nahe dem Mittelwert und fällt zu beiden Seiten ähnlich ab.

Diese Beobachtungen sprechen dafür, die Normalverteilung als Näherungsmodell zu prüfen. Sie beweisen jedoch nicht, dass die Durchmesser exakt normalverteilt sind.

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Frage 1 von 2MittelFür eine Messgröße gelten $μ=100$ und $σ=4$. Welcher Bereich enthält nach der 95-%-Faustregel ungefähr 95 % der Werte?
Lösung: Von 92 bis 108 — Für ungefähr 95 % verwendest du $μ\pm2σ=100\pm8$.
Frage 2 von 2SchwerWelche Beobachtung stützt die Wahl einer Normalverteilung am stärksten?
Lösung: Das Histogramm einer stetigen Messgröße ist eingipflig und annähernd symmetrisch. — Die Form der Datenverteilung und der sachliche Entstehungsprozess sind entscheidend für die Modellwahl.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Normalverteilung
    • Form: stetig, glockenförmig und symmetrisch
    • Lage: μ bestimmt Mittelpunkt und Gipfel
    • Streuung: σ bestimmt Breite und Höhe
    • Wahrscheinlichkeit: Fläche unter der Dichtekurve
    • Berechnung: standardisieren und Φ-Werte vergleichen
    • Schnellschätzung: 68–95–99,7-Regel
    • Modellprüfung: Situation und Histogramm gemeinsam beurteilen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 5LeichtWas geschieht, wenn bei gleichem μ die Standardabweichung σ größer wird?
Lösung: Die Glocke wird breiter und flacher. — σ verändert die Streuung. Die Gesamtfläche bleibt stets 1.
Frage 2 von 5MittelEine normalverteilte Zufallsgröße hat $μ=50$ und $σ=5$. Welchen z-Wert besitzt $x=40$?
Lösung: $z=-2$ — $z=(40-50)/5=-10/5=-2$. Der Wert liegt zwei Standardabweichungen unter μ.
Frage 3 von 5MittelWelche Aussage über einen einzelnen Wert a ist bei einer Normalverteilung richtig?
Lösung: $P(X=a)=0$, weil ein einzelner Punkt keine Fläche besitzt. — Für stetige Zufallsgrößen werden nur Intervalle durch Flächen mit positiver Wahrscheinlichkeit beschrieben.
Frage 4 von 5SchwerFür $X$ gelten $μ=100$ und $σ=10$. Die Grenzen 90 und 120 haben die z-Werte $-1$ und $2$. Gegeben sind $Φ(-1)=0{,}15866$ und $Φ(2)=0{,}97725$. Wie groß ist $P(90\le X\le120)$?
Lösung: $0{,}81859$, also ungefähr $81{,}86\,\%$ — Es gilt $P(90\le X\le120)=Φ(2)-Φ(-1)=0{,}97725-0{,}15866=0{,}81859$.
Frage 5 von 5SchwerEin Histogramm ist stark rechtsschief und besitzt einen langen rechten Ausläufer. Wie solltest du urteilen?
Lösung: Eine einfache Normalverteilung ist wegen der fehlenden Symmetrie wahrscheinlich kein passendes Modell. — Das Verändern von μ oder σ kann eine symmetrische Glocke verschieben oder verbreitern, aber keine starke Schiefe erklären.

Du beherrschst den Kernweg, wenn du bei einer neuen Situation zuerst die Modellform prüfst, danach μ und σ deutest und Wahrscheinlichkeiten schließlich als Flächen berechnest oder mit den Sigma-Regeln abschätzt.

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