Mathematik

Dichtefunktion: Bedingungen, Flächen und Beispiele

Dichtefunktion: Bedingungen, Flächen und Beispiele
Dichtefunktion: Bedingungen, Flächen und Beispiele
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Eine Dichtefunktion beschreibt, wie sich die Wahrscheinlichkeit einer stetigen Zufallsgröße verteilt. Entscheidend ist nicht die Höhe an einem einzelnen Punkt, sondern die Fläche unter dem Graphen über einem Intervall.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was eine Dichte aussagt

Stell dir vor, du misst eine Laufzeit beliebig genau. Zwischen 12 und 13 Sekunden liegen unendlich viele mögliche Werte. Deshalb verteilt man die Wahrscheinlichkeit nicht auf einzelne Zahlen, sondern auf Intervalle.

Definition

Dichtefunktion

Eine Funktion $f$ ist eine Wahrscheinlichkeitsdichte, wenn

  1. $f(x)\ge 0$ für alle betrachteten Werte gilt und
  2. die gesamte Fläche unter ihrem Graphen 1 ist:

$$\int_{-\infty}^{\infty} f(x)\,dx=1.$$

Für ein Intervall von $a$ bis $b$ gilt dann:

$$P(a\le X\le b)=\int_a^b f(x)\,dx.$$

Ein großer Wert von $f(x)$ bedeutet: In der Umgebung von $x$ liegt vergleichsweise viel Wahrscheinlichkeit. Die Höhe $f(x)$ selbst ist aber keine Wahrscheinlichkeit. Sie kann sogar größer als 1 sein, solange die Gesamtfläche 1 bleibt.

Beispiel

Auf dem Intervall $[0;0{,}5]$ sei $f(x)=2$, außerhalb davon sei $f(x)=0$.

Die Dichte ist höher als 1. Trotzdem ist ihre Gesamtfläche

$$\int_0^{0{,}5}2\,dx=2\cdot0{,}5=1.$$

Damit erfüllt sie beide Dichtebedingungen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas stellt die Wahrscheinlichkeit $P(1\le X\le2)$ im Dichtegraphen dar?
Lösung: Die Fläche unter dem Graphen zwischen 1 und 2 — Eine Intervallwahrscheinlichkeit ist das Integral der Dichte über genau dieses Intervall.
So prüfst du eine mögliche Dichte

Bei einer vorgegebenen Funktion brauchst du immer beide Prüfungen. Eine nichtnegative Funktion kann die falsche Gesamtfläche haben; eine Funktion mit Integral 1 kann stellenweise negativ sein.

Gegeben sei für $0\le x\le3$:

$$f(x)=-\frac{2}{9}x^2+\frac{2}{3}x,$$

außerhalb von $[0;3]$ sei $f(x)=0$.

Schritt 1: Nichtnegativität prüfen

Faktorisiere den Term:

$$f(x)=\frac{2}{9}x(3-x).$$

Auf $[0;3]$ sind sowohl $x$ als auch $3-x$ nichtnegativ. Also gilt dort $f(x)\ge0$. Außerhalb ist $f(x)=0$ und damit ebenfalls nichtnegativ.

Schritt 2: Gesamtfläche prüfen

Eine Stammfunktion ist

$$F_0(x)=-\frac{2}{27}x^3+\frac{1}{3}x^2.$$

Damit erhältst du

$$\int_0^3 f(x)\,dx=F_0(3)-F_0(0)=-2+3=1.$$

Die Funktion ist also tatsächlich eine Dichtefunktion.

Merke

Dichte-Test: zuerst überall $f(x)\ge0$ prüfen, dann die Gesamtfläche $\int f(x)\,dx=1$. Erst wenn beides stimmt, liegt eine Dichte vor.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Funktion ist überall nichtnegativ, ihre Gesamtfläche beträgt aber $1{,}2$. Was folgt daraus?
Lösung: Sie ist keine Dichtefunktion. — Eine Wahrscheinlichkeitsdichte muss beide Bedingungen gleichzeitig erfüllen. Eine Gesamtfläche von $1{,}2$ widerspricht der Normierung.
Wahrscheinlichkeiten als Flächen berechnen

Verwende nun dieselbe Dichte. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit, dass $X$ mindestens 2 beträgt. Da außerhalb von $[0;3]$ keine Dichte liegt, integrierst du von 2 bis 3:

$$P(X\ge2)=\int_2^3\left(-\frac{2}{9}x^2+\frac{2}{3}x\right)dx.$$

Setze die Grenzen in die Stammfunktion $F_0$ ein:

$$F_0(3)=1,$$

$$F_0(2)=-\frac{16}{27}+\frac{4}{3}=\frac{20}{27}.$$

Also gilt

$$P(X\ge2)=1-\frac{20}{27}=\frac{7}{27}\approx0{,}259.$$

Im Kontext bedeutet das: Mit einer Wahrscheinlichkeit von ungefähr $25{,}9\,\%$ nimmt $X$ einen Wert von mindestens 2 an.

Gut zu wissen

Eine Wahrscheinlichkeit muss zwischen 0 und 1 liegen. Ein negatives Ergebnis oder ein Ergebnis über 1 zeigt deshalb sicher einen Rechen- oder Modellfehler an.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelFür dieselbe Dichte gilt $P(X\ge2)=\frac{7}{27}$. Welche Deutung ist richtig?
Lösung: In etwa $25{,}9\,\%$ der modellierten Fälle ist $X$ mindestens 2. — Das Integral berechnet eine Intervallwahrscheinlichkeit. Es sagt nichts über die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen exakten Werts aus.
Warum ein einzelner Wert Wahrscheinlichkeit null hat

Für eine stetige Zufallsgröße gilt an jedem einzelnen Punkt:

$$P(X=x)=0.$$

Ein Punkt hat keine Breite und damit keine Fläche unter dem Dichtegraphen. Das heißt nicht, dass der Wert unmöglich wäre. Bei einer Messung kann beispielsweise genau $2$ angezeigt werden; im idealisierten stetigen Modell besitzt das Ereignis „exakt 2 und sonst nichts“ trotzdem Wahrscheinlichkeit 0.

Weil einzelne Randpunkte keine Wahrscheinlichkeit beitragen, gilt im stetigen Fall zum Beispiel

$$P(2\lt X\lt3)=P(2\le X\le3).$$

Merke

Nicht verwechseln: $f(x)$ ist eine Dichtehöhe, $P(X=x)$ ist eine Punktwahrscheinlichkeit. Bei stetigen Verteilungen ist $P(X=x)=0$, auch wenn $f(x)>0$ ist.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelBei einer stetigen Zufallsgröße gilt $f(2)=0{,}4$. Was folgt sicher?
Lösung: Der Dichtewert bei 2 ist positiv, aber $P(X=2)=0$. — $f(2)=0{,}4$ ist die positive Dichtehöhe an der Stelle 2, keine Punktwahrscheinlichkeit. Für den einzelnen Punkt gilt $P(X=2)=0$.
Die Verteilungsfunktion bündelt Flächen

Die Verteilungsfunktion $F$ sammelt die gesamte Wahrscheinlichkeit links von $x$:

$$F(x)=P(X\le x)=\int_{-\infty}^{x}f(t)\,dt.$$

Das Integrationszeichen verwendet hier $t$, damit die obere Grenze $x$ nicht mit der Integrationsvariablen verwechselt wird.

Für ein Intervall kannst du zwei angesammelte Flächen voneinander abziehen:

$$P(a\le X\le b)=F(b)-F(a).$$

Beispiel

Für die bereits geprüfte Dichte gilt $F(3)=1$ und $F(2)=\frac{20}{27}$. Daher folgt erneut:

$$P(2\le X\le3)=F(3)-F(2)=1-\frac{20}{27}=\frac{7}{27}.$$

Integral und Verteilungsfunktion liefern dieselbe Fläche.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Eine Dichte muss überall sein. Ihre Gesamtfläche beträgt . Eine Intervallwahrscheinlichkeit berechnest du als . Bei einer stetigen Zufallsgröße ist die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Werts .

Lösungen: Lücke 1: nichtnegativ; Lücke 2: 1; Lücke 3: Integral; Lücke 4: 0. Die vier Entscheidungen verbinden die Dichtebedingungen mit der richtigen Bedeutung von Flächen und Einzelpunkten.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Dichtefunktion
    • Bedingungen: nichtnegativ und Gesamtfläche 1
    • Bedeutung: Höhe beschreibt Konzentration in der Umgebung
    • Wahrscheinlichkeit: Integral über ein Intervall
    • Einzelpunkt: Wahrscheinlichkeit 0
    • Verteilungsfunktion: angesammelte Fläche links von x
    • Prüfung: Ergebnis zwischen 0 und 1 und im Kontext deuten
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche beiden Bedingungen muss eine Wahrscheinlichkeitsdichte erfüllen?
Lösung: Sie ist überall nichtnegativ und ihre Gesamtfläche ist 1. — Nichtnegativität und Normierung sind die beiden entscheidenden Dichtebedingungen.
Frage 2 von 3MittelFür eine Dichte gilt $F(1)=0{,}25$ und $F(3)=0{,}80$. Wie groß ist $P(1\le X\le3)$?
Lösung: $0{,}55$ — Es gilt $P(1\le X\le3)=F(3)-F(1)=0{,}80-0{,}25=0{,}55$.
Frage 3 von 3SchwerEine Funktion hat auf $[0;0{,}25]$ konstant den Wert 4 und außerhalb den Wert 0. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Sie kann eine Dichte sein, denn sie ist nichtnegativ und ihre Fläche ist $4\cdot0{,}25=1$. — Prüfe beide Bedingungen: Die Funktion ist nichtnegativ und die Rechtecksfläche beträgt genau 1. Daher ist sie eine Dichte.

Passend dazu