Mathematik

Sigma-Regeln: Intervalle und Wahrscheinlichkeiten

Sigma-Regeln: Intervalle und Wahrscheinlichkeiten
Sigma-Regeln: Intervalle und Wahrscheinlichkeiten
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Die Sigma-Regeln geben näherungsweise an, wie viel Wahrscheinlichkeit in einem symmetrischen Bereich um den Erwartungswert liegt. Kennst du den Erwartungswert $\mu$ und die Standardabweichung $\sigma$, kannst du damit Intervalle, Randwahrscheinlichkeiten und unbekannte Größen bestimmen.

Deine Lernziele

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Die drei grundlegenden Sigma-Regeln

Bei einer Normalverteilung bezeichnet $\mu$ den Erwartungswert, also die Mitte der Glockenkurve. Die Standardabweichung $\sigma$ beschreibt, wie stark die Werte um diese Mitte streuen.

Definition

Sigma-Umgebung

Die $k$-Sigma-Umgebung ist das symmetrische Intervall

$$[\mu-k\sigma;\mu+k\sigma].$$

Beide Grenzen haben vom Erwartungswert denselben Abstand $k\sigma$.

UmgebungIntervallWahrscheinlichkeit
1 Sigma$[\mu-\sigma;\mu+\sigma]$ungefähr $68{,}3\%$
2 Sigma$[\mu-2\sigma;\mu+2\sigma]$ungefähr $95{,}4\%$
3 Sigma$[\mu-3\sigma;\mu+3\sigma]$ungefähr $99{,}7\%$
Merke

Je größer der Sigma-Faktor ist, desto breiter ist das Intervall und desto mehr Wahrscheinlichkeit enthält es.

Beispiel

Für $X$ gilt $\mu=15$ und $\sigma=7$. Die 1-Sigma-Umgebung ist

$$[15-7;15+7]=[8;22].$$

Damit gilt näherungsweise

$$P(8\le X\le22)\approx0{,}683.$$

Ein Wert liegt also mit ungefähr $68{,}3\%$ Wahrscheinlichkeit höchstens eine Standardabweichung vom Erwartungswert entfernt.

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Frage 1 von 2LeichtWelche 2-Sigma-Umgebung gehört zu $\mu=52$ und $\sigma=10$?
Lösung: $[32;72]$ — Der Abstand jeder Grenze von $52$ beträgt $2\sigma=20$. Deshalb ergibt sich $[52-20;52+20]=[32;72]$.
Frage 2 von 2MittelUngefähr wie groß ist $P(32\le X\le72)$ in diesem Beispiel?
Lösung: $95{,}4\%$ — Das Intervall ist die 2-Sigma-Umgebung. Sie enthält ungefähr $95{,}4\%$ der Wahrscheinlichkeit.
Mit Symmetrie Randbereiche berechnen

Die Glockenkurve einer Normalverteilung ist symmetrisch zur Geraden $x=\mu$. Deshalb besitzt jede Hälfte einer zentralen Sigma-Umgebung die Hälfte ihrer Wahrscheinlichkeit.

Außerhalb einer zentralen Umgebung liegt die Gegenwahrscheinlichkeit. Auch sie verteilt sich gleichmäßig auf den linken und rechten Rand.

Für eine zentrale Wahrscheinlichkeit $q$ gilt daher:

  • Wahrscheinlichkeit zwischen $\mu$ und einer Grenze: $q/2$;
  • Wahrscheinlichkeit in jedem äußeren Rand: $(1-q)/2$.
Beispiel

Eine normalverteilte Lebensdauer hat $\mu=2500\,\mathrm h$ und $\sigma=500\,\mathrm h$. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit für mehr als $3500\,\mathrm h$.

Die Grenze liegt zwei Standardabweichungen über dem Erwartungswert:

$$3500=2500+2\cdot500.$$

Die zentrale 2-Sigma-Umgebung enthält ungefähr $0{,}954$. Außerhalb bleiben

$$1-0{,}954=0{,}046.$$

Wegen der Symmetrie entfällt die Hälfte auf den oberen Rand:

$$P(X>3500)\approx\frac{0{,}046}{2}=0{,}023.$$

Die Wahrscheinlichkeit beträgt also ungefähr $2{,}3\%$.

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Frage 1 von 1MittelFür eine Normalverteilung ist $P(\mu-\sigma\le X\le\mu+\sigma)\approx0{,}683$. Wie groß ist näherungsweise $P(X\ge\mu+\sigma)$?
Lösung: $0{,}1585$ — Außerhalb liegen ungefähr $1-0{,}683=0{,}317$. Der obere Rand erhält wegen der Symmetrie die Hälfte: $0{,}317/2=0{,}1585$.
Vorgegebene Wahrscheinlichkeiten in Intervalle übersetzen

Nicht jede häufig verwendete zentrale Wahrscheinlichkeit gehört genau zu 1, 2 oder 3 Sigma. Für zentrale Intervalle sind außerdem diese Faktoren wichtig:

Zentrale WahrscheinlichkeitFaktor $k$Intervall
ungefähr $90\%$$1{,}64$$[\mu-1{,}64\sigma;\mu+1{,}64\sigma]$
ungefähr $95\%$$1{,}96$$[\mu-1{,}96\sigma;\mu+1{,}96\sigma]$
ungefähr $99\%$$2{,}58$$[\mu-2{,}58\sigma;\mu+2{,}58\sigma]$
Gut zu wissen

Unterscheide genau: $2\sigma$ gehören zu ungefähr $95{,}4\%$, während $1{,}96\sigma$ zu ungefähr $95\%$ gehören. Die Werte liegen nah beieinander, sind aber nicht identisch.

Beispiel

Für $X$ gilt $\mu=300$ und $\sigma=60$. Gesucht ist das zentrale Intervall mit ungefähr $90\%$ Wahrscheinlichkeit.

Der passende Faktor ist $1{,}64$. Der Abstand vom Erwartungswert beträgt

$$1{,}64\cdot60=98{,}4.$$

Damit lautet das Intervall

$$[300-98{,}4;300+98{,}4]=[201{,}6;398{,}4].$$

Jeder Rand außerhalb dieses Intervalls enthält ungefähr

$$\frac{1-0{,}90}{2}=0{,}05,$$

also $5\%$.

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Frage 1 von 1MittelWelcher Faktor gehört zur zentralen 99-Prozent-Regel?
Lösung: $2{,}58$ — Für ungefähr $99\%$ verwendest du das Intervall $[\mu-2{,}58\sigma;\mu+2{,}58\sigma]$.
Eine unbekannte Größe rückwärts bestimmen

Ist eine Intervallgrenze bekannt, bestimme zuerst ihren Abstand $d$ vom Erwartungswert. Gehört die Grenze zum Faktor $k$, gilt

$$d=k\sigma.$$

Diese Gleichung kannst du nach der gesuchten Größe umstellen.

Beispiel

Die Gewichte von Tennisschlägern seien normalverteilt. Der Erwartungswert beträgt $270\,\mathrm g$. Ungefähr $95\%$ der Schläger sollen im Bereich $270\,\mathrm g\pm7\,\mathrm g$ liegen.

Für ein zentrales 95-Prozent-Intervall gilt $k=1{,}96$. Der Abstand zur Mitte beträgt $7\,\mathrm g$. Daher

$$7\,\mathrm g=1{,}96\sigma.$$

Nach $\sigma$ aufgelöst:

$$\sigma=\frac{7\,\mathrm g}{1{,}96}\approx3{,}57\,\mathrm g.$$

Die Standardabweichung muss also ungefähr $3{,}57\,\mathrm g$ betragen.

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Frage 1 von 1MittelEin zentrales 99-Prozent-Intervall reicht von $\mu-12{,}9$ bis $\mu+12{,}9$. Welche Standardabweichung passt dazu?
Lösung: $\sigma=5$ — Für $99\%$ gilt $12{,}9=2{,}58\sigma$. Division durch $2{,}58$ ergibt $\sigma=5$.
Sigma-Regeln bei Binomialverteilungen

Für eine Binomialverteilung mit $n$ Versuchen und Trefferwahrscheinlichkeit $p$ gelten

$$\mu=np$$

und

$$\sigma=\sqrt{np(1-p)}.$$

Die Sigma-Regeln dürfen hier nur als Näherung durch eine Normalverteilung verwendet werden. Nach der zugrunde gelegten Laplace-Bedingung soll

$$\sigma>3$$

gelten.

Beispiel

Für $X\sim B(50;0{,}3)$ erhältst du

$$\mu=50\cdot0{,}3=15$$

und

$$\sigma=\sqrt{50\cdot0{,}3\cdot0{,}7}\approx3{,}24.$$

Die Bedingung $\sigma>3$ ist erfüllt. Die reelle 2-Sigma-Umgebung lautet ungefähr

$$[15-2\cdot3{,}24;15+2\cdot3{,}24]=[8{,}52;21{,}48].$$

Eine Binomialvariable kann nur ganzzahlige Werte annehmen. Im Intervall liegen deshalb die Werte $9,10,\ldots,21$. Die exakte Binomialrechnung ergibt dafür ungefähr $0{,}9566$; die Sigma-Regel liefert als schnelle Näherung $0{,}954$.

Merke

Prüfe bei einer Binomialverteilung zuerst $\sigma>3$. Übersetze danach reelle Intervallgrenzen in die tatsächlich enthaltenen ganzen Zahlen.

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Frage 1 von 2LeichtWas musst du vor der Sigma-Näherung einer Binomialverteilung prüfen?
Lösung: Ob $\sigma>3$ gilt — Nur bei $\sigma>3$ wird die Normalverteilungsnäherung nach der hier verwendeten Bedingung als ausreichend gut angesehen.
Frage 2 von 2SchwerEine reelle Sigma-Umgebung einer Binomialvariablen lautet $[8{,}2;14{,}7]$. Welche ganzzahligen Werte gehören dazu?
Lösung: $9,10,11,12,13,14$ — Nimm nur ganze Zahlen, die mindestens $8{,}2$ und höchstens $14{,}7$ sind. Das sind 9 bis 14.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Sigma-Regeln
    • $\mu$ bestimmt die Mitte
    • $\sigma$ beschreibt die Streuung
    • 1, 2 und 3 Sigma liefern zentrale Näherungswerte
    • Symmetrie halbiert zentrale und äußere Wahrscheinlichkeiten
    • $d=k\sigma$ ermöglicht Rückwärtsrechnungen
    • Binomialfälle benötigen $\sigma>3$ und ganzzahlige Grenzen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Wahrscheinlichkeit gehört ungefähr zur 3-Sigma-Umgebung einer Normalverteilung?
Lösung: $99{,}7\%$ — Die 3-Sigma-Umgebung $[\mu-3\sigma;\mu+3\sigma]$ enthält ungefähr $99{,}7\%$.
Frage 2 von 3MittelFür eine Normalverteilung gilt $\mu=100$ und $\sigma=15$. Welches Intervall ergibt sich mit der zentralen 95-Prozent-Regel und dem Faktor $1{,}96$?
Lösung: $[70{,}6;129{,}4]$ — Für ungefähr $95\%$ verwendest du $1{,}96\sigma$. Der Abstand beträgt $1{,}96\cdot15=29{,}4$, also ergibt sich $[100-29{,}4;100+29{,}4]$.
Frage 3 von 3SchwerBei einer Normalverteilung liegen ungefähr $99\%$ der Werte im Intervall $[74{,}2;125{,}8]$. Der Erwartungswert ist $100$. Wie groß ist $\sigma$?
Lösung: $10$ — Der Abstand ist $125{,}8-100=25{,}8$. Mit $25{,}8=2{,}58\sigma$ folgt $\sigma=10$.

Du bist sicher, wenn du zuerst die Lage des Intervalls erkennst, dann den passenden Sigma-Faktor auswählst und erst danach rechnest. Prüfe zum Schluss, ob du ein zentrales Intervall, nur eine Hälfte oder einen äußeren Rand bestimmen solltest.

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