Mathematik

Urnenmodell: Vier Fälle sicher unterscheiden

Urnenmodell: Vier Fälle sicher unterscheiden
Urnenmodell: Vier Fälle sicher unterscheiden
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Ein Urnenmodell bildet ein Zufallsexperiment als blindes Ziehen von Kugeln ab. Um den passenden Grundfall zu finden, beantwortest du zwei Fragen: Wird zurückgelegt? Spielt die Reihenfolge eine Rolle?

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was stellt das Urnenmodell dar?

Eine Urne steht für eine Menge möglicher Objekte oder Merkmale. Die Kugeln müssen nicht wirklich in einem Gefäß liegen: Sie können zum Beispiel Personen, Ziffern, Farben oder Würfelergebnisse darstellen.

Definition

Urnenmodell

Ein Urnenmodell ist eine mathematische Darstellung eines Zufallsexperiments. Gleich große Kugeln werden gedanklich blind gezogen. Vor der Rechnung wird festgelegt, was jede Kugel bedeutet und nach welchen Regeln gezogen wird.

Entscheidend ist, ob die Kugeln individuelle Objekte oder nur Merkmale darstellen. Nummerierte Namenskugeln können einzelne Personen vertreten. Farbkugeln können dagegen Kategorien wie „rot“ und „schwarz“ darstellen.

Beispiel

Bei einer Medaillenvergabe steht jede Namenskugel für genau eine Person. Eine Person kann nicht zugleich Gold und Silber erhalten. Deshalb darf eine gezogene Kugel nicht wieder in die Urne gelegt werden.

Bei einem Zahlenschloss stehen Kugeln für Ziffern. Dieselbe Ziffer darf an mehreren Stellen vorkommen. Das entspricht dem Ziehen mit Zurücklegen.

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Frage 1 von 1LeichtWas musst du festlegen, bevor du ein Urnenmodell auswählst?
Lösung: Was eine Kugel und eine Ziehung in der Situation darstellen — Erst wenn die Bedeutung der Kugeln und Ziehungen klar ist, kannst du über Zurücklegen und Reihenfolge entscheiden.
Zwei Fragen führen zu vier Grundfällen

Frage 1: Wird zurückgelegt?

Mit Zurücklegen kommt die gezogene Kugel vor dem nächsten Zug zurück. Sie kann erneut gezogen werden, und vor jedem Zug sind wieder gleich viele Kugeln vorhanden.

Ohne Zurücklegen bleibt die Kugel draußen. Sie kann nicht erneut gezogen werden, und nach jedem Zug befindet sich eine Kugel weniger in der Urne. Deshalb darf die Zahl der Ziehungen nicht größer als die anfängliche Kugelzahl sein.

Frage 2: Zählt die Reihenfolge?

Mit Reihenfolge sind verschiedene Anordnungen verschiedene Ergebnisse. Beim Zahlenschloss sind 1234 und 4321 unterschiedliche Codes.

Ohne Reihenfolge zählt nur die Auswahl oder Verteilung. Beim Lotto ist es für die Auswahl gleichgültig, in welcher Reihenfolge die gezogenen Zahlen erschienen sind.

Merke

Prüfe immer getrennt: Darf etwas erneut vorkommen? und macht eine andere Anordnung ein anderes Ergebnis?

Aus den beiden Antworten entstehen vier Fälle:

  • mit Zurücklegen, mit Reihenfolge;
  • mit Zurücklegen, ohne Reihenfolge;
  • ohne Zurücklegen, mit Reihenfolge;
  • ohne Zurücklegen, ohne Reihenfolge.
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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt Ziehen ohne Zurücklegen?
Lösung: Eine gezogene individuelle Kugel steht später nicht mehr zur Verfügung. — Zurücklegen und Reihenfolge sind unabhängige Entscheidungen. Ohne Zurücklegen bedeutet nur, dass die gezogene Kugel draußen bleibt.
Frage 2 von 2MittelEin Code besteht aus vier Ziffern. Ziffern dürfen mehrfach vorkommen, und ihre Position ist wichtig. Welcher Fall passt?
Lösung: Mit Zurücklegen und mit Reihenfolge — Wiederholungen sprechen für Zurücklegen. Verschiedene Positionen sprechen für eine relevante Reihenfolge.
So ordnest du Situationen richtig zu

Gehe bei jeder Situation in derselben Reihenfolge vor:

  1. Bestimme, was eine Kugel darstellt.
  2. Prüfe, ob dasselbe Objekt oder Merkmal mehrfach auftreten darf.
  3. Prüfe, ob eine andere Anordnung als anderes Ergebnis zählt.
  4. Benenne den passenden Grundfall.
Beispiel

Medaillenvergabe: Unter 50 Personen werden Gold, Silber und Bronze vergeben.

  1. Eine Kugel steht für eine bestimmte Person.
  2. Eine Person kann nur eine Medaille erhalten: ohne Zurücklegen.
  3. Gold, Silber und Bronze sind verschiedene Plätze: mit Reihenfolge.

Das passende Modell lautet ohne Zurücklegen, mit Reihenfolge.

Beispiel

Drei Farbstifte aus zehn Farben auswählen:

  1. Eine Kugel steht für eine Farbe.
  2. Jede Farbe wird nur einmal ausgewählt: ohne Zurücklegen.
  3. Nur die drei gewählten Farben zählen: ohne Reihenfolge.

Das passende Modell lautet ohne Zurücklegen, ohne Reihenfolge.

Beim geordneten Ziehen ohne Zurücklegen kannst du die Möglichkeiten schrittweise zählen. Werden bei einem Turnier aus 15 Gruppen die ersten drei Plätze vergeben, gibt es zunächst 15 Möglichkeiten, danach 14 und schließlich 13:

$$15\cdot14\cdot13=2730$$

Es gibt also 2730 mögliche Platzierungen. Jeder Faktor wird um eins kleiner, weil eine bereits platzierte Gruppe nicht erneut gewählt werden kann.

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Frage 1 von 2MittelDrei Zutaten werden aus zehn Sorten gewählt. Eine Sorte darf mehrfach vorkommen, die Reihenfolge der Zugabe ist unwichtig. Welcher Fall passt?
Lösung: Mit Zurücklegen und ohne Reihenfolge — Mehrfach verwendbare Sorten entsprechen dem Zurücklegen. Weil nur die Mengen der Zutaten zählen, wird die Reihenfolge ignoriert.
Frage 2 von 2SchwerBei einer Wahl werden 100 Stimmen auf drei Kandidaten verteilt. Nur die Gesamtzahlen je Kandidat interessieren. Wie wird modelliert?
Lösung: Mit Zurücklegen und ohne Reihenfolge — Ein Kandidat kann viele Stimmen erhalten, also sind Wiederholungen möglich. Für das Endergebnis zählt nur die Stimmenverteilung.
Wann ändern sich Wahrscheinlichkeiten?

Beim Ziehen mit Zurücklegen wird der ursprüngliche Zustand vor jedem neuen Zug wiederhergestellt. Die Anteile der Kugelarten bleiben daher gleich.

Beim Ziehen ohne Zurücklegen verändert jeder Zug die Zusammensetzung der Urne. Dadurch können sich auch die Wahrscheinlichkeiten der folgenden Ergebnisse ändern.

Ein Baumdiagramm kann solche mehrstufigen Abläufe sichtbar machen: Jede Stufe steht für eine Ziehung, jeder Ast für ein mögliches Ergebnis. Für die Wahl des Urnenmodells genügt zunächst die Frage, ob sich die Urne nach einem Zug verändert.

Gut zu wissen

Ein Laplace-Modell liegt nur vor, wenn alle gewählten Elementarereignisse gleich wahrscheinlich sind. Eine ungeordnete Ergebnisliste erfüllt diese Voraussetzung nicht automatisch.

Bei vier Würfeln kann die ungeordnete Angabe „vier gleiche Augenzahlen“ auf weniger geordnete Würfelfolgen zurückgehen als „vier verschiedene Augenzahlen“. Deshalb darfst du die beiden Angaben nicht einfach als gleich wahrscheinliche Elementarereignisse behandeln.

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Frage 1 von 2LeichtWann bleibt der Anteil jeder Kugelart vor den einzelnen Ziehungen gleich?
Lösung: Wenn nach jedem Zug zurückgelegt wird — Die Reihenfolge betrifft die Beschreibung des Ergebnisses. Ob die Anteile gleich bleiben, hängt vom Zurücklegen ab.
Frage 2 von 2MittelWarum darfst du ungeordnete Ergebnisse nicht automatisch als gleich wahrscheinlich behandeln?
Lösung: Hinter ihnen können unterschiedlich viele geordnete Abläufe stecken. — Für eine Laplace-Rechnung musst du prüfen, ob jedes gewählte Elementarereignis tatsächlich dieselbe Wahrscheinlichkeit hat.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Urnenmodell
    • Bedeutung festlegen: Was stellt eine Kugel dar?
    • Zurücklegen prüfen: Sind Wiederholungen möglich?
    • Reihenfolge prüfen: Zählt die Anordnung?
    • Vier Grundfälle: Antworten miteinander verbinden
    • Wahrscheinlichkeit prüfen: Verändert sich die Urne?
    • Laplace prüfen: Sind Elementarereignisse gleich wahrscheinlich?
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche zwei Entscheidungen bestimmen den Grundfall eines Urnenmodells?
Lösung: Zurücklegen und Bedeutung der Reihenfolge — Die vier Grundfälle entstehen aus zwei unabhängigen Fragen: Wird zurückgelegt, und zählt die Reihenfolge?
Frage 2 von 4MittelAus 49 nummerierten Kugeln werden sechs verschiedene Zahlen für einen Lottotipp gezogen. Die Ziehungsreihenfolge ist für den Tipp unwichtig. Welcher Fall passt?
Lösung: Ohne Zurücklegen und ohne Reihenfolge — Jede Zahl kann nur einmal erscheinen, und nur die Auswahl der sechs Zahlen zählt.
Frage 3 von 4SchwerEin Spiel erzeugt nacheinander zehn Würfelergebnisse. Welche Modellierung bildet die vollständige Ergebnisfolge ab?
Lösung: Mit Zurücklegen und mit Reihenfolge — Jeder Wurf hat erneut die sechs möglichen Augenzahlen. Weil die vollständige Folge ausgewertet wird, ist auch die Reihenfolge wichtig.
Frage 4 von 4SchwerEine Rechnung setzt ungeordnete Würfelergebnisse als gleich wahrscheinlich voraus. Welche Prüfung fehlt?
Lösung: Ob hinter jedem Ergebnis gleich viele gleich wahrscheinliche geordnete Abläufe stehen — Eine kompakte oder ungeordnete Darstellung macht aus Ergebnissen noch keine gleich wahrscheinlichen Elementarereignisse.

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