Mathematik

Baumdiagramm: Aufbau und Pfadregeln einfach erklärt

Baumdiagramm: Aufbau und Pfadregeln einfach erklärt
Baumdiagramm: Aufbau und Pfadregeln einfach erklärt
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Ein Baumdiagramm ordnet Möglichkeiten, die in mehreren Schritten entstehen. Jeder vollständige Pfad steht für einen möglichen Ablauf. Trägst du zusätzlich Wahrscheinlichkeiten an den Ästen ein, kannst du Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades multiplizieren und die Ergebnisse verschiedener günstiger Pfade addieren.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Ein Baumdiagramm aufbauen

Stell dir vor, du wirfst eine faire Münze zweimal. Jeder Wurf ist eine Stufe. Pro Stufe sind die Ergebnisse Kopf und Zahl möglich.

So entsteht der Baum:

  1. Zeichne vom Startpunkt je einen Ast zu Kopf und Zahl.
  2. Beschrifte beide Äste mit $0{,}5$.
  3. Zeichne von jedem erreichten Knoten wieder die beiden möglichen Ergebnisse.
  4. Beschrifte auch diese Äste mit $0{,}5$.

Ein Pfad führt vom Start bis zu einem vollständigen Ergebnis, beispielsweise „Kopf, dann Zahl“.

Definition

Zweigwahrscheinlichkeit

Eine Zweigwahrscheinlichkeit steht an einem Ast und gibt an, wie wahrscheinlich der nächste Ausgang unter den bisherigen Bedingungen ist.

Von jedem Knoten aus müssen sich die Wahrscheinlichkeiten aller ausgehenden Äste zu $1$ beziehungsweise $100\,\%$ addieren. Beim Münzwurf gilt etwa:

$$0{,}5+0{,}5=1$$

Merke

Erst die Stufen und möglichen Ergebnisse einzeichnen, dann die Äste beschriften und an jedem Knoten die Summe $1$ prüfen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas stellt ein vollständiger Pfad im Baumdiagramm dar?
Lösung: Einen möglichen Gesamtausgang der mehrstufigen Situation — Ein vollständiger Pfad beschreibt genau einen möglichen Ablauf durch sämtliche Stufen.
Frage 2 von 2MittelVon einem Knoten gehen drei Äste mit $0{,}2$, $0{,}3$ und einer unbekannten Wahrscheinlichkeit aus. Welcher Wert fehlt?
Lösung: $0{,}5$ — Es gilt $1-0{,}2-0{,}3=0{,}5$.
Möglichkeiten mit einem Baumdiagramm zählen

Ein Baumdiagramm kann auch Möglichkeiten ordnen, ohne dass Wahrscheinlichkeiten gefragt sind. Jeder vollständige Pfad entspricht dann genau einer möglichen Kombination.

Du kannst zwischen 3 T-Shirts und 2 Hosen wählen. Die erste Stufe enthält die 3 T-Shirts. Von jedem T-Shirt führen in der zweiten Stufe 2 Äste zu den beiden Hosen.

Beispiel

Für jedes der 3 T-Shirts gibt es 2 mögliche Hosen. Deshalb besitzt der Baum insgesamt

$$3\cdot2=6$$

vollständige Pfade. Es gibt also 6 verschiedene Kombinationen.

Das geordnete Vorgehen zeigt zugleich, dass keine Kombination fehlt: Du verbindest jedes T-Shirt einmal mit jeder Hose.

Merke

Beim Abzählen entspricht jeder vollständige Pfad einer Möglichkeit. Die Anzahlen der Wahlmöglichkeiten aufeinanderfolgender Stufen werden multipliziert.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Bedeutung hat ein vollständiger Pfad in einem Abzählbaum?
Lösung: Er steht für genau eine mögliche Kombination. — Ein Abzählbaum kann Möglichkeiten auch ohne Wahrscheinlichkeiten darstellen.
Frage 2 von 2MittelDu kannst zwischen 2 Getränken und 3 Snacks wählen. Wie viele Kombinationen aus je einem Getränk und einem Snack gibt es?
Lösung: $2\cdot3=6$ — Der Baum hat in der ersten Stufe 2 und danach jeweils 3 Äste. Somit entstehen 6 vollständige Pfade.
Mit den beiden Pfadregeln rechnen

Die beiden Pfadregeln beantworten unterschiedliche Fragen:

  • UND auf einem Pfad: Wahrscheinlichkeiten multiplizieren.
  • ODER zwischen mehreren Pfaden: Pfadwahrscheinlichkeiten addieren.

Produktregel: entlang eines Pfades multiplizieren

Beim zweimaligen Münzwurf bedeutet „zweimal Zahl“: Zahl im ersten und Zahl im zweiten Wurf.

Beispiel

Beide Äste tragen die Wahrscheinlichkeit $0{,}5$:

$$P(ZZ)=0{,}5\cdot0{,}5=0{,}25=25\,\%$$

Bei vielen solchen Doppelwürfen ist im langfristigen Durchschnitt bei etwa einem Viertel der Versuche zweimal Zahl zu erwarten.

Summenregel: günstige Pfade addieren

Das Ereignis „einmal Kopf und einmal Zahl“ kann auf zwei Wegen eintreten: Kopf–Zahl oder Zahl–Kopf.

Beispiel

Zuerst werden beide Pfade berechnet, dann werden ihre Wahrscheinlichkeiten addiert:

$$P(KZ\text{ oder }ZK)=0{,}5\cdot0{,}5+0{,}5\cdot0{,}5=0{,}5=50\,\%$$

Merke

Entlang eines Pfades wird multipliziert. Zwischen mehreren günstigen Pfaden wird addiert.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Rechnung gehört zu einem einzelnen vollständigen Pfad?
Lösung: Die Wahrscheinlichkeiten seiner Äste werden multipliziert. — Ein Pfad verbindet aufeinanderfolgende Ergebnisse mit „UND“. Deshalb gilt die Produktregel.
Frage 2 von 2MittelEin Ereignis umfasst genau die Pfade $AB$ und $BA$. Wie wird seine Wahrscheinlichkeit bestimmt?
Lösung: Beide Pfadwahrscheinlichkeiten berechnen und anschließend addieren — Alternative günstige Pfade sind durch „ODER“ verbunden. Ihre zuvor berechneten Pfadwahrscheinlichkeiten werden addiert.
Mit und ohne Zurücklegen unterscheiden

In einer Urne liegen 3 rote, 1 blaue und 2 gelbe Kugeln. Insgesamt sind es 6 Kugeln. Es werden zweimal nacheinander Kugeln gezogen.

Mit Zurücklegen

Die erste Kugel kommt vor dem zweiten Zug zurück in die Urne. Deshalb bleibt die Zusammensetzung gleich. Für Rot gilt in beiden Stufen:

$$P(R)=\frac{3}{6}$$

Die Wahrscheinlichkeit für zweimal Rot ist:

$$P(RR)=\frac{3}{6}\cdot\frac{3}{6}=\frac{1}{4}=25\,\%$$

Ohne Zurücklegen

Die gezogene Kugel bleibt draußen. Nach einer roten Kugel liegen nur noch 2 rote Kugeln unter insgesamt 5 Kugeln in der Urne.

$$P(R\text{ im zweiten Zug}\mid R\text{ im ersten Zug})=\frac{2}{5}$$

Der senkrechte Strich bedeutet „unter der Bedingung, dass“. Die zweite Wahrscheinlichkeit hängt hier also vom ersten Ergebnis ab.

Für zweimal Rot gilt:

$$P(RR)=\frac{3}{6}\cdot\frac{2}{5}=\frac{1}{5}=20\,\%$$

Gut zu wissen

Die Produktregel gilt auch ohne Zurücklegen. Du musst jedoch die jeweils gültige Zweigwahrscheinlichkeit verwenden und den veränderten Bestand berücksichtigen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas verändert sich beim Ziehen ohne Zurücklegen?
Lösung: Der Bestand und damit meist die Wahrscheinlichkeiten der folgenden Stufe — Eine gezogene Kugel fehlt anschließend. Deshalb ändern sich Gesamtzahl und möglicherweise die Zahl günstiger Kugeln.
Frage 2 von 2MittelWarum ist zweimal Rot ohne Zurücklegen hier weniger wahrscheinlich als mit Zurücklegen?
Lösung: Nach der ersten roten Kugel sind nur noch 2 rote unter 5 Kugeln vorhanden. — Der Unterschied entsteht durch die zweite Zweigwahrscheinlichkeit: ohne Zurücklegen $\frac{2}{5}$, mit Zurücklegen $\frac{3}{6}$.
Mindestens einmal über das Gegenereignis berechnen

Bei „mindestens einmal rot“ müsstest du normalerweise alle Pfade mit einem oder mehreren roten Ergebnissen sammeln. Oft ist der Umweg über das Gegenereignis kürzer.

Definition

Gegenereignis

Das Gegenereignis umfasst alle Ergebnisse, bei denen das gesuchte Ereignis nicht eintritt. Für ein Ereignis $E$ hat es die Wahrscheinlichkeit $1-P(E)$.

Ein Glücksrad wird zweimal gedreht. Die Wahrscheinlichkeit für Rot beträgt bei jeder Drehung $0{,}3$. Das Gegenereignis zu „mindestens einmal Rot“ lautet „keinmal Rot“.

Beispiel

Die Wahrscheinlichkeit für „nicht Rot“ ist $1-0{,}3=0{,}7$.

$$P(\text{kein Rot})=0{,}7\cdot0{,}7=0{,}49$$

Nun wird das Gegenereignis von $1$ abgezogen:

$$P(\text{mindestens einmal Rot})=1-0{,}49=0{,}51=51\,\%$$

Merke

Bei „mindestens einmal“ prüfst du zuerst, ob „keinmal“ leichter zu berechnen ist.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Gegenereignis gehört zu „mindestens einmal Kopf“?
Lösung: Kein einziges Mal Kopf — Das Gegenereignis muss alle Fälle ausschließen, in denen Kopf mindestens einmal vorkommt. Übrig bleibt „keinmal Kopf“.
Frage 2 von 2MittelEin Treffer hat bei jedem von zwei unabhängigen Versuchen die Wahrscheinlichkeit $0{,}2$. Welcher Ansatz berechnet „mindestens ein Treffer“?
Lösung: $1-0{,}8\cdot0{,}8$ — Die Wahrscheinlichkeit für keinen Treffer beträgt pro Versuch $0{,}8$. Das Gegenereignis hat daher die Wahrscheinlichkeit $0{,}8\cdot0{,}8$.
Jetzt selbst anwenden

In einer Urne liegen 3 rote, 1 blaue und 2 gelbe Kugeln. Es werden zweimal ohne Zurücklegen Kugeln gezogen.

Aufgabe

Berechne die Wahrscheinlichkeit, genau eine rote und eine blaue Kugel zu ziehen. Die Reihenfolge ist egal.

Überlege zuerst:

  1. Welche günstigen Pfade gibt es?
  2. Welche Wahrscheinlichkeiten stehen auf diesen Pfaden?
  3. Wo musst du multiplizieren und wo addieren?

Lösung

Es gibt zwei günstige Pfade: $RB$ und $BR$.

Für Rot, dann Blau gilt:

$$P(RB)=\frac{3}{6}\cdot\frac{1}{5}=\frac{1}{10}$$

Für Blau, dann Rot gilt:

$$P(BR)=\frac{1}{6}\cdot\frac{3}{5}=\frac{1}{10}$$

Da beide Pfade zum Ereignis gehören, werden sie addiert:

$$P(\text{eine rote und eine blaue})=\frac{1}{10}+\frac{1}{10}=\frac{1}{5}=20\,\%$$

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Pfade mussten in der Aufgabe berücksichtigt werden?
Lösung: $RB$ und $BR$ — „Eine rote und eine blaue Kugel“ kann in beiden Reihenfolgen eintreten.
Frage 2 von 2SchwerEin Schüler rechnet $\frac{3}{6}+\frac{1}{5}$ für den Pfad $RB$. Was ist sein Fehler?
Lösung: Er addiert innerhalb eines Pfades, obwohl dort multipliziert werden muss. — Innerhalb des Pfades verbindet „Rot, dann Blau“ zwei aufeinanderfolgende Ergebnisse. Daher gilt die Produktregel.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Baumdiagramm
    • Aufbau: Stufen, Äste und Pfade
    • Abzählen: Ein vollständiger Pfad ist eine Möglichkeit
    • Kontrolle: Ausgehende Wahrscheinlichkeiten ergeben $1$
    • Einzelner Pfad: Wahrscheinlichkeiten multiplizieren
    • Mehrere günstige Pfade: Pfadwahrscheinlichkeiten addieren
    • Ohne Zurücklegen: Bestand nach jedem Zug anpassen
    • Mindestens einmal: Gegenereignis prüfen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtEin Auswahlprozess hat zuerst 3 und danach jeweils 2 Möglichkeiten. Wie viele vollständige Pfade besitzt der Baum?
Lösung: $6$ — Es gilt $3\cdot2=6$. Jeder vollständige Pfad steht für eine Kombination.
Frage 2 von 4LeichtWelche Regel gehört zur Rechnung entlang eines Wahrscheinlichkeitspfades?
Lösung: Produktregel — Entlang eines Pfades werden die Zweigwahrscheinlichkeiten multipliziert.
Frage 3 von 4MittelBeim zweimaligen Ziehen mit Zurücklegen beträgt $P(R)=\frac{3}{6}$. Wie groß ist $P(RR)$?
Lösung: $\frac{1}{4}$ — Mit Zurücklegen bleibt die Wahrscheinlichkeit $\frac{3}{6}$. Daher gilt $\frac{3}{6}\cdot\frac{3}{6}=\frac{1}{4}$.
Frage 4 von 4SchwerWann ist der Weg über das Gegenereignis besonders hilfreich?
Lösung: Wenn ein Ereignis wie „mindestens einmal“ viele günstige Pfade umfasst, sein Gegenteil aber einfach ist — Statt viele günstige Pfade zu addieren, berechnest du häufig einfacher „keinmal“ und ziehst das Ergebnis von $1$ ab.

Du beherrschst den Kern des Baumdiagramms, wenn du zuerst die Stufen und Möglichkeiten vollständig ordnest. Beim Rechnen entscheidest du anschließend: Welche Pfade gehören zum Ereignis, welche Zweigwahrscheinlichkeiten gelten und wo musst du multiplizieren oder addieren?

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