Mathematik

Pfadregeln: Baumdiagramme sicher berechnen

Pfadregeln: Baumdiagramme sicher berechnen
Pfadregeln: Baumdiagramme sicher berechnen
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Mit den Pfadregeln berechnest du Wahrscheinlichkeiten in einem Baumdiagramm: Entlang eines vollständigen Pfades multiplizierst du die Astwahrscheinlichkeiten. Gehören mehrere Pfade zum gesuchten Ereignis, addierst du ihre Ergebnisse.

Deine Lernziele

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Einen Wahrscheinlichkeitsbaum richtig lesen

Ein mehrstufiges Zufallsexperiment besteht aus mehreren aufeinanderfolgenden Zufallsschritten, zum Beispiel zwei Münzwürfen oder zwei Ziehungen aus einer Urne. Das Baumdiagramm zeigt an jeder Stufe die möglichen Ausgänge.

Definition

Ast, Knoten und Pfad

Ein Ast steht für einen möglichen Ausgang des nächsten Schrittes. An einem Knoten beginnt eine neue Verzweigung. Ein vollständiger Pfad führt vom Anfang bis zu einem Endergebnis und hält die Reihenfolge der Ausgänge fest.

An jedem Knoten gilt die Knotenregel: Die Wahrscheinlichkeiten aller dort ausgehenden Äste ergeben zusammen $1$ beziehungsweise $100\,\%$.

Bei einer fairen Münze führen die Äste „Kopf“ und „Zahl“ aus jedem Knoten heraus:

$$P(\text{Kopf})+P(\text{Zahl})=\frac12+\frac12=1$$

Fehlt eine Astwahrscheinlichkeit, kannst du sie durch Ergänzen auf $1$ bestimmen. Hat ein Ast zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit $0{,}3$, muss der einzige andere Ast die Wahrscheinlichkeit $1-0{,}3=0{,}7$ besitzen.

Merke

Prüfe zuerst jeden Knoten. Ergeben seine ausgehenden Astwahrscheinlichkeiten nicht $1$, ist das Baumdiagramm noch nicht korrekt beschriftet.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtVon einem Knoten gehen genau zwei Äste aus. Einer hat die Wahrscheinlichkeit $0{,}65$. Wie groß ist die andere Astwahrscheinlichkeit?
Lösung: $0{,}35$ — Nach der Knotenregel gilt $1-0{,}65=0{,}35$.
Entlang eines Pfades multiplizieren

Ein Pfad beschreibt mehrere nacheinander eintretende Ergebnisse. Für seine Wahrscheinlichkeit gilt die Produktregel: Multipliziere alle Astwahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades.

Beispiel

Eine faire Münze wird zweimal geworfen. Gesucht ist der Pfad „zuerst Kopf, dann Zahl“.

  1. Für Kopf gilt $P(K)=1/2$.
  2. Für die anschließende Zahl gilt ebenfalls $P(Z)=1/2$.
  3. Beide Schritte gehören zu demselben Pfad. Deshalb werden sie multipliziert:

$$P(KZ)=\frac12\cdot\frac12=\frac14$$

Der geordnete Ausgang „Kopf, dann Zahl“ hat die Wahrscheinlichkeit $1/4=25\,\%$.

Die Produktregel gilt auch, wenn sich die Astwahrscheinlichkeiten unterwegs ändern. Entscheidend ist, dass du an jedem Knoten die dort gültige Wahrscheinlichkeit verwendest.

Eine Urne enthält fünf blaue und zwei weiße Kugeln. Es werden drei Kugeln ohne Zurücklegen gezogen. Für den Pfad „blau, blau, weiß“ gilt:

$$P(bbw)=\frac57\cdot\frac46\cdot\frac25=\frac4{21}$$

Nach jeder Ziehung befinden sich eine Kugel weniger und möglicherweise auch eine Kugel weniger von der gezogenen Farbe in der Urne.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelIn einer Urne liegen fünf blaue und zwei weiße Kugeln. Warum beginnt der Pfad „blau, blau, weiß“ mit $5/7$ und wird mit $4/6$ fortgesetzt?
Lösung: Nach der ersten blauen Kugel bleiben vier blaue unter sechs Kugeln übrig. — Beim Ziehen ohne Zurücklegen ändert sich der Urneninhalt. Deshalb muss die nächste Astwahrscheinlichkeit aus der neuen Zusammensetzung bestimmt werden.
Mehrere günstige Pfade addieren

Ein Ereignis kann mehrere geordnete Ergebnisse umfassen. Berechne dann zuerst jeden günstigen Pfad mit der Produktregel. Anschließend verwendest du die Summenregel und addierst die Pfadwahrscheinlichkeiten.

Beispiel

Bei zwei Würfen einer fairen Münze soll genau einmal Kopf erscheinen. Dafür gibt es zwei günstige Pfade:

  • Kopf, dann Zahl: $P(KZ)=1/2\cdot1/2=1/4$
  • Zahl, dann Kopf: $P(ZK)=1/2\cdot1/2=1/4$

Die Pfade können nicht gleichzeitig eintreten. Deshalb werden ihre Wahrscheinlichkeiten addiert:

$$P(\text{genau einmal Kopf})=\frac14+\frac14=\frac12$$

Die Wahrscheinlichkeit beträgt $50\,\%$.

Merke

Ein Pfad: multiplizieren. Mehrere günstige Pfade: die berechneten Produkte addieren. Die Wörter „und danach“ weisen oft auf einen Pfad hin; verschiedene mögliche Reihenfolgen verlangen meist die Summenregel.

Achte auf die Reihenfolge im Baumdiagramm. Das Ereignis „eine rote und eine blaue Kugel“ umfasst gewöhnlich sowohl „rot, dann blau“ als auch „blau, dann rot“.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Rechnung passt zu „Bei zwei Münzwürfen erscheint genau einmal Zahl“?
Lösung: $1/2\cdot1/2+1/2\cdot1/2$ — Günstig sind die beiden Pfade „Kopf, Zahl“ und „Zahl, Kopf“. Innerhalb jedes Pfades wird multipliziert, danach werden beide Pfade addiert.
Mit und ohne Zurücklegen unterscheiden

Ob eine gezogene Kugel zurückgelegt wird, bestimmt die Astwahrscheinlichkeiten der nächsten Stufe.

  • Mit Zurücklegen: Die Zusammensetzung der Urne bleibt gleich. Gleiche Ausgänge haben in jeder Stufe dieselbe Wahrscheinlichkeit.
  • Ohne Zurücklegen: Die gezogene Kugel bleibt außerhalb. Gesamtzahl und Zusammensetzung ändern sich, sodass die nächste Wahrscheinlichkeit vom bisherigen Pfad abhängt.
Beispiel

Eine Urne enthält drei rote, eine blaue und zwei gelbe Kugeln. Es werden zwei Kugeln gezogen.

Zwei rote Kugeln ohne Zurücklegen:

Nach der ersten roten Kugel bleiben zwei rote unter fünf Kugeln:

$$P(rr)=\frac36\cdot\frac25=\frac15=20\,\%$$

Zwei rote Kugeln mit Zurücklegen:

Nach dem Zurücklegen liegen erneut drei rote unter sechs Kugeln in der Urne:

$$P(rr)=\frac36\cdot\frac36=\frac14=25\,\%$$

Das Zurücklegen verändert hier das Ergebnis, weil die zweite rote Kugel wieder mit der ursprünglichen Wahrscheinlichkeit gezogen wird.

Ohne Zurücklegen umfasst „eine rote und eine blaue Kugel“ die Pfade $rb$ und $br$:

$$P(rb\text{ oder }br)=\frac36\cdot\frac15+\frac16\cdot\frac35=\frac15=20\,\%$$

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Kugel wird nach jeder Ziehung zurückgelegt. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Die Zusammensetzung der Urne und damit die Astwahrscheinlichkeiten bleiben gleich. — Das Zurücklegen stellt den ursprünglichen Urneninhalt wieder her. Die Pfadregel selbst ändert sich dadurch nicht.
Frage 2 von 2SchwerEine Urne enthält drei rote und zwei blaue Kugeln. Zwei Kugeln werden ohne Zurücklegen gezogen. Welcher Term beschreibt „zwei blaue Kugeln“?
Lösung: $2/5\cdot1/4$ — Nach der ersten blauen Kugel bleibt eine blaue unter vier Kugeln. Da beide Ziehungen zu einem Pfad gehören, werden $2/5$ und $1/4$ multipliziert.
Mindestens einmal mit dem Gegenereignis berechnen

Bei Ereignissen wie „mindestens einmal Erfolg“ gibt es oft viele günstige Pfade. Häufig ist das Gegenereignis kürzer: Zu „mindestens einmal Erfolg“ gehört „kein einziges Mal Erfolg“.

Definition

Gegenereignis

Das Gegenereignis $\overline E$ enthält genau die Ergebnisse, die nicht zu $E$ gehören. Zusammen ergeben beide das sichere Ereignis. Daher gilt $P(E)=1-P(\overline E)$.

Beispiel

Ein fairer Würfel wird fünfmal geworfen. Wie wahrscheinlich ist mindestens eine 6?

  1. Das Gegenereignis lautet: In allen fünf Würfen fällt keine 6.
  2. Die Wahrscheinlichkeit für „keine 6“ beträgt in jedem Wurf $5/6$.
  3. Für den vollständigen Pfad „fünfmal keine 6“ gilt:

$$P(\text{keine 6})=\left(\frac56\right)^5=\frac{3125}{7776}$$

  1. Nun wird das Gegenereignis von $1$ abgezogen:

$$P(\text{mindestens eine 6})=1-\left(\frac56\right)^5=\frac{4651}{7776}\approx59{,}8\,\%$$

Das Ergebnis ist plausibel: Es liegt zwischen $0$ und $1$ und ist größer als die Wahrscheinlichkeit einer 6 bei nur einem Wurf.

Gut zu wissen

Nutze das Gegenereignis nicht automatisch bei jedem „mindestens“ oder „höchstens“. Prüfe zuerst, ob es tatsächlich weniger Pfade benötigt als das gesuchte Ereignis.

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Frage 1 von 1SchwerEine Münze wird dreimal geworfen. Welcher Term berechnet „mindestens einmal Kopf“ am kürzesten?
Lösung: $1-(1/2)^3$ — „Mindestens einmal Kopf“ ist das Gegenereignis zu „kein Kopf“, also „dreimal Zahl“. Daher gilt $1-(1/2)^3$.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Pfadregeln im Baumdiagramm
    • Knoten prüfen: ausgehende Wahrscheinlichkeiten ergeben 1
    • Einen Pfad berechnen: Astwahrscheinlichkeiten multiplizieren
    • Ein Ereignis berechnen: günstige Pfade addieren
    • Mit Zurücklegen: Wahrscheinlichkeiten bleiben gleich
    • Ohne Zurücklegen: Wahrscheinlichkeiten passen sich dem Restbestand an
    • Mindestens einmal: Gegenereignis „kein einziges Mal“ prüfen

Gehe bei einer Aufgabe in dieser Reihenfolge vor:

  1. Bestimme die Stufen und möglichen Ausgänge.
  2. Beschrifte jeden Ast mit der an seinem Knoten gültigen Wahrscheinlichkeit.
  3. Prüfe die Knotenregel.
  4. Markiere alle günstigen vollständigen Pfade.
  5. Multipliziere entlang jedes günstigen Pfades.
  6. Addiere die Ergebnisse mehrerer günstiger Pfade.
  7. Prüfe bei „mindestens“ oder „höchstens“, ob das Gegenereignis kürzer ist.
  8. Kontrolliere, ob das Ergebnis zwischen $0$ und $1$ liegt und sachlich plausibel ist.
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas verlangt die Produktregel?
Lösung: Alle Astwahrscheinlichkeiten eines vollständigen Pfades werden multipliziert. — Die Produktregel berechnet genau einen vollständigen, geordneten Pfad.
Frage 2 von 3MittelEine faire Münze wird zweimal geworfen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für genau einmal Kopf?
Lösung: $1/2$ — Die günstigen Pfade sind „Kopf, Zahl“ und „Zahl, Kopf“. Ihre Wahrscheinlichkeiten ergeben $1/4+1/4=1/2$.
Frage 3 von 3SchwerEine Urne enthält vier rote und zwei blaue Kugeln. Zwei Kugeln werden ohne Zurücklegen gezogen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für genau eine blaue Kugel?
Lösung: $4/6\cdot2/5+2/6\cdot4/5=8/15$ — Genau eine blaue Kugel entsteht über die Pfade „rot, blau“ und „blau, rot“. Beide haben die Wahrscheinlichkeit $4/15$; zusammen ergeben sie $8/15$.

Wenn du zuerst den Urneninhalt an jedem Knoten prüfst und dann konsequent auf dem Pfad multiplizierst sowie zwischen günstigen Pfaden addierst, kannst du mehrstufige Zufallsexperimente sicher berechnen.

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