Mathematik

Zählprinzip einfach erklärt: Möglichkeiten zählen

Zählprinzip einfach erklärt: Möglichkeiten zählen
Zählprinzip einfach erklärt: Möglichkeiten zählen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Bei einer Auswahl in mehreren Stufen multiplizierst du die Anzahl der Möglichkeiten jeder Stufe. So findest du die Gesamtzahl, ohne jede Kombination einzeln ausprobieren zu müssen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du das Zählprinzip?

Stell dir ein Menü aus Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise vor. Du wählst nacheinander je eine Möglichkeit aus jeder Kategorie.

Definition

Zählprinzip

Besteht eine vollständige Möglichkeit aus mehreren aufeinanderfolgenden Wahlen, multiplizierst du die Anzahlen der Wahlmöglichkeiten:

$$n_1 \cdot n_2 \cdot \ldots \cdot n_k$$

Dabei ist zum Beispiel $n_1$ die Anzahl der Möglichkeiten auf der ersten Stufe.

Beispiel

Du kannst zwischen 2 Vorspeisen, 3 Hauptspeisen und 2 Nachspeisen wählen.

  • Zu jeder Vorspeise passen 3 Hauptspeisen.
  • Zu jeder dieser Kombinationen passen 2 Nachspeisen.

Deshalb gibt es

$$2 \cdot 3 \cdot 2 = 12$$

verschiedene Menüs.

Merke

Frag dich: Aus wie vielen aufeinanderfolgenden Wahlen besteht eine vollständige Möglichkeit? Die Anzahlen dieser Wahlen werden multipliziert.

Ein typischer Fehler ist das Addieren. Die Rechnung $2+3+2=7$ zählt nur die angebotenen Speisen, aber keine vollständigen Menüs.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWie viele Menüs entstehen aus 2 Vorspeisen, 3 Hauptspeisen und 2 Nachspeisen?
Lösung: 12 — Ein Menü enthält je eine Wahl aus allen drei Stufen. Daher rechnest du $2 \cdot 3 \cdot 2=12$.
Wie findest du alle Möglichkeiten systematisch?

Bei kleinen Zahlen kannst du alle Kombinationen geordnet aufschreiben. Das macht sichtbar, warum die Produktregel funktioniert.

Beispiel

Es gibt drei Oberteile O1, O2 und O3 sowie zwei Hosen H1 und H2.

Oberteilmögliche Kombinationen
O1O1–H1, O1–H2
O2O2–H1, O2–H2
O3O3–H1, O3–H2

Zu jedem der 3 Oberteile gehören genau 2 Hosenmöglichkeiten. Deshalb enthält die Liste

$$3 \cdot 2 = 6$$

Kombinationen. Sie ist vollständig, weil jede Hose bei jedem Oberteil genau einmal vorkommt.

Ein Baumdiagramm ordnet dieselben Möglichkeiten nach Stufen: Von jedem Oberteil-Zweig gehen zwei Hosen-Zweige ab. Die sechs Enden des Baums entsprechen den sechs vollständigen Kombinationen.

Bei vielen Möglichkeiten ist die Rechnung kürzer. Für 5 Hosen, 2 Gürtel und 6 Paar Socken gilt:

$$5 \cdot 2 \cdot 6 = 60$$

Die Reihenfolge der Kategorien in der Rechnung ändert das Ergebnis nicht. Inhaltlich muss aber weiterhin klar sein, wofür jeder Faktor steht.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Outfit besteht aus einer von 5 Hosen, einem von 2 Gürteln und einem von 6 Paar Socken. Wie viele Outfits sind möglich?
Lösung: 60 — Jede vollständige Auswahl enthält eine Hose, einen Gürtel und ein Paar Socken. Daher rechnest du $5 \cdot 2 \cdot 6=60$.
Was passiert bei abnehmenden Wahlmöglichkeiten?

Manchmal kann eine bereits verwendete Möglichkeit nicht erneut gewählt werden. Dann wird die Zahl der Möglichkeiten von Stufe zu Stufe kleiner.

Beispiel

Vier Personen sollen vier verschiedene Plätze in einem Rennen belegen.

  1. Für Platz 1 gibt es 4 Möglichkeiten.
  2. Danach bleiben für Platz 2 noch 3 Personen.
  3. Für Platz 3 bleiben 2 Personen.
  4. Die letzte Person erhält Platz 4.

Damit gibt es

$$4 \cdot 3 \cdot 2 \cdot 1 = 24$$

mögliche Zieleinläufe.

Definition

Fakultät

Das Produkt aller natürlichen Zahlen von $n$ bis 1 heißt Fakultät. Man schreibt

$$n! = n \cdot (n-1) \cdot \ldots \cdot 2 \cdot 1$$

Zum Beispiel gilt $4!=24$.

Die Fakultät passt hier, weil jede Person genau einmal platziert wird und die Reihenfolge der Personen zählt. Bei sechs Läuferinnen und Läufern gibt es $6!=720$ mögliche Zieleinläufe.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum stehen in der Rechnung für vier verschiedene Plätze die Faktoren $4$, $3$, $2$ und $1$?
Lösung: Nach jeder Platzvergabe steht eine Person weniger zur Auswahl. — Weil keine Person doppelt platziert werden darf, sinkt die Zahl der verfügbaren Personen nach jeder Wahl um eins.
Vertiefung: Wie hilft das Zählprinzip bei Wahrscheinlichkeiten?

Das Zählprinzip kann die Anzahl der Ergebnisse eines Zufallsexperiments bestimmen. Für eine Laplace-Rechnung müssen die gezählten Einzelergebnisse gleich wahrscheinlich sein.

Beispiel

In einer Urne liegen 1 schwarze, 2 rote und 4 weiße Kugeln. Die Kugeln werden einzeln unterschieden. Du ziehst dreimal mit Zurücklegen.

Da vor jedem Zug wieder alle 7 Kugeln in der Urne liegen, gibt es insgesamt

$$|\Omega|=7^3=343$$

gleich wahrscheinliche Ergebnisse.

Gesucht ist das Ereignis „mindestens eine weiße Kugel“. Einfacher zählt man zuerst das Gegenereignis „keine weiße Kugel“. Dafür kommen bei jedem Zug nur die 3 nicht weißen Kugeln infrage:

$$3^3=27$$

Also gehören

$$343-27=316$$

Ergebnisse zum gesuchten Ereignis. Damit gilt

$$P(\text{mindestens eine weiße Kugel})=\frac{316}{343}\approx 92\,\%$$

Das Ergebnis passt zum Kontext: Bei vier weißen von sieben Kugeln ist mindestens eine weiße Kugel in drei Zügen sehr wahrscheinlich.

Gut zu wissen

Mit Zurücklegen bedeutet: Nach jedem Zug kommt die Kugel zurück. Deshalb bleiben die 7 Wahlmöglichkeiten auf jeder Stufe erhalten. Ohne Zurücklegen würden sie abnehmen.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerWarum wird das Gegenereignis mit $3^3$ gezählt?
Lösung: Bei jedem der drei Züge sind genau drei nicht weiße Kugeln möglich. — „Keine weiße Kugel“ erlaubt bei jedem Zug nur die eine schwarze und die zwei roten Kugeln. Mit Zurücklegen sind das dreimal jeweils 3 Möglichkeiten.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Zählprinzip
    • Gleichbleibende Wahlmöglichkeiten: Kategoriegrößen multiplizieren
    • Systematische Darstellung: Liste, Tabelle oder Baumdiagramm
    • Abnehmende Wahlmöglichkeiten: kleinere Faktoren und Fakultät
    • Wahrscheinlichkeit: Ergebnisanzahlen und Gegenereignis nutzen
    • Kontrolle: Vollständigkeit und Bedingungen prüfen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Rechnung passt zu einer Auswahl aus 3 Paar Schuhen, 2 Hosen und 4 T-Shirts?
Lösung: $3 \cdot 2 \cdot 4$ — Ein Outfit enthält je eine Wahl aus allen drei Kategorien. Daher werden alle drei Anzahlen multipliziert.
Frage 2 von 3MittelFünf verschiedene Bücher werden ohne Wiederholung auf fünf Plätze gestellt. Wie viele Anordnungen gibt es?
Lösung: $5!=120$ — Nach jeder Platzvergabe bleibt ein Buch weniger übrig: $5 \cdot 4 \cdot 3 \cdot 2 \cdot 1=120$.
Frage 3 von 3SchwerBei drei Ziehungen mit Zurücklegen gibt es jeweils 4 mögliche Ergebnisse. Welche Aussage begründet die Gesamtzahl 64 richtig?
Lösung: Jede der 4 Möglichkeiten des ersten Zugs lässt sich mit 4 Möglichkeiten des zweiten und 4 des dritten Zugs verbinden. — Mit Zurücklegen bleiben auf jeder Stufe 4 Möglichkeiten erhalten. Daher gilt $4 \cdot 4 \cdot 4=64$.

Prüfe bei jeder neuen Aufgabe zum Schluss drei Punkte: Hast du die Wahlstufen richtig erkannt? Passt jeder Faktor zu einer Stufe? Hast du beachtet, ob Möglichkeiten erneut verwendet werden dürfen?

Passend dazu

Ausprobieren