Mathematik

Kombinatorik: Aufgaben systematisch lösen

Kombinatorik: Aufgaben systematisch lösen
Kombinatorik: Aufgaben systematisch lösen
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Mit Kombinatorik bestimmst du, wie viele Anordnungen oder Auswahlen möglich sind, ohne jeden Fall einzeln ausprobieren zu müssen. Entscheidend ist: Werden alle Objekte verwendet? Zählt die Reihenfolge? Sind Wiederholungen möglich?

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Möglichkeiten vollständig zählen

Wie viele Outfits entstehen aus drei Paar Schuhen, zwei Hosen und vier T-Shirts? Du triffst drei aufeinanderfolgende Entscheidungen. Zu jeder Schuhwahl passen zwei Hosen und zu jeder dieser Kombinationen vier T-Shirts.

Definition

Produktprinzip

Folgen mehrere unabhängige Wahlstufen aufeinander, multiplizierst du ihre Anzahlen. Bei $n_1,n_2,\ldots,n_k$ Möglichkeiten sind es insgesamt $n_1\cdot n_2\cdots n_k$ Ergebnisse.

Beispiel

Für das Outfit gilt:

$$3\cdot2\cdot4=24$$

Es gibt 24 verschiedene Outfits. Ein Baumdiagramm würde auf seiner ersten Stufe drei, auf der zweiten zwei und auf der dritten vier Äste zeigen. Seine 24 Enden entsprechen den 24 Ergebnissen.

Definition

Summenprinzip

Zerfällt eine Aufgabe in Fälle, die sich gegenseitig ausschließen, addierst du deren Anzahlen. Gibt es zum Beispiel drei Wege mit dem Bus und vier Wege mit der Bahn, aber keinen Weg, der zu beiden Gruppen gehört, sind es $3+4=7$ Wege.

Merke

„Und danach“ führt meist zum Multiplizieren. „Entweder oder“ führt bei getrennten Fällen meist zum Addieren.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtEine Eisdiele bietet drei Sorten und zwei Soßen. Du wählst eine Sorte und eine Soße. Wie viele Kombinationen gibt es?
Lösung: $3\cdot2=6$ — Zu jeder der drei Sorten passen beide Soßen. Das ergibt sechs Ergebnisse.
Frage 2 von 2MittelEin Passwort besteht aus einem von vier Buchstaben und danach einer von drei Ziffern. Welche Rechnung zählt alle Passwörter?
Lösung: $4\cdot3$ — Für jede der vier Buchstabenwahlen gibt es drei mögliche Ziffern.
Mit drei Fragen den richtigen Fall finden

Bevor du eine Formel auswählst, klärst du die Struktur der Aufgabe:

  1. Werden alle vorhandenen Objekte angeordnet? Dann handelt es sich um eine Permutation.
  2. Wird nur ein Teil ausgewählt? Dann prüfst du die Reihenfolge: Mit Reihenfolge ist es eine Variation, ohne Reihenfolge eine Kombination.
  3. Darf etwas mehrfach vorkommen? Dann liegt bei einer Auswahl ein Fall mit Wiederholung vor.

Dabei bezeichnet $n$ die Zahl der verfügbaren Möglichkeiten und $k$ die Zahl der ausgewählten Objekte oder Stellen.

Gut zu wissen

Der Ausdruck „mit Wiederholung“ hat zwei verwandte, aber unterschiedliche Bedeutungen. Bei Auswahlen darf dasselbe Ergebnis mehrfach gewählt werden, etwa durch Zurücklegen einer Kugel. Bei Permutationen sind bereits mehrere gleiche, nicht unterscheidbare Objekte vorhanden. Es wird dort nichts zurückgelegt.

Beispiel

Aus fünf verschiedenfarbigen Kugeln werden drei gezogen.

  • Zählt die Ziehungsreihenfolge, ist Rot–Blau–Grün ein anderes Ergebnis als Blau–Rot–Grün: Variation.
  • Zählt nur die ausgewählte Farbgruppe, sind beide Ergebnisse gleich: Kombination.
  • Wird jede Kugel nach dem Ziehen zurückgelegt, sind Wiederholungen möglich.
Teste dich
Frage 1 von 2LeichtAlle sechs verschiedenfarbigen Kugeln werden in einer Reihe angeordnet. Welcher Grundfall liegt vor?
Lösung: Permutation ohne Wiederholung — Alle Objekte werden genau einmal verwendet, und ihre Reihenfolge zählt.
Frage 2 von 2MittelDrei Plätze eines Turniers werden aus acht Personen vergeben. Eine Person darf nur einen Platz erhalten. Welcher Fall passt?
Lösung: Variation ohne Wiederholung — Es werden drei aus acht Personen geordnet ausgewählt, ohne eine Person mehrfach zu verwenden.
Permutationen: Alle Objekte anordnen

Eine Permutation ist eine Anordnung aller vorhandenen Objekte. Für den ersten Platz gibt es $n$ Möglichkeiten, danach $n-1$, dann $n-2$ und so weiter.

Definition

Fakultät

Die Fakultät $n!$ ist das Produkt aller natürlichen Zahlen von $1$ bis $n$:

$$n!=1\cdot2\cdot\ldots\cdot n$$

Sind alle $n$ Objekte unterscheidbar, gibt es

$$n!$$

Permutationen.

Beispiel

Fünf verschiedenfarbige Kugeln werden angeordnet:

$$5!=1\cdot2\cdot3\cdot4\cdot5=120$$

Es gibt 120 Anordnungen.

Sind Objekte innerhalb bestimmter Gruppen nicht unterscheidbar, erzeugt ihr Vertauschen keine neue Anordnung. Bei Gruppengrößen $k_1,k_2,\ldots,k_s$ gilt:

$$\frac{n!}{k_1!\,k_2!\cdots k_s!}$$

Beispiel

Drei grüne und zwei gelbe Kugeln werden angeordnet. Ohne gleiche Farben zu berücksichtigen, würde $5!$ jede sichtbare Farbfolge mehrfach zählen: Die drei grünen Kugeln lassen sich untereinander auf $3!$ Arten vertauschen, die zwei gelben auf $2!$ Arten.

$$\frac{5!}{3!\,2!}=\frac{120}{12}=10$$

Es gibt 10 sichtbare Farbanordnungen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWie viele Anordnungen haben die Buchstaben von „ANNA“?
Lösung: $\frac{4!}{2!\,2!}=6$ — Von den $4!$ gedachten Anordnungen musst du durch $2!$ für die A und durch $2!$ für die N teilen.
Variationen und Kombinationen: Einen Teil auswählen

Wählst du $k$ Objekte aus $n$ Möglichkeiten, entscheidet zuerst die Reihenfolge.

FallReihenfolge?Wiederholung?Anzahl
Variation ohne Wiederholungjanein$\frac{n!}{(n-k)!}$
Variation mit Wiederholungjaja$n^k$
Kombination ohne Wiederholungneinnein$\binom{n}{k}$
Kombination mit Wiederholungneinja$\binom{n+k-1}{k}$

Der Binomialkoeffizient „$n$ über $k$“ ist

$$\binom{n}{k}=\frac{n!}{k!(n-k)!}$$

Warum wird bei einer Kombination ohne Wiederholung durch $k!$ geteilt? Eine ungeordnete Auswahl wurde bei der entsprechenden Variation in allen $k!$ möglichen Reihenfolgen mitgezählt.

Beispiel

Aus fünf verschiedenfarbigen Kugeln werden drei ausgewählt:

  1. Geordnet, ohne Zurücklegen:

$$\frac{5!}{(5-3)!}=5\cdot4\cdot3=60$$

  1. Geordnet, mit Zurücklegen:

$$5^3=125$$

  1. Ungeordnet, ohne Zurücklegen:

$$\binom{5}{3}=10$$

  1. Ungeordnet, mit Zurücklegen:

$$\binom{5+3-1}{3}=\binom{7}{3}=35$$

Dieselbe Ausgangszahl führt also je nach Bedingungen zu vier verschiedenen Ergebnissen.

Merke

Frage nicht zuerst „Welche Formel kenne ich?“, sondern: Zählt die Reihenfolge, und darf etwas mehrfach vorkommen?

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtBei einem dreistelligen Zahlencode darf jede der zehn Ziffern mehrfach vorkommen. Welcher Fall liegt vor?
Lösung: Variation mit Wiederholung — Drei geordnete Stellen werden jeweils aus zehn Ziffern besetzt; daher wäre die Anzahl $10^3$.
Frage 2 von 2MittelSechs Personen wählen ein Team aus zwei Personen. Die Rollen im Team sind gleich. Wie viele Teams gibt es?
Lösung: $\binom{6}{2}=15$ — Die Reihenfolge der beiden Teammitglieder ist ohne Bedeutung, und niemand wird doppelt gewählt.
Aufgaben lösen und Ergebnisse prüfen

Eine vollständige Lösung besteht nicht nur aus einer Formel. Halte deine Entscheidung sichtbar fest:

  1. Bestimme $n$ und $k$.
  2. Entscheide, ob alle Objekte oder nur $k$ Objekte verwendet werden.
  3. Prüfe Reihenfolge und Wiederholung.
  4. Wähle Darstellung oder Formel.
  5. Berechne und formuliere das Ergebnis im Sachzusammenhang.
  6. Prüfe, ob die Anzahl plausibel ist.
Beispiel

Ein zweistelliger Code wird aus den Ziffern $0,1,2,3$ gebildet. Wiederholungen sind erlaubt.

Es gibt zwei geordnete Stellen mit jeweils vier Möglichkeiten. Nach dem Produktprinzip entstehen

$$4^2=16$$

Codes. Genau vier davon haben zwei gleiche Ziffern: $00$, $11$, $22$ und $33$.

Sind alle 16 Codes gleich wahrscheinlich, beträgt die Wahrscheinlichkeit für zwei gleiche Ziffern

$$P=\frac{4}{16}=\frac14$$

also 25 %.

Gut zu wissen

Die Rechnung „günstige Ergebnisse geteilt durch alle Ergebnisse“ gilt nur, wenn alle betrachteten Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind.

Eine Aufgabenstellung wie „Aus sieben Kugeln werden drei ausgewählt“ reicht noch nicht für eine eindeutige Zahl. Du musst zusätzlich wissen, ob die Reihenfolge zählt und ob zurückgelegt wird.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Werden alle unterscheidbaren Objekte angeordnet, verwendest du eine . Bei einer Auswahl heißt der Fall mit beachteter Reihenfolge . Ist die Reihenfolge unwichtig, heißt er . Mehrere aufeinanderfolgende Wahlstufen verbindest du meist mit dem .

Lösungen: Lücke 1: Permutation; Lücke 2: Variation; Lücke 3: Kombination; Lücke 4: Produktprinzip. Prüfe zuerst, ob alle Objekte verwendet werden. Bei einer Auswahl trennt die Frage nach der Reihenfolge Variation und Kombination.
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Frage 1 von 1SchwerEine Person behauptet: „Aus sieben Kugeln drei auswählen ergibt immer $\binom73$.“ Was ist die beste Beurteilung?
Lösung: Die Aussage stimmt nur, wenn die Reihenfolge nicht zählt und keine Kugel mehrfach gewählt wird. — Erst die vollständigen Bedingungen bestimmen den kombinatorischen Fall.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Kombinatorik
    • systematisch zählen
      • Produktprinzip bei mehreren Wahlstufen
      • Summenprinzip bei getrennten Fällen
    • alle Objekte anordnen
      • Permutation
      • gleiche Objekte durch Fakultäten herausrechnen
    • einen Teil auswählen
      • Variation bei wichtiger Reihenfolge
      • Kombination bei unwichtiger Reihenfolge
    • Bedingungen prüfen
      • Wiederholung oder Zurücklegen möglich
      • Ergebnis auf Plausibilität prüfen
    • Wahrscheinlichkeit
      • günstige durch alle gleich wahrscheinlichen Ergebnisse
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Frage unterscheidet Variation und Kombination unmittelbar?
Lösung: Zählt die Reihenfolge der ausgewählten Objekte? — Bei einer Auswahl bedeutet wichtige Reihenfolge Variation und unwichtige Reihenfolge Kombination.
Frage 2 von 3MittelVier verschiedenfarbige Kugeln werden zweimal mit Zurücklegen gezogen. Die Reihenfolge wird notiert. Wie viele Ergebnisse gibt es?
Lösung: $4^2=16$ — Für jede der beiden geordneten Ziehungen stehen erneut vier Farben zur Verfügung.
Frage 3 von 3SchwerFür ein Klassensprecherteam werden zwei gleichberechtigte Personen aus sechs gewählt. Danach werden aus drei Logos und zwei Farben ein Logo und eine Farbe bestimmt. Wie viele Gesamtergebnisse gibt es?
Lösung: $\binom62\cdot3\cdot2=90$ — Zuerst gibt es 15 ungeordnete Zweierteams. Zu jedem Team passen $3\cdot2=6$ Gestaltungen, also insgesamt $15\cdot6=90$ Ergebnisse.

Wenn du bei einer neuen Aufgabe zuerst die Bedingungen statt einer Formel suchst, wird aus unübersichtlichem Probieren ein vollständiger und begründbarer Zählweg.

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