Alteration in der Musik: Töne verändern und Wirkung verstehen
Was ist eine Alteration? In der Tonhöhenlehre ist das die chromatische Erhöhung oder Erniedrigung eines Tons, meist um einen Halbton. Dadurch können Spannung, eine neue Klangfarbe oder eine andere harmonische Wirkung entstehen.
Beginne mit den Tonveränderungen. Die späteren Abschnitte zur Akkorddeutung und zu besonderen Formen gehen darüber hinaus.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du eine Alteration?
Die unveränderten Stammtöne heißen im Deutschen:
c – d – e – f – g – a – h
Ein Halbtonschritt führt auf dem Klavier zur unmittelbar benachbarten Taste, wobei du weiße und schwarze Tasten berücksichtigst. Zwei Halbtonschritte ergeben einen Ganzton.
Wird ein Stammton oder ein bereits durch Vorzeichen veränderter Ton erhöht oder erniedrigt, entsteht ein alterierter Ton. Bei einer chromatischen Veränderung bleibt seine Stammtonzuordnung erhalten: Aus g wird etwa gis. Dagegen ist e → f zwar ein Halbtonschritt, aber keine Alteration von e: Du wechselst zum nächsten Stammton.
Im Notenbild stehen dafür häufig ein Kreuz, ein Be oder ein Auflösungszeichen. Das Zeichen allein genügt aber nicht für die Deutung. Du musst immer fragen: Welcher Ton ist der Bezugston, und in welche Richtung wurde er verändert?
Alteration
Eine Alteration ist die chromatische Erhöhung oder Erniedrigung eines Tons. Sie kann einen Ton einer Melodie, eine Tonleiterstufe oder einen Ton innerhalb eines Akkords betreffen.
Der Bezugston ist zum Beispiel durch die Tonartvorzeichnung oder die Grundform des Akkords festgelegt; er muss nicht direkt vorher erklingen. Ein Versetzungszeichen allein beweist deshalb noch keine harmonische Alteration. Die harmonische Funktion ist die Rolle eines Akkords im musikalischen Zusammenhang.
Wie unterscheiden sich Hoch- und Tiefalteration?
Bei einer Hochalteration wird der Ausgangston erhöht, bei einer Tiefalteration erniedrigt. Hier betrachten wir jeweils die Veränderung um einen Halbton.
Aus dem Ton g wird gis. Gis liegt einen Halbton über g: Das ist eine Hochalteration.
Aus dem Ton g wird ges. Ges liegt einen Halbton unter g: Das ist eine Tiefalteration.
Auch ein Auflösungszeichen kann in beide Richtungen wirken:
- Ist
asvorgezeichnet, verändert ein Auflösungszeichenaszua. Der Ton steigt um einen Halbton: Hochalteration. - Ist
fisvorgezeichnet, macht ein Auflösungszeichen darausf. Der Ton sinkt um einen Halbton: Tiefalteration.
Nicht Kreuz, Be oder Auflösungszeichen bestimmen die Alterationsrichtung, sondern die Bewegung vom Ausgangston zum veränderten Ton.
So gehst du sicher vor:
- Bestimme den bisher geltenden Ausgangston.
- Vergleiche ihn mit dem neu notierten Ton.
- Prüfe, ob die Bewegung einen Halbton nach oben oder unten führt.
- Benenne sie als Hoch- oder Tiefalteration.
Welche Wirkung hat eine Alteration?
Ein gegenüber der zugrunde gelegten Tonleiter veränderter Ton heißt leiterfremd. Gegenüber einer Akkordgrundform kann ebenfalls ein Ton verändert werden. Solche Veränderungen können verschiedene Aufgaben übernehmen:
- Er verändert die Klangfarbe.
- Er erzeugt oder verstärkt Spannung.
- Er gibt einer Stimme eine deutliche Bewegungsrichtung.
- Er kann die Funktion eines Akkords verändern oder mehrdeutig machen.
- Er kann einen Übergang zu einer anderen Tonart unterstützen.
In tonaler Musik wirken alterierte Töne häufig als Strebetöne: Man erwartet eine Weiterführung zu einem bestimmten Ton. Ein erhöhter Ton strebt oft im Halbtonschritt nach oben, ein erniedrigter oft nach unten. Das ist eine typische Tendenz, aber keine Regel, die ohne Prüfung des musikalischen Zusammenhangs immer gilt.
Erfundenes Melodiebeispiel in C-Dur: Statt f – g spielst du f – fis – g.
Zwischen f und g liegt ein Ganzton. Du erhöhst f zu fis; von fis zu g bleibt nur noch ein Halbton. Das fis kann dadurch als künstlicher Leitton wirken: Es lässt die Weiterführung zum unmittelbar höheren g erwarten. Die Bewegung fis → g ist die Auflösung, nicht eine weitere Alteration von fis.
Eine Alteration und eine Modulation sind nicht dasselbe. Die Alteration ist zunächst die örtliche Veränderung eines Tons. Eine Modulation, also der Wechsel der Tonart, kann daraus entstehen oder dadurch vorbereitet werden, muss aber nicht stattfinden.
Wie verändert eine Alteration einen Akkord?
Ein Akkord ist ein Zusammenklang mehrerer Töne. Beim C-Dur-Dreiklang c – e – g heißt c Grundton, e Terz und g Quinte. Die Namen Terz und Quinte beziehen sich auf den dritten beziehungsweise fünften Stammton, von c aus mitgezählt: c – d – e – f – g.
Ein Akkordton kann erhöht oder erniedrigt werden. Ein häufiges Beispiel ist die Veränderung der Quinte.
Der C-Dur-Dreiklang besteht aus c – e – g.
- Tiefalteration der Quinte:
c – e – gwird zuc – e – ges. - Hochalteration der Quinte:
c – e – gwird zuc – e – gis.
Bei c – e – ges ist der Abstand c – ges eine verminderte Quinte: Sie ist einen Halbton kleiner als c – g. Achtung: Der ganze Akkord ist kein gewöhnlicher verminderter Dreiklang; der müsste c – es – ges heißen.
Bei c – e – gis ist die Quinte einen Halbton größer als c – g, also übermäßig. Es entsteht ein übermäßiger Dreiklang. Beide veränderten Klänge gelten in der klassischen Harmonielehre als dissonant, also spannungsreich gegenüber dem unveränderten Dur-Dreiklang.
Warum unterscheiden sich die Lehrsysteme?
Wird in c – e – g die Terz e zu es erniedrigt, entsteht c – es – g: Aus C-Dur wird c-Moll. Dur und Moll heißen auch Tongeschlechter.
Manche Harmonielehren nennen das Terzalteration. Andere verwenden „Alteration“ enger für Veränderungen, die die Akkordidentität erhalten, und grenzen den Wechsel von Dur zu Moll davon ab. Auch Veränderungen des Grundtons werden unterschiedlich eingeordnet; sie können einen anderen Akkord und eine andere Funktion ergeben.
Beschreibe zuerst, welcher Ton wie verändert wird, und nenne danach die harmonische Deutung. Ob eine Veränderung „Alteration“ heißt, hängt auch vom Lehrsystem ab.
Für Fortgeschrittene: Welche besonderen Formen gibt es?
Bei komplexeren Akkorden können mehrere Formen eines Tons gleichzeitig erklingen.
Disalteration
Bei der Disalteration, auch Tonspaltung genannt, erscheint derselbe Akkordton gleichzeitig in hoch- und tiefalterierter Form. Der betreffende Akkordton muss dafür doppelt vorhanden sein.
Ein Beispiel ist die gleichzeitige Veränderung der Quinte g zu ges und gis. Im Akkord erklingen dann sowohl die erniedrigte als auch die erhöhte Quinte.
Koalteration
Bei der Koalteration erklingen die alterierte und die unveränderte Form desselben Tons gleichzeitig, zum Beispiel g zusammen mit gis.
Diese Begriffe darfst du nicht verwechseln:
- Disalteration: tiefalterierte und hochalterierte Form zugleich
- Koalteration: unveränderte und alterierte Form zugleich
Auch die Schreibweise trägt zur Deutung bei: gis und as liegen auf derselben Klaviertaste. In der gleichstufigen Stimmung, die die Oktave in zwölf gleich große Halbtonschritte teilt, klingen sie gleich hoch. Sie heißen enharmonisch gleich, bleiben aber unterschiedlich benannt.
Bei einer enharmonischen Alteration entspricht ein alterierter Ton klanglich einem anders benannten Akkordton. Die beiden Deutungen können verschiedene Funktionen und Auflösungsrichtungen haben. Gleiche Tonhöhe bedeutet daher nicht automatisch gleiche harmonische Bedeutung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Alteration
- Ausgangspunkt und veränderten Ton vergleichen
- Hochalteration führt nach oben
- Tiefalteration führt nach unten
- Wirkung kann Klangfarbe, Spannung oder Funktion betreffen
- Akkorddeutung hängt teilweise vom Lehrsystem ab
- Disalteration und Koalteration unterscheiden
Abschluss-Check
Du kannst eine Alteration zuverlässig analysieren, wenn du drei Schritte trennst: Ausgangston bestimmen, Bewegungsrichtung benennen und Wirkung im musikalischen Zusammenhang deuten.
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