Musik

Zwölftonmusik: Grundreihe, Krebs und Umkehrung

Zwölftonmusik: Grundreihe, Krebs und Umkehrung
Zwölftonmusik: Grundreihe, Krebs und Umkehrung
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Zwölftonmusik ordnet die zwölf Tonklassen der chromatischen Skala mithilfe einer Reihe. Aus einer Grundreihe entstehen durch Rückwärtslesen, Spiegeln und Transponieren weitere Formen. Diese Ordnung ist ein Werkzeug zum Komponieren – sie legt nicht automatisch Rhythmus, Klang oder Ausdruck fest.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Zwölf Tonklassen bilden das Material

Auf dem Klavier findest du innerhalb einer Oktave zwölf verschiedene Töne: sieben weiße und fünf schwarze Tasten. Für die Reihentechnik betrachtet man sie als Tonklassen.

Definition

Tonklasse

Eine Tonklasse umfasst alle gleich benannten beziehungsweise enharmonisch gleichgesetzten Töne unabhängig von ihrer Oktavlage. Ein tiefes cis und ein hohes cis gehören also zur selben Tonklasse. In der hier verwendeten Vereinfachung gelten auch fis und ges als dieselbe Tonklasse.

Eine Grundreihe ordnet alle zwölf Tonklassen so, dass jede genau einmal vorkommt. Ein Beispiel ist:

g – f – b – h – cis – a – fis – d – gis – e – c – dis

Die Grundreihe ist zunächst eine abstrakte Reihenfolge. Ob ein Ton hoch oder tief erklingt, wie lange er dauert und wie laut er gespielt wird, ist damit noch nicht entschieden.

Merke

Eine Grundreihe ist keine Tonleiter: Ihre zwölf Tonklassen müssen nicht der Tonhöhe nach geordnet sein.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Folge kann eine Grundreihe sein?
Lösung: Eine Folge aus zwölf Tonklassen, in der jede genau einmal vorkommt — Entscheidend sind zwölf verschiedene Tonklassen in einer festgelegten Reihenfolge.
Drei Verfahren verändern die Grundreihe

Aus der Grundreihe entstehen drei wichtige Ableitungen.

Krebs

Der Krebs liest die Grundreihe von hinten nach vorn. Die Abstände zwischen benachbarten Tönen bleiben erhalten, erscheinen aber in umgekehrter Reihenfolge und Richtung.

Beispiel

Aus dem kurzen Reihenabschnitt c – e – fis – a wird rückwärts:

a – fis – e – c

Genau dieses Rückwärtslesen wird bei einer vollständigen Zwölftonreihe auf alle zwölf Tonklassen angewendet.

Umkehrung

Bei der Umkehrung bleibt die Größe jedes Intervalls erhalten, aber seine Richtung wird gespiegelt: Aufwärts wird abwärts und abwärts wird aufwärts. Jeder neue Schritt beginnt beim zuletzt erreichten Ton.

Beispiel

Der Abschnitt c – e – f enthält zuerst vier Halbtöne aufwärts und danach einen Halbton aufwärts.

Beim Spiegeln gehst du von c zuerst vier Halbtöne abwärts zu as. Anschließend gehst du von as einen Halbton abwärts zu g.

Die Umkehrung lautet deshalb c – as – g.

Krebsumkehrung

Die Krebsumkehrung verbindet beide Verfahren: Du bildest zuerst die Umkehrung und liest sie anschließend rückwärts. Aus c – as – g wird somit g – as – c.

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Frage 1 von 2MittelWie lautet die Umkehrung von c – e – f?
Lösung: c – as – g — Vier Halbtöne aufwärts werden vier Halbtöne abwärts; danach wird ein Halbton aufwärts zu einem Halbton abwärts.
Frage 2 von 2MittelWas ist der Krebs von c – e – fis – a?
Lösung: a – fis – e – c — Lies die gegebene Folge ohne weitere Veränderung von rechts nach links.
Transpositionen erweitern den Vorrat

Die vier Reihenformen heißen Grundreihe (G), Krebs (K), Umkehrung (U) und Krebsumkehrung (KU). Jede Form kann so verschoben werden, dass sie auf jeder der zwölf chromatischen Tonstufen beginnt. Diese Verschiebung heißt Transposition.

Es ergeben sich rechnerisch:

4 Reihenformen × 12 Transpositionen = 48 Formen

Dabei bleiben die Intervallbeziehungen der jeweiligen Form erhalten. Nur die absolute Tonhöhe verändert sich.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim wird eine Reihe rückwärts gelesen. Bei der wechseln die Intervallrichtungen. Werden beide Verfahren verbunden, entsteht die . Eine Verschiebung auf eine andere Anfangsstufe heißt .

Lösungen: Lücke 1: Krebs; Lücke 2: Umkehrung; Lücke 3: Krebsumkehrung; Lücke 4: Transposition. Prüfe für jede Form, ob sich Leserichtung, Intervallrichtung oder nur die Anfangshöhe ändert.
Aus der Reihe wird klingende Musik

Eine Reihe ordnet Tonklassen, schreibt aber nicht das gesamte Musikstück vor. Komponierende können unter anderem gestalten:

  • Oktavlage,
  • Rhythmus und Tondauer,
  • Lautstärke,
  • Artikulation,
  • Instrumentation.

Reihentöne können nacheinander als Melodie erklingen. Aufeinanderfolgende Töne lassen sich auch zu Akkorden bündeln. Außerdem können mehrere Reihenformen gleichzeitig laufen oder ineinander verschachtelt werden.

Gut zu wissen

Die Oktavlage verändert den hörbaren Abstand. Ein abstrakter Reihenschritt kann durch Oktavversetzung als anderes Komplementärintervall erklingen. Die beteiligten Tonklassen und ihre Reihenpositionen bleiben trotzdem erhalten.

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Frage 1 von 1MittelZwei Aufführungen verwenden dieselbe Reihenform, aber unterschiedliche Rhythmen und Oktavlagen. Was folgt daraus?
Lösung: Die Reihenordnung kann gleich sein, obwohl die Musik verschieden klingt. — Die Reihe ordnet Tonklassen. Viele Eigenschaften des klingenden Ergebnisses bleiben gestaltbar.
Grundregel und wirkliche Kompositionspraxis

Als Einstieg wird häufig gesagt: Ein Ton darf erst wiederkehren, nachdem alle zwölf Tonklassen erklungen sind. Diese Regel beschreibt einen sauberen Durchlauf einer einzelnen Grundform anschaulich. Sie darf aber nicht als ausnahmsloses Gesetz für jedes zwölftönige Werk missverstanden werden.

Arnold Schönbergs tatsächliche Praxis war flexibler. Er verwendete unter anderem unmittelbare Wiederholungen, Rückgriffe, unvollständige Reihenabläufe und gleichzeitig erklingende Reihenformen. Beim Wechsel zwischen zwei Formen kann eine Tonklasse erneut auftreten, obwohl in der Zwischenzeit nicht alle anderen Tonklassen erklungen sind.

Merke

Die Reihe bleibt ein Ordnungsprinzip, auch wenn ihre kompositorische Umsetzung von einer strengen Schulregel abweicht.

Die Technik entstand um 1920 im Umfeld Arnold Schönbergs und der Wiener Schule. Sie sollte Tonmaterial ohne die gewohnte Vorherrschaft eines Grundtons ordnen und zugleich beim Aufbau größerer musikalischer Formen helfen. Josef Matthias Hauer arbeitete bereits 1919 in einem eigenen zwölftönigen System.

In den 1950er Jahren wurde das Reihenprinzip in der seriellen Musik erweitert. Dort konnten außer Tonhöhen auch Tondauern, Lautstärken oder Artikulationsarten durch Reihen organisiert werden.

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Frage 1 von 1SchwerIn einem Werk kehrt eine Tonklasse früh wieder. Beweist das, dass keine Zwölftontechnik verwendet wird?
Lösung: Nein, denn überlagerte Formen, Rückgriffe oder bewusste Wiederholungen können frühe Wiederkehr erzeugen. — Für eine Analyse musst du untersuchen, welche Reihenformen und Schichten verwendet werden. Eine einzelne frühe Wiederholung reicht nicht als Gegenbeweis.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Zwölftonmusik
    • Tonmaterial
      • zwölf chromatische Tonklassen
      • Grundreihe als Ordnung
    • Reihenformen
      • Grundreihe und Krebs
      • Umkehrung und Krebsumkehrung
      • zwölf Transpositionen je Form
    • Musikalische Gestaltung
      • Oktavlage und Rhythmus
      • Dynamik und Artikulation
      • melodische und akkordische Verwendung
    • Historische Einordnung
      • Schönbergs flexibles Ordnungsprinzip
      • spätere schulmäßige Regeln
      • Erweiterung zur seriellen Musik
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Veränderung erzeugt den Krebs?
Lösung: Die Reihenfolge wird vollständig umgedreht. — Beim Krebs ändert sich die Leserichtung: Der letzte Ton wird zum ersten.
Frage 2 von 3MittelWelche Krebsumkehrung gehört zum Beispiel c – e – f?
Lösung: g – as – c — Die Umkehrung lautet c – as – g. Rückwärts gelesen ergibt sie g – as – c.
Frage 3 von 3SchwerEine Schülerin sagt: „Bei Zwölftonmusik entscheidet eine Formel über den ganzen Klang.“ Welche Antwort trifft es besser?
Lösung: Die Reihe ordnet Tonklassen, während Rhythmus, Oktavlage, Dynamik und weitere Eigenschaften gestaltet werden können. — Zwölftontechnik verbindet systematische Tonordnung mit kompositorischen Entscheidungen. Das Ergebnis kann deshalb sehr unterschiedlich und ausdrucksstark klingen.

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