Bordun: Dauerton erkennen und einsetzen
Ein Bordun ist ein gleichbleibender oder regelmäßig wiederkehrender Stützton beziehungsweise Stützklang zu einer Melodie. Während sich die Melodie bewegt, gibt ihr der Bordun einen festen klanglichen Bezugspunkt.
Auf dieser Seite lernst du, einen Bordun zu erkennen, seine Klangwirkung zu erklären und eine einfache Bordunbegleitung zu entwerfen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du einen Bordun?
Stell dir eine Melodie vor, unter der fortlaufend derselbe tiefe Ton klingt. Dieser Ton bleibt liegen, auch wenn die Melodie andere Töne erreicht. Genau dieses stabile Fundament ist der Bordun.
Bordun
Ein Bordun ist ein lang ausgehaltener oder regelmäßig wiederholter Ton beziehungsweise Klang, der eine Melodie stützt. Er wird auch Liegeton oder Stützklang genannt.
Häufig ist der Bordun der Grundton: der Ton, auf den eine Melodie bezogen ist und zu dem sie oft zurückkehrt. Zum Grundton können seine Oktave oder seine Quinte treten.
- Eine Oktave verbindet zwei gleichnamige Töne in unterschiedlicher Höhe, zum Beispiel ein tiefes C und ein hohes C.
- Eine Quinte umfasst fünf Tonstufen, zum Beispiel C–G.
- Erklingen Grundton und Quinte gemeinsam als Stützklang, spricht man von einer Bordunquinte.
Eine Melodie ist auf C ausgerichtet. Sie bewegt sich über die Töne C, D, E und G und kehrt am Ende deutlich zu C zurück. Darunter erklingt fortlaufend C–G.
C–G ist die Bordunquinte. Die wechselnden Töne darüber bilden die Melodie. Das C wirkt als tonaler Bezugspunkt, weil die Melodie auf diesen Ton ausgerichtet ist.
Wie wirkt der feste Bezugston?
Die Melodietöne bilden immer neue Abstände zum Bordun. Manche Verbindungen klingen ruhig oder verschmolzen, andere erzeugen deutlichere Reibung. Kehrt die Melodie zum Grundton oder zu einem eng passenden Ton zurück, kann das wie eine Entspannung wirken.
Reibung ist dabei nicht automatisch ein Fehler. Sie kann eine Melodie lebendig und spannungsvoll machen. Entfernt sich die Musik jedoch weit von ihrem tonalen Zentrum, kann ein unveränderter Bordun unpassend stark reiben.
Der Bordun bleibt als Bezugspunkt stabil. Spannung und Entspannung entstehen dadurch, dass sich die Melodie zu diesem Bezugspunkt unterschiedlich verhält.
Die Wirkung hängt außerdem von Tonhöhe, Lautstärke, Rhythmus, Instrument und musikalischem Zusammenhang ab. Ein tiefer, kräftiger Bordun kann schwer oder dröhnend wirken; ein leiser Bordun kann eher zurückhaltend stützen. Eine bestimmte Wirkung wie „beruhigend“ oder „hypnotisch“ ist deshalb möglich, aber nicht garantiert.
Welche Bordunformen gibt es?
Nicht jeder Bordun ist ein ununterbrochener Einzelton. Entscheidend ist, dass ein stabiler klanglicher Bezug erhalten bleibt.
- Stehender Bordun: Ein Ton oder Klang wird lange ausgehalten.
- Harmonischer Bordun: Mehrere Töne, etwa Grundton und Quinte, stützen die Melodie gemeinsam.
- Rhythmischer Bordun: Derselbe Stützton oder Stützklang wird in einem wiederkehrenden Rhythmus gespielt.
- Wechselbordun: Der Stützklang wechselt zwischen wenigen eng verbundenen Tönen oder Klängen.
- Geräuschhafter Bordun: Auch ein anhaltendes oder regelmäßig wiederkehrendes Geräusch kann eine stützende Klangfläche bilden.
Diese Formen können sich überschneiden. Eine wiederholt gespielte Bordunquinte ist zugleich harmonisch und rhythmisch.
Vier Begleitungen zu derselben Melodie:
- Ein tiefes C wird durchgehend gehalten: stehender Bordun.
- C und G werden gemeinsam gehalten: harmonischer Bordun.
- C und G erklingen immer auf dem ersten und dritten Schlag: rhythmischer und harmonischer Bordun.
- C–G und G–D wechseln regelmäßig: Wechselbordun.
Wie erzeugen Stimmen und Instrumente den Klang?
Bordun ist weltweit in vokaler und instrumentaler Musik verbreitet. Er gehört also weder nur zu einem Land noch nur zu einer Epoche.
Beim vokalen Bordun hält oder wiederholt eine Stimme einen Stützton, während andere Stimmen die Melodie singen. Auch ein Chor kann den Bordun gemeinsam bilden.
Typische Borduninstrumente besitzen eigene Teile für Melodie und Stützklang:
- Beim Dudelsack erhalten Melodie- und Bordunpfeifen Luft aus demselben Windsack. Die Bordunpfeifen halten gewöhnlich Grundton, Quinte oder Oktave.
- Bei der Drehleier streicht ein Kurbelrad mehrere Saiten. Tastbare Saiten spielen die Melodie; freie Saiten bordunieren.
- Bei der indischen Tambura werden leere Saiten fortlaufend angeschlagen und bilden den tonalen Bezug für Gesang oder Instrumentalmusik.
- Bei manchen Doppel- oder Mehrfachblasinstrumenten spielt ein Rohr die Melodie, während ein anderes den Bordun erzeugt.
Ein Instrument braucht jedoch keine besondere Bordunpfeife oder Bordunsaite. Auch eine Stimme, Trommel, ein Stabspiel oder ein ganzes Ensemble kann durch seine Spielweise einen stabilen Klang wiederholen.
Beim Dudelsack entstehen Melodie und Bordun durch Pfeifen, nicht durch Saiten. Bei der Drehleier sind dagegen tatsächlich Melodie- und Bordunsaiten vorhanden.
Wie unterscheiden sich Bordun und Ostinato?
Ein Ostinato ist ein hartnäckig wiederholtes musikalisches Muster. Es kann aus einem Rhythmus, einer Tonfolge oder beidem bestehen.
Bordun und Ostinato sind deshalb nicht dasselbe:
- Der Bordun beschreibt vor allem die stützende, stabile Klangfunktion.
- Das Ostinato beschreibt vor allem die Wiederholung eines Musters.
Beide Prinzipien können zusammenfallen. Wird eine Bordunquinte in demselben Rhythmus wiederholt, ist sie zugleich Bordun und Ostinato. Eine bewegte, wiederholte Melodiefigur kann dagegen ein Ostinato sein, ohne als Bordun zu dienen.
Muster A wiederholt nur die Töne C–G in gleichbleibendem Rhythmus und stützt eine Melodie. Es ist Bordun und Ostinato.
Muster B wiederholt die bewegte Folge C–D–E–D. Sie kann ein Ostinato sein. Ob sie zugleich eine Bordunfunktion erfüllt, hängt davon ab, ob sie als stabiles tonales Gerüst der Musik dient.
Auf Stabspielen lässt sich ein Ton nicht lange halten. Dort kann das wiederholte Anschlagen eines Tons, einer Quinte oder mehrerer geschichteter Figuren den fehlenden Liegeton ersetzen. Dieses Verfahren spielt auch im Orff-Schulwerk eine wichtige Rolle.
Wie entwirfst du eine Bordunbegleitung?
Für eine einfache Begleitung gehst du in vier Schritten vor:
- Bestimme den Bezugston. Suche den Ton, auf den die Melodie hörbar ausgerichtet ist. Der Schlusston kann ein Hinweis sein, reicht allein aber nicht immer als Beleg.
- Wähle das Material. Beginne mit dem Grundton. Ergänze bei Bedarf seine Oktave oder Quinte.
- Wähle die Form. Halte den Klang aus oder wiederhole ihn in einem einfachen Rhythmus.
- Prüfe die Wirkung. Höre, ob die Begleitung die Melodie stützt, und achte darauf, dass Lautstärke oder starke Reibungen sie nicht verdecken.
Eine kurze Melodie ist hörbar auf C ausgerichtet, verwendet C, D, E und G und endet auf C. Als Begleitung wählst du C–G.
Auf einem Stabspiel kannst du C und G abwechselnd auf den vier Zählzeiten spielen:
C – G – C – G
Der wiederholte Klang stützt den Bezugston C. Das Muster ist leicht ausführbar und lässt der Melodie Platz.
Deine Gestaltungsaufgabe
Eine Melodie ist hörbar auf D ausgerichtet und endet deutlich auf D. Du darfst für die Begleitung die Töne D und A verwenden. Entwirf für vier gleichmäßige Schläge einen rhythmischen Bordun und begründe deine Wahl.
Eine mögliche Lösung lautet:
D – A – D – A
D ist der vorgegebene Bezugston der Melodie, A seine Quinte. Durch die regelmäßige Wiederholung entsteht ein rhythmischer Bordun. Eine ebenfalls mögliche Lösung wäre D–A – Pause – D–A, wenn der gemeinsame Klang auf dem ersten und dritten Schlag erklingt.
Wichtig ist nicht nur das Muster: Die Begründung muss erklären, warum D und A die Melodie stützen und warum der Rhythmus spielbar bleibt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Bordun
- Kernidee: stabiler Bezug für eine Melodie
- Tonmaterial: Grundton, Quinte oder Oktave
- Formen: stehend, harmonisch, rhythmisch oder wechselnd
- Erzeugung: Stimme, Pfeife, Saite, Stabspiel oder Ensemble
- Klangverlauf: Reibung, Spannung und Rückkehr
- Abgrenzung: Ostinato bezeichnet ein wiederholtes Muster
- Gestaltung: Bezugston finden, Form wählen und Wirkung prüfen
Abschluss-Check
Du hast das Prinzip verstanden, wenn du in einem Musikbeispiel den stabilen Stützklang von der bewegten Melodie unterscheiden und deine eigene Bordunwahl mit Bezugston, Klangform und Wirkung begründen kannst.
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