Musik

Ganztonleiter: Aufbau, Klang und Analyse

Ganztonleiter: Aufbau, Klang und Analyse
Ganztonleiter: Aufbau, Klang und Analyse
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Die Ganztonleiter besteht aus sechs verschiedenen Tönen. Zwischen benachbarten Tönen liegt immer ein Ganzton. Dadurch klingt sie gleichmäßig und besitzt kein eindeutig hervorgehobenes tonales Zentrum.

Auf dieser Seite lernst du, eine Ganztonleiter zu bilden, ihr Tonmaterial zu prüfen und ihre Wirkung in Musik begründet zu beschreiben.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Den Aufbau erkennen

Ein Ganzton umfasst zwei Halbtonschritte. Eine Ganztonleiter entsteht, wenn du sechsmal nacheinander um einen Ganzton weitergehst. Nach dem sechsten Schritt erreichst du wieder den Anfangston in der nächsten Oktave.

Definition

Ganztonleiter

Eine Ganztonleiter ist eine sechstönige Tonleiter ohne Halbtonschritte. Alle benachbarten Töne haben klingend den Abstand eines Ganztons.

Beispiel

Eine Ganztonleiter mit dem Ausgangston c lautet:

c – d – e – fis – gis – ais – c

Prüfe die Folge Schritt für Schritt: c–d, d–e, e–fis, fis–gis, gis–ais und ais–c sind jeweils Ganztonschritte. Die Schreibweise einzelner Töne kann auch enharmonisch verändert werden; entscheidend ist zunächst der klingende Abstand.

Merke

Sechs verschiedene Töne allein ergeben noch keine Ganztonleiter. Auch der Übergang vom letzten Ton zurück zum Anfangston in der nächsten Oktave muss ein Ganzton sein.

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Frage 1 von 1LeichtWoran erkennst du eine Ganztonleiter sicher?
Lösung: Sie enthält sechs verschiedene Töne und nur Ganztonschritte. — Der Ausgangston kann wechseln. Entscheidend sind die sechs Töne und die durchgehend gleich großen Ganztonschritte.
Zwei Tonvorräte unterscheiden

Verschiebst du alle Töne der c-Ganztonleiter um einen Halbton nach oben, erhältst du den zweiten Tonvorrat:

  • c – d – e – fis – gis – ais
  • cis – dis – f – g – a – h

Die beiden Vorräte sind um einen Halbton gegeneinander versetzt. Zusammen enthalten sie alle zwölf Töne des chromatischen Tonsystems.

Innerhalb eines Tonvorrats kann jeder enthaltene Ton als Anfang gewählt werden. Deshalb bezeichnet etwa „A-Ganztonleiter“ eine praktische Anordnung ab a, aber nicht automatisch einen hörbar übergeordneten Grundton.

Beispiel

Die Folge a – h – cis – dis – f – g – a verwendet nur Töne des zweiten Tonvorrats. Klanglich liegen zwischen allen Nachbartönen Ganztonschritte.

Bei dis–f sieht die Schreibweise nicht wie eine große Sekunde aus. Trotzdem beträgt der klingende Abstand einen Ganzton. Hier musst du Notenbild und Klangabstand auseinanderhalten.

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Frage 1 von 1MittelWelche Ergänzung setzt die Folge a–h–cis–dis richtig als Ganztonleiter fort?
Lösung: f–g–a — Nach dis folgen im selben Ganzton-Tonvorrat f und g; anschließend wird wieder a erreicht.
Intervalle und Dreiklänge ableiten

Weil jeder Schritt gleich groß ist, kannst du die klingenden Abstände durch Zählen der Ganztonschritte bestimmen.

Anzahl der GanztonschritteKlingendes IntervallBeispiel
1große Sekundec–d
2große Terzc–e
3Tritonusc–fis
4kleine Sextc–gis
5kleine Septimec–ais
6reine Oktavec–c

Eine kleine Terz umfasst drei Halbtonschritte. Sie kann innerhalb der Ganztonleiter nicht entstehen, denn ihre Töne liegen immer eine gerade Anzahl von Halbtonschritten auseinander.

Dur- und Molldreiklänge enthalten jeweils eine kleine Terz. Deshalb lassen sie sich nicht ausschließlich aus diesem Tonmaterial aufbauen. Schichtest du dagegen große Terzen, entsteht ein übermäßiger Dreiklang.

Beispiel

Der Dreiklang c–e–gis ist übermäßig:

  • c–e ist eine große Terz.
  • e–gis ist ebenfalls eine große Terz.
  • Der Akkord besteht vollständig aus Tönen derselben Ganztonleiter.

Gemeint sind hier Dreiklänge in Terzschichtung. Eine beliebige Auswahl von drei Skalentönen muss nicht automatisch einen übermäßigen Dreiklang bilden.

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Frage 1 von 1MittelWarum lässt sich aus dem Tonmaterial einer Ganztonleiter kein Dur- oder Molldreiklang bilden?
Lösung: Beide Dreiklangsarten benötigen eine kleine Terz, die im Tonmaterial fehlt. — Sechs Töne wären zahlenmäßig ausreichend. Ausschlaggebend sind ihre Abstände: Eine kleine Terz kommt nicht vor.
Notation und Musikbeispiele untersuchen

Enharmonisch umgedeutete Töne klingen gleich hoch, werden aber anders benannt. Dadurch kann ein klingend bekanntes Intervall im Notenbild ungewohnt aussehen.

In Claude Debussys Klavierstück Voiles von 1909 wird Ganztonmaterial verwendet. Dort erscheinen beispielsweise Intervalle, die als verminderte Quarten notiert sind, aber wie große Terzen klingen:

  • gis–c klingt wie as–c,
  • fis–b klingt wie fis–ais,
  • e–as klingt wie e–gis.

So untersuchst du einen Ausschnitt:

  1. Sammle die verwendeten Tonhöhen, zunächst unabhängig von ihrer Oktavlage.
  2. Beachte mögliche enharmonische Schreibweisen.
  3. Ordne die klingenden Tonhöhen zu einem der beiden Ganzton-Tonvorräte.
  4. Prüfe die Abstände statt nur die Notennamen.
  5. Beschreibe anschließend, ob ein Ton tatsächlich als Zentrum hervorgehoben wird oder ob die Struktur gleichmäßig bleibt.
Gut zu wissen

Ein einzelner Ganztonlauf beweist noch nicht, dass ein ganzes Stück durchgehend auf einer Ganztonleiter beruht. Deine Aussage sollte sich genau auf den untersuchten Ausschnitt und seine Töne beziehen.

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Frage 1 von 1SchwerIn einem Ausschnitt siehst du gis–c. Wie analysierst du den klingenden Abstand sinnvoll?
Lösung: Ich deute gis bei Bedarf als as und erkenne den Klang einer großen Terz. — Die enharmonische Umdeutung macht den klingenden Abstand sichtbar. Für den Nachweis einer ganzen Skala brauchst du jedoch mehr Tonmaterial.
Klang und Verwendung beschreiben

Ganztonmusik wird häufig als schwebend, traumhaft, geheimnisvoll oder offen beschrieben. Solche Wörter sind Höreindrücke, keine messbaren Eigenschaften. Begründe sie deshalb mit einer musikalischen Beobachtung.

Eine mögliche Begründung lautet: Alle Schritte sind gleich groß, Halbtonspannungen fehlen, und kein Ton wird allein durch die Skalenstruktur zum eindeutigen Zentrum. Das kann einen schwebenden Eindruck unterstützen.

Ganztonmaterial findet sich unter anderem im musikalischen Impressionismus sowie in experimenteller Musik, Jazz und Improvisation. Es kann für Melodien, überraschende harmonische Wendungen oder atmosphärische Klangflächen genutzt werden.

Probiere es selbst

Bilde aus dem Tonvorrat c–d–e–fis–gis–ais eine viertönige aufsteigende Linie. Begründe danach, warum sie zur Ganztonleiter gehört.

Beispiel

Eine mögliche Lösung ist d–e–fis–gis.

Die Linie verwendet nur Töne des angegebenen Vorrats. Zwischen d–e, e–fis und fis–gis liegt jeweils ein Ganzton. Eine Klangbeschreibung wie „schwebend“ wäre möglich, sollte aber als persönlicher Höreindruck gekennzeichnet werden.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Aussage verbindet Beobachtung und Klangdeutung am besten?
Lösung: Die gleich großen Schritte und das fehlende klare Zentrum können den Eindruck von Schweben unterstützen. — Eine gute Deutung nennt zuerst eine überprüfbare musikalische Beobachtung und formuliert die Wirkung anschließend als begründete Möglichkeit.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Ganztonleiter
    • Aufbau: sechs Töne und nur Ganztonschritte
    • Tonvorräte: zwei um einen Halbton versetzte Sammlungen
    • Symmetrie: kein durch die Skala festgelegtes Zentrum
    • Intervalle: große Sekund, große Terz, Tritonus, kleine Sext und kleine Septime
    • Harmonik: keine kleinen Terzen, aber übermäßige Dreiklänge
    • Analyse: Tonhöhen, Abstände und enharmonische Schreibweisen prüfen
    • Wirkung: Höreindruck mit musikalischen Beobachtungen begründen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Eigenschaft gehört zwingend zur Ganztonleiter?
Lösung: Jeder benachbarte klingende Abstand ist ein Ganzton. — Nicht der Name des Anfangstons, sondern die gleichmäßige Folge von Ganztonschritten bestimmt die Skala.
Frage 2 von 3MittelWelche drei Töne bilden einen übermäßigen Dreiklang aus der c-Ganztonleiter?
Lösung: c–e–gis — c–e und e–gis sind große Terzen. Dadurch entsteht der übermäßige Dreiklang c–e–gis.
Frage 3 von 3SchwerEin Ausschnitt enthält die Töne fis, gis, ais, c, d und e. Welche Beurteilung ist am besten begründet?
Lösung: Enharmonisch geordnet gehören alle Töne zum selben Ganzton-Tonvorrat. — Die Sammlung entspricht dem Tonvorrat c–d–e–fis–gis–ais. Die Bezeichnung nach fis ändert den Vorrat nicht und beweist noch kein tonales Zentrum.

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