Ganztonleiter: Aufbau, Klang und Analyse
Die Ganztonleiter besteht aus sechs verschiedenen Tönen. Zwischen benachbarten Tönen liegt immer ein Ganzton. Dadurch klingt sie gleichmäßig und besitzt kein eindeutig hervorgehobenes tonales Zentrum.
Auf dieser Seite lernst du, eine Ganztonleiter zu bilden, ihr Tonmaterial zu prüfen und ihre Wirkung in Musik begründet zu beschreiben.
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Den Aufbau erkennen
Ein Ganzton umfasst zwei Halbtonschritte. Eine Ganztonleiter entsteht, wenn du sechsmal nacheinander um einen Ganzton weitergehst. Nach dem sechsten Schritt erreichst du wieder den Anfangston in der nächsten Oktave.
Ganztonleiter
Eine Ganztonleiter ist eine sechstönige Tonleiter ohne Halbtonschritte. Alle benachbarten Töne haben klingend den Abstand eines Ganztons.
Eine Ganztonleiter mit dem Ausgangston c lautet:
c – d – e – fis – gis – ais – c
Prüfe die Folge Schritt für Schritt: c–d, d–e, e–fis, fis–gis, gis–ais und ais–c sind jeweils Ganztonschritte. Die Schreibweise einzelner Töne kann auch enharmonisch verändert werden; entscheidend ist zunächst der klingende Abstand.
Sechs verschiedene Töne allein ergeben noch keine Ganztonleiter. Auch der Übergang vom letzten Ton zurück zum Anfangston in der nächsten Oktave muss ein Ganzton sein.
Zwei Tonvorräte unterscheiden
Verschiebst du alle Töne der c-Ganztonleiter um einen Halbton nach oben, erhältst du den zweiten Tonvorrat:
- c – d – e – fis – gis – ais
- cis – dis – f – g – a – h
Die beiden Vorräte sind um einen Halbton gegeneinander versetzt. Zusammen enthalten sie alle zwölf Töne des chromatischen Tonsystems.
Innerhalb eines Tonvorrats kann jeder enthaltene Ton als Anfang gewählt werden. Deshalb bezeichnet etwa „A-Ganztonleiter“ eine praktische Anordnung ab a, aber nicht automatisch einen hörbar übergeordneten Grundton.
Die Folge a – h – cis – dis – f – g – a verwendet nur Töne des zweiten Tonvorrats. Klanglich liegen zwischen allen Nachbartönen Ganztonschritte.
Bei dis–f sieht die Schreibweise nicht wie eine große Sekunde aus. Trotzdem beträgt der klingende Abstand einen Ganzton. Hier musst du Notenbild und Klangabstand auseinanderhalten.
Intervalle und Dreiklänge ableiten
Weil jeder Schritt gleich groß ist, kannst du die klingenden Abstände durch Zählen der Ganztonschritte bestimmen.
| Anzahl der Ganztonschritte | Klingendes Intervall | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | große Sekunde | c–d |
| 2 | große Terz | c–e |
| 3 | Tritonus | c–fis |
| 4 | kleine Sext | c–gis |
| 5 | kleine Septime | c–ais |
| 6 | reine Oktave | c–c |
Eine kleine Terz umfasst drei Halbtonschritte. Sie kann innerhalb der Ganztonleiter nicht entstehen, denn ihre Töne liegen immer eine gerade Anzahl von Halbtonschritten auseinander.
Dur- und Molldreiklänge enthalten jeweils eine kleine Terz. Deshalb lassen sie sich nicht ausschließlich aus diesem Tonmaterial aufbauen. Schichtest du dagegen große Terzen, entsteht ein übermäßiger Dreiklang.
Der Dreiklang c–e–gis ist übermäßig:
- c–e ist eine große Terz.
- e–gis ist ebenfalls eine große Terz.
- Der Akkord besteht vollständig aus Tönen derselben Ganztonleiter.
Gemeint sind hier Dreiklänge in Terzschichtung. Eine beliebige Auswahl von drei Skalentönen muss nicht automatisch einen übermäßigen Dreiklang bilden.
Notation und Musikbeispiele untersuchen
Enharmonisch umgedeutete Töne klingen gleich hoch, werden aber anders benannt. Dadurch kann ein klingend bekanntes Intervall im Notenbild ungewohnt aussehen.
In Claude Debussys Klavierstück Voiles von 1909 wird Ganztonmaterial verwendet. Dort erscheinen beispielsweise Intervalle, die als verminderte Quarten notiert sind, aber wie große Terzen klingen:
- gis–c klingt wie as–c,
- fis–b klingt wie fis–ais,
- e–as klingt wie e–gis.
So untersuchst du einen Ausschnitt:
- Sammle die verwendeten Tonhöhen, zunächst unabhängig von ihrer Oktavlage.
- Beachte mögliche enharmonische Schreibweisen.
- Ordne die klingenden Tonhöhen zu einem der beiden Ganzton-Tonvorräte.
- Prüfe die Abstände statt nur die Notennamen.
- Beschreibe anschließend, ob ein Ton tatsächlich als Zentrum hervorgehoben wird oder ob die Struktur gleichmäßig bleibt.
Ein einzelner Ganztonlauf beweist noch nicht, dass ein ganzes Stück durchgehend auf einer Ganztonleiter beruht. Deine Aussage sollte sich genau auf den untersuchten Ausschnitt und seine Töne beziehen.
Klang und Verwendung beschreiben
Ganztonmusik wird häufig als schwebend, traumhaft, geheimnisvoll oder offen beschrieben. Solche Wörter sind Höreindrücke, keine messbaren Eigenschaften. Begründe sie deshalb mit einer musikalischen Beobachtung.
Eine mögliche Begründung lautet: Alle Schritte sind gleich groß, Halbtonspannungen fehlen, und kein Ton wird allein durch die Skalenstruktur zum eindeutigen Zentrum. Das kann einen schwebenden Eindruck unterstützen.
Ganztonmaterial findet sich unter anderem im musikalischen Impressionismus sowie in experimenteller Musik, Jazz und Improvisation. Es kann für Melodien, überraschende harmonische Wendungen oder atmosphärische Klangflächen genutzt werden.
Probiere es selbst
Bilde aus dem Tonvorrat c–d–e–fis–gis–ais eine viertönige aufsteigende Linie. Begründe danach, warum sie zur Ganztonleiter gehört.
Eine mögliche Lösung ist d–e–fis–gis.
Die Linie verwendet nur Töne des angegebenen Vorrats. Zwischen d–e, e–fis und fis–gis liegt jeweils ein Ganzton. Eine Klangbeschreibung wie „schwebend“ wäre möglich, sollte aber als persönlicher Höreindruck gekennzeichnet werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Ganztonleiter
- Aufbau: sechs Töne und nur Ganztonschritte
- Tonvorräte: zwei um einen Halbton versetzte Sammlungen
- Symmetrie: kein durch die Skala festgelegtes Zentrum
- Intervalle: große Sekund, große Terz, Tritonus, kleine Sext und kleine Septime
- Harmonik: keine kleinen Terzen, aber übermäßige Dreiklänge
- Analyse: Tonhöhen, Abstände und enharmonische Schreibweisen prüfen
- Wirkung: Höreindruck mit musikalischen Beobachtungen begründen
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