Tonleiter: Dur, Moll und Vorzeichen verstehen
Eine Tonleiter ist eine nach Tonhöhe geordnete Folge von Tönen. Die Abstände zwischen ihren Tönen bestimmen ihren Aufbau. Tonleitern können unterschiedlich viele Töne enthalten; auf dieser Seite geht es um die siebenstufigen Dur- und Molltonleitern.
Du lernst, ihre Schrittmuster zu erkennen und Tonleitern mit den passenden Vorzeichen selbst zu bilden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was macht eine Tonfolge zur Tonleiter?
Eine Tonleiter beginnt mit einem Grundton. Die Töne werden der Höhe nach aufwärts oder abwärts geordnet. Dur- und Molltonleitern reichen dabei vom Grundton bis zum gleichnamigen Ton in der nächsten Oktave.
Oktave
Eine Oktave ist der Abstand vom Grundton bis zum nächsten gleichnamigen Ton. Zum Beispiel reicht die C-Dur-Tonleiter von C bis zum nächsthöheren C.
Bei den hier behandelten Dur- und Molltonleitern werden mit Anfangs- und Endton acht Töne notiert. Der achte Ton wiederholt den Grundton eine Oktave höher. Die ersten sieben Töne bilden die sieben verschiedenen Tonstufen. Du zählst sie vom unteren Grundton aus als Stufen 1 bis 7; der wiederholte Grundton ist Stufe 8.
Beispiel C-Dur:
C – D – E – F – G – A – H – C
C-Dur kannst du auch abwärts spielen: C – H – A – G – F – E – D – C. Dabei bleiben die Töne gleich, aber du durchläufst die Abstände in umgekehrter Reihenfolge. Die folgenden Schrittmuster liest du aufwärts vom unteren Grundton aus.
Wie groß sind die Schritte?
Der Abstand zwischen zwei Tönen heißt Intervall. Beim Bilden von Dur- und natürlichen Molltonleitern brauchst du zwei Schrittgrößen:
- Ein Halbtonschritt führt zur unmittelbar nächsten Taste auf dem Klavier, zum Beispiel E–F, H–C oder D–Es.
- Ein Ganztonschritt besteht aus zwei Halbtonschritten, zum Beispiel C–D oder F–G.
Ein Ganzton entspricht zwei Halbtönen. Bei Dur und natürlichem Moll entscheidet die Reihenfolge dieser Schritte über die Tonleiterart.
Wie bildest du eine Durtonleiter?
Bei einer Durtonleiter liegen die Halbtonschritte immer zwischen den Stufen 3–4 und 7–8. Alle anderen Nachbarstufen sind einen Ganzton voneinander entfernt.
Dur: Ganzton – Ganzton – Halbton – Ganzton – Ganzton – Ganzton – Halbton.
Stammtöne
Die Stammtöne heißen C, D, E, F, G, A und H. Beim Bilden einer Dur- oder natürlichen Molltonleiter verwendest du jede dieser Stammtonstufen in der passenden Reihenfolge genau einmal; zum Schluss wiederholst du den Grundton eine Oktave höher. Vorzeichen können ihre Tonhöhe verändern.
Vollständiges Beispiel: F-Dur
Zuerst schreibst du vom Grundton F aus alle Stammtonstufen auf und wiederholst F als Oktavton:
F – G – A – H – C – D – E – F
Nun prüfst du die Halbtonschritte. E–F liegt bereits richtig zwischen Stufe 7 und 8. H–C liegt jedoch zwischen Stufe 4 und 5. Für Dur muss der andere Halbton zwischen Stufe 3 und 4 liegen.
Deshalb wird H mit einem b um einen Halbton erniedrigt und heißt B:
F – G – A – B – C – D – E – F
Jetzt liegen die Halbtonschritte A–B zwischen Stufe 3 und 4 sowie E–F zwischen Stufe 7 und 8. Auch B–C ist nun ein Ganzton; alle übrigen Schritte bleiben Ganztöne. Die F-Dur-Tonleiter ist vollständig.
Wie bildest du eine natürliche Molltonleiter?
Beim natürlichen Moll liegen die Halbtonschritte zwischen den Stufen 2–3 und 5–6. Alle übrigen Nachbarstufen bilden Ganztöne.
Natürliches Moll: Ganzton – Halbton – Ganzton – Ganzton – Halbton – Ganzton – Ganzton.
Natürliches a-Moll kommt ohne Vorzeichen aus:
A – H – C – D – E – F – G – A
Die Halbtonschritte H–C und E–F liegen genau zwischen den Stufen 2–3 und 5–6.
Vollständiges Beispiel: d-Moll
Zunächst notierst du die Stammtonfolge:
D – E – F – G – A – H – C – D
E–F ist der richtige Halbton zwischen Stufe 2 und 3. H–C liegt aber zwischen Stufe 6 und 7. Benötigt wird ein Halbton zwischen Stufe 5 und 6.
Du erniedrigst deshalb H zu B:
D – E – F – G – A – B – C – D
Nun liegen die Halbtonschritte E–F zwischen 2–3 und A–B zwischen 5–6. B–C ist ein Ganzton; auch alle übrigen Schritte sind Ganztöne. Damit ist die natürliche d-Moll-Tonleiter korrekt.
Wozu brauchst du Vorzeichen und Tonnamen?
Ein Kreuz # erhöht einen Stammton um einen Halbton. Der Tonname erhält gewöhnlich die Endung -is, zum Beispiel C–Cis oder F–Fis.
Ein b erniedrigt einen Stammton um einen Halbton. Der Name erhält gewöhnlich die Endung -es. Ausnahmen bei der Benennung sind A–As, H–B und E–Es. Hier verwenden wir die deutschen Tonnamen.
Ein Auflösungszeichen hebt ein zuvor gesetztes Vorzeichen auf.
Gleiche Taste, verschiedene Aufgabe
In der gleichstufigen Stimmung ist die Oktave in zwölf gleich große Halbtöne geteilt. Zwei Namen können dieselbe Klaviertaste bezeichnen. Ais und B klingen dort gleich. Beim korrekten Aufschreiben einer Dur- oder Molltonleiter sind die Namen trotzdem nicht beliebig austauschbar.
In F-Dur muss auf die Stammtonstufe A die Stammtonstufe H folgen. Sie wird erniedrigt und heißt dann B. Mit Ais würde dagegen die Stufe A wiederholt, während die Stufe H fehlte.
Unterscheide zwischen klingender Tonhöhe und notierter Funktion: Zwei Töne können gleich klingen, aber in einer Tonleiter unterschiedlich geschrieben werden.
So bildest du eine Dur- oder natürliche Molltonleiter wie in unseren Beispielen:
- Bestimme den Grundton.
- Schreibe die sieben Stammtonstufen in ihrer Reihenfolge auf und wiederhole den Grundton als Oktavton.
- Prüfe die tatsächlichen Halbtonschritte.
- Setze
#oderb, bis das gewünschte Dur- oder Mollmuster stimmt. - Kontrolliere Schrittmuster und Tonnamen erneut.
Wie unterscheiden sich die Mollformen?
Die Mollformen sind Varianten derselben Molltonart. Sie verändern einzelne Stufen für unterschiedliche melodische oder harmonische Aufgaben. Hier lernst du das übliche Tonleitermodell der klassischen Musik.
- Natürliches Moll verwendet das Grundmuster mit Halbtönen zwischen 2–3 und 5–6.
- Harmonisches Moll erhöht gegenüber natürlichem Moll die siebte Stufe. Dadurch entsteht ein Leitton: Er liegt nur einen Halbton unter dem oberen Grundton und weckt die Erwartung, zu diesem weiterzugehen.
- Melodisches Moll erhöht aufwärts zusätzlich die sechste Stufe. Dadurch wird der Abstand zwischen Stufe 6 und der erhöhten Stufe 7 von drei Halbtönen auf einen Ganzton verkleinert. Abwärts entspricht es der natürlichen Mollform.
Beispiel mit a-Moll:
- natürlich: A – H – C – D – E – F – G – A
- harmonisch: A – H – C – D – E – F – Gis – A
- melodisch aufwärts: A – H – C – D – E – Fis – Gis – A
- melodisch abwärts: A – G – F – E – D – C – H – A
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Tonleiter
- Aufbau: nach Tonhöhe geordnete Töne
- Dur und Moll: sieben Tonstufen bis zur Oktave
- Abstände: Ganzton und Halbton
- Dur: Halbtöne bei 3–4 und 7–8
- Natürliches Moll: Halbtöne bei 2–3 und 5–6
- Mollvarianten: veränderte sechste oder siebte Stufe
- Vorzeichen: Töne passend erhöhen oder erniedrigen
- Schreibweise: jede Stammtonstufe einmal, danach Grundton als Oktavton
Abschluss-Check
Wenn du eine Dur- oder natürliche Molltonleiter kontrollierst, stelle dir zwei Fragen: Kommt jede Stammtonstufe einmal vor, bevor du den Grundton als Oktavton wiederholst? Und: Stimmt das ganze Muster aus Ganz- und Halbtonschritten? Stimmen beide Antworten, ist die Leiter korrekt aufgebaut.
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