Kanon in der Musik: Aufbau und Singen lernen
Bei einem einfachen musikalischen Kanon singen mindestens zwei Stimmen dieselbe Melodie. Sie beginnen jedoch nicht gleichzeitig, sondern nacheinander an festgelegten Stellen. So entsteht aus einer einstimmig gelernten Melodie Mehrstimmigkeit.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du einen Kanon?
Stell dir vor, Gruppe A beginnt eine Melodie. Während sie weitersingt, startet Gruppe B dieselbe Melodie von vorn. Beide Gruppen singen nun unterschiedliche Stellen der gleichen Melodie gleichzeitig.
Kanon
Ein Kanon ist eine Form mehrstimmiger Musik. Beim einfachen Kanon führen mindestens zwei Stimmen dieselbe Melodie zeitversetzt aus. Der Abstand zwischen ihren Anfängen ist vorher festgelegt.
Eine Stimme kann von einer einzelnen Person, einer Gruppe oder einem Instrument übernommen werden. Mit „Stimme“ ist hier also eine selbstständig ausgeführte Melodielinie gemeint. Der Einsatz ist der festgelegte Zeitpunkt, an dem eine Stimme beginnt.
Beim Kanon „Bruder Jakob“ beginnt zuerst Gruppe A. An der vereinbarten Textstelle setzt Gruppe B mit dem Anfang der Melodie ein. Später können eine dritte und eine vierte Gruppe folgen. Alle Gruppen singen dieselbe Melodie, befinden sich aber gleichzeitig an verschiedenen Stellen.
Gleiche Melodie plus versetzter Einsatz ergibt beim einfachen Kanon Mehrstimmigkeit.
Wie übst du einen Kanon Schritt für Schritt ein?
Ein Kanon funktioniert erst dann zuverlässig, wenn Melodie, Text und Rhythmus einstimmig sicher sind. Die Mehrstimmigkeit kommt deshalb nicht am Anfang, sondern wird darauf aufgebaut.
- Höre das vollständige Lied an.
- Lerne Melodie und Text gemeinsam mit allen anderen einstimmig.
- Wiederholt das Lied, bis der Ablauf sicher ist.
- Bildet zunächst zwei Gruppen.
- Legt fest, welche Gruppe beginnt und an welcher Stelle die zweite einsetzt.
- Achtet auf ein deutliches Einsatzzeichen.
- Singt den Kanon mehrstimmig und versucht schwierige Stellen erneut.
- Ergänzt weitere Gruppen erst, wenn zwei Stimmen sicher gelingen.
Eine Klasse möchte einen dreistimmigen Kanon singen. Zuerst singt die ganze Klasse das Lied gemeinsam. Danach beginnen zwei Gruppen mit festgelegtem Abstand. Erst als beide Gruppen Melodie und Grundschlag halten, kommt Gruppe C hinzu. Der Grundschlag ist der gleichmäßige musikalische Puls. Durch das schrittweise Vorgehen lässt sich leichter erkennen, an welcher Stelle noch geübt werden muss.
Wie hältst du deine eigene Stimme?
Beim Kanonsingen hörst du gleichzeitig deine eigene Gruppe und andere Stellen der Melodie. Deine Aufgabe ist nicht, die anderen zu übertönen. Du musst deinen eigenen Verlauf zuverlässig fortsetzen.
Diese Orientierungspunkte helfen dabei:
- Behalte Melodie, Text und Grundschlag deiner Gruppe im Blick.
- Reagiere auf das vereinbarte Einsatzzeichen.
- Achte auf die Personen deiner eigenen Gruppe, ohne die anderen Stimmen vollständig auszublenden.
- Singe nach einem Fehler an einer bekannten Stelle weiter, statt den ganzen Kanon abzubrechen.
- Übe schwierige Übergänge zunächst langsam oder wieder einstimmig.
Gruppe B soll beim Zeichen der Leitung beginnen. Während Gruppe A weitersingt, setzt Gruppe B bewusst mit dem Anfang ein. Ein Sänger hört eine vertraute Stelle aus Gruppe A, bleibt aber bei Text und Melodie seiner eigenen Gruppe. Genau dieses selbstständige Weiterführen hält den Kanon zusammen.
Übung: Halte deine Folge im Sprechkanon
Übt zu zweit oder in zwei Gruppen mit der Folge „Eins – zwei – drei – vier“. Sprecht jede Zahl auf einem gleichmäßigen Grundschlag und wiederholt die Folge ohne Pause.
- Gruppe A beginnt mit „Eins“.
- Wenn Gruppe A „Drei“ spricht, erhält Gruppe B ein deutliches Einsatzzeichen.
- Gruppe B beginnt daraufhin mit „Eins“.
- Beide Gruppen führen ihre eigene Zahlenfolge weiter.
- Tauscht anschließend die Rollen.
Prüft euch nach jedem Durchgang:
- Hat Gruppe B genau auf das Einsatzzeichen reagiert?
- Blieben beide Gruppen bei ihrer eigenen Zahlenfolge?
- Blieb der Grundschlag gleichmäßig?
Wenn eine Gruppe zur anderen Folge springt, übt zunächst leiser oder langsamer. Gelingt der Sprechkanon sicher, übertragt dasselbe Vorgehen auf einen einstimmig gelernten Kanon.
Welche Formen und Gestaltungen sind möglich?
Der Rundkanon ist die für das gemeinsame Singen typische Form: Jede Stimme beginnt dieselbe Melodie zeitversetzt von vorn. Je nach Stück können zwei, drei, vier oder noch mehr Stimmen beteiligt sein. Mindestens zwei sind nötig.
Ein Kanon lässt sich außerdem gestalten, zum Beispiel durch Bewegung, Bodypercussion, Instrumente, Beatbox oder eine Begleitung. Solche Ergänzungen verändern die Aufführung, aber nicht automatisch das Kanonprinzip.
Vertiefung: weitere Kanonformen
Bei anspruchsvolleren Kanons wird das musikalische Material nach einer festen Regel verändert:
- Im Krebskanon erklingt eine Melodie in einer weiteren Stimme rückwärts.
- Im Spiegelkanon werden Bewegungsrichtungen umgekehrt: Eine Aufwärtsbewegung entspricht dort einer Abwärtsbewegung.
- Im Mensuralkanon führen Stimmen das Material mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aus.
Diese Formen zeigen: Der Rundkanon wiederholt dieselbe Melodie zeitversetzt, während komplexere Kanons zusätzlich eine festgelegte Veränderungsregel verwenden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kanon
- Grundprinzip: musikalisches Material nach einer festen Regel in mehreren Stimmen
- Einfacher Kanon: gleiche Melodie mit versetzten Einsätzen
- Einüben: einstimmig sichern, Gruppen bilden, Einsätze festlegen, wiederholen
- Singen: eigene Stimme, Grundschlag und Leitungssignale beachten
- Gestalten: Bewegung, Körperklänge, Instrumente oder Begleitung ergänzen
- Vertiefung: Krebs-, Spiegel- und Mensuralkanon verändern das Material regelgeleitet
Abschluss-Check
Du kannst einen Kanon erklären, wenn du drei Punkte nennen kannst: mehrere Stimmen, eine geregelte Beziehung des musikalischen Materials und beim einfachen Kanon versetzte Einsätze derselben Melodie. Praktisch gelingt er am besten, wenn die einstimmige Grundlage sicher ist und die Gruppen schrittweise hinzukommen.
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