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Neapolitanischer Sextakkord: Bildung und Analyse

Neapolitanischer Sextakkord: Bildung und Analyse
Neapolitanischer Sextakkord: Bildung und Analyse
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Der Neapolitanische Sextakkord, kurz Neapolitaner, ist ein alterierter Akkord mit subdominantischer Funktion. In Moll ersetzt du im Subdominantdreiklang die Quinte durch eine tiefalterierte Sexte. Dadurch entsteht derselbe Tonvorrat wie bei einem Durakkord auf der erniedrigten zweiten Stufe in erster Umkehrung.

Auf dieser Seite lernst du, den Akkord zu bilden, funktional und stufenbezogen zu deuten sowie seine typische Weiterführung und Wirkung zu erklären.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was macht den Neapolitaner besonders?
Definition

Neapolitanischer Sextakkord

Der Neapolitaner ist eine Mollsubdominante, bei der die Quinte durch die tiefalterierte Sexte ersetzt wird. Akkordisch entspricht er einem Durdreiklang auf der erniedrigten zweiten Stufe in erster Umkehrung.

In a-Moll lautet die normale Subdominante d–f–a. Ersetzt du die Quinte a durch die tiefalterierte Sexte b, erhältst du d–f–b.

In der deutschen Notennamenschreibung ist h der Stammton H und b der um einen Halbton erniedrigte Ton h. Diese Unterscheidung brauchst du für die Bildung und die Stimmführung.

Merke

Zwei Blickrichtungen führen zum selben Tonvorrat: d–f–a → d–f–b als veränderte Subdominante oder b–d–f → d–f–b als B-Dur-Dreiklang in erster Umkehrung.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung trifft auf d–f–b in a-Moll zu?
Lösung: Mollsubdominante mit tiefalterierter Sexte statt der Quinte — Der Akkord behält die Töne d und f der Mollsubdominante. Der Ton a wird durch b ersetzt.
Wie bildest du den Akkord?

Du kannst den Neapolitaner in jeder Molltonart mit vier Schritten bestimmen:

  1. Bestimme die zweite Tonleiterstufe.
  2. Erniedrige sie chromatisch um einen Halbton.
  3. Bilde auf diesem Ton einen Durdreiklang.
  4. Setze den Durdreiklang in die erste Umkehrung: Seine Terz liegt nun im Bass.
Beispiel

Gesucht: der Neapolitaner in a-Moll

  1. Die zweite Stufe von a-Moll ist h.
  2. Erniedrigt wird daraus b.
  3. Der Durdreiklang über b lautet b–d–f und heißt B-Dur.
  4. In der ersten Umkehrung steht d im Bass: d–f–b.

Kontrolle über die Funktion: Die Mollsubdominante d–f–a wird durch a → b verändert. Beide Wege ergeben d–f–b.

Ein zweites Beispiel: In c-Moll ist die zweite Stufe d. Erniedrigt ergibt sie des; der Durdreiklang lautet des–f–as, seine erste Umkehrung f–as–des.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

In a-Moll ist die zweite Stufe . Ihre Erniedrigung heißt . Darüber entsteht der Durdreiklang . In erster Umkehrung lautet der Neapolitaner .

Lösungen: Lücke 1: h; Lücke 2: b; Lücke 3: B-Dur; Lücke 4: d–f–b. Prüfe die Reihenfolge: zweite Stufe bestimmen, erniedrigen, Durdreiklang bilden und anschließend die Terz in den Bass setzen.
Wie kannst du denselben Klang deuten?

Die Stufentheorie ordnet Akkorde nach ihrem Grundton in der Tonleiter. Sie beschreibt den Neapolitaner als Durakkord auf der erniedrigten zweiten Stufe, also als ♭II in erster Umkehrung. So erklärt sich der Name Sextakkord: Über dem Basston liegen eine Terz und eine Sexte.

Die Funktionstheorie fragt nach der Aufgabe des Akkords im harmonischen Verlauf. Sie versteht ihn als veränderte Mollsubdominante. Dafür werden unter anderem die Symbole sN, sn oder N verwendet.

Beide Deutungen widersprechen sich nicht. Die Stufendeutung erklärt Akkordgrundton und Umkehrung; die Funktionsdeutung erklärt die subdominantische Rolle in der Kadenz.

Gut zu wissen

Im vierstimmigen Satz liegt in der üblichen Sextakkordgestalt die Terz des zugrunde liegenden Durakkords im Bass. Weil dieser Basston funktional als subdominantischer Grundton wirkt, wird er häufig verdoppelt.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Analyse nennt d–f–b in a-Moll „♭II in erster Umkehrung“. Welche andere Analyse beschreibt denselben Akkord passend?
Lösung: veränderte Mollsubdominante mit tiefalterierter Sexte — Die stufenbezogene und die funktionale Bezeichnung betrachten denselben Klang aus verschiedenen Perspektiven.
Wie geht der Neapolitaner zur Dominante weiter?

Typisch ist die Folge Neapolitaner – Dominante – Tonika. In a-Moll führt d–f–b zur Dominante e–gis–h und anschließend zur Tonika a–c–e.

Bei passender Stimmverteilung können dabei zwei auffällige Fortschreitungen entstehen:

  • Der Ton b kann in einer Stimme zum gis gehen. Das ist eine verminderte Terz: notiert als Terz, klingend besonders eng.
  • Ein b in einer Stimme kann kurz vor oder neben dem h einer anderen Stimme stehen. Das heißt Querstand.

Im strengen Satz gelten solche Fortschreitungen normalerweise als problematisch. Beim Neapolitaner können sie bewusst eingesetzt werden und die Kadenz hervorheben. Soll die Verbindung glatter klingen, kannst du zwischen Neapolitaner und Dominante die normale Subdominante einschieben: d–f–b → d–f–a → e–gis–h.

Beispiel

Vergleich in a-Moll

  • Direkt: d–f–b → e–gis–h. Die chromatischen Reibungen können die Dominante besonders eindringlich vorbereiten.
  • Geglättet: d–f–b → d–f–a → e–gis–h. Durch b → a wird zuerst die normale Subdominante erreicht.

Der entscheidende Analysegedanke lautet nicht „Regelverstoß“, sondern: Die auffällige Stimmführung ist hier Teil der beabsichtigten Kadenzwirkung.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWarum kann die direkte Folge vom Neapolitaner zur Dominante besonders auffallen?
Lösung: Sie kann einen verminderten Terzschritt und einen Querstand enthalten. — Untersuche die einzelnen Stimmen. In a-Moll sind besonders b → gis und das Nebeneinander von b und h auffällig.
Frage 2 von 2SchwerWelche Änderung glättet die Verbindung d–f–b → e–gis–h?
Lösung: Die normale Subdominante d–f–a wird dazwischengeschaltet. — Die Zwischenstufe d–f–a führt die veränderte Sexte b zunächst zum regulären Subdominantton a.
Vertiefung: Wie unterstützt der Akkord eine Modulation?

Bei einer Modulation wechselt das harmonische Zentrum zu einer neuen Tonart. Ein Übergangsakkord kann dabei in Ausgangs- und Zieltonart verschieden gedeutet werden.

Betrachte a–c–f:

  • In C-Dur ist dieser Tonvorrat der F-Dur-Dreiklang in erster Umkehrung, also eine Subdominante mit a im Bass.
  • In e-Moll ist f die erniedrigte zweite Stufe. f–a–c ist daher der Durakkord auf ♭II; a–c–f ist dessen erste Umkehrung und damit der Neapolitaner.

Der Akkord allein beweist den Tonartwechsel noch nicht. Erst die Weiterführung zur Dominante und die Bestätigung von e-Moll machen die Zieltonart hör- und analysierbar.

Merke

Bei einer Umdeutung bleibt der Tonvorrat gleich, aber seine Funktion ändert sich. Begründe eine Modulation deshalb mit Ausgangstonart, Übergangsakkord, Weiterführung und Zielbestätigung.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEine Passage führt von C-Dur über a–c–f nach e-Moll. Welche Analyse ist schlüssig?
Lösung: a–c–f ist in C-Dur die Subdominante in erster Umkehrung und in e-Moll der Neapolitaner. — Die Töne bleiben gleich. Ihre harmonische Bedeutung wechselt, und die folgende Kadenz bestätigt die neue Tonart.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Neapolitanischer Sextakkord
    • Bildung: Mollsubdominante mit tiefalterierter Sexte statt Quinte
    • Stufe: Durakkord auf ♭II in erster Umkehrung
    • Funktion: subdominantische Vorbereitung der Dominante
    • Satz: Basston wird häufig verdoppelt
    • Wirkung: chromatische Reibung kann eine Kadenz hervorheben
    • Modulation: gleicher Akkord wird in der Zieltonart neu gedeutet
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelcher Akkord ist der Neapolitaner in c-Moll?
Lösung: f–as–des — Erniedrige die zweite Stufe d zu des, bilde des–f–as und setze die Terz f in den Bass.
Frage 2 von 3MittelWas erklärt die Funktionsdeutung besser als die reine Bezeichnung ♭II?
Lösung: die subdominantische Aufgabe des Akkords in der Kadenz — Die Funktionsdeutung zeigt, warum der Akkord wie eine veränderte Mollsubdominante zur Dominante führen kann.
Frage 3 von 3SchwerIn einer unbekannten Passage erscheint ein Durakkord auf der erniedrigten zweiten Stufe. Was brauchst du für eine überzeugende Analyse als Neapolitaner?
Lösung: Umkehrung, Stimmführung und harmonischen Zusammenhang — Verbinde Akkordbau und Kontext: Die typische Sextakkordgestalt, die subdominantische Rolle und die Weiterführung zur Dominante stützen die Deutung.

Du kannst den Neapolitaner sicher analysieren, wenn du drei Fragen beantwortest: Wie ist er gebaut? Welche Funktion übernimmt er? Wie wird er weitergeführt?

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