Rap: Merkmale, Geschichte und Vielfalt verstehen
Rap verbindet rhythmisches Sprechen mit einer bewussten Gestaltung von Sprache. Reime, Wortwitz, Kritik und Erzählungen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Rap ist jedoch kein einheitlicher Stil: Er reicht beispielsweise von politisch geprägtem Underground-Rap bis zu melodischem Pop-Rap.
Auf dieser Seite lernst du, Rap zu beschreiben, wichtige Entwicklungsschritte einzuordnen und Aussagen über Songs kritisch zu prüfen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du Rap?
Beim Rap steht die gesprochene Textgestaltung im Mittelpunkt. Wörter werden rhythmisch angeordnet und häufig durch Reime, Wiederholungen oder Wortspiele miteinander verbunden. Inhaltlich kann Rap unterhalten, Geschichten erzählen, Kritik äußern oder Fragen nach Alltag und Identität behandeln.
Rap
Rap ist eine Form rhythmisch gesprochener Textgestaltung. Stimme, Sprache und Rhythmus wirken zusammen. Wie stark Reime, Melodie oder Gesang eingesetzt werden, kann sich von Stück zu Stück unterscheiden.
Rap klingt deshalb nicht immer gleich. Ein Stück kann hart und direkt wirken, ein anderes melodisch. Im Pop-Rap können zum Beispiel gesungene Refrains vorkommen. Ein solcher wiederkehrender, einprägsamer Teil wird auch Hook genannt.
Eine Genrebezeichnung ist eine Orientierung, keine vollständige Beschreibung. Um einen Rap genauer zu untersuchen, musst du auf die hörbaren Merkmale und die Textbehandlung achten.
Du hörst ein Stück mit rhythmisch gesprochenen Strophen und einer gesungenen Hook. Die Strophen sprechen für Rap, die gesungene Hook zeigt zugleich eine Nähe zur Popmusik. Die passende Beschreibung lautet daher nicht einfach nur „Rap“, sondern zum Beispiel „Rap mit Elementen des Pop“.
Wie entwickelte sich Rap?
Ein Überblick im Ausgangsmaterial führt wichtige Vorläufer bis zu mündlichen Traditionen von Menschen afrikanischer Herkunft in den USA zurück. Im frühen 20. Jahrhundert wurden dort sogenannte Toasts gepflegt: gesprochene Erzählungen, die Reimkunst, Witz und Kritik verbinden konnten. Themen waren unter anderem Politik, Alltag und Identität.
Wortgewandte verbale Duelle innerhalb dieser Praxis werden als Vorläufer des späteren Battle-Rap dargestellt. Beim Battle-Rap treten Personen sprachlich gegeneinander an. Entscheidend sind dabei unter anderem Einfallsreichtum, Reaktionen auf die Gegenseite und die Wirkung der eigenen Worte.
In den 1970er Jahren formte sich in der afroamerikanischen Community New Yorks vor diesem größeren kulturellen Hintergrund eine neue musikalische Kultur. Rap konnte dabei als Ausdruck gesellschaftlicher Erfahrungen, als Stimme einer Gemeinschaft und als Form des Widerstands dienen.
Eine historische Entwicklung lässt sich selten als einfache Linie darstellen. Die frühen Toasts sind ein wichtiger Bezugspunkt im vorliegenden Überblick. Daraus folgt aber nicht, dass eine einzige Praxis allein den gesamten Rap hervorgebracht hat.
Wie wurde Deutschrap bekannt?
In Deutschland gewann Hip-Hop Mitte der 1980er Jahre erste Anhänger. Die Szene verstand sich zunächst vor allem als politisch geprägte Underground-Bewegung. Underground bedeutet hier, dass die Musik zunächst außerhalb eines breiten kommerziellen Publikums verbreitet wurde.
Anfang der 1990er Jahre erreichten Die Fantastischen Vier mit deutschsprachigem Rap ein größeres Publikum. Bis zur Jahrtausendwende etablierten sich unter anderem Blumentopf und Kool Savas stärker im Mainstream.
Mainstream bezeichnet Musik, die ein breites Publikum erreicht. Der Wechsel vom Underground zum Mainstream bedeutet jedoch nicht, dass alle Rapstücke danach gleich klangen oder dieselben Ziele verfolgten.
Ein späteres Beispiel für den Erfolg von Deutschrap in den Charts ist Bausas „Was du Liebe nennst“ aus dem Jahr 2017. Soziale Medien wurden außerdem zu wichtigen Werkzeugen für Musikpromotion, Meinungsäußerungen und direkten Kontakt mit einer Community. Bonez MC wird dafür als Beispiel genannt.
Eine sachgerechte Zeitleiste lautet:
- Mitte der 1980er Jahre: erste größere Hip-Hop-Anhängerschaft in Deutschland, zunächst vor allem im politisch geprägten Underground.
- Anfang der 1990er Jahre: deutschsprachiger Rap erreicht mit den Fantastischen Vier ein breiteres Publikum.
- Bis zur Jahrtausendwende: weitere Künstler wie Blumentopf und Kool Savas etablieren sich stärker im Mainstream.
- 2017: „Was du Liebe nennst“ wird ein großer Charterfolg.
Die zeitliche Abfolge zeigt eine zunehmende Reichweite. Sie beweist nicht, dass Underground-Rap verschwunden ist.
Wie vielfältig ist Rap?
Rap wird mit verschiedenen Subgenres, also Unterformen eines Genres, beschrieben. Im Ausgangsmaterial werden unter anderem Old School, Boom Bap, Trap und Cloud Rap genannt. Solche Begriffe helfen beim Ordnen, besitzen aber keine starren Grenzen.
Auch Herkunft und Zeit allein bestimmen einen Stil nicht vollständig. Der gegenwärtige deutsche Hip-Hop wird beispielsweise als Spannweite zwischen kompromisslosem Straßenrap und melodischem Pop-Rap beschrieben. Seit ungefähr 2016 prägten Dancehall und weitere afrikanische Einflüsse zeitweise den deutschen Club-Sound; der dazu verwendete Begriff Afro-Trap bezeichnet eine solche Verbindung verschiedener Einflüsse.
Streamingplattformen eröffneten selbst produzierenden Künstlerinnen und Künstlern zudem die Möglichkeit, Musik direkt hochzuladen. Lil Pump, XXXTENTACION und 6ix9ine werden als Beispiele für Musiker genannt, die SoundCloud als Sprungbrett in den Mainstream nutzten.
Genres verändern sich, überschneiden sich und nehmen Einflüsse auf. Ordne ein Stück deshalb anhand konkreter Beobachtungen ein, nicht nur anhand eines Namens oder einer Plattform.
Ein Stück schrittweise beschreiben
- Stimme: Wird gesprochen, gerappt oder gesungen?
- Sprache: Hörst du Reime, Wiederholungen, Wortspiele oder erzählende Passagen?
- Form: Gibt es gerappte Strophen und eine wiederkehrende Hook?
- Inhalt: Geht es etwa um Alltag, Identität, Kritik oder Unterhaltung?
- Einordnung: Welche Genrebezeichnung passt zu diesen Beobachtungen, und wo erkennst du Überschneidungen?
Wie prüfst du Empfehlungen und übst selbst?
Playlists beschreiben Rap häufig mit Wörtern wie „beliebt“, „leicht“, „partytauglich“ oder „am besten“. Solche Wörter sind zunächst Wertungen. Damit sie überprüfbar werden, braucht man klare Kriterien.
„Leicht zu rappen“ könnte zum Beispiel bedeuten, dass ein Text gut verständlich ist oder von einer lernenden Person als gut nachsprechbar empfunden wird. Die vorliegenden Empfehlungen nennen jedoch keine Messung, mit der die Schwierigkeit verschiedener Songs systematisch verglichen wurde.
Auch Zahlen beantworten nicht jede Frage. Eine Playlist mit 16 Titeln und 1 Stunde 1 Minute Laufzeit macht überprüfbare Angaben zu Umfang und Dauer. Sie erklärt damit aber noch nicht, warum ihre Stücke besonders leicht mitzusingen sein sollen. Ebenso belegt der Titel einer Liste mit 50 angeblich beliebten Liedern nicht, nach welcher Methode die Beliebtheit bestimmt wurde.
Fakt und Wertung
Ein Fakt ist eine überprüfbare Angabe, etwa eine Anzahl oder ein Datum. Eine Wertung beurteilt etwas, zum Beispiel als „am besten“ oder „leicht“. Eine Wertung wird nachvollziehbarer, wenn ihre Kriterien genannt und an Beobachtungen geprüft werden.
Zum Üben werden im Ausgangsmaterial zwei persönliche Empfehlungen gegenübergestellt:
- Einen als leicht empfundenen deutschsprachigen Song nachrappen; als Beispiel wird Dendemanns „Nichtschwimmer“ genannt.
- Selbst freestylen, also eigene Zeilen spontan entwickeln, statt nur vorhandene Texte nachzuahmen.
Die Quelle prüft nicht, welche Methode wirksamer ist. Beide können jedoch unterschiedliche Lernhandlungen unterstützen: Beim Nachrappen kannst du auf rhythmische Genauigkeit und Aussprache achten. Beim Freestylen entwickelst du eigene sprachliche Ideen. Diese Ziele solltest du getrennt benennen, statt eine Methode pauschal zur besten zu erklären.
Behauptung: „Diese Playlist enthält die besten Songs für Anfänger.“
Prüfung:
- „Die besten“ ist eine Wertung.
- Es fehlen Kriterien für „Anfänger“ und „gut“.
- Eine nachvollziehbare Prüfung müsste beispielsweise festlegen, welche Fähigkeit geübt werden soll.
- Erst danach könnte man Songs anhand dieses Kriteriums vergleichen.
Das Ergebnis lautet: Die Behauptung ist eine Empfehlung, aber ohne Kriterien kein belegtes Qualitätsurteil.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Rap
- Merkmale: rhythmisches Sprechen, Reime, Wortspiele und Textgestaltung
- Inhalte: Alltag, Identität, Kritik und Unterhaltung
- Geschichte: Toasts, New York der 1970er Jahre und Entwicklung des Deutschrap
- Vielfalt: Underground, Mainstream und überschneidende Subgenres
- Praxis: Nachrappen und Freestylen mit unterschiedlichen Lernzielen
- Urteil: Fakten, Wertungen und fehlende Belege unterscheiden
Abschluss-Check
Du kannst Rap nun an seiner Textgestaltung erkennen, wichtige historische Stationen ordnen und Genrebegriffe als veränderliche Orientierung verwenden. Bei Empfehlungen prüfst du, welche Angaben belegt sind, welche nur bewerten und welches konkrete Lernziel eine Übung verfolgt.
Mit Google fortfahren