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Sixte ajoutée: Aufbau, Deutung und Auflösung

Sixte ajoutée: Aufbau, Deutung und Auflösung
Sixte ajoutée: Aufbau, Deutung und Auflösung
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Die Sixte ajoutée ist eine zur Subdominante hinzugefügte große Sexte. In C-Dur wird der F-Dur-Dreiklang f–a–c um den Ton d erweitert. So entsteht f–a–c–d. Derselbe Tonbestand kann jedoch auch als Dm7/F gedeutet werden. Deshalb entscheiden nicht nur die Töne, sondern auch der harmonische Zusammenhang und ihre Auflösung.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

So baust du die Sixte ajoutée auf

Beginne mit dem Subdominantdreiklang. In C-Dur ist die Subdominante F-Dur:

  • Grundton: f
  • Terz: a
  • Quinte: c

Über dem Grundton f liegt der Ton d im Abstand einer großen Sexte. Wird er hinzugefügt, erklingen Quinte und Sexte gleichzeitig:

f–a–c–d

Definition

Sixte ajoutée

Die französische Bezeichnung bedeutet „hinzugefügte Sexte“. Gemeint ist sowohl die charakteristische große Sexte über dem Grundton der Subdominante als auch der vollständige Akkord. Er heißt auch Subdominant-Quintsextakkord und wird in der Funktionstheorie mit S⁵₆ bezeichnet.

Nicht mit „Sexte statt Quinte“ verwechseln

Bei der eigentlichen Sixte ajoutée bleibt die Quinte erhalten:

  • Sixte ajoutée: f–a–c–d
  • Sexte statt Quinte: f–a–d

Im zweiten Klang ersetzt d den Ton c. Die verbleibenden Töne lassen sich zugleich als d-Moll-Dreiklang mit f im Bass verstehen.

Merke

Hinzugefügt bedeutet: Quinte und Sexte erklingen gemeinsam. Statt der Quinte bedeutet: Die Quinte fehlt und wird durch die Sexte ersetzt.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Tonbestand bildet in C-Dur die vollständige Sixte ajoutée der Subdominante?
Lösung: f–a–c–d — Die Subdominante ist F-Dur mit f–a–c. Hinzu kommt die große Sexte d, ohne dass die Quinte c entfällt.
Frage 2 von 2MittelWelche Veränderung führt von f–a–c zur Sixte ajoutée?
Lösung: Der Ton d wird zusätzlich aufgenommen. — „Ajoutée“ heißt „hinzugefügt“: Der Dreiklang bleibt vollständig und erhält den zusätzlichen Sextton.
Warum derselbe Klang zwei Namen haben kann

Die Töne f–a–c–d lassen sich unterschiedlich ordnen. Mit f als Bezugston entsteht F-Dur mit hinzugefügter Sexte:

F6 oder funktionstheoretisch S⁵₆

Ordnet man dieselben Töne von d aus, erhält man:

d–f–a–c

Das ist ein d-Moll-Septakkord. Steht f im Bass, lautet das Akkordsymbol Dm7/F.

Beispiel

In der Folge C-Dur → F6 → G-Dur → C-Dur unterstützt die Stellung zwischen Tonika und Dominante die Deutung als Subdominante mit hinzugefügter Sexte.

In der Folge a-Moll → F6 → G7 → C-Dur kann der Tonbestand wegen der Folge der Akkordgrundtöne auch als Dm7/F aufgefasst werden.

Die Schreibweise allein entscheidet also nicht immer eindeutig über die harmonische Funktion. Prüfe drei Hinweise:

  1. Welcher Grundton erklärt die Akkordfolge sinnvoll?
  2. Welche Funktion hat der Klang zwischen seinen Nachbarakkorden?
  3. Welche Töne werden vorbereitet und wohin lösen sie sich auf?
Gut zu wissen

Eine mehrdeutige Deutung ist kein Analysefehler. Entscheidend ist, dass du deine Wahl mit dem musikalischen Zusammenhang und der tatsächlichen Stimmführung begründest.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Klang enthält f–a–c–d. Welche Aussage ist ohne weiteren Kontext sicher?
Lösung: Er kann als F6 oder als Dm7/F gedeutet werden. — Die vier Tonhöhen allein legen das Fundament und die Funktion nicht eindeutig fest. Erst Verlauf und Auflösung ermöglichen eine begründete Deutung.
Frage 2 von 2SchwerWas ist die überzeugendste Begründung für die Bezeichnung F6 in C-Dur → F6 → G-Dur → C-Dur?
Lösung: Der Klang übernimmt zwischen Tonika und Dominante die Rolle der Subdominante. — Die bekannte Folge Tonika–Subdominante–Dominante–Tonika stützt hier die Deutung des Klangs als erweiterte F-Dur-Subdominante.
Rameau erklärt Sexte und Septime durch ihre Auflösung

Jean-Philippe Rameau unterscheidet Akkordtypen anhand ihrer charakteristischen Dissonanzen, ihrer Auflösung und der Bewegung des Fundaments. Das Fundament ist dabei der angenommene Grundton des Akkords; es muss nicht mit dem tatsächlich tiefsten Ton übereinstimmen.

Bei Rameaus Subdominanttyp gilt:

  • Die charakteristische Dissonanz ist die große Sexte.
  • Sie löst sich stufenweise aufwärts auf.
  • Gleichzeitig fällt das Fundament um eine Quarte.

Im Beispiel f–a–c–d → c–e–g steigt der Sextton d zum Ton e. Das Fundament bewegt sich von f nach c, also um eine Quarte abwärts.

Dem stellt Rameau seinen historischen Dominanttyp gegenüber:

  • Die charakteristische Dissonanz ist die Septime.
  • Sie löst sich stufenweise abwärts auf.
  • Gleichzeitig fällt das Fundament um eine Quinte.

Rameaus Wort Dominante ist weiter gefasst als der heute übliche Begriff. Es bezeichnet bei ihm grundsätzlich Septakkorde mit der charakteristischen Abwärtsauflösung und nicht nur den Akkord auf der V. Stufe.

Warum die tatsächliche Stimmführung wichtig ist

Im Tonbestand d–f–a–c kann c als Septime über dem Fundament d verstanden werden. Ist c vorbereitet und löst es sich abwärts nach h auf, spricht diese Stimmführung für die Deutung als Septakkord über d.

Steigt dagegen die über f gedachte Sexte d nach e, während sich das Fundament von f nach c bewegt, entspricht der Verlauf Rameaus Sixte-ajoutée-Modell.

Merke

Eine Akkordanalyse fragt nicht nur: Welche Töne erklingen? Sie fragt auch: Welches Fundament ist plausibel, und wie lösen sich die charakteristischen Töne auf?

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtIn welche Richtung löst sich Rameaus charakteristische Sixte ajoutée auf?
Lösung: Stufenweise aufwärts — Die hinzugefügte große Sexte steigt stufenweise aufwärts; zugleich fällt das Fundament um eine Quarte.
Frage 2 von 2MittelWelche Beobachtung stützt bei d–f–a–c die Deutung als Septakkord über d?
Lösung: c löst sich als Septime abwärts nach h auf. — Die vorbereitete Abwärtsauflösung c → h entspricht der charakteristischen Behandlung einer Septime über dem Fundament d.
So führst du die Stimmen in der Kadenz

In einem vierstimmigen Satz reicht es nicht, nur die richtigen Akkordtöne zu treffen. Die einzelnen Stimmen sollen sich nachvollziehbar und ohne unerwünschte Quint- oder Oktavparallelen bewegen.

Bei der vollständigen Sixte ajoutée

In C-Dur enthält die Sixte ajoutée f–a–c–d; der folgende Dominantdreiklang enthält g–h–d. Der Ton d kommt in beiden Akkorden vor. Er kann deshalb in derselben Stimme liegen bleiben. Diese Verbindung hilft, Parallelen zu vermeiden.

Der Grundton f soll im vollständigen Vierklang nicht zusätzlich in einer Oberstimme verdoppelt werden: Mit f, a, c und d sind bereits vier unterschiedliche Akkordtöne vorhanden.

Bei der Sexte statt Quinte

Besteht der Klang aus f–a–d, soll der Sextton d in der beschriebenen Kadenzführung zum Terzton h der Dominante geführt werden. Außerdem bewegt sich der Bass zweckmäßig gegen die drei Oberstimmen. Diese Gegenbewegung verhindert, dass alle Stimmen gleichgerichtet fortschreiten und dabei Parallelen entstehen.

Beispiel

Du siehst den Klang f–a–c–d vor g–h–d. Prüfe zuerst die gemeinsamen Töne. d ist in beiden Akkorden enthalten und kann liegen bleiben. Danach führst du die übrigen Stimmen möglichst klar zu den Tönen des Dominantakkords und kontrollierst benachbarte Akkorde auf Quint- und Oktavparallelen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei der eigentlichen Sixte ajoutée erklingen Quinte und Sexte . Der gemeinsame Ton d von f–a–c–d und g–h–d kann in derselben Stimme . Für die Deutung eines mehrdeutigen Klangs prüfst du Tonbestand, harmonischen und Auflösung.

Lösungen: Lücke 1: gleichzeitig; Lücke 2: liegen bleiben; Lücke 3: Kontext. Der vollständige Akkord enthält Quinte und Sexte. Gemeinsame Töne ermöglichen eine ruhige Stimmführung; Kontext und Auflösung helfen bei der Funktionsbestimmung.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Sixte ajoutée
    • Aufbau: Subdominantdreiklang plus große Sexte
    • Beispiel in C-Dur: `f–a–c–d`
    • Funktionsdeutung: `F6` oder `S⁵₆`
    • Alternative Deutung: `Dm7/F`
    • Rameau: Sexte aufwärts und Fundament im Quartfall
    • Abgrenzung: Bei Sexte statt Quinte fehlt die Quinte
    • Stimmführung: gemeinsame Töne nutzen und Parallelen prüfen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWoran erkennst du im Tonbestand die vollständige Sixte ajoutée?
Lösung: Grundton, Terz, Quinte und große Sexte sind vorhanden. — Bei der vollständigen Sixte ajoutée bleibt der Subdominantdreiklang bestehen und erhält zusätzlich seine große Sexte.
Frage 2 von 3MittelWelche Analyse ist für f–a–c–d grundsätzlich möglich?
Lösung: Sowohl F6 als auch Dm7/F, abhängig vom Zusammenhang — Beide Deutungen erfassen denselben Tonbestand. Kontext, Fundamentannahme und Auflösung entscheiden über die überzeugendere Analyse.
Frage 3 von 3SchwerIn einer Passage ist c vorbereitet und löst sich aus d–f–a–c nach h auf. Welche Deutung wird dadurch besonders gestützt?
Lösung: c wird als Septime eines Akkords über dem Fundament d behandelt. — Die Bewegung c → h ist eine stufenweise Abwärtsauflösung. Sie entspricht der Behandlung von c als Septime über dem Fundament d.

Du kannst den Akkord nun auf drei Ebenen untersuchen: Tonbestand bestimmen, mögliche Fundamente vergleichen und die Auflösung der Stimmen beobachten. Erst diese Verbindung macht aus einer Akkordbezeichnung eine begründete harmonische Analyse.

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