Streichinstrumente: Bau, Klang und Spielweise
Streichinstrumente sind Saiteninstrumente. Meist bringt ein Bogen ihre Saiten zum Schwingen. Der Resonanzkörper verstärkt die Schwingungen, sodass ein gut hörbarer Ton entsteht.
Auf dieser Seite lernst du die vier klassischen Orchesterstreicher kennen. Du untersuchst, wie sie gebaut und gespielt werden, und ordnest auch weniger vertraute Streichinstrumente begründet ein.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie entsteht der Klang?
Wenn du eine Saite in Schwingung versetzt, bewegt sie sich sehr schnell hin und her. Allein wäre diese Bewegung nur schwach zu hören. Deshalb werden die Schwingungen über den Steg an den hohlen Korpus weitergegeben. Der Korpus wirkt als Resonanzkörper und macht den Ton besser hörbar.
Resonanzkörper
Ein Resonanzkörper nimmt Schwingungen auf und verstärkt ihre hörbare Wirkung. Bei den klassischen Streichinstrumenten übernimmt der meist hölzerne Korpus diese Aufgabe.
Beim Streichen gleitet mit Kolofonium behandeltes Bogenhaar über die Saite. Dabei haftet es kurz an der Saite, zieht sie mit und lässt sie wieder los. Dieser Vorgang wiederholt sich fortlaufend. So wird die Saite immer wieder angeregt und der Ton kann anhalten.
Kolofonium ist ein Produkt aus Baumharz. Es erhöht die Haftung zwischen Bogenhaar und Saite. Ohne ausreichende Haftung könnte der Bogen die Saite nicht zuverlässig mitziehen.
Beim Zupfen zieht ein Finger die Saite einmal zur Seite und lässt sie los. Danach klingt ihre Schwingung rasch ab. Ein gezupfter Ton ist deshalb normalerweise kürzer als ein gestrichener Ton.
Anregungsart bestimmt Tondauer: Der Bogen regt die Saite fortlaufend an; beim Zupfen erhält sie nur einen einmaligen Anstoß.
Welche vier Orchesterstreicher gibt es?
Die klassische Streicherfamilie besteht aus Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass. Dabei gilt grundsätzlich: Mit zunehmender Instrumentengröße wird die Tonlage tiefer.
| Instrument | Alternativname | Stellung in der Familie | Typische Haltung |
|---|---|---|---|
| Geige | Violine | kleinstes und höchstes Instrument | zwischen Kinn und Schulter |
| Bratsche | Viola | etwas größer und tiefer als die Geige | zwischen Kinn und Schulter |
| Cello | Violoncello | größer und tiefer als die Bratsche | sitzend zwischen den Knien, auf einem Stachel |
| Kontrabass | auch Bassgeige | größtes und tiefstes Instrument | meist im Stehen, auf einem Stachel |
Im Orchester treten Violinen gewöhnlich in erster und zweiter Gruppe auf. Bratschen, Celli und Kontrabässe ergänzen die tieferen Tonlagen. Die Instrumente können außerdem solistisch, in kleineren Ensembles und in Musikrichtungen außerhalb der klassischen Musik eingesetzt werden.
Du siehst ein sehr großes Saiteninstrument, das auf dem Boden steht und meist im Stehen gespielt wird. Seine Größe, die tiefe Tonlage und die Haltung sprechen für den Kontrabass.
Ein etwas kleineres Instrument wird dagegen von einer sitzenden Person zwischen den Knien gehalten. Es steht ebenfalls auf einem Stachel. Diese Merkmale sprechen für das Cello.
Welche Bauteile haben welche Aufgabe?
Die vier klassischen Orchesterstreicher unterscheiden sich in ihrer Größe, besitzen aber viele gemeinsame Bauteile.
Kopf und Hals
Am Kopf befinden sich der Wirbelkasten und die Wirbel. Mit den Wirbeln lässt sich die Spannung der Saiten und damit ihre Stimmung verändern. Der Sattel führt die Saiten vom Wirbelkasten zum Griffbrett.
Auf dem Griffbrett drückt die linke Hand eine Saite nieder. Dadurch ändert sich ihre schwingende Länge und somit die Tonhöhe.
Korpus
Der Korpus besteht unter anderem aus Decke, Boden und Seitenwänden. Die f-förmigen Öffnungen in der Decke heißen f-Löcher.
Der Steg trägt die Saiten und überträgt ihre Schwingungen auf den Korpus. Der Saitenhalter befestigt die Saiten am unteren Teil des Instruments.
Geige und Bratsche besitzen einen Kinnhalter. Cello und Kontrabass stehen mithilfe eines Stachels auf dem Boden.
Bogen
Der Bogen besteht aus einer Stange und gespanntem Bogenhaar. Am Frosch wird das Haar gehalten und gespannt. Eine Schraubvorrichtung reguliert seine Spannung. Das mit Kolofonium behandelte Haar regt beim Streichen die Saite an.
Eine Saite schwingt, doch der Korpus wird kaum angeregt. Prüfe zuerst die Verbindung zwischen Saite und Korpus: Der Steg muss die Saitenschwingungen übertragen. Er ist daher nicht bloß eine Ablage für die Saiten.
Wie verändern Hände und Bogen den Ton?
Beim üblichen Spiel haben die Hände unterschiedliche Aufgaben:
- Die rechte Hand führt den Bogen oder zupft die Saite.
- Die linke Hand drückt die Saite auf das Griffbrett.
- Durch den gewählten Griff verändert sich die schwingende Saitenlänge und damit die Tonhöhe.
- Durch die Bogenbewegung wird die Saite fortlaufend angeregt.
Eine saubere Bogenführung und eine passende Fingerstellung müssen geübt werden. Das Instrument sollte außerdem zur Körpergröße passen. Deshalb gibt es besonders für Kinder kleinere Ausführungen von Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen.
Die rechte Hand bestimmt, wie die Saite angeregt wird. Die linke Hand beeinflusst vor allem, welche Tonhöhe erklingt.
Gehören nur vier Instrumente zur Familie?
Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass bilden die vertraute klassische Orchestergruppe. Der Begriff Streichinstrument ist jedoch weiter: Entscheidend ist die Klangerzeugung durch Reibung beziehungsweise Streichen, nicht die Zugehörigkeit zu einem europäischen Orchester.
Zu weiteren Streichinstrumenten gehören beispielsweise:
- die Drehleier, bei der ein eingebautes Rad die Saiten streicht;
- die Nyckelharpa, eine Schlüsselfidel mit Tasten;
- Instrumente aus der chinesischen Gruppe der Huqin, etwa die Erhu;
- historische Instrumente wie Fidel, Gambe, Rebec und Rabāb.
Diese Instrumente können anders gebaut oder gehalten werden als eine Geige. Trotzdem lassen sie sich über die Art der Saitenanregung einordnen.
Bei einer Drehleier führt die Hand keinen gewöhnlichen Bogen über die Saiten. Stattdessen streicht ein Rad fortlaufend an ihnen entlang. Weil die Saiten durch Reibung angeregt werden, gehört die Drehleier dennoch zu den Streichinstrumenten.
Wie ordnest du ein Instrument begründet ein?
Wenn du ein vertrautes oder unbekanntes Instrument untersuchst, gehe in vier Schritten vor:
- Finde den Schwingungserzeuger: Schwingen Saiten, eine Luftsäule oder ein anderer Klangkörper?
- Beobachte die Anregung: Werden die Saiten gestrichen, gezupft oder auf andere Weise bewegt?
- Suche den Resonanzkörper: Welcher Teil nimmt die Schwingungen auf und verstärkt ihre hörbare Wirkung?
- Begründe deine Einordnung: Verbinde Bau und Spielweise in einem vollständigen Satz.
Beobachtung: Ein Instrument besitzt Saiten. Ein Bogen streicht darüber, und ein hohler Holzkorpus verstärkt den Ton.
Begründung: Das Instrument ist ein Streichinstrument, weil seine Saiten mit einem Bogen fortlaufend in Schwingung versetzt werden und der Korpus als Resonanzkörper wirkt.
Versuche es selbst: Ein Instrument hat vier Saiten, wird zwischen Kinn und Schulter gehalten und klingt tiefer als eine Geige. Bestimme das Instrument und nenne zwei Merkmale für deine Entscheidung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Streichinstrumente
- Klangerzeugung: gestrichene oder gezupfte Saiten
- Verstärkung: Steg und Resonanzkörper
- Tonhöhe: Griff der linken Hand
- Bogenführung oder Zupfen: rechte Hand
- Orchesterfamilie: Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass
- Weitere Formen: Drehleier, Nyckelharpa, Huqin und historische Instrumente
- Einordnung: Schwingungserzeuger, Anregung und Resonanzkörper untersuchen
Abschluss-Check
Wenn du bei einer Einordnung unsicher bist, frage zuerst: Was schwingt, wodurch wird es angeregt und welcher Teil verstärkt den Ton? Mit diesen drei Beobachtungen kannst du auch weniger vertraute Streichinstrumente begründet erkennen.
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