Gitarren-Tabulatur lesen: Tabs einfach erklärt
Eine Tabulatur, kurz Tab, zeigt dir unmittelbar, auf welcher Saite und in welchem Bund du spielen sollst. Du liest sie von links nach rechts. Zahlen untereinander erklingen gleichzeitig, Zahlen hintereinander nacheinander.
Tabs sind leicht zugänglich, geben Rhythmus und Fingersatz aber oft nicht vollständig an. Auf dieser Seite lernst du deshalb nicht nur die Zeichen, sondern auch, wie du unklare Stellen sinnvoll prüfst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
So findest du Saite und Bund
Eine Gitarren-Tabulatur besteht aus sechs waagerechten Linien. Sie zeigt die Saiten so, wie sie dir beim Spielen erscheinen, wenn du auf die Gitarre hinunterschaust:
| Tab-Linie | Saite | Lage an der Gitarre |
|---|---|---|
| oberste Linie | hohe e-Saite | dünnste Saite |
| zweite Linie | h-Saite | |
| dritte Linie | G-Saite | |
| vierte Linie | D-Saite | |
| fünfte Linie | A-Saite | |
| unterste Linie | tiefe E-Saite | dickste Saite |
Bundzahl
Eine Bundzahl zeigt die Stelle auf dem Griffbrett: 1 bedeutet erster Bund, 3 dritter Bund und so weiter. Die Zahl bezeichnet nicht den Finger.
Die 0 steht für eine Leersaite. Du schlägst diese Saite an, ohne sie herunterzudrücken. Fehlt auf einer Linie eine Zahl, wird diese Saite an der betreffenden Stelle nicht automatisch gespielt.
In h|--1--| steht die 1 auf der h-Saite. Du greifst daher den ersten Bund der h-Saite und schlägst diese Saite an. Die übrigen Saiten bleiben ungespielt.
Linie = Saite, Zahl = Bund, `0` = Leersaite. Eine unbeschriftete Linie bedeutet nicht automatisch 0.
So liest du Töne und Akkorde
Die Zeit verläuft in einer Tabulatur von links nach rechts. Dabei entscheidet die Anordnung der Zahlen, ob Töne nacheinander oder gleichzeitig erklingen.
- Zahlen weiter rechts spielst du später.
- Zahlen genau untereinander spielst du gleichzeitig.
- Mehrere senkrecht angeordnete Zahlen können einen Akkord bilden.
Dieses vereinfachte C-Dur-Beispiel zeigt eine senkrechte Zahlengruppe:
| Saite | Eintrag |
|---|---|
| hohe e | 0 |
| h | 1 |
| G | 0 |
| D | 2 |
| A | 3 |
| tiefe E | kein Eintrag |
Du spielst die fünf eingetragenen Saiten gleichzeitig: A-Saite im 3. Bund, D-Saite im 2. Bund, h-Saite im 1. Bund sowie G- und hohe e-Saite leer. Die tiefe E-Saite schlägst du nicht an, weil dort keine Zahl steht.
Bei einer Tonfolge gehst du dagegen Spalte für Spalte nach rechts. Steht zuerst 1 auf der h-Saite und danach 0 auf der hohen e-Saite, spielst du zuerst den gegriffenen Ton und anschließend die Leersaite.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Eine Tab wird von gelesen. Zahlen senkrecht untereinander erklingen . Die Zahl 0 bezeichnet eine . Zahlen stehen für .
So deutest du wichtige Spieltechniken
Buchstaben und Sonderzeichen neben einer Zahl verändern die Ausführung. Die folgenden Bedeutungen sind weit verbreitet:
| Zeichen | Technik | Ausführung |
|---|---|---|
h | Hammer-on | Ersten Ton anschlagen, den höheren Bund auf derselben Saite kräftig greifen. |
p | Pull-off | Ersten Ton anschlagen, den Finger so abziehen, dass der tiefere Ton weiterklingt. |
/ | aufsteigender Slide | Den Finger auf derselben Saite zu einem höheren Bund schieben. |
\ | absteigender Slide | Den Finger auf derselben Saite zu einem tieferen Bund schieben. |
b | Bending | Die Saite ziehen und dadurch die Tonhöhe anheben. |
r | Bend Release | Die gezogene Saite kontrolliert zur Ausgangstonhöhe zurückführen. |
~ oder v | Vibrato | Den gegriffenen Ton durch kleine Fingerbewegungen in der Tonhöhe schwanken lassen. |
x | gedämpfter Schlag | Die Saite berühren, aber nicht herunterdrücken; es entsteht ein perkussives Geräusch. |
PM | Palm Muting | Die Saiten nahe am Steg mit dem Handballen der Anschlaghand abdämpfen. |
7h8p7 steht auf einer einzigen Saite.
- Greife Bund 7 und schlage den Ton an.
- Setze einen weiteren Finger kräftig auf Bund 8: Das ist das Hammer-on.
- Ziehe diesen Finger so ab, dass Bund 7 wieder erklingt: Das ist das Pull-off.
Nur der erste Ton muss gewöhnlich mit der Anschlaghand angeschlagen werden.
Bei 7b9r7 greifst du Bund 7. Nach dem Anschlag ziehst du die Saite, bis sie die Tonhöhe erreicht, die sonst im 9. Bund erklingt. Danach führst du sie kontrolliert zur Ausgangstonhöhe zurück.
Beim Bending bezeichnet die Zahl nach b ausnahmsweise die Zieltonhöhe, nicht einen Bund, den du anschließend greifen musst. Vergleiche die gebendete Tonhöhe mit dem normal gespielten Zielbund.
Was Tabs über Rhythmus verraten – und was nicht
Einfache Tabs legen Saite, Bund und Reihenfolge meist eindeutig fest. Die Dauer der Töne, genaue Pausen und der vollständige Rhythmus fehlen jedoch häufig.
Größere Abstände zwischen Zahlen können längeres Halten oder eine Pause andeuten. Diese Abstände sind aber nicht einheitlich geregelt. Manche Tabs ergänzen Notenwerte oder eine klassische Notenzeile; andere setzen voraus, dass der Rhythmus bereits bekannt ist.
Auch ein Fingersatz fehlt meistens. Du entscheidest dann nach den folgenden Tönen, welche Finger kurze und entspannte Bewegungen ermöglichen.
Eine Tab beantwortet zuverlässig: Welche Saite? Welcher Bund? Welche Reihenfolge? Sie beantwortet nicht immer: Wie lange? Mit welchem Finger? Mit welchem Anschlag?
Außerdem sind nicht alle Sonderzeichen normiert. s kann beispielsweise einen Slide kennzeichnen; bei einem ungewöhnlichen Zeichen musst du eine vorhandene Legende und den musikalischen Zusammenhang beachten.
So erschließt du eine unbekannte Tab
Gehe bei einer neuen Tabulatur in einer festen Reihenfolge vor:
- Saiten prüfen: Stehen die sechs Linien für die übliche Gitarrenstimmung, oder ist eine andere Stimmung angegeben?
- Von links nach rechts lesen: Teile die Tab in einzelne Zeitpunkte oder Zahlengruppen.
- Saite und Bund bestimmen: Lies jede Zahl zusammen mit ihrer Linie.
- Gleichzeitigkeit erkennen: Spiele senkrechte Zahlengruppen zusammen.
- Technikzeichen anwenden: Beachte etwa
h,p,/,\,b,r,x,~undPM. - Rhythmusgrenze prüfen: Unterscheide sichere Angaben von bloßen Abständen.
- Fingersatz wählen: Achte auf die nächsten Töne und vermeide unnötige Handverschiebungen.
- Langsam kontrollieren: Übe kurze Abschnitte, bevor du sie verbindest.
Du liest auf einer Saite 1h3p1p0.
- Schlage Bund 1 einmal an.
- Erzeuge Bund 3 mit einem Hammer-on.
- Kehre mit einem Pull-off zu Bund 1 zurück.
- Ziehe den Finger erneut ab, sodass die Leersaite erklingt.
Wenn die Folge noch nicht sauber klingt, übe zuerst nur 1h3. Ergänze danach 3p1 und zuletzt den Pull-off zur Leersaite.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Gitarren-Tabulatur
- Aufbau
- sechs Linien für sechs Saiten
- Zahlen für Bünde
- `0` für Leersaiten
- Leserichtung
- von links nach rechts
- untereinander gleichzeitig
- hintereinander nacheinander
- Spieltechniken
- `h` und `p` für gebundene Töne
- `/` und `\` für Slides
- `b` und `r` für Bending und Release
- `x` und `PM` für Dämpfung
- Grenzen
- Rhythmus oft unvollständig
- Fingersatz meist nicht angegeben
- Sonderzeichen nicht vollständig normiert
- Vorgehen
- sichere Angaben zuerst lesen
- schwierige Folgen zerlegen
- unklare Zeichen im Kontext prüfen
- Aufbau
Abschluss-Check
Wenn du alle drei Fragen begründen kannst, kannst du die sicheren Angaben einer Gitarren-Tab lesen und ihre Grenzen erkennen.
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