Musik

Vierstimmiger Satz: Stimmen sicher führen

Vierstimmiger Satz: Stimmen sicher führen
Vierstimmiger Satz: Stimmen sicher führen
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Beim vierstimmigen Satz verteilst du Akkorde auf Sopran, Alt, Tenor und Bass. Dabei soll der Gesamtklang harmonisch verständlich sein und zugleich jede Einzelstimme möglichst natürlich und singbar verlaufen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vier Stimmen bilden einen gemeinsamen Satz

Von der höchsten zur tiefsten Stimme lautet die Reihenfolge:

  1. Sopran
  2. Alt
  3. Tenor
  4. Bass

Die Bezeichnungen stammen von menschlichen Stimmlagen. Sie werden auch verwendet, wenn Instrumente den Satz spielen.

Definition

Vierstimmiger Satz

Ein vierstimmiger Satz verbindet vier gleichzeitig verlaufende Stimmen zu einem harmonischen Ganzen. Jede Stimme ist eine eigene melodische Linie.

Du betrachtest den Satz aus zwei Richtungen:

  • Vertikal: Welche Töne erklingen gleichzeitig, und welchen Akkord bilden sie?
  • Horizontal: Wie bewegt sich jede einzelne Stimme von Ton zu Ton?

Ein Akkord kann für sich richtig sein und trotzdem ungünstig klingen, wenn einzelne Stimmen unnötig springen oder problematische Parallelen entstehen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWie heißen die vier Stimmen von oben nach unten?
Lösung: Sopran, Alt, Tenor, Bass — Sopran ist die höchste und Bass die tiefste Stimme; Alt und Tenor liegen dazwischen.
Frage 2 von 2MittelWelche Frage gehört zur horizontalen Betrachtung?
Lösung: Wie bewegt sich der Tenor vom ersten zum zweiten Akkord? — Horizontal verfolgst du eine Stimme durch die Zeit. Vertikal untersuchst du den Zusammenklang an einem bestimmten Zeitpunkt.
Ein Dreiklang wird auf vier Stimmen verteilt

Ein Dreiklang enthält drei verschiedene Akkordtöne: Grundton, Terz und Quinte. Für vier Stimmen reicht das noch nicht aus. Deshalb erklingt einer dieser Töne in zwei Stimmen.

Definition

Verdoppelung

Bei einer Verdoppelung übernehmen zwei Stimmen denselben Akkordton, meist in verschiedenen Oktavlagen. Die übrigen Akkordtöne müssen dadurch nicht verschwinden.

Im dargestellten Grundmodell gilt diese Reihenfolge:

  1. möglichst den Grundton verdoppeln;
  2. wenn die Stimmführung das nicht sinnvoll erlaubt, die Quinte verdoppeln;
  3. erst danach eine Verdoppelung der Terz erwägen.
Beispiel

Der C-Dur-Dreiklang besteht aus C, E und G. Eine mögliche vierstimmige Verteilung lautet:

  • Sopran: G
  • Alt: E
  • Tenor: C
  • Bass: C

Alle drei Akkordtöne sind vorhanden. Das C als Grundton ist verdoppelt.

Merke

Vier Stimmen bedeuten nicht automatisch vier verschiedene Töne: Bei einem Dreiklang wird normalerweise ein Akkordton verdoppelt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein Dreiklang enthält drei verschiedene Akkordtöne. Im vierstimmigen Satz wird deshalb meist ein Ton . Bevorzugt wird gewöhnlich der . Die anderen beiden Akkordtöne sollen ebenfalls .

Lösungen: Lücke 1: verdoppelt; Lücke 2: Grundton; Lücke 3: enthalten sein. Prüfe zuerst, ob Grundton, Terz und Quinte vorhanden sind. Suche anschließend nach dem Ton, der in zwei Stimmen erklingt.
So verbindest du Akkorde singbar

Beim Wechsel zwischen zwei Akkorden suchst du für jede Stimme einen möglichst natürlichen Weg. Gemeinsame Akkordtöne können liegen bleiben; andere Stimmen bewegen sich bevorzugt schrittweise oder mit kleinen Sprüngen.

Eine hilfreiche Arbeitsfolge ist:

  1. Bestimme die zur Melodie passenden Akkorde.
  2. Plane wichtige Schlussstellen.
  3. Gestalte Sopran und Bass als Außenstimmen.
  4. Ergänze Alt und Tenor.
  5. Prüfe Verdoppelungen und die Vollständigkeit der Akkorde.
  6. Prüfe jede Stimme einzeln auf Singbarkeit und unnötig große Sprünge.
  7. Vergleiche alle Stimmenpaare auf Quint- und Oktavparallelen.
Definition

Parallelbewegung

Zwei Stimmen bewegen sich parallel, wenn sie gleichzeitig in dieselbe Richtung gehen und dabei den gleichen Abstand behalten.

Parallelbewegung ist zunächst nur eine Bewegungsart. Im hier dargestellten Regelmodell sind besonders Quintparallelen und Oktavparallelen zu vermeiden:

  • Bei einer Quintparallele bewegen sich zwei Stimmen von einer reinen Quinte zu einer weiteren reinen Quinte.
  • Bei einer Oktavparallele bewegen sie sich von einer Oktave zu einer weiteren Oktave.

Bewegen sich Sopran und Bass in entgegengesetzte Richtungen, spricht man von Gegenbewegung. Sie kann dabei helfen, problematische Parallelen zu vermeiden.

Gut zu wissen

Stimmführungsregeln beschreiben ein bestimmtes Satzideal. Komponierende können Regeln bewusst verletzen, wenn sie damit eine beabsichtigte Wirkung erzielen. Eine unbeabsichtigte Problemstelle und eine begründete Ausnahme sind daher nicht dasselbe.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas kennzeichnet eine Parallelbewegung?
Lösung: Zwei Stimmen bewegen sich gleichzeitig in dieselbe Richtung und behalten denselben Abstand. — Entscheidend sind gleiche Richtung und gleichbleibender Abstand zwischen den beiden Stimmen.
Frage 2 von 3MittelWelche Bewegung ist Gegenbewegung?
Lösung: Der Sopran steigt, während der Bass fällt. — Bei der Gegenbewegung bewegen sich zwei Stimmen gleichzeitig in entgegengesetzte Richtungen.
Frage 3 von 3SchwerWelches Tonpaar zeigt eine Quintparallele?
Lösung: Die obere Stimme geht von G nach A, die untere gleichzeitig von C nach D. — G über C und A über D bilden jeweils eine reine Quinte. Beide Stimmen steigen gleichzeitig: Es entsteht eine Quintparallele.
Ein vollständiges Beispiel prüfen

Die folgende Verbindung verwendet in C-Dur die Funktionen I–IV–V–I: Tonika, Subdominante, Dominante und wieder Tonika. Die Ziffer hinter einem Ton unterscheidet seine Oktavlage. In der deutschen Notennamenschreibung heißt der Leitton von C-Dur H; B bezeichnet dagegen den erniedrigten Ton B-Dur beziehungsweise B♭.

StimmeI: C-DurIV: F-DurV: G-DurI: C-Dur
SopranG4A4G4G4
AltE4F4D4E4
TenorC4C4H3C4
BassC3F3G3C3

Akkorde kontrollieren

  • C-Dur enthält C, E und G; C ist verdoppelt.
  • F-Dur enthält F, A und C; F ist verdoppelt.
  • G-Dur enthält G, H und D; G ist verdoppelt.
  • Der Schlussakkord enthält wieder C, E und G; C ist verdoppelt.

Stimmen einzeln verfolgen

  • Der Sopran bewegt sich G–A–G–G.
  • Der Alt bewegt sich E–F–D–E.
  • Der Tenor hält zunächst C und geht dann H–C.
  • Der Bass trägt mit C–F–G–C die Grundtöne der Akkorde.

Die Mittelstimmen bewegen sich überwiegend schrittweise oder bleiben liegen. Zwischen den aufeinanderfolgenden Akkorden entsteht bei keinem Stimmenpaar eine Quint- oder Oktavparallele.

Beispiel

So prüfst du den Übergang von IV zu V:

  1. Verfolge jede Stimme: A–G, F–D, C–H und F–G.
  2. Prüfe, welche Stimmen in dieselbe Richtung gehen.
  3. Vergleiche deren Abstand vor und nach dem Wechsel.
  4. Keine Verbindung bleibt dabei von einer reinen Quinte zu einer reinen Quinte oder von einer Oktave zu einer Oktave bestehen.

Der Übergang erfüllt damit die hier geprüfte Parallelregel.

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Frage 1 von 2MittelWarum ist die Verbindung als Lernbeispiel geeignet?
Lösung: Die Akkorde sind vollständig, meist ist der Grundton verdoppelt, und die Stimmen vermeiden Quint- und Oktavparallelen. — Eine gute Prüfung verbindet die vertikale Akkordkontrolle mit der horizontalen Verfolgung jeder Stimme.
Frage 2 von 2SchwerDu findest in einer eigenen Verbindung eine Quintparallele. Was ist der sinnvollste nächste Schritt?
Lösung: Eine beteiligte Stimme anders führen und danach Akkord, Singbarkeit und alle Stimmenpaare erneut prüfen. — Eine Korrektur darf kein neues Problem erzeugen. Prüfe deshalb nach jeder Änderung erneut den Akkord und die vollständige Stimmführung.
Schlussarten geben dem Verlauf Richtung

Schlüsse verbinden harmonische Funktionen und erzeugen unterschiedlich starke Ruhepunkte.

SchlussartFunktionenWirkung im Verlauf
Authentischer GanzschlussV–Iführt von der Dominante zur Tonika
Plagaler GanzschlussIV–Iführt von der Subdominante zur Tonika
Halbschlussendet meist auf Verzeugt einen vorläufigen Ruhepunkt
TrugschlussV–VI beziehungsweise V zu einer anderen Stufe als Ienttäuscht die erwartete Auflösung zur Tonika

Halb- und Trugschluss eignen sich als Zwischenschlüsse, nicht als endgültiger Abschluss des gesamten Stücks. Für eine sichere Benennung musst du außerdem die Grundtonart und damit die Funktionen der beteiligten Akkorde kennen.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Funktionsfolge kennzeichnet den authentischen Ganzschluss?
Lösung: V–I — Der authentische Ganzschluss führt von der Dominante V zur Tonika I.
Frage 2 von 3MittelEine Phrase endet auf der Dominante, ohne zur Tonika weiterzugehen. Welcher Schluss liegt nahe?
Lösung: Halbschluss — Ein Halbschluss bleibt meist auf der Dominante stehen und wirkt deshalb vorläufig.
Frage 3 von 3SchwerNach V wird I erwartet, doch es folgt VI. Wie heißt diese Wendung?
Lösung: Trugschluss — Der Trugschluss lenkt die Dominante von der erwarteten Tonika auf eine andere Stufe, häufig VI.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Vierstimmiger Satz
    • Stimmen: Sopran, Alt, Tenor, Bass
    • Vertikal: Akkorde und Verdoppelungen prüfen
    • Horizontal: jede Stimme melodisch verfolgen
    • Stimmführung: kleine Bewegungen und Gegenbewegung nutzen
    • Vermeiden: Quint- und Oktavparallelen
    • Schlussarten: Ganzschluss, Halbschluss, Trugschluss
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWarum wird in einem vierstimmigen Dreiklang meist ein Ton verdoppelt?
Lösung: Vier Stimmen verteilen sich auf nur drei verschiedene Akkordtöne. — Ein Dreiklang hat drei verschiedene Töne. Damit alle vier Stimmen beteiligt sind, übernimmt eine Stimme einen bereits vorhandenen Akkordton.
Frage 2 von 3MittelWelche Prüfung untersucht die Stimmführung vollständig?
Lösung: Jeden Akkord kontrollieren, jede Stimme einzeln verfolgen und anschließend die Stimmenpaare vergleichen. — Du brauchst beide Blickrichtungen: die vertikale Akkordkontrolle und die horizontale Prüfung aller Stimmen.
Frage 3 von 3SchwerZwei Stimmen bilden nacheinander reine Quinten und steigen dabei beide. Wie beurteilst du die Stelle im dargestellten Satzmodell?
Lösung: Es ist eine Quintparallele; eine Stimme sollte gezielt anders geführt und die Verbindung erneut geprüft werden. — Gleiche Richtung und derselbe reine Quintabstand ergeben eine Quintparallele. Nach einer Korrektur prüfst du erneut Akkordvollständigkeit, Singbarkeit und die übrigen Stimmenpaare.

Du beherrschst den Grundgedanken, wenn du einen Satz nicht nur als Folge von Akkorden siehst: Vier eigenständige Stimmen müssen gemeinsam einen verständlichen harmonischen Verlauf bilden.

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