Vierstimmiger Satz: Stimmen sicher führen
Beim vierstimmigen Satz verteilst du Akkorde auf Sopran, Alt, Tenor und Bass. Dabei soll der Gesamtklang harmonisch verständlich sein und zugleich jede Einzelstimme möglichst natürlich und singbar verlaufen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vier Stimmen bilden einen gemeinsamen Satz
Von der höchsten zur tiefsten Stimme lautet die Reihenfolge:
- Sopran
- Alt
- Tenor
- Bass
Die Bezeichnungen stammen von menschlichen Stimmlagen. Sie werden auch verwendet, wenn Instrumente den Satz spielen.
Vierstimmiger Satz
Ein vierstimmiger Satz verbindet vier gleichzeitig verlaufende Stimmen zu einem harmonischen Ganzen. Jede Stimme ist eine eigene melodische Linie.
Du betrachtest den Satz aus zwei Richtungen:
- Vertikal: Welche Töne erklingen gleichzeitig, und welchen Akkord bilden sie?
- Horizontal: Wie bewegt sich jede einzelne Stimme von Ton zu Ton?
Ein Akkord kann für sich richtig sein und trotzdem ungünstig klingen, wenn einzelne Stimmen unnötig springen oder problematische Parallelen entstehen.
Ein Dreiklang wird auf vier Stimmen verteilt
Ein Dreiklang enthält drei verschiedene Akkordtöne: Grundton, Terz und Quinte. Für vier Stimmen reicht das noch nicht aus. Deshalb erklingt einer dieser Töne in zwei Stimmen.
Verdoppelung
Bei einer Verdoppelung übernehmen zwei Stimmen denselben Akkordton, meist in verschiedenen Oktavlagen. Die übrigen Akkordtöne müssen dadurch nicht verschwinden.
Im dargestellten Grundmodell gilt diese Reihenfolge:
- möglichst den Grundton verdoppeln;
- wenn die Stimmführung das nicht sinnvoll erlaubt, die Quinte verdoppeln;
- erst danach eine Verdoppelung der Terz erwägen.
Der C-Dur-Dreiklang besteht aus C, E und G. Eine mögliche vierstimmige Verteilung lautet:
- Sopran: G
- Alt: E
- Tenor: C
- Bass: C
Alle drei Akkordtöne sind vorhanden. Das C als Grundton ist verdoppelt.
Vier Stimmen bedeuten nicht automatisch vier verschiedene Töne: Bei einem Dreiklang wird normalerweise ein Akkordton verdoppelt.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Dreiklang enthält drei verschiedene Akkordtöne. Im vierstimmigen Satz wird deshalb meist ein Ton . Bevorzugt wird gewöhnlich der . Die anderen beiden Akkordtöne sollen ebenfalls .
So verbindest du Akkorde singbar
Beim Wechsel zwischen zwei Akkorden suchst du für jede Stimme einen möglichst natürlichen Weg. Gemeinsame Akkordtöne können liegen bleiben; andere Stimmen bewegen sich bevorzugt schrittweise oder mit kleinen Sprüngen.
Eine hilfreiche Arbeitsfolge ist:
- Bestimme die zur Melodie passenden Akkorde.
- Plane wichtige Schlussstellen.
- Gestalte Sopran und Bass als Außenstimmen.
- Ergänze Alt und Tenor.
- Prüfe Verdoppelungen und die Vollständigkeit der Akkorde.
- Prüfe jede Stimme einzeln auf Singbarkeit und unnötig große Sprünge.
- Vergleiche alle Stimmenpaare auf Quint- und Oktavparallelen.
Parallelbewegung
Zwei Stimmen bewegen sich parallel, wenn sie gleichzeitig in dieselbe Richtung gehen und dabei den gleichen Abstand behalten.
Parallelbewegung ist zunächst nur eine Bewegungsart. Im hier dargestellten Regelmodell sind besonders Quintparallelen und Oktavparallelen zu vermeiden:
- Bei einer Quintparallele bewegen sich zwei Stimmen von einer reinen Quinte zu einer weiteren reinen Quinte.
- Bei einer Oktavparallele bewegen sie sich von einer Oktave zu einer weiteren Oktave.
Bewegen sich Sopran und Bass in entgegengesetzte Richtungen, spricht man von Gegenbewegung. Sie kann dabei helfen, problematische Parallelen zu vermeiden.
Stimmführungsregeln beschreiben ein bestimmtes Satzideal. Komponierende können Regeln bewusst verletzen, wenn sie damit eine beabsichtigte Wirkung erzielen. Eine unbeabsichtigte Problemstelle und eine begründete Ausnahme sind daher nicht dasselbe.
Ein vollständiges Beispiel prüfen
Die folgende Verbindung verwendet in C-Dur die Funktionen I–IV–V–I: Tonika, Subdominante, Dominante und wieder Tonika. Die Ziffer hinter einem Ton unterscheidet seine Oktavlage. In der deutschen Notennamenschreibung heißt der Leitton von C-Dur H; B bezeichnet dagegen den erniedrigten Ton B-Dur beziehungsweise B♭.
| Stimme | I: C-Dur | IV: F-Dur | V: G-Dur | I: C-Dur |
|---|---|---|---|---|
| Sopran | G4 | A4 | G4 | G4 |
| Alt | E4 | F4 | D4 | E4 |
| Tenor | C4 | C4 | H3 | C4 |
| Bass | C3 | F3 | G3 | C3 |
Akkorde kontrollieren
- C-Dur enthält C, E und G; C ist verdoppelt.
- F-Dur enthält F, A und C; F ist verdoppelt.
- G-Dur enthält G, H und D; G ist verdoppelt.
- Der Schlussakkord enthält wieder C, E und G; C ist verdoppelt.
Stimmen einzeln verfolgen
- Der Sopran bewegt sich G–A–G–G.
- Der Alt bewegt sich E–F–D–E.
- Der Tenor hält zunächst C und geht dann H–C.
- Der Bass trägt mit C–F–G–C die Grundtöne der Akkorde.
Die Mittelstimmen bewegen sich überwiegend schrittweise oder bleiben liegen. Zwischen den aufeinanderfolgenden Akkorden entsteht bei keinem Stimmenpaar eine Quint- oder Oktavparallele.
So prüfst du den Übergang von IV zu V:
- Verfolge jede Stimme: A–G, F–D, C–H und F–G.
- Prüfe, welche Stimmen in dieselbe Richtung gehen.
- Vergleiche deren Abstand vor und nach dem Wechsel.
- Keine Verbindung bleibt dabei von einer reinen Quinte zu einer reinen Quinte oder von einer Oktave zu einer Oktave bestehen.
Der Übergang erfüllt damit die hier geprüfte Parallelregel.
Schlussarten geben dem Verlauf Richtung
Schlüsse verbinden harmonische Funktionen und erzeugen unterschiedlich starke Ruhepunkte.
| Schlussart | Funktionen | Wirkung im Verlauf |
|---|---|---|
| Authentischer Ganzschluss | V–I | führt von der Dominante zur Tonika |
| Plagaler Ganzschluss | IV–I | führt von der Subdominante zur Tonika |
| Halbschluss | endet meist auf V | erzeugt einen vorläufigen Ruhepunkt |
| Trugschluss | V–VI beziehungsweise V zu einer anderen Stufe als I | enttäuscht die erwartete Auflösung zur Tonika |
Halb- und Trugschluss eignen sich als Zwischenschlüsse, nicht als endgültiger Abschluss des gesamten Stücks. Für eine sichere Benennung musst du außerdem die Grundtonart und damit die Funktionen der beteiligten Akkorde kennen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Vierstimmiger Satz
- Stimmen: Sopran, Alt, Tenor, Bass
- Vertikal: Akkorde und Verdoppelungen prüfen
- Horizontal: jede Stimme melodisch verfolgen
- Stimmführung: kleine Bewegungen und Gegenbewegung nutzen
- Vermeiden: Quint- und Oktavparallelen
- Schlussarten: Ganzschluss, Halbschluss, Trugschluss
Abschluss-Check
Du beherrschst den Grundgedanken, wenn du einen Satz nicht nur als Folge von Akkorden siehst: Vier eigenständige Stimmen müssen gemeinsam einen verständlichen harmonischen Verlauf bilden.
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