Stimmführung: Akkorde sicher verbinden
Stimmführung bedeutet: Du betrachtest nicht nur die Akkorde, sondern verfolgst jeden einzelnen Ton von einem Akkord zum nächsten. In einer einfachen vierstimmigen Kadenz hältst du gemeinsame Töne, führst andere Stimmen möglichst auf kurzem Weg und nutzt bei Akkorden ohne gemeinsamen Ton Gegenbewegung.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie können sich zwei Stimmen bewegen?
Stell dir Bass und Sopran als zwei Melodien vor, die gleichzeitig erklingen. Beim Akkordwechsel vergleichst du ihre Richtungen.
Bewegungsarten
- Gerade Bewegung: Beide Stimmen steigen oder beide fallen.
- Seitenbewegung: Eine Stimme bleibt liegen, die andere steigt oder fällt.
- Gegenbewegung: Eine Stimme steigt, die andere fällt.
Gerade Bewegung ist nicht automatisch falsch. In der hier behandelten traditionellen Satzweise prüfst du jedoch besonders, ob dadurch parallele Quinten oder Oktaven entstehen. Seitenbewegung bewahrt einen gemeinsamen Ton. Gegenbewegung macht die Linien oft selbstständiger.
Parallelquinte und Paralleloktave
Eine Parallelquinte entsteht, wenn dieselben zwei Stimmen gleichgerichtet von einer reinen Quinte zu einer weiteren reinen Quinte gehen. Beispiel: Untere Stimme C3 → D3, obere Stimme G3 → A3. Die Intervalle C3–G3 und D3–A3 sind reine Quinten; beide Stimmen steigen.
Eine Paralleloktave entsteht entsprechend beim gleichgerichteten Wechsel von einer reinen Oktave zu einer weiteren reinen Oktave. Beispiel: Untere Stimme C3 → D3, obere Stimme C4 → D4. Beide Stimmen steigen, und beide Intervalle sind reine Oktaven.
Der Bass steigt von F nach G. Gleichzeitig fällt der Sopran von A nach G. Die Stimmen bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen: Das ist Gegenbewegung.
Bleibt dagegen der Ton C im Tenor liegen, während der Alt von E nach F steigt, entsteht zwischen Tenor und Alt eine Seitenbewegung.
Wie planst du einen Akkordwechsel?
Beginne nicht mit allen Stimmen gleichzeitig. Prüfe zuerst, ob beide Akkorde einen gemeinsamen Ton besitzen.
Gemeinsamer Ton: in derselben Stimme halten. Kein gemeinsamer Ton: Im einfachen Kadenzmodell die Oberstimmen gegen den Bass führen. Die übrigen Töne gehen jeweils zu nahe gelegenen, noch fehlenden Akkordtönen.
So gehst du Schritt für Schritt vor:
- Bestimme die Töne beider Akkorde.
- Suche gemeinsame Akkordtöne.
- Halte jeden ausgewählten gemeinsamen Ton in derselben Stimme.
- Ergänze die fehlenden Töne des Zielakkords auf möglichst kurzem Weg.
- Prüfe jede Stimme als eigene Melodie.
- Prüfe im traditionellen Satzmodell besonders parallele Quinten und Oktaven.
„Kurzer Weg“ heißt nicht, dass jede Stimme denselben Ton wählen darf. Am Ende müssen die benötigten Töne des Folgeakkords vorhanden sein.
C-Dur besteht aus C–E–G, F-Dur aus F–A–C. Der gemeinsame Ton ist C. Liegt C im Tenor, bleibt der Tenor liegen. Der Alt kann von E nach F steigen, der Sopran von G nach A. Der Bass geht vom Grundton C zum Grundton F.
Wie entsteht eine stimmige C-Dur-Kadenz?
Die Grundfolge lautet Tonika – Subdominante – Dominante – Tonika, kurz T–S–D–T. In C-Dur sind das C-Dur, F-Dur, G-Dur und wieder C-Dur.
Wir verwenden Bass, Tenor, Alt und Sopran. Der Bass geht zwischen den Grundtönen der Funktionen. Die drei Oberstimmen bilden die übrigen Linien.
Eine mögliche Führung wird über Tonklassen beschrieben; die genaue Oktavlage ist dabei nicht festgelegt.
- C-Dur zu F-Dur: C ist gemeinsam und bleibt im Tenor. Alt E steigt zu F, Sopran G steigt zu A. Der Bass geht von C nach F.
- F-Dur zu G-Dur: Es gibt keinen gemeinsamen Ton. Der Bass steigt von F nach G. Die Oberstimmen gehen gegenläufig: Tenor C nach H, Alt F nach D, Sopran A nach G.
- G-Dur zu C-Dur: G bleibt im Sopran liegen. Tenor H steigt zum Tonikagrundton C, Alt D steigt zu E. Der Bass geht von G nach C.
So erhält jede Stimme einen nachvollziehbaren Verlauf, und jeder Zielakkord enthält seine benötigten Töne.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei C-Dur zu F-Dur bleibt der gemeinsame Ton liegen. Bei F-Dur zu G-Dur steigt der Bass; die Oberstimmen bewegen sich im gezeigten Modell . Beim Schluss G-Dur zu C-Dur führt der Leitton H .
Wie erkennst und verbesserst du Problemstellen?
Beurteile eine Verbindung nicht nur nach den Akkordnamen. Verfolge Bass, Tenor, Alt und Sopran jeweils horizontal.
Eine Problemstelle im behandelten traditionellen Satzmodell kann vorliegen, wenn
- ein gemeinsamer Ton ohne Grund die Stimme wechselt,
- Stimmen unnötig große Sprünge machen,
- bei einer Verbindung ohne gemeinsamen Ton alle Stimmen nur parallel verschoben werden,
- parallele Quinten oder Oktaven entstehen.
Diese Regeln gehören zu einem bestimmten historischen Satzmodell. Sie sind kein Verbot für jede Musikrichtung. Bei der Analyse musst du deshalb zuerst klären, welches Satzmodell gilt.
F-Dur soll zu G-Dur führen. Jemand verschiebt F–A–C geschlossen nach G–H–D und lässt auch den Bass von F nach G steigen. Alle Stimmen gehen gerade aufwärts.
Verbesserung: Der Bass steigt weiterhin von F nach G, aber die Oberstimmen werden zu nahe gelegenen G-Dur-Tönen abwärts geführt: C nach H, A nach G und F nach D. Die Harmonie bleibt F-Dur zu G-Dur; geändert wird nur der Weg der Stimmen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Stimmführung
- einzelne Stimmen verfolgen
- Bewegungsarten unterscheiden
- melodische Wege prüfen
- Akkorde verbinden
- gemeinsame Töne halten
- fehlende Töne auf kurzem Weg ergänzen
- ohne gemeinsamen Ton Gegenbewegung nutzen
- Verbindung kontrollieren
- Zielakkord vollständig bilden
- parallele Quinten und Oktaven im Satzmodell prüfen
- einzelne Stimmen verfolgen
Abschluss-Check
Du kannst eine Verbindung jetzt systematisch prüfen: Akkordtöne bestimmen, gemeinsame Töne halten, fehlende Töne auf kurzem Weg ergänzen und anschließend jede Stimme sowie die stilabhängigen Satzregeln kontrollieren.
Mit Google fortfahren