Physik

Aktivität und Zählrate einfach erklärt

Aktivität und Zählrate einfach erklärt
Aktivität und Zählrate einfach erklärt
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Die Aktivität beschreibt, wie viele Atomkerne tatsächlich pro Zeit zerfallen. Die Zählrate gibt dagegen an, wie viele Impulse ein Messgerät pro Zeit registriert. Beide Größen sind deshalb nicht automatisch gleich.

Deine Lernziele

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Was bedeutet Aktivität?

Ein einzelner radioaktiver Kern zerfällt zu einem nicht vorhersagbaren Zeitpunkt. Bei sehr vielen Kernen lässt sich jedoch angeben, wie viele Zerfälle in einem Zeitintervall zu erwarten sind.

Definition

Aktivität

Die Aktivität $A$ ist die Zahl der Kernzerfälle $\Delta N$ während der Zeit $\Delta t$:

$$A=\frac{\Delta N}{\Delta t}$$

Ihre Einheit ist das Becquerel:

$$1\,\mathrm{Bq}=1\,\mathrm{s}^{-1}$$

Eine Aktivität von $1\,\mathrm{Bq}$ bedeutet im Mittel einen Kernzerfall pro Sekunde.

Die Aktivität ist größer, wenn mehr radioaktive Kerne vorhanden sind oder wenn die Kerne eine größere Zerfallswahrscheinlichkeit besitzen. Für ein einzelnes Radionuklid gilt $A=\lambda N$. Dabei ist $N$ die Zahl der noch vorhandenen radioaktiven Kerne und $\lambda$ die Zerfallskonstante.

Beispiel

In einer Probe finden während $60\,\mathrm{s}$ insgesamt 240 Kernzerfälle statt.

$$A=\frac{240}{60\,\mathrm{s}}=4\,\mathrm{Bq}$$

Die Probe besitzt in diesem Zeitintervall eine mittlere Aktivität von $4\,\mathrm{Bq}$.

Merke

Bei der Aktivität zählt man Kernzerfälle. Becquerel ist nicht die Einheit für die Impulse eines beliebigen Messgeräts.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt eine Aktivität von $50\,\mathrm{Bq}$ richtig?
Lösung: Im Mittel finden 50 Kernzerfälle pro Sekunde statt. — Aktivität beschreibt eine mittlere Zerfallszahl. Der Zeitpunkt eines einzelnen Zerfalls bleibt zufällig.
Was misst ein Zählrohr?

Ein Geiger-Müller-Zählrohr registriert Strahlung als elektrische Impulse. Werden während der Messzeit $t_m$ insgesamt $x$ Impulse gezählt, lautet die Zählrate $Z$:

$$Z=\frac{x}{t_m}$$

Sie wird häufig in Impulsen pro Sekunde oder counts per second (cps) angegeben.

Die Zählrate hängt nicht nur von der Quelle ab, sondern auch von

  • Abstand und Ausrichtung zwischen Quelle und Detektor,
  • Abschirmung und Absorption,
  • Strahlenart und Energie,
  • Empfindlichkeit und wirksamer Detektorfläche,
  • Totzeit des Zählrohrs.

Während der Totzeit kann das Zählrohr nach einem Impuls vorübergehend keinen weiteren Impuls registrieren.

Gut zu wissen

Ein Zählrohr erfasst nicht jeden Zerfall: Strahlung kann in eine andere Richtung fliegen, abgeschirmt werden oder unentdeckt bleiben. Deshalb darfst du eine Zählrate in cps nicht einfach als Aktivität in Bq ausgeben.

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Frage 1 von 1LeichtZwei gleich aktive Quellen werden in unterschiedlichen Abständen gemessen. Warum können ihre Zählraten verschieden sein?
Lösung: Der Abstand und damit die Messgeometrie beeinflussen die registrierte Impulszahl. — Die Aktivität gehört zur Quelle. Die Zählrate gehört zum gesamten Messaufbau aus Quelle, Umgebung und Detektor.
Wie wird der Untergrund abgezogen?

Auch ohne Präparat registriert ein Zählrohr Impulse. Dieser Untergrund oder Nulleffekt muss in einer eigenen Messung bestimmt werden.

Für die Bruttozählung $N_b$ in der Zeit $t_b$ und die Untergrundzählung $N_0$ in der Zeit $t_0$ gilt:

$$Z_{\mathrm{netto}}=\frac{N_b}{t_b}-\frac{N_0}{t_0}$$

Du musst zuerst beide Impulszahlen durch ihre jeweilige Messzeit teilen. Nur bei gleichen Messzeiten darfst du die Impulszahlen unmittelbar voneinander abziehen.

Beispiel

Mit einem Präparat werden in $60\,\mathrm{s}$ insgesamt 1260 Impulse gemessen. Ohne Präparat sind es in $60\,\mathrm{s}$ 180 Impulse.

Bruttozählrate:

$$Z_b=\frac{1260}{60\,\mathrm{s}}=21\,\mathrm{cps}$$

Untergrundzählrate:

$$Z_0=\frac{180}{60\,\mathrm{s}}=3\,\mathrm{cps}$$

Nettozählrate:

$$Z_{\mathrm{netto}}=21\,\mathrm{cps}-3\,\mathrm{cps}=18\,\mathrm{cps}$$

Der Quelle werden somit $18\,\mathrm{cps}$ zugerechnet. Das Ergebnis ist noch keine Aktivität in Becquerel.

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Frage 1 von 1MittelMit Präparat werden 600 Impulse in 30 Sekunden gezählt. Der Untergrund liefert 120 Impulse in 60 Sekunden. Wie groß ist die Nettozählrate?
Lösung: $18\,\mathrm{cps}$ — Die Bruttozählrate beträgt $600/30\,\mathrm{s}=20\,\mathrm{cps}$, die Untergrundzählrate $120/60\,\mathrm{s}=2\,\mathrm{cps}$. Daher gilt $Z_{\mathrm{netto}}=18\,\mathrm{cps}$.
Warum schwanken die Messwerte?

Wiederholst du dieselbe Messung, erhältst du meist nicht genau dieselbe Impulszahl. Das ist kein Beweis für ein defektes Gerät: Radioaktive Zerfälle sind statistische Ereignisse.

Bei vielen vorhandenen Kernen und einer Messzeit, die kurz gegenüber der Halbwertszeit ist, lassen sich die Impulszahlen näherungsweise mit der Poisson-Verteilung beschreiben. Für $N$ gezählte Impulse gilt dann:

$$\sigma_N=\sqrt{N}$$

Die relative Standardabweichung beträgt:

$$\frac{\sigma_N}{N}=\frac{1}{\sqrt{N}}$$

Bei 400 Impulsen sind das $1/\sqrt{400}=5\,\%$. Bei 10 000 Impulsen sind es nur noch $1\,\%$.

Merke

Für eine zehnmal kleinere relative Zählunsicherheit brauchst du ungefähr die hundertfache Impulszahl.

Für unabhängige Brutto- und Untergrundzählungen ergibt die quadratische Fortpflanzung der Poisson-Varianzen:

$$\sigma_{Z_{\mathrm{netto}}}=\sqrt{\frac{N_b}{t_b^2}+\frac{N_0}{t_0^2}}$$

Im vorherigen Beispiel beträgt diese statistische Standardabweichung rund $0{,}63\,\mathrm{cps}$. Das Messergebnis lässt sich daher als ungefähr $(18{,}0\pm0{,}6)\,\mathrm{cps}$ angeben, wenn nur diese statistische Unsicherheit betrachtet wird.

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Frage 1 von 1MittelWie verändert sich die relative statistische Unsicherheit ungefähr, wenn statt 100 insgesamt 10 000 Impulse gezählt werden?
Lösung: Sie sinkt von etwa $10\,\%$ auf etwa $1\,\%$. — Verwende $1/\sqrt{N}$. Mehr Impulse beseitigen den Zufall nicht, verringern aber seinen relativen Einfluss.
Wie wird aus einer Zählrate eine Aktivität?

Eine unbekannte Aktivität lässt sich mit einem Standardpräparat bekannter Aktivität bestimmen. Dafür müssen Standard und unbekannte Probe unter vergleichbaren Bedingungen gemessen werden. Insbesondere müssen Messgeometrie und Detektorantwort gleich beziehungsweise vergleichbar und linear sein.

Bei gleichen Messzeiten gilt:

$$A=A_1\frac{N-N_0}{N_1-N_0}$$

Dabei bedeuten:

  • $A$: gesuchte Aktivität,
  • $A_1$: Aktivität des Standards am Messtag,
  • $N$: Impulse der unbekannten Probe,
  • $N_1$: Impulse des Standards,
  • $N_0$: Untergrundimpulse.
Beispiel

Ein Standard besitzt am Messtag eine Aktivität von $1200\,\mathrm{Bq}$. Bei jeweils gleicher Messzeit werden gemessen:

  • unbekannte Probe: $N=6500$ Impulse,
  • Standard: $N_1=10\,500$ Impulse,
  • Untergrund: $N_0=500$ Impulse.

Zuerst werden die Untergrundimpulse abgezogen:

$$N-N_0=6000$$

$$N_1-N_0=10\,000$$

Dann folgt:

$$A=1200\,\mathrm{Bq}\cdot\frac{6000}{10\,000}=720\,\mathrm{Bq}$$

Die unbekannte Probe besitzt unter den Voraussetzungen des Relativverfahrens eine Aktivität von $720\,\mathrm{Bq}$.

Das Verfahren wäre nicht zuverlässig, wenn du beispielsweise nur bei einer Probe den Abstand veränderst. Auch die Aktivität des Standards muss zum Messtag passen, weil radioaktive Präparate mit der Zeit zerfallen.

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Frage 1 von 1SchwerStandard und unbekannte Probe werden mit demselben Zählrohr gemessen. Nur die unbekannte Probe steht doppelt so weit entfernt. Darf die Verhältnisformel unverändert verwendet werden?
Lösung: Nein, denn die Messgeometrie ist nicht gleich. — Der Untergrundabzug ist notwendig, stellt aber keine gleiche Geometrie her. Das Verhältnis der Nettozählungen spiegelt die Aktivitäten nur unter vergleichbaren Messbedingungen wider.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Aktivität und Zählrate
    • Aktivität: tatsächliche Kernzerfälle pro Zeit in Bq
    • Zählrate: registrierte Impulse pro Zeit in cps
    • Untergrund: wird als Rate von der Bruttorate abgezogen
    • Zählstatistik: relative Unsicherheit sinkt mit $1/\sqrt{N}$
    • Relativverfahren: unbekannte Aktivität wird mit einem Standard verglichen
    • Grenzen: Geometrie, Detektorantwort, Totzeit und Strahlung beeinflussen die Messung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Aktivität in Bq, Zählrate häufig in cps — Aktivität und Zählrate haben beide die Dimension „pro Zeit“, beschreiben aber verschiedene Ereignisse.
Frage 2 von 3MittelEine Messung liefert $900$ Impulse in $50\,\mathrm{s}$. Der Untergrund beträgt $150$ Impulse in $50\,\mathrm{s}$. Wie groß ist die Nettozählrate?
Lösung: $15\,\mathrm{cps}$ — Die Bruttozählrate ist $900/50\,\mathrm{s}=18\,\mathrm{cps}$, der Untergrund $150/50\,\mathrm{s}=3\,\mathrm{cps}$. Somit bleiben $15\,\mathrm{cps}$.
Frage 3 von 3SchwerZwei Proben liefern dieselbe Nettozählrate. Was darfst du sicher folgern?
Lösung: Nur bei vergleichbarer Geometrie und Detektorantwort spricht das für gleiche Aktivitäten. — Eine Zählrate beschreibt das Ergebnis eines Messaufbaus. Für eine Aussage über die Aktivität müssen die Nachweisbedingungen bekannt und vergleichbar sein.
Merke

Prüfe bei jeder Aufgabe zuerst: Geht es um tatsächliche Zerfälle, registrierte Impulse oder eine aus Messdaten bestimmte Aktivität? Diese Unterscheidung verhindert die häufigste Verwechslung.

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