Physik

Halbwertszeit verstehen und berechnen

Halbwertszeit verstehen und berechnen
Halbwertszeit verstehen und berechnen
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Die Halbwertszeit gibt an, nach welcher Zeit im statistischen Modell noch die Hälfte der radioaktiven Ausgangskerne unzerfallen ist. Nach jeder weiteren Halbwertszeit halbiert sich der jeweils verbliebene Anteil erneut.

Auf dieser Seite lernst du, Restkernzahl und Aktivität zu bestimmen, Zerfallskurven zu deuten und typische Denkfehler zu vermeiden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was bedeutet Halbwertszeit?

Stell dir eine große Zahl gleichartiger radioaktiver Kerne vor. Du kannst nicht vorhersagen, wann ein bestimmter Kern zerfällt. Für viele Kerne lässt sich der Verlauf jedoch statistisch beschreiben.

Definition

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit $T_{1/2}$ ist die Zeitspanne, nach der die Zahl der noch unzerfallenen Ausgangskerne im statistischen Modell auf die Hälfte gesunken ist.

Hat ein Nuklid eine Halbwertszeit von 8 Tagen, dann gilt für eine große Anzahl von Kernen:

  • nach 8 Tagen bleibt die Hälfte,
  • nach 16 Tagen bleibt ein Viertel,
  • nach 24 Tagen bleibt ein Achtel.

Die Aussage bezieht sich immer auf die jeweils noch vorhandenen Kerne. Sie bedeutet nicht, dass in jedem Zeitabschnitt dieselbe Anzahl zerfällt.

Merke

Ein einzelner Zerfall ist zufällig. Die Halbwertszeit beschreibt den statistischen Verlauf einer großen Zahl gleichartiger Kerne.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt die Halbwertszeit richtig?
Lösung: Nach einer Halbwertszeit ist im statistischen Modell die Hälfte der Ausgangskerne noch unzerfallen. — Der Zerfallszeitpunkt eines einzelnen Kerns bleibt unvorhersagbar. Die Halbwertszeit beschreibt eine große Anzahl von Kernen.
Wie setzt sich die Halbierung fort?

Nach jeder Halbwertszeit wird der aktuelle Rest mit $\frac12$ multipliziert:

Verstrichene HalbwertszeitenVerbleibender AnteilVerbleibende Prozentzahl
0$1$$100\,\%$
1$\frac12$$50\,\%$
2$\frac14$$25\,\%$
3$\frac18$$12{,}5\,\%$

Nach $n$ Halbwertszeiten lautet der Restanteil:

$$\left(\frac12\right)^n$$

Beispiel

Eine Probe enthält anfangs $N(0)=100\,000$ radioaktive Kerne. Die Halbwertszeit beträgt 8 Tage. Wie viele Ausgangskerne sind nach 16 Tagen noch unzerfallen?

  1. Bestimme die Zahl der Halbwertszeiten: $n=16\,\mathrm{d}:8\,\mathrm{d}=2$.
  2. Nach zwei Halbwertszeiten bleibt der Anteil $\left(\frac12\right)^2=\frac14$.
  3. Berechne die Restkernzahl: $N=100\,000\cdot\frac14=25\,000$.

Nach 16 Tagen sind im Modell noch 25 000 Ausgangskerne unzerfallen.

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Frage 1 von 2LeichtWelcher Anteil bleibt nach drei Halbwertszeiten?
Lösung: $\frac18$ — Drei Halbierungen ergeben $1\cdot\frac12\cdot\frac12\cdot\frac12=\frac18$.
Frage 2 von 2MittelJod-131 hat eine Halbwertszeit von 8 Tagen. Welcher Anteil bleibt nach 16 Tagen?
Lösung: $25\,\%$ — Nach zwei Halbwertszeiten bleibt $\left(\frac12\right)^2=\frac14=25\,\%$.
Wie rechnest du mit beliebigen Zeiten?

Zuerst vergleichst du die vergangene Zeit $t$ mit der Halbwertszeit:

$$n=\frac{t}{T_{1/2}}$$

Dann setzt du $n$ in das Zerfallsgesetz ein:

$$N(t)=N(0)\left(\frac12\right)^{t/T_{1/2}}$$

In Worten: Restkernzahl = Anfangskernzahl mal Halbierungsfaktor hoch Anzahl der Halbwertszeiten.

Der Startzeitpunkt darf frei gewählt werden. Von jedem gewählten Ausgangswert aus halbiert sich die Restkernzahl während der nächsten Halbwertszeit erneut.

Gut zu wissen

Der Verlauf ist exponentiell. In gleich langen Zeitabschnitten wird derselbe Anteil abgebaut, nicht dieselbe absolute Anzahl. Der Modellwert nähert sich deshalb null an, erreicht null mathematisch aber nicht.

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Frage 1 von 1MittelEine Probe hat die Halbwertszeit $T_{1/2}=6\,\mathrm{h}$. Welcher Exponent gehört nach $18\,\mathrm{h}$ in den Halbierungsfaktor?
Lösung: $3$, denn $18\,\mathrm{h}:6\,\mathrm{h}=3$ — Der Exponent gibt an, wie oft die Halbwertszeit in der vergangenen Zeit enthalten ist.
Warum halbiert sich auch die Aktivität?

Die Aktivität $A$ gibt die Zahl der Zerfälle pro Sekunde an. Ihre Einheit ist das Becquerel: $1\,\mathrm{Bq}$ bedeutet ein Zerfall pro Sekunde.

Je mehr unzerfallene Kerne vorhanden sind, desto mehr Zerfälle sind pro Zeit zu erwarten. Deshalb ist die Aktivität proportional zur Restkernzahl und besitzt denselben Halbierungsverlauf:

$$A(t)=A(0)\left(\frac12\right)^{t/T_{1/2}}$$

Beispiel

Eine Probe hat anfangs eine Aktivität von $800\,\mathrm{Bq}$ und eine Halbwertszeit von $6\,\mathrm{h}$. Gesucht ist die Aktivität nach $18\,\mathrm{h}$.

  1. Anzahl der Halbwertszeiten: $n=18\,\mathrm{h}:6\,\mathrm{h}=3$.
  2. Aktivität nacheinander halbieren: $800\,\mathrm{Bq}\to400\,\mathrm{Bq}\to200\,\mathrm{Bq}\to100\,\mathrm{Bq}$.
  3. Probe: $800\,\mathrm{Bq}\cdot\left(\frac12\right)^3=100\,\mathrm{Bq}$.

Nach 18 Stunden beträgt die Aktivität im Modell 100 Bq.

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Frage 1 von 2LeichtWas bedeutet eine Aktivität von $125\,\mathrm{Bq}$?
Lösung: Im Mittel treten 125 Zerfälle pro Sekunde auf. — Becquerel ist die Einheit der Aktivität. Sie beschreibt Zerfälle pro Sekunde, nicht die Restkernzahl oder die Halbwertszeit.
Frage 2 von 2MittelEine Aktivität sinkt während einer Halbwertszeit von $1000\,\mathrm{Bq}$ auf welchen Wert?
Lösung: $500\,\mathrm{Bq}$ — Während genau einer Halbwertszeit wird der aktuelle Wert mit $\frac12$ multipliziert.
Wie liest du eine Zerfallskurve und vermeidest Fehler?

In einem Diagramm steht auf der waagerechten Achse die Zeit. Auf der senkrechten Achse steht zum Beispiel die Restkernzahl $N$ oder die Aktivität $A$.

So bestimmst du die Halbwertszeit:

  1. Wähle einen Wert auf der Kurve, etwa $N_0$.
  2. Bestimme dessen Hälfte $N_0/2$.
  3. Lies die zu beiden Werten gehörenden Zeiten ab.
  4. Die Zeitdifferenz ist die Halbwertszeit.
Diagramm

Abnahme der Restkernzahl

Abnahme der Restkernzahl
0 min800 Kerne
4 min400 Kerne
8 min200 Kerne
12 min100 Kerne
Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Halbwertszeit zeigt die dargestellte Zerfallskurve?
Lösung: $4\,\mathrm{min}$ — Die Restkernzahl sinkt von 800 bei 0 Minuten auf die Hälfte, also 400, bei 4 Minuten. Die Halbwertszeit beträgt daher 4 Minuten.

Drei typische Fehler

  • Linear denken: Die Kurve verliert nicht in jedem Zeitabschnitt dieselbe absolute Menge. Sie verliert denselben Anteil.
  • Vom Anfangswert halbieren: Nach der ersten Halbwertszeit wird der verbliebene Wert erneut halbiert.
  • Einzelkern und große Menge verwechseln: Die Halbwertszeit sagt nicht, wann ein bestimmter Kern zerfällt.
Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Nach einer Halbwertszeit bleiben Prozent, nach zwei Halbwertszeiten Prozent und nach drei Halbwertszeiten Prozent der Ausgangskerne unzerfallen.

Lösungen: Lücke 1: 50; Lücke 2: 25; Lücke 3: 12,5. Halbiere immer den gerade vorhandenen Anteil: $100\,\%\to50\,\%\to25\,\%\to12{,}5\,\%$.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Halbwertszeit
    • statistisches Maß für viele Kerne
    • Halbierung des jeweils verbliebenen Bestands
    • Restanteil nach $n$ Schritten: $\left(\frac12\right)^n$
    • Restkernzahl folgt dem Zerfallsgesetz
    • Aktivität halbiert sich im gleichen Rhythmus
    • Zerfallskurve zeigt die Zeit bis zum halben Wert
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWarum ist der radioaktive Zerfall nicht linear?
Lösung: In gleichen Zeitabschnitten zerfällt derselbe Anteil der jeweils vorhandenen Kerne. — Wiederholtes Multiplizieren mit $\frac12$ erzeugt einen exponentiellen Verlauf.
Frage 2 von 3MittelEine Probe besitzt anfangs $1000$ Zerfälle pro Sekunde und eine Halbwertszeit von 20 Minuten. Wie groß ist ihre Aktivität nach 60 Minuten?
Lösung: $125\,\mathrm{Bq}$ — Es vergehen drei Halbwertszeiten: $1000\to500\to250\to125$. Die Aktivität beträgt daher $125\,\mathrm{Bq}$.
Frage 3 von 3SchwerZwei gleichartige Proben desselben Nuklids starten zu verschiedenen Zeitpunkten. Welche Aussage gilt?
Lösung: Von jedem gewählten Startwert aus halbiert sich die Restkernzahl während einer weiteren Halbwertszeit. — Das Zerfallsgesetz gilt für jeden gewählten Ausgangspunkt. Entscheidend sind der dort vorhandene Wert und die anschließend vergangene Zeit.

Wenn du bei einer neuen Aufgabe zuerst $n=t/T_{1/2}$ bestimmst und dann den aktuellen Wert wiederholt halbierst, kannst du Restkernzahl und Aktivität sicher berechnen.

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