Physik

Radioaktivität: Zerfall, Strahlung und Schutz

Radioaktivität: Zerfall, Strahlung und Schutz
Radioaktivität: Zerfall, Strahlung und Schutz
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Radioaktivität bedeutet: Ein instabiler Atomkern wandelt sich ohne äußeren Anstoß um und sendet dabei ionisierende Strahlung aus. Diese Strahlung kann Atome verändern und lebende Zellen schädigen. Wie groß die Gefahr ist, hängt unter anderem von Strahlungsart, Einwirkungsweg, Abstand, Dauer und Abschirmung ab.

Auf dieser Seite lernst du, Zerfallsarten zu unterscheiden, Aktivität und Halbwertszeit zu berechnen und passende Schutzmaßnahmen zu begründen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum zerfallen manche Atomkerne?

Ein Atom besteht aus einem Kern und einer Elektronenhülle. Im Kern befinden sich positiv geladene Protonen und ungeladene Neutronen. Die Protonenzahl bestimmt das chemische Element. Protonen und Neutronen zusammen ergeben die Massenzahl.

Definition

Nuklid

Ein Nuklid ist eine bestimmte Kombination aus Protonen und Neutronen. Nuklide mit gleicher Protonenzahl, aber unterschiedlicher Neutronenzahl heißen Isotope eines Elements.

Manche Kerne sind instabil. Sie gehen spontan in einen energetisch günstigeren Zustand über. Dabei entsteht ein anderer Kern oder der ursprüngliche Kern gibt überschüssige Energie ab.

Der Zeitpunkt des Zerfalls eines einzelnen Kerns lässt sich nicht vorhersagen. Bei einer großen Zahl gleichartiger Kerne kann man jedoch zuverlässig beschreiben, welcher Anteil in einer bestimmten Zeit voraussichtlich zerfällt.

Definition

Ionisierende Strahlung

Ionisierende Strahlung besitzt genug Energie, um Elektronen aus Atomen oder Molekülen zu lösen. Dabei entstehen elektrisch geladene Teilchen, sogenannte Ionen.

Merke

Radioaktivität bezeichnet die Eigenschaft eines instabilen Kerns. Die ausgesandte ionisierende Strahlung ist eine Folge seiner Umwandlung oder Energieabgabe.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt Radioaktivität richtig?
Lösung: Ein instabiler Atomkern wandelt sich spontan um und sendet dabei Strahlung aus. — Radioaktivität ist ein Vorgang im Atomkern. Instabile Kerne wandeln sich ohne äußere Einwirkung um.
Wie unterscheiden sich Alpha, Beta und Gamma?

Die Massenzahl wird mit $A$, die Protonen- oder Ordnungszahl mit $Z$ bezeichnet. An ihren Änderungen kannst du Zerfallsarten erkennen.

Alphazerfall

Ein Alphateilchen ist ein Heliumkern aus zwei Protonen und zwei Neutronen. Der Ausgangskern verliert deshalb vier Kernteilchen und zwei Protonen:

$$A \rightarrow A-4, \qquad Z \rightarrow Z-2$$

Beispiel

Beim Alphazerfall von Radium-224 entsteht Radon-220:

$${}^{224}_{88}\mathrm{Ra} \rightarrow {}^{220}_{86}\mathrm{Rn} + {}^{4}_{2}\mathrm{He}$$

Kontrolle: $224=220+4$ und $88=86+2$. Massenzahl und Protonenzahl sind auf beiden Seiten erhalten.

Alphastrahlung ionisiert auf kurzer Strecke besonders stark, hat aber nur eine geringe Reichweite und lässt sich vergleichsweise leicht abschirmen. Gelangt ein Alphastrahler durch Atmung oder Nahrung in den Körper, kann er das umliegende Gewebe stark belasten.

Betazerfall

Beim Beta-Minus-Zerfall wird im Kern ein Neutron in ein Proton umgewandelt. Dabei werden ein Elektron und ein Elektron-Antineutrino ausgesandt. Die Massenzahl bleibt gleich, die Protonenzahl steigt um eins:

$$A \rightarrow A, \qquad Z \rightarrow Z+1$$

Beim Beta-Plus-Zerfall wird ein Proton in ein Neutron umgewandelt. Ein Positron und ein Neutrino werden ausgesandt. Die Massenzahl bleibt gleich, die Protonenzahl sinkt um eins:

$$A \rightarrow A, \qquad Z \rightarrow Z-1$$

Betastrahlung besitzt eine größere Reichweite als Alphastrahlung. Dünne Metallplatten können sie gut abschirmen.

Gammaübergang

Ein angeregter Kern kann überschüssige Energie als Gammastrahlung abgeben. Seine Massenzahl und seine Protonenzahl ändern sich dabei nicht. Es entsteht also kein anderes Nuklid.

Gammastrahlung ist elektromagnetische Strahlung. Sie reicht weit und wird beim Durchgang durch Materie allmählich abgeschwächt. Eine wirkungsvolle Abschirmung benötigt dicke Schichten dichter Materialien wie Stahl, Beton oder Blei.

StrahlungsartWas wird ausgesandt?Änderung am KernTypische Abschirmung
Alphazwei Protonen und zwei Neutronen$A-4$, $Z-2$vergleichsweise leicht
Beta-MinusElektron und Antineutrino$A$ gleich, $Z+1$dünne Metallplatten
Beta-PlusPositron und Neutrino$A$ gleich, $Z-1$geeignete Metallschichten
Gammaelektromagnetische Strahlung$A$ und $Z$ gleichdicke, dichte Schichten
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Frage 1 von 2LeichtBei welchem Vorgang bleiben Massenzahl und Protonenzahl unverändert?
Lösung: Gammaübergang — Beim Gammaübergang gibt der Kern nur Energie ab. Seine Zusammensetzung bleibt gleich.
Frage 2 von 2MittelEin Kern behält seine Massenzahl, während seine Protonenzahl um eins steigt. Welcher Zerfall liegt vor?
Lösung: Beta-Minus-Zerfall — Beim Beta-Minus-Zerfall wird ein Neutron zu einem Proton. Daher steigt $Z$ um eins, während $A$ gleich bleibt.
Wie misst man Zerfälle und Halbwertszeiten?

Ein Geiger-Müller-Zählrohr weist ionisierende Strahlung nach. Alpha- und Betastrahlung werden damit besonders gut registriert, Gammastrahlung nur zu einem Teil.

Definition

Aktivität

Die Aktivität $A$ gibt an, wie viele Kerne durchschnittlich in einem Zeitintervall zerfallen:

$$A=\frac{\Delta N}{\Delta t}$$

Ihre Einheit ist das Becquerel, kurz Bq. Es gilt: $1\,\mathrm{Bq}=1$ Zerfall pro Sekunde.

Beispiel

In $20\,\mathrm{s}$ zerfallen $600$ Kerne.

$$A=\frac{600}{20\,\mathrm{s}}=30\,\mathrm{Bq}$$

Die Probe besitzt in diesem Zeitabschnitt eine Aktivität von $30\,\mathrm{Bq}$.

Die Aktivität beschreibt die Zahl der Zerfälle in der Quelle. Sie allein sagt noch nicht, wie stark ein Mensch geschädigt wird. Dafür sind auch Strahlungsart, Einwirkungsweg, Abstand, Dauer und Abschirmung wichtig.

Definition

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit $T_{1/2}$ ist die Zeitspanne, nach der im Mittel noch die Hälfte der ursprünglichen radioaktiven Kerne vorhanden ist. Gleichzeitig halbiert sich die Aktivität.

Nach $n$ Halbwertszeiten gilt:

$$N=N_0\left(\frac{1}{2}\right)^n$$

Dabei ist $N_0$ die anfängliche und $N$ die verbleibende Kernzahl. Für eine beliebige Zeit $t$ lautet das Zerfallsgesetz:

$$N(t)=N(0)\left(\frac{1}{2}\right)^{\frac{t}{T_{1/2}}}$$

Beispiel

Zu Beginn sind $800$ radioaktive Kerne vorhanden. Nach drei Halbwertszeiten wird dreimal halbiert:

  1. $800 \rightarrow 400$
  2. $400 \rightarrow 200$
  3. $200 \rightarrow 100$

Mit der Formel ergibt sich dasselbe:

$$N=800\left(\frac{1}{2}\right)^3=100$$

Übrig sind $100$ Kerne, also ein Achtel der Anfangsmenge. Das bedeutet nicht, dass man den Zerfallszeitpunkt eines bestimmten Kerns kennt.

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Frage 1 von 2LeichtWas bedeutet eine Aktivität von $40\,\mathrm{Bq}$?
Lösung: Im Mittel finden 40 Zerfälle pro Sekunde statt. — Ein Becquerel entspricht einem Zerfall pro Sekunde. Der Zeitpunkt eines einzelnen Zerfalls bleibt zufällig.
Frage 2 von 2MittelWelcher Anteil bleibt nach vier Halbwertszeiten übrig?
Lösung: $\frac{1}{16}$ — Viermaliges Halbieren ergibt $1 \rightarrow \frac12 \rightarrow \frac14 \rightarrow \frac18 \rightarrow \frac1{16}$.
Wie wirken Strahlung und Strahlenschutz?

Ionisierende Strahlung kann Moleküle in Zellen verändern und die DNA schädigen. Der Körper kann manche Schäden reparieren, aber Reparatur- und Abwehrsysteme können versagen oder überfordert werden.

Bei geringen Dosen können Schäden mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erst nach Jahren auftreten. Bei hohen, kurzfristigen Dosen können unmittelbare oder bald einsetzende Gewebeschäden entstehen. Aus dem bloßen Wort „radioaktiv“ lässt sich daher noch keine konkrete Gefahr ableiten.

Du musst außerdem zwei Situationen unterscheiden:

  • Bestrahlung von außen: Die Strahlungsquelle befindet sich außerhalb des Körpers.
  • Aufnahme eines radioaktiven Stoffes: Der Stoff gelangt etwa durch Atmung oder Nahrung in den Körper und strahlt dort weiter.

Gerade Alpha- und Betastrahler können nach einer Aufnahme besonders gefährlich sein, obwohl sich ihre Strahlung von außen vergleichsweise gut abschirmen lässt.

Merke

Fünf Schutzideen beginnen mit A: Abstand erhöhen, Aufenthaltsdauer verkürzen, Aktivität vermindern, Abschirmung verstärken und Aufnahme vermeiden.

Beispiel

Eine geschlossene radioaktive Quelle soll kurz untersucht werden. Sinnvoll sind ein möglichst großer Arbeitsabstand, eine kurze Aufenthaltsdauer und eine zur Strahlungsart passende Abschirmung. Zusätzlich muss verhindert werden, dass radioaktiver Stoff freigesetzt und aufgenommen wird.

Keine einzelne Maßnahme ersetzt automatisch die anderen. Bei Gammastrahlung reicht eine leichte Abschirmung beispielsweise nicht aus.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Maßnahme verhindert unmittelbar eine innere Bestrahlung durch radioaktive Stoffe?
Lösung: Die Aufnahme durch Atmung oder Nahrung vermeiden. — Gelangt kein radioaktiver Stoff in den Körper, kann er dort nicht weiterstrahlen.
Frage 2 von 2MittelEine Gammaquelle muss untersucht werden. Welche Kombination ist fachlich sinnvoll?
Lösung: Großer Abstand, kurze Aufenthaltsdauer und eine dicke Abschirmung aus dichtem Material — Schutzmaßnahmen werden kombiniert. Bei Gammastrahlung sind besonders Abstand, kurze Zeit und eine dicke, dichte Abschirmung wichtig.
Wo wird Radioaktivität genutzt?

Radioaktivität kommt natürlich in Gesteinen, in der Atmosphäre und in Lebewesen vor. Radioaktive Nuklide können außerdem durch Kernreaktionen künstlich erzeugt werden. Eine Kernreaktion wird durch den Zusammenstoß eines Kerns mit einem anderen Kern oder Teilchen ausgelöst; ein radioaktiver Zerfall läuft dagegen spontan ab.

Radioaktive Stoffe und ionisierende Strahlung werden unter kontrollierten Bedingungen genutzt:

  • In der Medizin können radioaktive Tracer Vorgänge im Körper sichtbar machen. Ionisierende Strahlung kann außerdem zur Behandlung von Tumoren eingesetzt werden.
  • In der Archäologie helfen radioaktive Stoffe bei Altersbestimmungen.
  • In Forschung und Technik werden Kernreaktionen genutzt, um Materie und grundlegende Wechselwirkungen zu untersuchen.

Nutzen und Risiko müssen stets gemeinsam betrachtet werden. Entscheidend sind der Zweck, die erwartete Wirkung, die Strahlenbelastung, mögliche Alternativen und die Schutzmaßnahmen.

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Frage 1 von 1MittelWarum ist „Die Quelle ist radioaktiv“ allein keine ausreichende Risikobewertung?
Lösung: Weil zusätzlich Strahlungsart, Aktivität, Einwirkungsweg, Dauer, Abstand und Abschirmung betrachtet werden müssen. — Radioaktivität benennt eine Kerneigenschaft. Das konkrete Risiko ergibt sich erst aus der jeweiligen Exposition und den Schutzbedingungen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Radioaktivität
    • Ursache: instabiler Atomkern und spontaner Übergang
    • Strahlungsarten: Alpha verändert $A$ und $Z$, Beta verändert $Z$, Gamma gibt nur Energie ab
    • Beschreibung: Aktivität in Becquerel sowie Halbwertszeit und Zerfallsgesetz
    • Wirkung: Ionisation sowie mögliche Zell- und DNA-Schäden
    • Schutz: Abstand, kurze Zeit, Abschirmung und Aufnahmevermeidung
    • Nutzung: Medizin, Altersbestimmung und Forschung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe wird in Becquerel angegeben?
Lösung: Aktivität — Die Aktivität beschreibt, wie viele Zerfälle pro Sekunde stattfinden.
Frage 2 von 3MittelEine Probe enthält anfangs $640$ radioaktive Kerne. Wie viele bleiben nach drei Halbwertszeiten im Mittel übrig?
Lösung: $80$ — Dreimal halbieren: $640 \rightarrow 320 \rightarrow 160 \rightarrow 80$.
Frage 3 von 3SchwerEin unbekannter Zerfall lässt die Massenzahl unverändert und erhöht die Protonenzahl um eins. Zugleich wird ein Elektron ausgesandt. Welche Deutung passt?
Lösung: Es handelt sich um einen Beta-Minus-Zerfall, bei dem ein Neutron zu einem Proton wird. — Das ausgesandte Elektron und die Erhöhung von $Z$ kennzeichnen den Beta-Minus-Zerfall. Die Massenzahl bleibt gleich, weil sich nur ein Neutron in ein Proton umwandelt.

Du kannst Radioaktivität nun auf drei Ebenen einordnen: Was geschieht im Kern, wie verändert sich eine große Zahl von Kernen mit der Zeit und welche Maßnahmen begrenzen die Strahlenwirkung.

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