Physik

Radioaktiver Zerfall: Arten und Halbwertszeit

Radioaktiver Zerfall: Arten und Halbwertszeit
Radioaktiver Zerfall: Arten und Halbwertszeit
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Radioaktiver Zerfall ist die spontane Umwandlung eines instabilen Atomkerns. Dabei entstehen andere Kerne oder der Kern gibt überschüssige Energie ab. Der Zeitpunkt eines einzelnen Zerfalls ist zufällig; bei sehr vielen gleichen Kernen lässt sich der verbleibende Anteil jedoch zuverlässig beschreiben.

Auf dieser Seite lernst du, Kernschreibweisen und Zerfallsgleichungen zu lesen, Alpha-, Beta- und Gammazerfall zu unterscheiden und mit der Halbwertszeit zu rechnen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie liest du einen Atomkern?

In der Kernschreibweise ${}^{A}_{Z}X$ steht $X$ für das Elementsymbol. Die Ordnungszahl $Z$ gibt die Zahl der Protonen an. Die Massenzahl $A$ zählt Protonen und Neutronen zusammen.

Definition

Nuklid

Ein Nuklid ist eine bestimmte Atomkernsorte, die durch ihre Protonenzahl $Z$ und ihre Massenzahl $A$ festgelegt ist. Nuklide desselben Elements haben dieselbe Protonenzahl, aber sie können unterschiedliche Neutronenzahlen besitzen. Dann heißen sie Isotope.

Für die Neutronenzahl $N$ gilt:

$$A=Z+N \qquad\text{und damit}\qquad N=A-Z$$

Beispiel

Beim Uran-238-Kern ${}^{238}_{92}\mathrm{U}$ ist $A=238$ und $Z=92$.

$$N=238-92=146$$

Der Kern enthält also 92 Protonen und 146 Neutronen.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Angabe bestimmt das chemische Element?
Lösung: Die Ordnungszahl $Z$ — Ein Element ist durch seine Protonenzahl eindeutig bestimmt. Deshalb entscheidet $Z$ über das Elementsymbol.
Was verändert sich bei Alpha, Beta und Gamma?

Bei einem Zerfall müssen Massenzahl und Kernladungszahl auf beiden Seiten der Reaktionsgleichung zusammenpassen. So kannst du die Zerfallsart erkennen und einen unbekannten Tochterkern bestimmen.

ZerfallsartAbgegeben wirdÄnderung von $A$Änderung von $Z$
Alpha ($\alpha$)Heliumkern ${}^{4}_{2}\mathrm{He}$$-4$$-2$
Beta-minus ($\beta^-$)Elektron aus einer Kernumwandlung$0$$+1$
Beta-plus ($\beta^+$)Positron$0$$-1$
Gamma ($\gamma$)energiereiches Photon$0$$0$

Alphazerfall

Beim Alphazerfall verlässt ein Heliumkern den Mutterkern. Der Tochterkern hat zwei Protonen und insgesamt vier Kernteilchen weniger.

Beispiel

Radium-226 zerfällt unter Abgabe eines Alphateilchens:

$${}^{226}_{88}\mathrm{Ra}\rightarrow{}^{222}_{86}\mathrm{Rn}+{}^{4}_{2}\mathrm{He}$$

Die Kontrolle zeigt: $222+4=226$ und $86+2=88$. Beide Zahlenbilanzen stimmen.

Beta-minus-Zerfall

Beim Beta-minus-Zerfall wird im Kern ein Neutron in ein Proton umgewandelt. Ein Elektron wird ausgestoßen; es stammt nicht aus der Atomhülle. Deshalb bleibt $A$ gleich, während $Z$ um 1 steigt.

Ein vereinfachtes Beispiel ist:

$${}^{214}_{82}\mathrm{Pb}\rightarrow{}^{214}_{83}\mathrm{Bi}+e^-$$

Die Massenzahl bleibt 214. Die Ordnungszahl steigt von 82 auf 83.

Gammazerfall

Ein angeregter Kern kann überschüssige Energie als Gammaquant abgeben. Dabei entsteht kein anderes Nuklid: $A$ und $Z$ bleiben unverändert.

$${}^{A}_{Z}X^*\rightarrow{}^{A}_{Z}X+\gamma$$

Merke

Ändern sich $A$ und $Z$, entsteht ein anderer Kern. Bleiben beide gleich und wird nur Energie abgegeben, handelt es sich um Gammastrahlung.

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Frage 1 von 2LeichtBei welchem Zerfall sinkt $A$ um 4 und $Z$ um 2?
Lösung: Beim Alphazerfall — Ein Alphateilchen ist ein Heliumkern mit $A=4$ und $Z=2$. Genau diese Werte verliert der Mutterkern.
Frage 2 von 2MittelEin Kern verändert sich von $(A,Z)=(137,55)$ zu $(137,56)$. Welche Zerfallsart passt?
Lösung: Beta-minus-Zerfall — $A$ bleibt gleich und $Z$ steigt um 1. Das ist das Kennzeichen des Beta-minus-Zerfalls.
Warum ist Zerfall zugleich zufällig und berechenbar?

Du kannst nicht vorhersagen, wann ein bestimmter instabiler Kern zerfällt. Auch Temperaturänderungen oder chemische Reaktionen legen diesen Zeitpunkt nicht fest.

Bei sehr vielen gleichartigen Kernen wird dagegen ein regelmäßiges Muster sichtbar: In gleich langen Zeitabschnitten zerfällt im Mittel derselbe Anteil, nicht dieselbe absolute Anzahl.

Definition

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit $T_{1/2}$ ist die Zeit, nach der im statistischen Mittel die Hälfte der zuvor vorhandenen, noch nicht zerfallenen Kerne übrig ist. Sie ist für das jeweilige Nuklid charakteristisch.

Nach jeder Halbwertszeit wird der aktuelle Bestand halbiert:

vergangene Halbwertszeiten $n$RestanteilProzent
0$1$$100\,\%$
1$\frac12$$50\,\%$
2$\frac14$$25\,\%$
3$\frac18$$12{,}5\,\%$
10$\frac{1}{1024}$ungefähr $0{,}098\,\%$
Gut zu wissen

„Nach zwei Halbwertszeiten sind 100 Prozent zerfallen“ ist falsch. Es wird immer nur der jeweils noch vorhandene Bestand halbiert. Im mathematischen Modell nähert sich der Bestand null an, ohne nach einer festen Zahl von Halbwertszeiten genau null zu werden.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Nach einer Halbwertszeit bleibt des vorherigen Bestands. Nach zwei Halbwertszeiten ist insgesamt des Anfangsbestands übrig. Der Zerfallszeitpunkt eines einzelnen Kerns ist .

Lösungen: Lücke 1: die Hälfte; Lücke 2: ein Viertel; Lücke 3: nicht vorhersagbar. Jede Halbwertszeit halbiert den gerade vorhandenen Bestand. Das regelmäßige Halbierungsmuster beschreibt viele Kerne, nicht den Zeitpunkt eines einzelnen Zerfalls.
Wie rechnest du mit der Halbwertszeit?

Sind $n$ Halbwertszeiten vergangen, gilt für die erwartete Zahl der noch nicht zerfallenen Kerne:

$$N=N_0\left(\frac12\right)^n$$

Dabei ist $N_0$ der Anfangsbestand und $N$ der verbleibende Bestand.

Beispiel

Eine Probe enthält anfangs 1000 noch nicht zerfallene Kerne. Es vergehen drei Halbwertszeiten.

  1. Nach der ersten Halbwertszeit bleiben $1000\cdot\frac12=500$ Kerne.
  2. Nach der zweiten bleiben $500\cdot\frac12=250$ Kerne.
  3. Nach der dritten bleiben $250\cdot\frac12=125$ Kerne.

Direkt gerechnet:

$$N=1000\left(\frac12\right)^3=125$$

Im statistischen Modell sind nach drei Halbwertszeiten also 125 Kerne beziehungsweise $12{,}5\,\%$ des Anfangsbestands übrig.

Wenn eine Zeit $t$ gegeben ist, bestimmst du zuerst die Zahl der Halbwertszeiten:

$$n=\frac{t}{T_{1/2}}$$

Caesium-137 hat ungefähr eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Nach 90 Jahren sind $n=90/30=3$ Halbwertszeiten vergangen. Es bleibt daher der Anteil $(1/2)^3=1/8$.

Vertiefung: das Zerfallsgesetz

Für große Kernzahlen beschreibt eine Exponentialfunktion den erwarteten Bestand zu jedem Zeitpunkt:

$$N(t)=N_0e^{-\lambda t}$$

Die Zerfallskonstante $\lambda$ kennzeichnet die Zerfallsgeschwindigkeit eines Nuklids. Zwischen ihr und der Halbwertszeit gilt:

$$\lambda=\frac{\ln 2}{T_{1/2}}$$

Verwende für $t$ und $T_{1/2}$ dieselbe Zeiteinheit. Dann hat $\lambda$ die zugehörige inverse Einheit, zum Beispiel $\mathrm{s}^{-1}$, wenn die Zeit in Sekunden angegeben wird.

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Frage 1 von 2MittelEine Probe hat eine Halbwertszeit von 8 Tagen. Welcher Anteil bleibt nach 24 Tagen?
Lösung: $\frac18$ — $24/8=3$. Nach drei Halbwertszeiten bleibt $(1/2)^3=1/8$.
Frage 2 von 2SchwerZwei Proben desselben Nuklids starten mit 800 und 200 Kernen. Was gilt nach einer Halbwertszeit im statistischen Modell?
Lösung: Beide besitzen noch etwa 50 Prozent ihres jeweiligen Anfangsbestands. — Die Halbwertszeit beschreibt einen Anteil. Erwartet werden etwa 400 beziehungsweise 100 noch nicht zerfallene Kerne.
Wie entstehen Zerfallsreihen und wozu nutzt man Zerfall?

Der bei einem Zerfall entstandene Tochterkern kann selbst instabil sein. Zerfällt er weiter, entsteht eine Zerfallsreihe. Sie endet, wenn ein stabiles Nuklid erreicht ist.

Ein Beispiel ist die Uran-Radium-Reihe: Uran-238 zerfällt zunächst durch Alphazerfall zu Thorium-234. Nach weiteren Alpha- und Betazerfällen endet die Reihe bei stabilem Blei-206.

Radioaktiver Zerfall kann auch als Zeitmaß dienen. Bei der Radiokarbonmethode nimmt ein Lebewesen während seines Lebens Kohlenstoff-14 auf. Nach seinem Tod endet die Aufnahme, während vorhandenes Kohlenstoff-14 weiter zerfällt. Der verbleibende Anteil hilft dabei, das Alter organischer Proben abzuschätzen.

Radioaktive Strahlung ist ionisierend und kann Zellen schädigen. Die drei Strahlungsarten dringen unterschiedlich stark in Materie ein:

Strahlungqualitative Abschirmung
Alphageringe Reichweite; Papier kann genügen
Betastärker durchdringend; dünnes Aluminium kann abschirmen
Gammaschwerer abzuschirmen; dicke Bleischichten werden verwendet
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Frage 1 von 1MittelWarum kann eine Zerfallsreihe mehrere Schritte enthalten?
Lösung: Weil ein entstandener Tochterkern erneut instabil sein kann. — Die Reihe setzt sich fort, solange ein Tochterkern instabil ist. Sie endet bei einem stabilen Nuklid.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Radioaktiver Zerfall
    • Kern beschreiben: $A$, $Z$ und $N=A-Z$
    • Kern umwandeln: Alpha und Beta
    • Energie abgeben: Gamma
    • Viele Kerne beschreiben: Halbwertszeit und Exponentialgesetz
    • Weiterzerfallen: Zerfallsreihe bis zum stabilen Nuklid
    • Anwenden: Altersbestimmung und Strahlenschutz
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Aussage über einen Gammazerfall ist richtig?
Lösung: Der Kern gibt Energie ab, aber $A$ und $Z$ bleiben gleich. — Gammastrahlung trägt überschüssige Energie ab. Sie erzeugt dabei kein anderes Nuklid.
Frage 2 von 4MittelVon 6400 Kernen bleiben nach vier Halbwertszeiten im statistischen Modell wie viele übrig?
Lösung: 400 — Vier Halbierungen ergeben $6400\rightarrow3200\rightarrow1600\rightarrow800\rightarrow400$.
Frage 3 von 4SchwerEin unbekannter Zerfall verändert $(A,Z)=(210,84)$ zu $(206,82)$. Wie begründest du die Zerfallsart?
Lösung: $A$ sinkt um 4 und $Z$ um 2; deshalb ist es ein Alphazerfall. — Die Differenzen sind $\Delta A=-4$ und $\Delta Z=-2$. Das entspricht genau der Abgabe eines Heliumkerns.
Frage 4 von 4SchwerWarum widersprechen sich „Einzelzerfall ist zufällig“ und „Halbwertszeit ist berechenbar“ nicht?
Lösung: Die Halbwertszeit beschreibt das statistische Verhalten vieler gleichartiger Kerne, nicht den Zeitpunkt eines einzelnen Zerfalls. — Einzelereignisse sind zufällig. Bei einer großen Zahl von Kernen entsteht trotzdem ein stabiles statistisches Muster.

Wenn du Kernzahlen bilanzieren, Restanteile berechnen und Einzelereignis sowie Statistik auseinanderhalten kannst, hast du den Kern des radioaktiven Zerfalls verstanden.

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