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Beugung

Beugung in der Physik: Definition, wichtige Formeln, Beispiele und typische Aufgaben aus dem Bereich Optik.

Du kannst jemanden hinter einer offenen Tür hören, obwohl du ihn nicht siehst. Wasserwellen laufen hinter einem Spalt fächerförmig weiter, und Licht bildet hinter sehr engen Öffnungen helle und dunkle Streifen. All das gehört zur Beugung. Danach kannst du erklären, wann Beugung stark ist, warum sie Welleneigenschaften zeigt und einfache Beugungsaufgaben lösen.

Deine Lernziele
  • Ich kann Beugung als Welleneigenschaft erklären.
  • Ich kann Beugung von Reflexion und Brechung unterscheiden.
  • Ich kann begründen, wann Beugung stark sichtbar wird.
  • Ich kann die Formel für Minima am Einfachspalt einordnen.
  • Ich kann typische Beispiele mit Licht, Wasserwellen und Schall erklären.

Was Beugung bedeutet

Wellen laufen nicht nur stur geradeaus. An Kanten, Hindernissen und Öffnungen können sie in Bereiche gelangen, die nach geometrischer Strahlenvorstellung im Schatten liegen würden.

Definition

Beugung

Beugung ist die Ausbreitung oder Ablenkung einer Welle an einer Öffnung oder an einem Hindernis. Sie ist besonders gut sichtbar, wenn die Öffnung oder das Hindernis ungefähr so groß ist wie die Wellenlänge oder kleiner. Beugung zeigt, dass Licht, Schall und Wasserwellen Welleneigenschaften besitzen.

Beugung ist nicht dasselbe wie Reflexion. Bei Reflexion wird eine Welle zurückgeworfen. Bei Brechung ändert sich die Richtung, weil die Welle in ein anderes Medium übergeht. Bei Beugung breitet sie sich an einer Begrenzung in den Schattenraum hinein aus.

Beispiel

Wasserwellen treffen auf eine Wand mit einem schmalen Spalt.

Vor dem Spalt laufen die Wellen fast gerade. Hinter dem Spalt breiten sie sich kreisförmig oder fächerförmig aus. Je enger der Spalt im Vergleich zur Wellenlänge ist, desto stärker ist die Beugung.

Gut zu wissen

Ein häufiger Fehler lautet: "Beugung passiert nur mit Licht." Beugung tritt bei allen Wellen auf: Wasserwellen, Schallwellen, Lichtwellen und sogar Materiewellen im Quantenbereich.

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Warum Schall leichter um Ecken kommt als Licht

Schall im Alltag hat oft Wellenlängen von Zentimetern bis Metern. Sichtbares Licht hat Wellenlängen von ungefähr \(400\) bis \(700\,\text{nm}\), also viel kleiner als Türen, Fenster oder Alltagskanten.

Definition

Wellenlaenge und Beugung

Die Wellenlänge \(\lambda\) ist der Abstand zweier gleicher Wellenstellen. Beugung wird deutlicher, wenn \(\lambda\) groß im Vergleich zur Öffnung oder zum Hindernis ist. Ist \(\lambda\) sehr klein im Vergleich zur Öffnung, wirkt die Ausbreitung fast geradlinig.

Beispiel

Ein Ton mit \(f=500\,\text{Hz}\) breitet sich in Luft aus. Mit \(v\approx 343\,\frac{\text{m}}{\text{s}}\) gilt:

$$ \lambda=\frac{v}{f}=\frac{343\,\frac{\text{m}}{\text{s}}}{500\,\frac{1}{\text{s}}}=0{,}686\,\text{m} $$

Die Wellenlänge ist also etwa \(69\,\text{cm}\). Eine Türöffnung ist nur wenige Wellenlängen breit. Deshalb kann Schall deutlich in den Bereich hinter der Tür gebeugt werden.

Merke

Große Wellenlänge im Vergleich zur Öffnung: starke Beugung. Kleine Wellenlänge im Vergleich zur Öffnung: fast geradlinige Ausbreitung.

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Beugung am Einfachspalt

Bei Licht lässt sich Beugung besonders gut mit einem sehr schmalen Spalt zeigen. Hinter dem Spalt entsteht ein Muster aus hellen und dunklen Bereichen.

Definition

Einfachspalt

Ein Einfachspalt ist eine schmale Öffnung, durch die eine Welle läuft. Bei Licht entstehen hinter dem Spalt Beugungsmaxima und Beugungsminima. Für dunkle Minima gilt näherungsweise:

$$ b\cdot \sin(\alpha)=m\cdot \lambda $$

Dabei ist \(b\) die Spaltbreite, \(\alpha\) der Winkel, \(\lambda\) die Wellenlänge und \(m=1,2,3,\ldots\).

Die dunklen Stellen entstehen durch Interferenz: Lichtanteile aus verschiedenen Bereichen des Spalts überlagern sich so, dass sie sich auslöschen.

Beispiel

Rotes Licht mit \(\lambda=600\,\text{nm}=6{,}0\cdot 10^{-7}\,\text{m}\) fällt auf einen Spalt mit \(b=0{,}20\,\text{mm}=2{,}0\cdot 10^{-4}\,\text{m}\).

Für das erste Minimum gilt:

$$ \sin(\alpha)=\frac{\lambda}{b} $$
$$ \sin(\alpha)=\frac{6{,}0\cdot 10^{-7}}{2{,}0\cdot 10^{-4}}=0{,}003 $$

Der Winkel ist klein. Auf einem Schirm in \(2{,}0\,\text{m}\) Entfernung liegt das erste Minimum näherungsweise bei:

$$ y\approx L\cdot \sin(\alpha)=2{,}0\,\text{m}\cdot 0{,}003=0{,}006\,\text{m}=6\,\text{mm} $$
Gut zu wissen

Wenn der Spalt breiter wird, rücken die Beugungsminima näher zusammen. Das fühlt sich zuerst falsch an, folgt aber direkt aus \(\sin(\alpha)=m\lambda/b\).

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Beugung und Interferenz gehören zusammen

Beugung beschreibt die Ausbreitung an Öffnungen und Kanten. Interferenz beschreibt die Überlagerung von Wellen. In vielen Beugungsmustern treten beide Ideen zusammen auf.

Definition

Interferenz

Interferenz ist die Überlagerung von Wellen. Treffen Wellen gleichphasig zusammen, verstärken sie sich. Treffen Wellen gegenphasig zusammen, schwächen sie sich ab oder löschen sich aus.

Beispiel

Hinter einem schmalen Lichtspalt ist die Mitte hell.

Weiter außen gibt es dunkle Bereiche. Dort kommen Lichtanteile aus dem Spalt mit einem Gangunterschied an, der zur Auslöschung führt. Deshalb ist ein Beugungsbild nicht einfach nur ein verschwommener Schatten, sondern ein geordnetes Muster.

Merke

Beugung bringt Wellen in den Schattenraum; Interferenz entscheidet, wo es hell, dunkel, laut oder leise wird.

Prüfungsmodus

Bei Beugungsaufgaben ist zuerst die Größenordnung wichtig. Ohne sie wählst du leicht die falsche Erklärung.

Beispiel

Checkliste:

  1. Welche Welle ist gemeint: Licht, Schall, Wasser?
  2. Welche Wellenlänge hat sie?
  3. Wie groß ist Öffnung oder Hindernis?
  4. Ist Beugung stark sichtbar oder nur schwach?
  5. Geht es um Erklärung oder um Minima am Spalt?

Wenn die Aufgabe nach "Hören um die Ecke" fragt, brauchst du meist keine Spaltformel. Dann reicht die Größenordnungs-Erklärung: Schallwellenlängen sind im Alltag groß genug für deutliche Beugung.

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Alles auf einen Blick

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Abschluss-Check

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Zusammenfassung

Beugung ist die Ausbreitung einer Welle an Öffnungen oder Hindernissen in Bereiche, die nach einfacher Geradeaus-Ausbreitung im Schatten lägen. Sie wird stark sichtbar, wenn Wellenlänge und Öffnungsgröße vergleichbar sind. Deshalb hört man Schall gut um Ecken, sieht Lichtbeugung aber meist erst an sehr kleinen Spalten. Am Einfachspalt gelten für Minima \(b\sin(\alpha)=m\lambda\), und die Muster entstehen durch Interferenz.