Physik

Beugung von Wellen einfach erklärt

Beugung von Wellen einfach erklärt
Beugung von Wellen einfach erklärt
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Beugung bedeutet: Eine Welle breitet sich an einer Öffnung, Kante oder einem Hindernis auch in Richtungen aus, die im einfachen Strahlenmodell abgeschirmt wären. Besonders deutlich wird das, wenn die Größe des Beugungsobjekts ungefähr der Wellenlänge entspricht oder kleiner ist.

Du lernst, Beugung zu erkennen, mit dem Huygens-Prinzip zu erklären und die Minima eines Einzelspaltmusters zu berechnen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du Beugung?

Stell dir Wasserwellen vor, die auf eine Wand mit einem schmalen Spalt treffen. Vor der Wand sind die Wellenfronten nahezu gerade. Hinter dem Spalt breiten sie sich fächerförmig aus. Die Wellen gelangen dadurch auch in den geometrischen Schatten der Wand.

Definition

Beugung

Beugung ist die wellentypische Richtungsänderung und Aufweitung an einer Öffnung, Kante oder einem Hindernis. Sie entsteht nicht durch den Übergang in einen anderen Stoff.

Beugung tritt bei unterschiedlichen Wellen auf:

  • Wasserwellen werden hinter einem schmalen Spalt aufgeweitet.
  • Schallwellen gelangen um Möbel oder Ecken herum.
  • Licht breitet sich an sehr kleinen Öffnungen und Kanten in den geometrischen Schatten aus.

Wie auffällig die Beugung ist, hängt vom Verhältnis zwischen der Wellenlänge $\lambda$ und der charakteristischen Größe des Beugungsobjekts ab.

  • Ist die Öffnung viel größer als $\lambda$, breitet sich die Welle überwiegend geradeaus aus.
  • Ist die Öffnung von ähnlicher Größe wie $\lambda$, ist die Aufweitung deutlich.
  • Je kleiner die Öffnung im Verhältnis zu $\lambda$ wird, desto größer ist gewöhnlich der Winkelbereich der gebeugten Welle.
Merke

Nicht die absolute Größe einer Öffnung entscheidet, sondern ihr Verhältnis zur Wellenlänge.

Beugung, Reflexion oder Brechung?

  • Bei der Reflexion wird eine Welle an einer Grenzfläche zurückgeworfen.
  • Bei der Brechung ändert sie beim Übergang in ein anderes Medium ihre Richtung und Ausbreitungsgeschwindigkeit.
  • Bei der Beugung breitet sie sich an einer Begrenzung in zusätzliche Richtungen aus.
Teste dich
Frage 1 von 2LeichtEine Wasserwelle läuft durch einen schmalen Spalt und breitet sich dahinter fächerförmig aus. Welche Erscheinung liegt vor?
Lösung: Beugung — Die Welle passiert die Öffnung und gelangt anschließend in zusätzliche Richtungen. Das ist Beugung.
Frage 2 von 2MittelZwei Spalte sind gleich breit. An welchem Spalt wird eine Welle stärker aufgeweitet?
Lösung: An dem Spalt, bei dem die Wellenlänge größer ist — Bei gleicher Spaltbreite führt die größere Wellenlänge zum größeren Verhältnis $\lambda/b$ und damit zur stärkeren Winkelaufweitung.
Wie erklärt das Huygens-Prinzip die Beugung?

Das Strahlenmodell beschreibt Licht häufig als geradlinig. Es erklärt aber nicht, warum Licht hinter einer schmalen Öffnung in einen geometrischen Schattenraum gelangt. Dafür brauchst du das Wellenmodell.

Definition

Huygens-Prinzip

Jeder Punkt einer Wellenfront kann als Ausgangspunkt einer neuen Elementarwelle betrachtet werden. Die Einhüllende dieser Elementarwellen bildet die nächste Wellenfront.

An einem schmalen Spalt läuft der Vorgang so ab:

  1. Die einfallende Wellenfront erreicht die Öffnung.
  2. Die Punkte innerhalb der Öffnung werden zu Ausgangspunkten von Elementarwellen.
  3. Diese Elementarwellen breiten sich auch schräg hinter dem Spalt aus.
  4. Sie überlagern sich und bilden gemeinsam die gebeugte Welle.

Die Überlagerung von Wellen heißt Interferenz. Treffen Wellen gleichphasig aufeinander, verstärken sich ihre Amplituden. Treffen ein Wellenberg und ein Wellental mit passenden, entgegengesetzten Phasen zusammen, schwächen sie sich ab oder löschen sich aus.

Für ein stabiles Hell-Dunkel-Muster müssen die beteiligten Teilwellen kohärent sein: Ihre Phasendifferenzen bleiben während der Beobachtung stabil. Monochromatisches Laserlicht eignet sich deshalb gut für Versuche.

Beispiel

Am Einzelspalt treffen viele Elementarwellen auf einen Schirm. In der Mitte haben symmetrische Teilwellen gleiche Wege und verstärken sich. Unter bestimmten Winkeln unterscheiden sich ihre Wege so, dass sie sich paarweise auslöschen. Daher erscheinen ein helles zentrales Maximum und seitlich davon Minima sowie schwächere Nebenmaxima.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas erzeugt nach dem Huygens-Prinzip die neue Wellenfront?
Lösung: Die Überlagerung der Elementarwellen — Die neue Wellenfront entsteht aus der gemeinsamen Überlagerung vieler Elementarwellen.
Frage 2 von 2MittelWarum entstehen in einem Beugungsmuster dunkle Minima?
Lösung: Teilwellen treffen mit solchen Phasen aufeinander, dass sie sich auslöschen — Unterschiedliche Wege erzeugen Phasenunterschiede. Bei passenden Phasen schwächen sich die Teilwellen gegenseitig ab.
Wie berechnest du Minima am Einzelspalt?

Betrachte einen langen, schmalen Spalt mit der Breite $b$. Eine monochromatische Welle der Wellenlänge $\lambda$ fällt senkrecht darauf. Im Fernfeld liegen die Minima bei

$$\sin\theta_m=m\frac{\lambda}{b},\qquad m=1,2,3,\ldots$$

Dabei bedeuten:

  • $\theta_m$: Winkel des Minimums zur Vorwärtsrichtung,
  • $m$: Ordnung des Minimums,
  • $\lambda$: Wellenlänge,
  • $b$: Spaltbreite.

Die Minima treten symmetrisch auf beiden Seiten des zentralen Maximums auf. Für $m=1$ erhältst du die beiden ersten Minima.

Die Formel gilt nur für mögliche Winkel. Weil $|\sin\theta|\leq 1$ gilt, kann eine Ordnung nur auftreten, wenn $m\lambda/b\leq 1$ ist.

Beispiel

Laserlicht mit $\lambda=500\,\mathrm{nm}$ trifft auf einen Spalt der Breite $b=0{,}20\,\mathrm{mm}$. Gesucht ist der Winkel des ersten Minimums.

Zuerst wandelst du beide Größen in Meter um:

$$\lambda=500\cdot10^{-9}\,\mathrm{m},\qquad b=2{,}0\cdot10^{-4}\,\mathrm{m}$$

Für $m=1$ gilt:

$$\sin\theta_1=\frac{500\cdot10^{-9}}{2{,}0\cdot10^{-4}}=0{,}0025$$

Daraus folgt:

$$\theta_1=\arcsin(0{,}0025)\approx0{,}143^\circ$$

Steht der Schirm $L=2{,}0\,\mathrm{m}$ entfernt, beträgt der Abstand des ersten Minimums von der Mitte

$$x_1=L\tan\theta_1\approx5{,}0\,\mathrm{mm}.$$

Das zentrale Maximum liegt zwischen den Minima links und rechts. Es ist daher ungefähr $10{,}0\,\mathrm{mm}$ breit.

Merke

Kleinerer Spalt oder größere Wellenlänge bedeutet größeres $\lambda/b$, also einen größeren Beugungswinkel.

Typische Fehler

  • Setze Wellenlänge und Spaltbreite in derselben Einheit ein.
  • Die Formel beschreibt die Minima, nicht die Nebenmaxima.
  • Vergiss den Ordnungsfaktor $m$ nicht.
  • Die Breite des zentralen Maximums umfasst beide Seiten der Mitte.
Teste dich
Frage 1 von 2MittelLicht mit $\lambda=600\,\mathrm{nm}$ trifft auf einen Spalt mit $b=0{,}30\,\mathrm{mm}$. Welcher Wert gehört zum ersten Minimum?
Lösung: $\sin\theta_1=0{,}002$ — Es gilt $600\cdot10^{-9}\,\mathrm{m}/(3{,}0\cdot10^{-4}\,\mathrm{m})=0{,}002$.
Frage 2 von 2SchwerWas passiert mit dem Abstand der ersten Minima auf einem gleich weit entfernten Schirm, wenn die Spaltbreite halbiert wird?
Lösung: Der Abstand von der Mitte wird für kleine Winkel ungefähr doppelt so groß — Bei unveränderter Wellenlänge verdoppelt sich $\lambda/b$. Für kleine Winkel verdoppeln sich damit näherungsweise Winkel und Schirmabstand.
Warum begrenzt Beugung die Auflösung?

Auch eine kreisförmige Öffnung beugt Licht. Statt eines idealen Bildpunkts entsteht eine helle Airy-Scheibe mit schwächeren Ringen. Das betrifft zum Beispiel Kameras, Mikroskope und Teleskope.

Für eine kreisförmige Öffnung mit Durchmesser $D$ liegt das erste Minimum bei

$$\sin\theta_{\min}=1{,}22\frac{\lambda}{D}.$$

Zwei weit entfernte Punktobjekte erzeugen zwei überlappende Airy-Muster. Nach dem Rayleigh-Kriterium gelten sie gerade noch als getrennt erkennbar, wenn das Hauptmaximum des einen Musters im ersten Minimum des anderen liegt.

Daraus folgen zwei wichtige Zusammenhänge:

  • Ein größerer Öffnungsdurchmesser $D$ verkleinert den Beugungsfleck und verbessert die Auflösung.
  • Eine größere Wellenlänge $\lambda$ vergrößert den Beugungsfleck und verschlechtert die Auflösung.
Beispiel

Für grünes Licht mit $\lambda=550\,\mathrm{nm}$ und eine Öffnung mit $D=5{,}0\,\mathrm{mm}$ gilt näherungsweise

$$\sin\theta_{\min}=1{,}22\cdot\frac{550\cdot10^{-9}}{5{,}0\cdot10^{-3}}\approx1{,}34\cdot10^{-4}.$$

Eine größere Öffnung würde diesen Winkel verkleinern. Zwei nahe Bildpunkte könnten dann besser getrennt werden.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Änderung verbessert die beugungsbegrenzte Auflösung bei gleicher Wellenlänge?
Lösung: Die Öffnung vergrößern — Nach $\sin\theta_{\min}=1{,}22\lambda/D$ verkleinert ein größeres $D$ den Beugungswinkel.
Frage 2 von 2SchwerEine Kamera verwendet bei unveränderter Öffnung Licht mit größerer Wellenlänge. Was folgt allein aus der Beugung?
Lösung: Die Airy-Scheibe wird größer und nahe Punkte sind schwerer trennbar — Eine größere Wellenlänge vergrößert nach der Formel den Winkel bis zum ersten Minimum.
Vertiefung: Nahfeld und Fernfeld unterscheiden

Ein Beugungsmuster hängt auch vom Abstand zwischen Öffnung und Beobachtungsebene ab.

Definition

Fresnel-Beugung

Bei der Fresnel- oder Nahfeldbeugung liegt der Schirm in endlichem Abstand. Die Krümmung und die unterschiedlichen Weglängen der Elementarwellen prägen das Muster deutlich.

Definition

Fraunhofer-Beugung

Bei der Fraunhofer- oder Fernfeldbeugung wird das Muster für sehr große Entfernungen oder in der Brennebene einer Sammellinse betrachtet. Die Einzelspaltformel für die Minima beschreibt diesen Bereich.

Für einen charakteristischen Öffnungsradius $\rho$ und den Beobachtungsabstand $L$ helfen die Größenvergleiche

$$\rho^2\gtrsim\lambda L\quad\text{für den Fresnel-Bereich}$$

und

$$\rho^2\ll\lambda L\quad\text{für den Fraunhofer-Bereich}.$$

Der Übergang ist fließend. Die Bedingungen sind daher keine scharfe Grenze.

Gut zu wissen

Im Fernfeld entspricht die Feldamplitude des Musters mathematisch der Fourier-Transformierten der Öffnungsfunktion. Gemessen wird meist die Intensität, also das Betragsquadrat der Feldamplitude.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtIn welchem Bereich wird das bekannte Fernfeldmuster eines Einzelspalts betrachtet?
Lösung: Im Fraunhofer-Bereich — Das Fernfeld oder die Brennebene einer Linse liefert das Fraunhofer-Muster.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Beugung
    • tritt an Öffnungen, Kanten und Hindernissen auf
    • wird bei vergleichbarer Wellenlänge besonders deutlich
    • folgt im Wellenmodell aus Elementarwellen
    • erzeugt durch Interferenz Maxima und Minima
    • besitzt am Einzelspalt Minima mit $\sin\theta_m=m\lambda/b$
    • erzeugt an Kreisöffnungen eine Airy-Scheibe
    • begrenzt die Auflösung optischer Instrumente
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Beobachtung ist ein eindeutiger Hinweis auf Beugung?
Lösung: Eine Welle gelangt hinter einer Kante in den geometrischen Schattenraum — Beugung führt dazu, dass sich eine Welle an einer Begrenzung in zusätzliche Richtungen ausbreitet.
Frage 2 von 4MittelLicht der Wellenlänge $\lambda$ erzeugt an einem Spalt der Breite $b$ ein Muster. Welche Gleichung bestimmt die Minima im Fernfeld?
Lösung: $\sin\theta_m=m\lambda/b$ — Beim Einzelspalt entstehen Minima, wenn der Wegunterschied über die Spaltbreite eine passende ganzzahlige Anzahl von Wellenlängen ergibt.
Frage 3 von 4SchwerEin Schall und eine Lichtwelle treffen auf dasselbe große Hindernis. Warum ist der Schall dahinter meist leichter wahrnehmbar?
Lösung: Seine Wellenlänge ist im Verhältnis zum Hindernis viel größer, sodass die Beugung deutlicher ist — Für die Stärke der Winkelaufweitung ist das Verhältnis von Wellenlänge zu Hindernisgröße entscheidend. Schall besitzt häufig makroskopische Wellenlängen.
Frage 4 von 4SchwerDu willst zwei nahe Sterne mit einem Teleskop besser trennen. Welche Änderung hilft gegen die Beugungsgrenze?
Lösung: Ein Objektiv mit größerem Durchmesser verwenden — Nach $\sin\theta_{\min}=1{,}22\lambda/D$ sinkt der kleinste auflösbare Winkel bei größerem Öffnungsdurchmesser.

Du hast das Thema verstanden, wenn du in einer neuen Situation zuerst Wellenlänge und Größe des Beugungsobjekts vergleichst, das entstehende Muster mit Elementarwellen und Interferenz erklärst und anschließend die passende Formel mit ihren Bedingungen auswählst.

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