Physik

Interferenz: Wellen, Maxima und Minima verstehen

Interferenz: Wellen, Maxima und Minima verstehen
Interferenz: Wellen, Maxima und Minima verstehen
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Interferenz entsteht, wenn sich zwei oder mehr Wellen überlagern. Dabei werden ihre momentanen Auslenkungen mit Vorzeichen addiert: Gleichgerichtete Auslenkungen verstärken sich, entgegengesetzte schwächen sich ab. Vollständige Auslöschung ist nur unter passenden Bedingungen möglich.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie überlagern sich Wellen?

Stell dir zwei Wasserwellen vor, die denselben Ort erreichen. Jede Welle verursacht dort eine Auslenkung nach oben oder unten. Nach dem Superpositionsprinzip werden diese Auslenkungen vorzeichenrichtig addiert.

Definition

Interferenz

Interferenz ist die Überlagerung von Wellen. Die Summe ihrer momentanen Auslenkungen bildet die resultierende Welle.

Bei zwei gleich großen Auslenkungen $+a$ ergibt sich

$$a+a=2a.$$

Die Wellen verstärken sich. Treffen dagegen $+a$ und $-a$ zusammen, gilt

$$a+(-a)=0.$$

Die Wellen löschen sich an diesem Ort vollständig aus.

Merke

Bei der Interferenz werden zunächst die Auslenkungen beziehungsweise Amplituden addiert – nicht direkt die Intensitäten.

Beispiel

Erreichen zwei Wellen einen Korken gleichzeitig mit einer Auslenkung nach oben, bewegt er sich besonders weit nach oben. Erreicht ihn gleichzeitig ein Wellenberg der einen und ein gleich großes Wellental der anderen Welle, bleibt seine resultierende Auslenkung in diesem Moment null.

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Frage 1 von 1LeichtWas wird bei der Überlagerung zweier Wellen unmittelbar addiert?
Lösung: Die vorzeichenbehafteten Auslenkungen — Das Superpositionsprinzip addiert die momentanen Auslenkungen. Daraus ergibt sich erst die resultierende Welle.
Wann bleibt ein Interferenzmuster stabil?

Ein dauerhaft beobachtbares Muster aus Verstärkung und Abschwächung benötigt Wellen mit einer festen Phasenbeziehung. Solche Wellen heißen kohärent.

Definition

Phase

Die Phase beschreibt, an welcher Stelle ihres Schwingungsablaufs sich eine Welle befindet. Zwei Wellen sind gleichphasig, wenn beispielsweise ihre Berge gleichzeitig eintreffen.

Für ein einfaches, stabiles Zwei-Quellen-Modell nimmt man harmonische Wellen mit gleicher Frequenz und gleicher Schwingungsrichtung an. Vollständige destruktive Interferenz verlangt zusätzlich gleich große, aber entgegengesetzte Auslenkungen.

Bei Licht ist außerdem die Polarisation zu beachten. Senkrecht zueinander polarisierte Lichtwellen erzeugen bei einem Detektor, der nur die Intensität misst, kein Interferenzmuster.

Gut zu wissen

Sind die Amplituden verschieden, kann destruktive Interferenz die resultierende Amplitude verkleinern, aber nicht vollständig auf null setzen.

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Frage 1 von 1MittelZwei kohärente Wellen treffen gegenphasig zusammen, haben aber verschieden große Amplituden. Was geschieht?
Lösung: Sie schwächen sich ab, löschen sich aber nicht vollständig aus. — Gegenphase sorgt für entgegengesetzte Vorzeichen. Bleibt nach der Addition wegen unterschiedlicher Beträge ein Rest, ist die Auslöschung unvollständig.
Wie entscheidet der Gangunterschied über Maxima und Minima?

Bei zwei Quellen können die Wellen bis zu einem Beobachtungsort unterschiedlich lange Wege zurücklegen. Die absolute Wegdifferenz heißt Gangunterschied:

$$\Delta s=|s_2-s_1|.$$

Dabei sind $s_1$ und $s_2$ die Wege von den beiden Quellen zum Beobachtungsort. Die folgenden Bedingungen gelten für zwei gleichphasig angeregte Quellen.

Erreicht eine Welle den Ort um eine ganze Wellenlänge später, befindet sie sich wieder im gleichen Schwingungszustand. Deshalb gilt für konstruktive Interferenz:

$$\Delta s=k\lambda,\qquad k=0,1,2,\ldots$$

Es entsteht ein Maximum. Bei $\Delta s=0$ liegt das Maximum 0. Ordnung vor; bei $\Delta s=3\lambda$ ein Maximum 3. Ordnung.

Ein Versatz um eine halbe Wellenlänge bringt Berg und Tal zusammen. Für destruktive Interferenz gilt:

$$\Delta s=\left(k+\frac12\right)\lambda,\qquad k=0,1,2,\ldots$$

Mögliche Gangunterschiede sind also $\lambda/2$, $3\lambda/2$, $5\lambda/2$ und so weiter. Unter den zuvor genannten Bedingungen entsteht ein Minimum.

Merke

Ganzzahliges Vielfaches von $\lambda$: Maximum. Ungerades halbes Vielfaches von $\lambda$: Minimum.

Beispiel

Gegeben ist $\Delta s=3\lambda$. Der Faktor 3 ist ganzzahlig. Daher liegt konstruktive Interferenz und ein Maximum 3. Ordnung vor.

Bei $\Delta s=\frac52\lambda=2{,}5\lambda$ liegt dagegen ein ungerades halbes Vielfaches vor. Daher entsteht ein Minimum.

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Frage 1 von 2MittelAn einem Ort gilt $\Delta s=4\lambda$. Was beobachtest du?
Lösung: Ein Maximum durch konstruktive Interferenz — Weil 4 ganzzahlig ist, treffen die Wellen gleichphasig ein.
Frage 2 von 2MittelAn einem anderen Ort gilt $\Delta s=\frac32\lambda$. Was folgt daraus?
Lösung: Dort liegt ein Minimum. — $3\lambda/2$ gehört zur Folge $\lambda/2,3\lambda/2,5\lambda/2,\ldots$ der destruktiven Interferenz.
Wie entsteht ein räumliches Interferenzmuster?

Bei zwei Punktquellen ändert sich der Gangunterschied von Ort zu Ort. Deshalb liegen Maxima und Minima an unterschiedlichen Stellen. Viele solcher Stellen bilden ein Interferenzmuster.

Bei Licht kann das Muster aus abwechselnd hellen und dunklen Bereichen bestehen. Helle Bereiche entsprechen hoher, dunkle Bereiche geringer Intensität. Bei Wasserwellen erkennt man stattdessen Bereiche starker und schwacher Bewegung.

Beugung und Interferenz sind dabei nicht dasselbe:

  • Bei der Beugung breitet sich eine Welle hinter einem Spalt oder Hindernis in neue Richtungen aus.
  • Bei der Interferenz überlagern sich anschließend mehrere Wellenanteile.
  • Eine geometrische Abbildung würde nur die Form eines Gegenstands abbilden; ein regelmäßiger Wechsel aus Maxima und Minima ist dagegen ein Wellenphänomen.

Am Doppelspalt wird Licht an beiden Spalten gebeugt. Die von ihnen ausgehenden Wellen überlagern sich auf dem Schirm und erzeugen das Interferenzmuster.

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Frage 1 von 1SchwerLicht trifft auf zwei schmale Spalte und erzeugt auf einem entfernten Schirm helle und dunkle Streifen. Welche Erklärung verbindet beide Vorgänge richtig?
Lösung: An den Spalten wird das Licht gebeugt; danach interferieren die Wellenanteile. — Beugung ermöglicht die Ausbreitung hinter den Spalten. Interferenz erklärt anschließend die räumlich wechselnde Verstärkung und Abschwächung.
Vertiefung: Wie funktioniert Interferenz am Gitter?

Ein optisches Gitter besitzt viele gleichmäßig angeordnete Spalte. Der Abstand benachbarter Spalte heißt Gitterkonstante $b$. An jedem Spalt wird Licht gebeugt; die vielen Teilwellen interferieren anschließend.

Für ein Maximum der Ordnung $k$ gilt

$$b\sin\alpha_k=k\lambda.$$

Dabei ist $\alpha_k$ der Winkel zwischen dem Maximum $k$-ter Ordnung und der Richtung des Maximums 0. Ordnung.

Nach der Wellenlänge umgestellt ergibt sich

$$\lambda=\frac{b\sin\alpha_k}{k}.$$

Für kleine Winkel und einen Schirm, dessen Abstand $e$ groß gegenüber dem Streifenabstand $s_k$ ist, darf man näherungsweise setzen:

$$\sin\alpha_k\approx\tan\alpha_k\approx\frac{s_k}{e}.$$

Damit folgt

$$\lambda\approx\frac{b\,s_k}{k\,e}.$$

Beispiel

Beim Maximum 1. Ordnung ist $k=1$. Die Näherungsformel vereinfacht sich deshalb zu

$$\lambda\approx\frac{b\,s_1}{e}.$$

$s_1$ ist der Abstand zwischen dem Maximum 0. Ordnung und einem Maximum 1. Ordnung. Misst man stattdessen den Abstand zwischen den beiden Maxima 1. Ordnung auf gegenüberliegenden Seiten, muss man diesen Abstand halbieren.

Merke

Prüfe vor der Näherungsrechnung: Ist der Winkel klein und der Schirmabstand groß gegenüber dem Streifenabstand? Andernfalls verwendest du die exakte Sinusbeziehung.

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Frage 1 von 2MittelWelche Gleichung beschreibt die Maxima eines optischen Gitters ohne Kleinwinkelnäherung?
Lösung: $b\sin\alpha_k=k\lambda$ — Benachbarte Teilwellen verstärken sich in den Richtungen, in denen ihr Gangunterschied $k\lambda$ beträgt.
Frage 2 von 2SchwerWann ist $\lambda\approx b s_k/(k e)$ sinnvoll?
Lösung: Wenn der Winkel klein und $e$ groß gegenüber $s_k$ ist. — Die Näherung beruht auf $\sin\alpha_k\approx\tan\alpha_k\approx s_k/e$.
Wo wird Interferenz genutzt oder beobachtet?

Interferenz tritt bei unterschiedlichen Wellenarten auf:

  • Antischall: Eine passend gegenphasige Schallwelle kann störenden Schall abschwächen. Vollständige Auslöschung gelingt nur bei passenden Amplituden und Phasen.
  • Dünne Schichten: An verschiedenen Grenzflächen reflektierte Lichtanteile interferieren. Dadurch können etwa Ölfilme oder Lackschichten farbig erscheinen.
  • Interferometer: Ein Lichtstrahl wird in kohärente Teilstrahlen aufgeteilt. Nach verschiedenen Wegen werden sie wieder vereinigt; Änderungen des Musters ermöglichen genaue Messungen.
  • Funktechnik: Kontrollierte Phasenunterschiede können Strahlung in gewünschten Richtungen verstärken und in anderen abschwächen.
Gut zu wissen

Interferenz bedeutet nicht, dass die ursprünglichen Wellen nach der Begegnung dauerhaft zerstört sind. Das Superpositionsprinzip beschreibt die resultierende Auslenkung dort und solange sie sich überlagern.

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Frage 1 von 1SchwerEin Antischallsystem erzeugt eine gleichfrequente Gegenwelle, deren Amplitude jedoch zu klein ist. Was ist zu erwarten?
Lösung: Das Geräusch wird abgeschwächt, aber nicht vollständig ausgelöscht. — Gegenphase ermöglicht Abschwächung. Erst gleich große entgegengesetzte Amplituden ergeben als Summe null.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Interferenz
    • Superposition: Auslenkungen addieren
    • Kohärenz: stabiles Muster
    • Konstruktiv: Maximum bei ganzzahligem Gangunterschied
    • Destruktiv: Minimum bei ungeradem halbem Gangunterschied
    • Doppelspalt und Gitter: Beugung vor der Überlagerung
    • Anwendungen: Antischall, dünne Schichten und Messtechnik
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt konstruktive Interferenz?
Lösung: Gleichphasige Auslenkungen verstärken sich. — Konstruktive Interferenz entsteht, wenn die Auslenkungen am betrachteten Ort gleichgerichtet sind.
Frage 2 von 3MittelBei einem Beobachtungsort gilt $\Delta s=\frac72\lambda$. Welche Art der Interferenz liegt dort vor?
Lösung: Destruktive Interferenz und damit ein Minimum — Zur destruktiven Folge gehören $\lambda/2,3\lambda/2,5\lambda/2,7\lambda/2,\ldots$.
Frage 3 von 3SchwerEin Versuch zeigt keine stabilen hellen und dunklen Streifen, obwohl sich zwei Lichtwellen räumlich überlagern. Welche Ursache ist besonders naheliegend?
Lösung: Den Wellen fehlt eine ausreichend feste Phasenbeziehung. — Ohne ausreichende Kohärenz ändern sich Maxima und Minima zeitlich; bei der Messung kann der Interferenzanteil dadurch verschwinden.

Du beherrschst den Kern, wenn du von einer Wegdifferenz zuerst auf die Phasenlage und dann auf Verstärkung oder Abschwächung schließen kannst – und dabei die Bedingungen für ein stabiles beziehungsweise vollständig ausgelöschtes Signal mitprüfst.

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