Interferenz: Wellen, Maxima und Minima verstehen
Interferenz entsteht, wenn sich zwei oder mehr Wellen überlagern. Dabei werden ihre momentanen Auslenkungen mit Vorzeichen addiert: Gleichgerichtete Auslenkungen verstärken sich, entgegengesetzte schwächen sich ab. Vollständige Auslöschung ist nur unter passenden Bedingungen möglich.
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Wie überlagern sich Wellen?
Stell dir zwei Wasserwellen vor, die denselben Ort erreichen. Jede Welle verursacht dort eine Auslenkung nach oben oder unten. Nach dem Superpositionsprinzip werden diese Auslenkungen vorzeichenrichtig addiert.
Interferenz
Interferenz ist die Überlagerung von Wellen. Die Summe ihrer momentanen Auslenkungen bildet die resultierende Welle.
Bei zwei gleich großen Auslenkungen $+a$ ergibt sich
$$a+a=2a.$$
Die Wellen verstärken sich. Treffen dagegen $+a$ und $-a$ zusammen, gilt
$$a+(-a)=0.$$
Die Wellen löschen sich an diesem Ort vollständig aus.
Bei der Interferenz werden zunächst die Auslenkungen beziehungsweise Amplituden addiert – nicht direkt die Intensitäten.
Erreichen zwei Wellen einen Korken gleichzeitig mit einer Auslenkung nach oben, bewegt er sich besonders weit nach oben. Erreicht ihn gleichzeitig ein Wellenberg der einen und ein gleich großes Wellental der anderen Welle, bleibt seine resultierende Auslenkung in diesem Moment null.
Wann bleibt ein Interferenzmuster stabil?
Ein dauerhaft beobachtbares Muster aus Verstärkung und Abschwächung benötigt Wellen mit einer festen Phasenbeziehung. Solche Wellen heißen kohärent.
Phase
Die Phase beschreibt, an welcher Stelle ihres Schwingungsablaufs sich eine Welle befindet. Zwei Wellen sind gleichphasig, wenn beispielsweise ihre Berge gleichzeitig eintreffen.
Für ein einfaches, stabiles Zwei-Quellen-Modell nimmt man harmonische Wellen mit gleicher Frequenz und gleicher Schwingungsrichtung an. Vollständige destruktive Interferenz verlangt zusätzlich gleich große, aber entgegengesetzte Auslenkungen.
Bei Licht ist außerdem die Polarisation zu beachten. Senkrecht zueinander polarisierte Lichtwellen erzeugen bei einem Detektor, der nur die Intensität misst, kein Interferenzmuster.
Sind die Amplituden verschieden, kann destruktive Interferenz die resultierende Amplitude verkleinern, aber nicht vollständig auf null setzen.
Wie entscheidet der Gangunterschied über Maxima und Minima?
Bei zwei Quellen können die Wellen bis zu einem Beobachtungsort unterschiedlich lange Wege zurücklegen. Die absolute Wegdifferenz heißt Gangunterschied:
$$\Delta s=|s_2-s_1|.$$
Dabei sind $s_1$ und $s_2$ die Wege von den beiden Quellen zum Beobachtungsort. Die folgenden Bedingungen gelten für zwei gleichphasig angeregte Quellen.
Erreicht eine Welle den Ort um eine ganze Wellenlänge später, befindet sie sich wieder im gleichen Schwingungszustand. Deshalb gilt für konstruktive Interferenz:
$$\Delta s=k\lambda,\qquad k=0,1,2,\ldots$$
Es entsteht ein Maximum. Bei $\Delta s=0$ liegt das Maximum 0. Ordnung vor; bei $\Delta s=3\lambda$ ein Maximum 3. Ordnung.
Ein Versatz um eine halbe Wellenlänge bringt Berg und Tal zusammen. Für destruktive Interferenz gilt:
$$\Delta s=\left(k+\frac12\right)\lambda,\qquad k=0,1,2,\ldots$$
Mögliche Gangunterschiede sind also $\lambda/2$, $3\lambda/2$, $5\lambda/2$ und so weiter. Unter den zuvor genannten Bedingungen entsteht ein Minimum.
Ganzzahliges Vielfaches von $\lambda$: Maximum. Ungerades halbes Vielfaches von $\lambda$: Minimum.
Gegeben ist $\Delta s=3\lambda$. Der Faktor 3 ist ganzzahlig. Daher liegt konstruktive Interferenz und ein Maximum 3. Ordnung vor.
Bei $\Delta s=\frac52\lambda=2{,}5\lambda$ liegt dagegen ein ungerades halbes Vielfaches vor. Daher entsteht ein Minimum.
Wie entsteht ein räumliches Interferenzmuster?
Bei zwei Punktquellen ändert sich der Gangunterschied von Ort zu Ort. Deshalb liegen Maxima und Minima an unterschiedlichen Stellen. Viele solcher Stellen bilden ein Interferenzmuster.
Bei Licht kann das Muster aus abwechselnd hellen und dunklen Bereichen bestehen. Helle Bereiche entsprechen hoher, dunkle Bereiche geringer Intensität. Bei Wasserwellen erkennt man stattdessen Bereiche starker und schwacher Bewegung.
Beugung und Interferenz sind dabei nicht dasselbe:
- Bei der Beugung breitet sich eine Welle hinter einem Spalt oder Hindernis in neue Richtungen aus.
- Bei der Interferenz überlagern sich anschließend mehrere Wellenanteile.
- Eine geometrische Abbildung würde nur die Form eines Gegenstands abbilden; ein regelmäßiger Wechsel aus Maxima und Minima ist dagegen ein Wellenphänomen.
Am Doppelspalt wird Licht an beiden Spalten gebeugt. Die von ihnen ausgehenden Wellen überlagern sich auf dem Schirm und erzeugen das Interferenzmuster.
Vertiefung: Wie funktioniert Interferenz am Gitter?
Ein optisches Gitter besitzt viele gleichmäßig angeordnete Spalte. Der Abstand benachbarter Spalte heißt Gitterkonstante $b$. An jedem Spalt wird Licht gebeugt; die vielen Teilwellen interferieren anschließend.
Für ein Maximum der Ordnung $k$ gilt
$$b\sin\alpha_k=k\lambda.$$
Dabei ist $\alpha_k$ der Winkel zwischen dem Maximum $k$-ter Ordnung und der Richtung des Maximums 0. Ordnung.
Nach der Wellenlänge umgestellt ergibt sich
$$\lambda=\frac{b\sin\alpha_k}{k}.$$
Für kleine Winkel und einen Schirm, dessen Abstand $e$ groß gegenüber dem Streifenabstand $s_k$ ist, darf man näherungsweise setzen:
$$\sin\alpha_k\approx\tan\alpha_k\approx\frac{s_k}{e}.$$
Damit folgt
$$\lambda\approx\frac{b\,s_k}{k\,e}.$$
Beim Maximum 1. Ordnung ist $k=1$. Die Näherungsformel vereinfacht sich deshalb zu
$$\lambda\approx\frac{b\,s_1}{e}.$$
$s_1$ ist der Abstand zwischen dem Maximum 0. Ordnung und einem Maximum 1. Ordnung. Misst man stattdessen den Abstand zwischen den beiden Maxima 1. Ordnung auf gegenüberliegenden Seiten, muss man diesen Abstand halbieren.
Prüfe vor der Näherungsrechnung: Ist der Winkel klein und der Schirmabstand groß gegenüber dem Streifenabstand? Andernfalls verwendest du die exakte Sinusbeziehung.
Wo wird Interferenz genutzt oder beobachtet?
Interferenz tritt bei unterschiedlichen Wellenarten auf:
- Antischall: Eine passend gegenphasige Schallwelle kann störenden Schall abschwächen. Vollständige Auslöschung gelingt nur bei passenden Amplituden und Phasen.
- Dünne Schichten: An verschiedenen Grenzflächen reflektierte Lichtanteile interferieren. Dadurch können etwa Ölfilme oder Lackschichten farbig erscheinen.
- Interferometer: Ein Lichtstrahl wird in kohärente Teilstrahlen aufgeteilt. Nach verschiedenen Wegen werden sie wieder vereinigt; Änderungen des Musters ermöglichen genaue Messungen.
- Funktechnik: Kontrollierte Phasenunterschiede können Strahlung in gewünschten Richtungen verstärken und in anderen abschwächen.
Interferenz bedeutet nicht, dass die ursprünglichen Wellen nach der Begegnung dauerhaft zerstört sind. Das Superpositionsprinzip beschreibt die resultierende Auslenkung dort und solange sie sich überlagern.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Interferenz
- Superposition: Auslenkungen addieren
- Kohärenz: stabiles Muster
- Konstruktiv: Maximum bei ganzzahligem Gangunterschied
- Destruktiv: Minimum bei ungeradem halbem Gangunterschied
- Doppelspalt und Gitter: Beugung vor der Überlagerung
- Anwendungen: Antischall, dünne Schichten und Messtechnik
Abschluss-Check
Du beherrschst den Kern, wenn du von einer Wegdifferenz zuerst auf die Phasenlage und dann auf Verstärkung oder Abschwächung schließen kannst – und dabei die Bedingungen für ein stabiles beziehungsweise vollständig ausgelöschtes Signal mitprüfst.
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