Doppelspalt: Interferenz verstehen und berechnen
Beim Doppelspalt überlagern sich die von zwei Spalten ausgehenden Wellen. Konstruktive Interferenz erzeugt helle Maxima, destruktive Interferenz dunkle Minima. Ihre Lage hängt vor allem von der Wellenlänge, dem Spaltabstand und dem Schirmabstand ab.
Auf dieser Seite lernst du außerdem, warum auch einzelne Elektronennachweise nach und nach ein Interferenzmuster bilden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie entsteht das Streifenmuster?
Einfarbiges, kohärentes Licht trifft auf zwei nahe beieinanderliegende Spalte. Kohärent bedeutet: Die beiden Wellen besitzen eine feste Phasenbeziehung. An jedem Spalt breitet sich eine neue Welle aus. Auf dem Schirm treffen beide Wellen zusammen.
- Treffen zwei Wellenberge oder zwei Wellentäler zusammen, verstärken sich die Wellen: Es entsteht ein helles Maximum.
- Treffen ein Wellenberg und ein Wellental zusammen, schwächen sie sich ab: Es entsteht ein dunkles Minimum.
In der Mitte sind die Wege von beiden Spalten gleich lang. Deshalb liegt dort das besonders helle Maximum 0. Ordnung. Weitere Maxima erscheinen symmetrisch rechts und links davon.
Interferenz
Interferenz ist die Überlagerung von Wellen. Je nach Phasenlage verstärken sie sich konstruktiv oder schwächen sich destruktiv ab.
Beugung sorgt dafür, dass sich das Licht hinter jedem Spalt ausbreitet. Interferenz bestimmt, wo sich die beiden gebeugten Wellen verstärken oder abschwächen.
Der Gangunterschied entscheidet
Der Gangunterschied $Δs$ ist die Differenz der beiden Wege vom Doppelspalt zu einem Punkt auf dem Schirm.
Für einen weit entfernten Schirm gilt näherungsweise:
$$Δs = d · \sin(α)$$
Dabei bedeuten:
- $d$: Abstand der Spaltmitten,
- $α$: Beobachtungswinkel zur Mittelachse,
- $Δs$: Gangunterschied.
Bedingung für Maxima
Ein Maximum der Ordnung $k$ entsteht, wenn der Gangunterschied ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge ist:
$$Δs = kλ \quad \text{mit} \quad k = 0, 1, 2, \ldots$$
Daraus folgt:
$$d · \sin(α) = kλ$$
Bedingung für Minima
Ein Minimum entsteht bei einem ungeraden Vielfachen der halben Wellenlänge. Wenn das erste Minimum mit $k=1$ bezeichnet wird, gilt:
$$Δs = \left(k - \frac{1}{2}\right)λ \quad \text{mit} \quad k = 1, 2, 3, \ldots$$
Manche Darstellungen zählen die Minima ab $k=0$. Dann lautet dieselbe Bedingung $Δs=(k+1/2)λ$. Die Physik ist gleich; nur die Nummerierung unterscheidet sich.
Beim Maximum 2. Ordnung ist $k=2$. Der Gangunterschied beträgt daher $Δs=2λ$.
Beim zweiten Minimum nach der Zählung ab $k=1$ gilt dagegen:
$$Δs = \left(2-\frac{1}{2}\right)λ = 1{,}5λ$$
Die Ordnung eines Maximums darf also nicht ungeprüft in die Formel für Minima eingesetzt werden.
Wie berechnest du die Streifenlage?
Sei $e$ der Abstand zwischen Doppelspalt und Schirm und $a_k$ der Abstand des Maximums $k$ von der Schirmmitte. Aus der Geometrie folgt exakt:
$$\sin(α)=\frac{a_k}{\sqrt{e^2+a_k^2}}$$
Zusammen mit der Maximumsbedingung ergibt sich:
$$\frac{kλ}{d}=\frac{a_k}{\sqrt{e^2+a_k^2}}$$
Nach der Wellenlänge aufgelöst:
$$λ=\frac{d·a_k}{k\sqrt{e^2+a_k^2}}$$
Kleinwinkelnäherung
Liegt das betrachtete Maximum nahe an der Mitte, sodass $a_k \ll e$ gilt, kann man $\sqrt{e^2+a_k^2}$ durch $e$ annähern. Dann werden die Rechnungen einfacher:
$$a_k \approx \frac{kλe}{d}$$
oder nach der Wellenlänge aufgelöst:
$$λ \approx \frac{d·a_k}{ke}$$
Gegeben sind:
- Wellenlänge: $λ=600\,\text{nm}=600·10^{-9}\,\text{m}$,
- Spaltabstand: $d=0{,}50\,\text{mm}=5{,}0·10^{-4}\,\text{m}$,
- Schirmabstand: $e=2{,}0\,\text{m}$,
- Ordnung: $k=2$.
Gesucht ist der Abstand $a_2$ des zweiten Maximums von der Mitte. Da das Ergebnis gegenüber $e$ sehr klein sein wird, verwenden wir die Kleinwinkelnäherung:
$$a_2 \approx \frac{2·600·10^{-9}\,\text{m}·2{,}0\,\text{m}}{5{,}0·10^{-4}\,\text{m}}$$
$$a_2 \approx 4{,}8·10^{-3}\,\text{m}=4{,}8\,\text{mm}$$
Plausibilitätsprüfung: $4{,}8\,\text{mm}$ ist viel kleiner als $2{,}0\,\text{m}$. Die Voraussetzung $a_2 \ll e$ ist daher erfüllt.
Warum sind reale Maxima unterschiedlich hell?
Das einfache Modell behandelt beide Spalte wie punktförmige Wellenquellen. Reale Spalte besitzen jedoch eine endliche Breite. Deshalb entsteht an jedem einzelnen Spalt zusätzlich ein Beugungsmuster.
Dieses Einzelspaltmuster bildet eine Einhüllende für die Doppelspaltstreifen: Die Maxima werden nach außen schwächer, und einzelne Maxima können unterdrückt werden.
Die Interferenzbedingung bestimmt die möglichen Positionen der Doppelspaltmaxima. Die Beugung am Einzelspalt begrenzt ihre tatsächliche Intensität.
Was zeigen einzelne Elektronen?
Beim Elektronen-Doppelspalt registriert der Schirm einzelne, örtlich begrenzte Treffer. Nach vielen Elektronen entsteht trotzdem eine Verteilung mit Interferenzstreifen. Das Muster bleibt auch erhalten, wenn sich jeweils nur ein Elektron in der Anordnung befindet.
Ein einzelner Treffer lässt sich nicht genau vorhersagen. Für viele gleich vorbereitete Elektronen lässt sich jedoch eine statistische Verteilung angeben. Elektronen sind in diesem Versuch daher nicht angemessen als klassische Kügelchen mit einem stets festgelegten, nur unbekannten Weg zu beschreiben.
Werden die Elektronen so gemessen, dass der durchquerte Spalt eindeutig feststeht, verschwindet das Interferenzmuster. Entscheidend ist dabei die physikalische Wechselwirkung, durch die Welcher-Weg-Information verfügbar wird – nicht das Bewusstsein einer beobachtenden Person.
Der Doppelspalt zeigt zwei verschiedene Ebenen: Der Detektor misst einzelne Ereignisse, während sich erst aus vielen Ereignissen die Wahrscheinlichkeitsverteilung mit ihrem Interferenzmuster ergibt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Doppelspalt
- Wellen überlagern sich
- Maxima bei $Δs=kλ$
- Minima bei halbzahligem $Δs/λ$
- Geometrie verbindet Muster und Größen
- $Δs=d·\sin(α)$
- $a_k≈kλe/d$ für kleine Winkel
- Reale Spalte beugen Licht
- Einhüllende verändert Intensitäten
- Elektronen liefern Einzelereignisse
- Viele Treffer bilden Interferenz
- Weginformation beseitigt Interferenz
- Wellen überlagern sich
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