Physik

Materiewellen: De-Broglie-Wellenlänge verstehen

Materiewellen: De-Broglie-Wellenlänge verstehen
Materiewellen: De-Broglie-Wellenlänge verstehen
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Materieteilchen wie Elektronen können Interferenz und Beugung zeigen. Ihre De-Broglie-Wellenlänge hängt vom Impuls ab. Einzelne Teilchen werden dabei punktförmig nachgewiesen; erst viele Treffer machen die Wahrscheinlichkeitsverteilung sichtbar.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie zeigt ein Elektron Welleneigenschaften?

Stell dir vor, Elektronen fliegen einzeln durch einen Doppelspalt. Auf dem Schirm erscheint jedes Elektron zunächst als einzelner, örtlich begrenzter Treffer. Nach vielen Elektronen entsteht jedoch ein Muster aus Bereichen mit vielen und wenigen Treffern.

Ein solches Interferenzmuster ist typisch für überlagerte Wellen. Es entsteht auch dann, wenn sich immer nur ein Elektron in der Versuchsanordnung befindet. Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Elektronen sind daher nicht nötig.

Definition

Welle-Teilchen-Dualismus

Quantenobjekte lassen sich nicht durchgehend als klassische Teilchen oder klassische Wellen beschreiben. Je nach Versuch zeigen sie beispielsweise punktförmige Nachweise oder Interferenz. Sie sind nicht einfach beides zugleich im klassischen Sinn.

Wird festgestellt, welchen Spalt ein Elektron durchlaufen hat, verändert sich das Interferenzmuster. Die beobachtete Verteilung hängt somit von der gesamten Messanordnung ab.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas beobachtest du beim Doppelspalt mit einzeln eintreffenden Elektronen?
Lösung: Einzelne Treffer bauen nach und nach ein Interferenzmuster auf. — Die Verteilung vieler Einzelereignisse zeigt Interferenz. Eine Wechselwirkung verschiedener Elektronen ist dafür nicht erforderlich.
Frage 2 von 2MittelWelche Beobachtung widerspricht dem einfachen Modell klassischer Punktteilchen am deutlichsten?
Lösung: Zwischen Bereichen mit vielen Treffern liegen Bereiche mit sehr wenigen Treffern. — Interferenzmaxima und -minima lassen sich nicht durch zwei geradlinige klassische Teilchenbahnen erklären.
Wie hängen Impuls und Wellenlänge zusammen?

Louis de Broglie ordnete jedem Teilchen mit Impuls eine Wellenlänge zu.

Definition

De-Broglie-Wellenlänge

Die De-Broglie-Wellenlänge $\lambda$ eines Teilchens mit Impuls $p$ lautet:

$$\lambda=\frac{h}{p}$$

Dabei ist $h$ das Plancksche Wirkungsquantum. Für langsame, nichtrelativistische Teilchen gilt zusätzlich $p=mv$.

Die Formel zeigt eine umgekehrte Beziehung:

  • Größerer Impuls bedeutet kleinere Wellenlänge.
  • Kleinerer Impuls bedeutet größere Wellenlänge.
Merke

Verdoppelst du den Impuls, halbiert sich die De-Broglie-Wellenlänge.

Beugung wird gut sichtbar, wenn Spaltbreiten oder Gitterabstände ungefähr in der Größenordnung der Wellenlänge liegen. Bei Alltagsgegenständen ist der Impuls groß und die Wellenlänge deshalb extrem klein.

Beispiel

Eine Kugel mit $m=1\,\mathrm{g}=10^{-3}\,\mathrm{kg}$ bewegt sich mit $v=1000\,\mathrm{m/s}$.

Zuerst bestimmst du den Impuls:

$$p=mv=10^{-3}\,\mathrm{kg}\cdot1000\,\mathrm{m/s}=1\,\mathrm{kg\,m/s}$$

Dann setzt du ihn in die De-Broglie-Beziehung ein:

$$\lambda=\frac{6{,}626\cdot10^{-34}\,\mathrm{J\,s}}{1\,\mathrm{kg\,m/s}}=6{,}626\cdot10^{-34}\,\mathrm{m}$$

Diese Wellenlänge ist weit kleiner als atomare Abstände. Eine beobachtbare Beugung der Kugel ist deshalb praktisch nicht zu erwarten.

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Frage 1 von 1MittelDer Impuls eines Teilchens wird verdreifacht. Was geschieht mit seiner De-Broglie-Wellenlänge?
Lösung: Sie sinkt auf ein Drittel. — Aus $\lambda=h/p$ folgt: Wird $p$ mit 3 multipliziert, wird $\lambda$ durch 3 geteilt.
Wie berechnest du eine Elektronenwellenlänge?

Bei nichtrelativistischen Elektronen kannst du zwischen Impuls, Geschwindigkeit und Beschleunigungsspannung wechseln.

Beispiel

Ein Elektron besitzt die De-Broglie-Wellenlänge $\lambda=30\,\mathrm{pm}=30\cdot10^{-12}\,\mathrm{m}$.

1. Impuls bestimmen

$$p=\frac{h}{\lambda}$$

$$p\approx\frac{6{,}626\cdot10^{-34}\,\mathrm{J\,s}}{30\cdot10^{-12}\,\mathrm{m}}=2{,}21\cdot10^{-23}\,\mathrm{kg\,m/s}$$

2. Geschwindigkeit bestimmen

Mit der Elektronenmasse $m_\mathrm{e}=9{,}109\cdot10^{-31}\,\mathrm{kg}$ gilt:

$$v=\frac{p}{m_\mathrm{e}}\approx2{,}4\cdot10^7\,\mathrm{m/s}$$

3. Beschleunigungsspannung bestimmen

Wurde das Elektron aus der Ruhe durch die Spannung $U$ beschleunigt, gilt näherungsweise:

$$eU=\frac12m_\mathrm{e}v^2$$

Daher:

$$U=\frac{m_\mathrm{e}v^2}{2e}\approx1{,}7\cdot10^3\,\mathrm{V}=1{,}7\,\mathrm{kV}$$

Die Einheiten passen: Aus der Energiegleichung folgt Energie pro Ladung, also Volt.

Für den Abstand $x$ zwischen dem nullten und ersten Maximum eines Doppelspalts gilt bei kleinen Winkeln näherungsweise:

$$x\approx l\frac{\lambda}{b}$$

Mit Schirmabstand $l=1{,}0\,\mathrm{m}$ und Spaltmittenabstand $b=6{,}2\,\mathrm{\mu m}$ erhältst du:

$$x\approx1{,}0\,\mathrm{m}\cdot\frac{30\cdot10^{-12}\,\mathrm{m}}{6{,}2\cdot10^{-6}\,\mathrm{m}}\approx4{,}8\,\mathrm{\mu m}$$

Merke

Bestimme zuerst den Zusammenhang, setze alle Größen in SI-Einheiten um und prüfe das Ergebnis anschließend auf Einheit und Größenordnung.

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Frage 1 von 1MittelEin Elektron hat einen kleineren Impuls als zuvor. Welche Änderung erwartest du bei gleicher Doppelspaltgeometrie?
Lösung: Seine Wellenlänge und der Abstand der Interferenzmaxima werden größer. — Bei festem $l$ und $b$ gilt $x\approx l\lambda/b$. Eine größere Wellenlänge vergrößert daher den Maximaabstand.
Was bedeutet die Wellenfunktion?

Eine Materiewelle ist keine klassische Stoffwelle, in der sich die Masse des Teilchens räumlich verteilt. Die Quantenmechanik beschreibt den Zustand durch eine im Allgemeinen komplexe Wellenfunktion $\Psi$.

Definition

Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte

Das Betragsquadrat $|\Psi(\vec r,t)|^2$ gibt die Wahrscheinlichkeitsdichte dafür an, ein Teilchen zur Zeit $t$ am Ort $\vec r$ nachzuweisen. Für einen kleinen Raumbereich ergibt die Dichte zusammen mit dessen Volumen die entsprechende Nachweiswahrscheinlichkeit.

Ein einzelnes Messergebnis ist punktförmig und nicht vorhersagbar. Wiederholst du denselben Versuch mit vielen gleich präparierten Elektronen, nähern sich die Trefferhäufigkeiten der von $|\Psi|^2$ beschriebenen Verteilung an.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein einzelnes Elektron erzeugt einen Nachweis. Viele gleich präparierte Elektronen bilden eine Trefferverteilung. Die messbare Wahrscheinlichkeitsdichte wird durch beschrieben. Die Materiewelle ist .

Lösungen: Lücke 1: punktförmigen; Lücke 2: statistische; Lücke 3: das Betragsquadrat der Wellenfunktion; Lücke 4: keine klassische Stoffwelle. Trenne das einzelne Nachweisereignis von der Verteilung vieler Ereignisse: $|\Psi|^2$ beschreibt Wahrscheinlichkeiten, nicht eine klassische Elektronenbahn oder Massedichte.
Warum braucht ein lokalisiertes Teilchen ein Wellenpaket?

Eine einzelne ebene Welle erstreckt sich idealisiert über den ganzen Raum. Ihr Betragsquadrat ist überall gleich. Sie kann daher kein räumlich lokalisiertes Teilchen darstellen.

Definition

Wellenpaket

Ein Wellenpaket ist eine Überlagerung von Wellen mit unterschiedlichen Wellenzahlen und Impulsen. Nur in einem begrenzten Bereich verstärken sich die Teilwellen stark. Dort ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit besonders groß.

Eine stärkere räumliche Eingrenzung benötigt eine größere Bandbreite von Impulsen. Das verbindet die Vorstellung des Wellenpakets mit der Unschärfe von Ort und Impuls.

Vertiefung: Gruppen- und Phasengeschwindigkeit

Die Gruppengeschwindigkeit beschreibt die Bewegung des Wellenpakets. Für ein freies Teilchen stimmt sie mit der Teilchengeschwindigkeit überein:

$$v_\mathrm{g}=\frac{d\omega}{dk}=v$$

Die Phasengeschwindigkeit beschreibt dagegen die Bewegung einer Stelle gleicher Phase:

$$v_\mathrm{ph}=\frac{\omega}{k}$$

Sie ist nicht die Geschwindigkeit, mit der das Teilchen oder eine Information übertragen wird. Weil die Dispersionsbeziehung eines massebehafteten freien Teilchens nicht linear ist, können sich die Bestandteile eines Wellenpakets unterschiedlich entwickeln und das Paket kann sich verbreitern.

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Frage 1 von 2MittelWarum beschreibt eine einzelne ebene Welle kein lokalisiertes Teilchen?
Lösung: Ihre Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte ist idealisiert über den gesamten Raum verteilt. — Zur Lokalisierung werden mehrere Wellen mit unterschiedlichen Impulsen zu einem Wellenpaket überlagert.
Frage 2 von 2SchwerEin Wellenpaket wird räumlich enger präpariert. Welche Folge ist zu erwarten?
Lösung: Die enthaltene Impulsbandbreite wird größer. — Eine stärkere Lokalisierung erfordert die Überlagerung eines größeren Bereichs von Wellenzahlen und damit von Impulsen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Materiewellen
    • De-Broglie-Beziehung: $\lambda=h/p$
    • Nachweis: Beugung und Interferenz
    • Einzelereignis: punktförmiger Treffer
    • Viele Ereignisse: Verteilung gemäß $|\Psi|^2$
    • Lokalisierung: Überlagerung zum Wellenpaket
    • Alltagsgrenze: zu kleine Wellenlänge
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe bestimmt nach de Broglie direkt die Wellenlänge eines Teilchens?
Lösung: Sein Impuls — Die Beziehung lautet $\lambda=h/p$.
Frage 2 von 3MittelEin Teilchen besitzt den Impuls $p=3{,}313\cdot10^{-24}\,\mathrm{kg\,m/s}$. Welche Wellenlänge ergibt sich mit $h=6{,}626\cdot10^{-34}\,\mathrm{J\,s}$?
Lösung: Ungefähr $2{,}0\cdot10^{-10}\,\mathrm{m}$ — $\lambda=h/p=(6{,}626\cdot10^{-34})/(3{,}313\cdot10^{-24})\,\mathrm{m}=2{,}0\cdot10^{-10}\,\mathrm{m}$.
Frage 3 von 3SchwerIn einem Doppelspaltversuch treffen Elektronen einzeln ein. Nach vielen Treffern erscheint ein Interferenzmuster. Welche Deutung verbindet beide Beobachtungen korrekt?
Lösung: Jeder Nachweis ist lokal, während $|\Psi|^2$ die statistische Verteilung vieler gleich präparierter Ereignisse bestimmt. — Punktförmige Einzelnachweise und eine wellentypische Wahrscheinlichkeitsverteilung gehören gemeinsam zur quantenmechanischen Beschreibung.

Du hast den Kern verstanden, wenn du bei einem neuen Beispiel zuerst den Impuls bestimmst, daraus die Wellenlänge berechnest und anschließend zwischen Einzelereignis und Wahrscheinlichkeitsverteilung unterscheidest.

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