Elektron: Ladung, Atomhülle und Quantenverhalten
Ein Elektron ist ein stabiles, negativ geladenes Elementarteilchen. Elektronen bilden die Atomhülle, bestimmen wesentlich das chemische Verhalten von Atomen und transportieren in Metallen elektrische Ladung. Als Quantenobjekte lassen sie sich jedoch nicht wie winzige Kugeln auf festen Bahnen beschreiben.
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Was kennzeichnet ein Elektron?
Das Symbol des Elektrons ist $e^-$. Das Minuszeichen zeigt seine negative elektrische Ladung.
Elementarladung
Die Elementarladung $e$ ist der positive Betrag der kleinsten frei vorkommenden Ladungsmenge. Ein Elektron trägt die Ladung $-e$, ein Proton die Ladung $+e$.
Für den Betrag gilt:
$$e=1{,}602\cdot10^{-19}\,\mathrm C$$
Die Masse eines Elektrons beträgt ungefähr:
$$m_\mathrm e=9{,}109\cdot10^{-31}\,\mathrm{kg}$$
Sie entspricht nur etwa $1/1836$ der Protonenmasse. Deshalb stammt fast die gesamte Masse eines Atoms aus seinem Kern und nicht aus seinen Elektronen.
Das Elektron ist nach heutigem Wissen elementar: Es ist keine Zusammensetzung aus kleineren Bestandteilen bekannt. Es gehört zu den Leptonen und hat die Spinquantenzahl $1/2$. Teilchen mit halbzahligem Spin heißen Fermionen.
Der Spin ist eine quantenphysikalische Eigenschaft. Er bedeutet nicht, dass sich das Elektron wie eine kleine Kugel um eine Achse dreht.
Das Antiteilchen des Elektrons ist das Positron $e^+$. Es besitzt die entgegengesetzte Ladung, ansonsten aber dieselben grundlegenden Eigenschaften.
Wie bestimmt das Elektron die Ladung eines Atoms?
Protonen befinden sich im Atomkern und tragen jeweils $+e$. Elektronen gehören zur Atomhülle und tragen jeweils $-e$. Neutronen sind elektrisch neutral.
In einem neutralen Atom sind Protonen- und Elektronenzahl gleich. Die gleich großen positiven und negativen Ladungen gleichen sich aus.
Ein Kohlenstoffatom besitzt sechs Protonen und sechs Elektronen.
- Protonenladung: $6\cdot(+e)=+6e$
- Elektronenladung: $6\cdot(-e)=-6e$
- Gesamtladung: $+6e-6e=0$
Das Kohlenstoffatom ist daher elektrisch neutral.
Stimmen Protonen- und Elektronenzahl nicht überein, liegt ein Ion vor:
- Mehr Elektronen als Protonen bedeuten Elektronenüberschuss und eine negative Gesamtladung.
- Weniger Elektronen als Protonen bedeuten Elektronenmangel und eine positive Gesamtladung.
Bei gewöhnlicher elektrischer Aufladung werden Elektronen übertragen. Die Protonen bleiben normalerweise fest in den Atomkernen gebunden.
Mehr Elektronen machen einen Körper negativer, weniger Elektronen machen ihn positiver. Die Protonenzahl ändert sich bei gewöhnlicher Aufladung nicht.
Warum können Elektronen elektrischen Strom tragen?
Elektrischer Strom setzt bewegliche Ladungsträger voraus. In Metallen sind einige äußere Elektronen nicht fest an ein einzelnes Atom gebunden. Sie können sich durch das Material bewegen und dabei Ladung transportieren.
In einem Isolator sind die Elektronen dagegen stärker gebunden. Sie können sich unter normalen Bedingungen nicht frei durch das Material bewegen. Bei Halbleitern hängt die Zahl der beweglichen Elektronen unter anderem von Material und Temperatur ab.
Vergleiche einen Metalldraht mit einem Isolierstoff:
- Im Metalldraht gibt es bewegliche Elektronen.
- Ein angelegtes elektrisches Feld beeinflusst ihre Bewegung.
- Dadurch wird elektrische Ladung durch den Draht transportiert.
- Im Isolierstoff fehlen unter denselben Bedingungen ausreichend frei bewegliche Ladungsträger, sodass er wesentlich schlechter leitet.
Ein bewegtes Elektron erzeugt außerdem ein Magnetfeld. Äußere elektrische und magnetische Felder können die Bewegung freier Elektronen beeinflussen.
Warum ist das Elektron keine winzige Kugel?
Ein Elektron zeigt sowohl Teilchen- als auch Welleneigenschaften. Es kann bei einer Messung an einem bestimmten Ort nachgewiesen werden, zugleich aber Beugung und Interferenz zeigen.
In einem Atom beschreibt ein Orbital die räumliche Verteilung der Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Elektrons. Ein Orbital ist keine feste Kreisbahn und auch keine ausgedehnte Oberfläche des Elektrons.
Orbital
Ein Orbital ist ein quantenmechanisch beschriebener Zustand eines Elektrons im Atom. Es gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Elektron in verschiedenen Raumbereichen nachgewiesen werden kann.
Die bildhafte „Elektronenwolke“ stellt daher eine Wahrscheinlichkeitsverteilung dar. Sie zeigt nicht, dass das Elektron selbst zu einer nebelartigen Kugel aufgebläht wäre.
Nach dem Pauli-Prinzip können höchstens zwei Elektronen dasselbe Orbital besetzen, wenn sich ihre Spinzustände unterscheiden.
Bei einem Interferenzexperiment werden Elektronen einzeln nachgewiesen. Jeder Nachweis erscheint an einem bestimmten Ort. Nach vielen Wiederholungen bilden die einzelnen Treffer jedoch eine Verteilung mit einem Interferenzmuster.
Der einzelne Treffer zeigt den Teilchenaspekt. Das allmählich entstehende Interferenzmuster zeigt, dass eine rein klassische Teilchenbahn zur Beschreibung nicht ausreicht.
Vertiefung: Welche „Größe“ hat ein Elektron?
In modernen theoretischen Beschreibungen besitzt das Elektron keine bekannte innere Struktur und wird als punktförmig behandelt. Experimente haben bis zu Größenordnungen von etwa $10^{-19}\,\mathrm m$ keine räumliche Ausdehnung nachgewiesen. Das ist eine Obergrenze, keine gemessene Größe des Elektrons.
Der klassische Elektronenradius ist etwas anderes. Er entsteht aus einer klassischen Modellrechnung, in der elektrostatische Energie und Ruheenergie gleichgesetzt werden:
$$\frac{e^2}{4\pi\epsilon_0 r}=m_\mathrm e c^2$$
Daraus folgt:
$$r_\mathrm e=\frac{e^2}{4\pi\epsilon_0m_\mathrm e c^2}\approx2{,}818\cdot10^{-15}\,\mathrm m$$
Dabei ist $\epsilon_0$ die elektrische Feldkonstante und $c$ die Lichtgeschwindigkeit. Dieser Radius ist keine gemessene Teilchenoberfläche. Er zeigt eine Größenordnung, die sich aus einem klassischen Energiemodell ergibt.
Auch die Ausdehnung eines Atomorbitals ist nicht die Größe des Elektrons. Chemisch wichtige Elektronenverteilungen liegen ungefähr in der Größenordnung $10^{-10}\,\mathrm m$.
Drei Angaben erfüllen verschiedene Zwecke: Eine experimentelle Obergrenze beschränkt eine mögliche Teilchengröße, der klassische Elektronenradius stammt aus einem Modell und ein Orbital beschreibt mögliche Aufenthaltsorte.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Elektron
- Eigenschaften: Ladung $-e$, sehr kleine Masse, Spin $1/2$
- Atom: Bestandteil der Hülle und entscheidend für den Ladungszustand
- Materie: bewegliche Elektronen können Ladung transportieren
- Quantenverhalten: einzelne Nachweise sowie Beugung und Interferenz
- Orbital: Verteilung möglicher Nachweisorte im Atom
- Größenmodelle: Obergrenze, klassischer Radius und Orbitalausdehnung unterscheiden
Abschluss-Check
Du hast das Elektron verstanden, wenn du seine Eigenschaften nicht nur aufzählen, sondern auch Ladungsbilanzen erklären und klassische Bilder von quantenphysikalischen Beschreibungen unterscheiden kannst.
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