Physik

Bohrsches Atommodell: Energien und Grenzen

Bohrsches Atommodell: Energien und Grenzen
Bohrsches Atommodell: Energien und Grenzen
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Das bohrsche Atommodell beschreibt Elektronen als Teilchen auf erlaubten, strahlungsfreien Kreisbahnen mit bestimmten Energien. Licht wird nur aufgenommen oder abgegeben, wenn ein Elektron im Modell zwischen zwei Energieniveaus wechselt.

Das Modell erklärt wichtige Eigenschaften des Wasserstoffatoms. Feste Elektronenbahnen gelten heute jedoch nicht als reale Beschreibung eines Atoms.

Deine Lernziele

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Warum wurde ein neues Atommodell gebraucht?

Rutherfords Streuversuch führte zum Kern-Hülle-Modell: Ein Atom besitzt einen kleinen, positiv geladenen Kern und eine Hülle. Der größte Teil seines Raumes ist leer.

Dieses Modell ließ zwei Fragen offen:

  1. Warum ist ein Atom stabil?
  2. Warum senden und absorbieren Atome nur Licht mit bestimmten Frequenzen?

Nach der klassischen Elektrodynamik müsste ein kreisendes Elektron ständig Strahlung abgeben. Dadurch würde es Energie verlieren und schließlich in den Kern stürzen. Stabile Atome wären so nicht erklärbar.

Definition

Postulat

Ein Postulat ist eine grundlegende Annahme, die innerhalb eines Modells vorausgesetzt wird. Bohr führte solche Annahmen ein, um die Stabilität des Atoms und seine Spektrallinien zu erklären.

Beispiel

Stell dir ein Elektron vor, das den Kern wie ein Planet die Sonne umkreist. Nach klassischer Physik dürfte seine Bahn nicht dauerhaft stabil bleiben. Bohr löste diesen Widerspruch im Modell, indem er bestimmte Bahnen ausdrücklich als strahlungsfrei festlegte.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelches Problem konnte das Rutherford-Modell nicht lösen?
Lösung: Es erklärte nicht, warum ein umlaufendes Elektron dauerhaft stabil bleibt. — Rutherford erklärte den Kern-Hülle-Aufbau, aber weder die Stabilität des Atoms noch die Entstehung einzelner Spektrallinien.
Welche Annahmen macht das Bohr-Modell?

Bohr verband 1913 das Kern-Hülle-Modell mit Quantenvorstellungen. Seine Kernaussagen lauten:

  • Elektronen dürfen sich nur in bestimmten stationären Zuständen befinden.
  • Jedem erlaubten Zustand ist eine bestimmte Energie zugeordnet.
  • In einem stationären Zustand gibt das Elektron keine Strahlung ab.
  • Strahlung entsteht oder verschwindet nur beim Wechsel zwischen zwei erlaubten Zuständen.
Definition

Quantisierung

Quantisierung bedeutet hier: Die Energie kann nicht jeden beliebigen Wert annehmen. Erlaubt sind nur einzelne, voneinander getrennte Energiewerte.

Die erlaubten Zustände werden durch die Hauptquantenzahl $n=1,2,3,\ldots$ gekennzeichnet. Im Wasserstoffatom gilt:

$$E_n=-R_\infty hc\frac{1}{n^2}$$

Dabei sind $R_\infty$ die Rydberg-Konstante, $h$ das plancksche Wirkungsquantum und $c$ die Lichtgeschwindigkeit. Je größer $n$ ist, desto höher liegt die Energie des Zustands.

Zusätzlich fordert das Modell einen quantisierten Bahndrehimpuls:

$$L=mvr=n\hbar$$

$L$ ist der Bahndrehimpuls, $m$ die Elektronenmasse, $v$ die Geschwindigkeit, $r$ der Bahnradius und $\hbar$ das reduzierte plancksche Wirkungsquantum.

Merke

Im Bohr-Modell sind nicht beliebige Bahnen und Energien erlaubt. Die Hauptquantenzahl $n$ kennzeichnet die erlaubten Zustände.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelZwei Zustände haben die Hauptquantenzahlen $n=1$ und $n=3$. Welcher besitzt im Bohr-Modell die höhere Energie?
Lösung: Der Zustand mit $n=3$. — Mit wachsender Hauptquantenzahl steigt die Energie. Das Elektron ist dann weniger stark gebunden.
Wie entstehen Licht und Spektrallinien?

Wechselt ein Elektron zwischen zwei erlaubten Energieniveaus, wird ein Photon, also ein Lichtquant, aufgenommen oder abgegeben. Seine Energie entspricht genau der Energiedifferenz:

$$\Delta E=hf$$

Dabei ist $f$ die Frequenz des Lichts.

  • Absorption: Das Elektron nimmt ein Photon auf und wechselt zu einem höheren Energieniveau.
  • Emission: Das Elektron wechselt zu einem niedrigeren Energieniveau und gibt ein Photon ab.

Weil nur bestimmte Energieniveaus erlaubt sind, treten nur bestimmte Energiedifferenzen und damit bestimmte Lichtfrequenzen auf. So entstehen einzelne Spektrallinien statt eines lückenlosen Spektrums.

Beispiel

Für Wasserstoff kann man die Energien auch als

$$E_n=-\frac{13{,}6\,\mathrm{eV}}{n^2}$$

schreiben. Ein Elektron wechselt von $n=3$ nach $n=2$.

Zuerst bestimmst du die beiden Energien:

$$E_3=-\frac{13{,}6\,\mathrm{eV}}{9}\approx-1{,}51\,\mathrm{eV}$$

$$E_2=-\frac{13{,}6\,\mathrm{eV}}{4}=-3{,}40\,\mathrm{eV}$$

Die abgegebene Energie ist die Differenz zwischen Anfangs- und Endenergie:

$$E_{\mathrm{Photon}}=E_3-E_2$$

$$E_{\mathrm{Photon}}=(-1{,}51)-(-3{,}40)\,\mathrm{eV}\approx1{,}89\,\mathrm{eV}$$

Das Ergebnis ist positiv: Beim Übergang nach $n=2$ wird ein Photon mit ungefähr $1{,}89\,\mathrm{eV}$ emittiert.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Elektron wechselt von einem niedrigeren auf ein höheres Energieniveau. Was muss geschehen?
Lösung: Es muss ein Photon mit passender Energie absorbieren. — Für den Aufstieg benötigt das Elektron genau die Energiedifferenz zwischen den beiden erlaubten Niveaus.
Frage 2 von 2SchwerWarum besitzt Wasserstoff im Bohr-Modell einzelne Spektrallinien?
Lösung: Weil nur bestimmte Energieniveaus und damit bestimmte Übergangsenergien erlaubt sind. — Jede erlaubte Energiedifferenz gehört über $\Delta E=hf$ zu einer bestimmten Lichtfrequenz.
Was kann das Modell erklären?

Für Wasserstoff und andere Systeme mit nur einem Elektron liefert das Bohr-Modell verlässliche quantitative Ergebnisse. Es kann insbesondere:

  • die Spektrallinien des Wasserstoffatoms berechnen,
  • Emission und Absorption als Energieübergänge erklären,
  • erlaubte Energien und Radien bestimmen,
  • die Größenordnung eines Atomradius abschätzen.

Für den Grundzustand des Wasserstoffatoms nennt das Modell den bohrschen Radius

$$r_B=0{,}529177\cdot10^{-10}\,\mathrm{m}.$$

Zur vollständigen Entfernung des Elektrons aus dem Wasserstoff-Grundzustand sind $13{,}6\,\mathrm{eV}$ nötig. Dieser Vorgang heißt Ionisierung.

Gut zu wissen

Die negativen Energiewerte kennzeichnen gebundene Zustände. Die Ionisationsgrenze wird als $E=0$ angesetzt. Deshalb müssen vom Grundzustand $E_1=-13{,}6\,\mathrm{eV}$ aus genau $13{,}6\,\mathrm{eV}$ zugeführt werden.

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Frage 1 von 1MittelEin Wasserstoffatom im Grundzustand nimmt $13{,}6\,\mathrm{eV}$ auf. Was beschreibt das Bohr-Modell damit?
Lösung: Das Elektron erreicht die Ionisationsgrenze und ist nicht mehr gebunden. — Der Abstand zwischen dem Grundzustand bei $-13{,}6\,\mathrm{eV}$ und der Ionisationsgrenze bei $0\,\mathrm{eV}$ beträgt $13{,}6\,\mathrm{eV}$.
Wo liegen die Grenzen des Modells?

Das Bohr-Modell ist ein historisch wichtiges Übergangsmodell. Seine festen Kreisbahnen sind anschaulich, gelten aber nicht als reale Flugbahnen von Elektronen.

Wörtlich genommen läge die Kreisbahn eines Wasserstoffelektrons in einer Ebene. Das würde eine scheibenartige Gestalt nahelegen und zeigt, wie problematisch die Bahnvorstellung ist.

Auch rechnerisch ist der Geltungsbereich begrenzt: Für Atome mit mehreren Elektronen liefert das Modell keine allgemein zuverlässige Beschreibung. Dafür wird ein quantenmechanisches Modell mit Orbitalen benötigt. Ein Orbital beschreibt keine feste Bahn, sondern einen quantenmechanischen Zustand und räumliche Aufenthaltsmöglichkeiten.

ModellWas es gut zeigtWichtige Grenze
Kern-Hülle-Modellkleiner positiver Kern, weitgehend leerer Atomraumerklärt Stabilität und Spektrallinien nicht
Bohrsches Atommodelldiskrete Energien und Übergänge bei Wasserstoffsetzt feste Elektronenbahnen voraus
Quantenmechanisches ModellZustände ohne feste klassische Bahnenweniger anschaulich als das Bahnmodell
Merke

Nutze das Bohr-Modell für Energieniveaus und Übergänge im Wasserstoffatom. Verwechsle seine Kreisbahnen nicht mit real beobachteten Elektronenwegen.

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Frage 1 von 1SchwerEine Zeichnung zeigt ein Elektron als kleine Kugel auf einer exakt bekannten Kreisbahn. Wie beurteilst du sie?
Lösung: Sie ist eine Darstellung des Bohr-Modells, aber keine heutige Beschreibung einer realen Elektronenbahn. — Die Zeichnung kann Energiezustände anschaulich ordnen. Ihre Bahn darf aber nicht wörtlich als gemessene Flugbahn verstanden werden.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bohrsches Atommodell
    • Ausgangspunkt: Rutherfords Kern-Hülle-Modell
    • Stabilität: erlaubte Zustände strahlen nicht
    • Quantisierung: nur bestimmte Energien sind möglich
    • Absorption: Photon hebt Elektron auf ein höheres Niveau
    • Emission: Übergang nach unten setzt ein Photon frei
    • Spektrallinien: entstehen aus bestimmten Energiedifferenzen
    • Stärke: berechnet Eigenschaften des Wasserstoffatoms
    • Grenze: feste Kreisbahnen sind keine reale Beschreibung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas bedeutet „diskrete Energie“ im Bohr-Modell?
Lösung: Ein Elektron darf nur bestimmte Energiewerte besitzen. — Diskret bedeutet, dass die erlaubten Energien getrennte Werte bilden.
Frage 2 von 3MittelEin Elektron fällt von $n=4$ auf $n=2$. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Es emittiert ein Photon mit der Energiedifferenz der beiden Zustände. — Beim Übergang nach unten gilt für die abgegebene Photonenenergie $E_{\mathrm{Photon}}=E_4-E_2$.
Frage 3 von 3SchwerEin Modell soll die festen Bahnen mehrerer Elektronen in einem komplexen Atom genau vorhersagen. Warum reicht das Bohr-Modell dafür nicht aus?
Lösung: Es ist für Mehrelektronenatome nicht allgemein zuverlässig, und seine festen Bahnen sind keine quantenmechanische Beschreibung. — Das Modell bleibt für grundlegende Energieübergänge und Wasserstoff nützlich. Für komplexere Atome braucht man eine quantenmechanische Beschreibung ohne feste Kreisbahnen.

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