Physik

Quantenmechanisches Atommodell: Orbitale verstehen

Quantenmechanisches Atommodell: Orbitale verstehen
Quantenmechanisches Atommodell: Orbitale verstehen
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Im quantenmechanischen Atommodell bewegen sich Elektronen nicht auf festgelegten Bahnen um den Kern. Eine Wellenfunktion beschreibt ihren Zustand; aus ihrem Betragsquadrat ergibt sich die räumliche Wahrscheinlichkeitsdichte. Nur bestimmte Zustände und Energien sind erlaubt.

Auf dieser Seite lernst du, wie diese Beschreibung entsteht, was Orbitale und Quantenzahlen bedeuten und wie Elektronenzustände besetzt werden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum feste Elektronenbahnen scheitern

Ein Elektron auf einer Kreisbahn wäre nach klassischer Physik ständig beschleunigt. Es müsste elektromagnetische Strahlung abgeben, Energie verlieren und schließlich in den Kern stürzen. Stabile Atome wären so nicht erklärbar.

Auch die beobachteten diskreten Zustände widersprechen beliebigen klassischen Bahnen: Atome desselben Elements besitzen charakteristische, klar getrennte Energien. Zwischenwerte sind nicht beliebig möglich.

Das quantenmechanische Modell ersetzt deshalb die Frage „Auf welcher Bahn fliegt das Elektron?“ durch die Frage „Mit welcher Wahrscheinlichkeit kann es an einem Ort nachgewiesen werden?“

Merke

Ein Orbital ist keine Flugbahn und keine Aufnahme eines kreisenden Elektrons. Es beschreibt einen möglichen räumlichen Elektronenzustand.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage passt zum quantenmechanischen Atommodell?
Lösung: Es beschreibt Elektronenzustände durch Wahrscheinlichkeiten statt durch feste Bahnen. — Die räumliche Wahrscheinlichkeit ist im Allgemeinen ungleichmäßig verteilt. Das Modell liefert jedoch keine klassische Bahn.
Von der Wellenfunktion zur Wahrscheinlichkeit

Die Wellenfunktion $\psi$ ist eine mathematische Beschreibung eines Quantenzustands. Sie ist nicht selbst die Wahrscheinlichkeit.

Nach der Bornschen Deutung gibt das Betragsquadrat $|\psi|^2$ die Wahrscheinlichkeitsdichte an. Ein großer Wert bedeutet: In diesem Bereich ist ein Nachweis des Elektrons wahrscheinlicher als in einem Bereich mit kleinem Wert.

Die Verteilung muss normiert sein. Das bedeutet: Addiert man die Wahrscheinlichkeiten für alle möglichen Aufenthaltsorte, ergibt sich insgesamt $1$, also $100\,\%$.

Definition

Orbital

Ein Orbital ist ein räumlicher Ein-Elektronen-Zustand. Bilder zeigen häufig eine Grenzfläche, innerhalb der ein festgelegter Anteil der Aufenthaltswahrscheinlichkeit liegt, zum Beispiel $90\,\%$. Die Grenzfläche ist keine feste Wand.

Vorzeichen oder Farben in Orbitalbildern können verschiedene Vorzeichen der Wellenfunktion darstellen. Sie bedeuten nicht automatisch verschiedene Aufenthaltswahrscheinlichkeiten, denn für diese wird $|\psi|^2$ betrachtet.

Beispiel

Zeigt ein Orbitalbild zwei verschieden gefärbte Bereiche, folgt daraus nicht, dass das Elektron zwei Farben oder Ladungen besitzt. Die Farben können die Vorzeichen von $\psi$ kennzeichnen. Erst $|\psi|^2$ beschreibt die Wahrscheinlichkeitsdichte.

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Frage 1 von 1MittelEine Darstellung umschließt einen Bereich mit $90\,\%$ Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Was folgt daraus?
Lösung: Das Elektron kann auch außerhalb des dargestellten Bereichs nachgewiesen werden. — Außerhalb verbleiben in diesem Beispiel $10\,\%$ der Gesamtwahrscheinlichkeit. Eine Bahn lässt sich aus der Fläche nicht ablesen.
Warum nur bestimmte Energien erlaubt sind

Eine Begrenzung stellt Bedingungen an mögliche Wellen. Ähnlich wie bei einer eingespannten Saite passen nur bestimmte stehende Wellen in den verfügbaren Bereich. Deshalb entstehen getrennte, also diskrete, Zustände.

Der eindimensionale unendliche Potentialtopf macht diese Idee besonders deutlich. Im Topf der Breite $a$ ist die potenzielle Energie null; an den Rändern ist sie unendlich groß. Dort muss die Aufenthaltswahrscheinlichkeit verschwinden.

Für ein Teilchen der Masse $m$ lauten die erlaubten Energien:

$$E_n=\frac{h^2}{8ma^2}n^2,\qquad n=1,2,3,\ldots$$

Dabei ist $h$ das Plancksche Wirkungsquantum. Die ganze Zahl $n$ nummeriert die möglichen Zustände.

Beispiel

Für denselben Topf gilt wegen $E_n\propto n^2$:

$$E_2=2^2E_1=4E_1$$

Der zweite Zustand besitzt also die vierfache Energie des ersten. Ein Zustand mit $n=0$ gehört nicht zu den zulässigen Lösungen.

Gut zu wissen

Der unendliche Potentialtopf ist ein eindimensionales Lernmodell, nicht die vollständige Beschreibung eines Atoms. Er zeigt aber den grundlegenden Zusammenhang: Begrenzung führt zu Randbedingungen, diese erlauben nur bestimmte stehende Wellen und damit bestimmte Energien.

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Frage 1 von 1MittelEin Potentialtopf wird breiter, während Teilchenmasse und Quantenzahl gleich bleiben. Wie ändert sich nach der Formel die Energie?
Lösung: Sie wird kleiner, weil $E_n$ umgekehrt proportional zu $a^2$ ist. — Die Breite steht quadriert im Nenner. Ein größerer Topf bedeutet bei gleichem $n$ eine kleinere Energie.
Quantenzahlen ordnen Elektronenzustände

Vier Quantenzahlen kennzeichnen einen vollständigen Elektronenzustand:

QuantenzahlBedeutungZulässige Werte
$n$Hauptquantenzahl$1,2,3,\ldots$
$l$Drehimpuls- oder Nebenquantenzahl$0,1,\ldots,n-1$
$m_l$magnetische Bahnquantenzahl$-l,\ldots,0,\ldots,+l$
$m_s$Spinquantenzahl$-\frac12$ oder $+\frac12$

Die Hauptquantenzahl wird traditionell einer Schale zugeordnet: $n=1$ heißt K-Schale, $n=2$ L-Schale, $n=3$ M-Schale und $n=4$ N-Schale.

Die Nebenquantenzahl erhält Buchstaben: $l=0$ entspricht einer $s$-Unterschale, $l=1$ einer $p$-Unterschale. $s$-Orbitale werden häufig kugelförmig, $p$-Orbitale hantelförmig dargestellt.

Definition

Energieniveau

Ein Energieniveau ist ein erlaubter Energiewert. Es ist weder ein räumlicher Bereich noch eine Bahn. Mehrere Zustände können dieselbe Energie besitzen.

Merke

Schale und Energieniveau sind nicht dasselbe: Die Schale wird über $n$ bezeichnet. Die tatsächliche Energieordnung kann dazu führen, dass ein Orbital einer höheren Schale energetisch unter einem Orbital einer niedrigeren Schale liegt.

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Frage 1 von 1MittelFür einen Zustand gilt $n=3$. Welcher Wert für $l$ ist unzulässig?
Lösung: $l=3$ — Es gilt stets $0\leq l\leq n-1$. Daher ist bei $n=3$ der größte erlaubte Wert $l=2$.
Wie Elektronen Zustände besetzen

Nach dem Pauli-Ausschließungsprinzip dürfen zwei Elektronen eines Atoms nicht in allen vier Quantenzahlen übereinstimmen. Weil für ein räumliches Orbital zwei Spinwerte möglich sind, kann es höchstens zwei Elektronen mit unterschiedlichem Spin aufnehmen.

Elektronen besetzen zunächst die noch freien Zustände niedriger Energie. Gleichenergetische Orbitale werden nach der Hundschen Regel zuerst einzeln und erst danach doppelt besetzt.

Beispiel

Kalium besitzt 19 Elektronen. Die Zustände werden in der hier benötigten Energieordnung besetzt:

$$1s^2\,2s^2\,2p^6\,3s^2\,3p^6\,4s^1$$

Die Hochzahl nennt die Zahl der Elektronen in der jeweiligen Unterschale. Nach 18 eingeordneten Elektronen bleibt eines übrig. Es kommt in den $4s$-Zustand, der in dieser Besetzungsfolge energetisch vor $3d$ liegt.

Beispiel

Beim Sauerstoff verteilen sich vier Elektronen auf die drei gleichenergetischen $2p$-Orbitale. Zuerst erhält jedes Orbital ein Elektron. Erst das vierte Elektron bildet in einem der Orbitale ein Paar. Das ist die Hundsche Regel.

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Frage 1 von 2MittelWas kannst du aus der Kalium-Konfiguration $1s^2\,2s^2\,2p^6\,3s^2\,3p^6\,4s^1$ ablesen?
Lösung: Insgesamt sind 19 Elektronen eingetragen, davon eines in der $4s$-Unterschale. — Die Zahl vor dem Buchstaben ist die Hauptquantenzahl. Die Hochzahl nennt die Elektronenzahl in der Unterschale.
Frage 2 von 2SchwerZwei Elektronen befinden sich im selben räumlichen Orbital. Welche Aussage muss stimmen?
Lösung: Ihre Spinquantenzahlen sind verschieden. — Im selben räumlichen Orbital stimmen $n$, $l$ und $m_l$ überein. Deshalb müssen sich die Elektronen in $m_s$ unterscheiden.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Quantenmechanisches Atommodell
    • ersetzt feste Bahnen durch Wahrscheinlichkeitsaussagen
    • beschreibt Zustände mit der Wellenfunktion
    • gewinnt aus $|\psi|^2$ die Wahrscheinlichkeitsdichte
    • erklärt diskrete Energien durch zulässige Wellenzustände
    • ordnet Zustände mit vier Quantenzahlen
    • begrenzt Besetzungen durch Pauli- und Hundsche Regel
    • deutet Orbitale als räumliche Zustände statt als Bahnen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas beschreibt $|\psi|^2$?
Lösung: Die Wahrscheinlichkeitsdichte für einen Teilchennachweis — Die Wellenfunktion beschreibt den Zustand; ihr Betragsquadrat wird als Wahrscheinlichkeitsdichte gedeutet.
Frage 2 von 3MittelWelche Quantenzahlen sind für $n=2$ und $l=1$ möglich?
Lösung: $m_l=-1,0,+1$ und $m_s=\pm\frac12$ — Die magnetische Quantenzahl nimmt ganzzahlige Werte von $-l$ bis $+l$ an. Für den Spin gibt es genau zwei Werte.
Frage 3 von 3SchwerEin Schüler sagt: „Das Orbital zeigt, auf welcher hantelförmigen Bahn das Elektron fliegt.“ Wie korrigierst du ihn?
Lösung: Ein Orbital beschreibt einen räumlichen Quantenzustand und dessen Wahrscheinlichkeitsverteilung, keine Flugbahn. — Orbitalbilder veranschaulichen räumliche Zustände oder Bereiche mit einem festgelegten Anteil der Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Sie zeichnen keine Bewegungslinie nach.

Wenn du feste Bahn, Orbital, Schale und Energieniveau sicher auseinanderhalten und die erlaubten Quantenzahlen begründen kannst, hast du den Kern des quantenmechanischen Atommodells verstanden.

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