Physik

Elektrische Ladung verstehen und berechnen

Elektrische Ladung verstehen und berechnen
Elektrische Ladung verstehen und berechnen
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Elektrische Ladung beschreibt, ob bei einem Körper positive und negative Ladungen ausgeglichen sind oder ob ein Elektronenüberschuss beziehungsweise Elektronenmangel besteht. Das Formelzeichen ist $Q$, die Einheit ist Coulomb ($C$).

Auf dieser Seite lernst du, das Vorzeichen einer Ladung zu erklären, Ladungen zu berechnen und elektrische Ladung von Stromstärke zu unterscheiden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie entsteht eine positive oder negative Ladung?

Atome enthalten positiv geladene Protonen, negativ geladene Elektronen und elektrisch neutrale Neutronen. Protonen und Neutronen befinden sich im Atomkern, Elektronen in der Atomhülle.

Definition

Elektrische Ladung

Die elektrische Ladung $Q$ ist eine physikalische Größe. Sie gibt die Bilanz der positiven und negativen Ladungen eines Körpers an. Ihre Einheit ist Coulomb ($C$).

Für das Vorzeichen vergleichst du die Zahl der Protonen und Elektronen:

  • gleich viele Protonen und Elektronen: $Q = 0$, der Körper ist neutral
  • mehr Elektronen als Protonen: $Q < 0$, der Körper ist negativ geladen
  • weniger Elektronen als Protonen: $Q > 0$, der Körper ist positiv geladen

Positive Aufladung entsteht im Alltag meist durch den Verlust von Elektronen. Protonen bleiben normalerweise fest in den Atomkernen gebunden.

Beispiel

Ein Körper enthält in der betrachteten Bilanz sechs Protonen und elf Elektronen. Es gibt fünf Elektronen mehr als Protonen. Seine Gesamtladung beträgt daher $Q = -5e$.

Das Minuszeichen zeigt den Elektronenüberschuss. Es bedeutet nicht, dass die Menge „kleiner“ oder schwächer sein muss.

Die Angabe $Q = -2{,}0\,nC$ beschreibt ebenfalls eine negative Ladung. Das Minuszeichen steht für einen Elektronenüberschuss. $nC$ bedeutet Nanocoulomb; ein Nanocoulomb ist ein milliardstel Coulomb.

Merke

Neutral bedeutet nicht „ohne geladene Teilchen“. In einem neutralen Körper gleichen sich positive und negative Ladungen aus.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtEin Körper besitzt gleich viele Protonen und Elektronen. Wie ist er geladen?
Lösung: Er ist elektrisch neutral. — Gleiche Mengen positiver und negativer Ladung ergeben die Gesamtladung $Q = 0$.
Frage 2 von 2MittelEin Körper verliert einige Elektronen. Was geschieht?
Lösung: Er wird positiv geladen. — Nach dem Elektronenverlust überwiegt die positive Protonenladung. Die Ladungen der einzelnen Protonen ändern sich dabei nicht.
Wie wirken geladene Körper aufeinander?

Geladene Körper können sich ohne direkte Berührung anziehen oder abstoßen. Entscheidend sind ihre Ladungsarten:

  • gleichnamige Ladungen stoßen sich ab: positiv–positiv oder negativ–negativ
  • ungleichnamige Ladungen ziehen sich an: positiv–negativ
Beispiel

Beim Reiben eines Gummiballons an Haaren können Elektronen von den Haaren auf den Ballon übergehen. Der Ballon wird negativ, die Haare werden positiv.

Ballon und Haare ziehen sich wegen ihrer ungleichnamigen Ladungen an. Die positiv geladenen Haare stoßen sich zugleich gegenseitig ab und können deshalb auseinanderstehen.

Merke

Gleichnamig stößt ab, ungleichnamig zieht an.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelZwei Körper sind beide negativ geladen. Welche Wirkung erwartest du?
Lösung: Sie stoßen sich ab. — Beide Körper tragen gleichnamige Ladungen. Deshalb wirkt zwischen ihnen Abstoßung.
Frage 2 von 2SchwerEin negativ geladener Ballon wird von positiv geladenen Haaren angezogen. Gleichzeitig gehen die Haare auseinander. Wie lassen sich beide Beobachtungen erklären?
Lösung: Ballon und Haare ziehen sich an; die gleichnamig geladenen Haare stoßen einander ab. — Ungleichnamige Ladungen erklären die Anziehung zum Ballon. Gleichnamige Ladungen erklären die Abstoßung zwischen den Haaren.
Wie wird Ladung übertragen?

Beim Aufladen werden normalerweise Elektronen von einem Körper auf einen anderen übertragen. Reibung stellt einen besonders engen Kontakt her und kann diesen Übergang begünstigen.

Im vereinfachten System aus Ballon und Haaren gilt:

  1. Elektronen verlassen die Haare.
  2. Dieselben Elektronen gelangen auf den Ballon.
  3. Die Haare besitzen danach Elektronenmangel und sind positiv.
  4. Der Ballon besitzt Elektronenüberschuss und ist negativ.

Die Ladungen werden dabei getrennt: Der eine Körper erhält die Elektronen, die dem anderen fehlen.

Bei leitenden Metalloberflächen können sich übertragene Elektronen über die Oberfläche verteilen. Berühren sich geladene Körper, kann Ladung außerdem geteilt oder ausgeglichen werden.

Gut zu wissen

Ein negativer Plastikstab kann Elektronen auf eine neutrale Metallkugel übertragen. Danach ist die Kugel negativ geladen, während der Elektronenüberschuss des Stabs kleiner geworden ist. Das ist Ladungsübertragung mit anschließendem Ladungsausgleich.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim Reiben können übertragen werden. Ein Elektronenüberschuss führt zu einer Ladung. Ein Elektronenmangel führt zu einer Ladung.

Lösungen: Lücke 1: Elektronen; Lücke 2: negativen; Lücke 3: positiven. Protonen bleiben normalerweise in den Atomkernen. Deshalb erklärst du Aufladung im Alltag vor allem durch übertragene Elektronen.
Wie berechnest du eine Ladung?

Berechnung mit der Elementarladung

Ein Proton trägt die Ladung $+e$, ein Elektron die Ladung $-e$. Der Betrag der Elementarladung ist näherungsweise

$$e = 1{,}6022 \cdot 10^{-19}\,C$$

Messbare Ladungen treten als ganzzahlige Vielfache der Elementarladung auf:

$$Q = N \cdot e$$

$N$ ist die vorzeichenbehaftete Bilanz der Elementarladungen. Ein Elektronenüberschuss führt zu einem negativen, ein Elektronenmangel zu einem positiven Wert von $N$.

Beispiel

Sechs Protonen und elf Elektronen ergeben die Bilanz

$$N = 6 - 11 = -5$$

Damit gilt

$$Q = -5e$$

Das Ergebnis ist negativ, weil fünf Elektronen überzählig sind.

Berechnung bei konstantem Strom

Elektrische Stromstärke $I$ gibt an, wie viel Ladung pro Zeit durch einen Leiterquerschnitt transportiert wird. Bei konstantem Strom gilt:

$$Q = I \cdot t$$

Dabei ist $t$ die Zeit. Weil ein Ampere einer transportierten Ladung von einem Coulomb pro Sekunde entspricht, gilt:

$$1\,C = 1\,A \cdot s = 1\,As$$

Beispiel

Durch einen Leiter fließt vier Sekunden lang ein konstanter Strom von $2\,A$.

Zuerst prüfst du den Zusammenhang: Stromstärke und Zeit sind gegeben, gesucht ist die transportierte Ladung. Deshalb passt $Q = I \cdot t$.

$$Q = 2\,A \cdot 4\,s = 8\,As = 8\,C$$

In den vier Sekunden werden also $8\,C$ Ladung durch den Leiterquerschnitt transportiert.

Merke

$Q$ beschreibt eine Ladung oder transportierte Ladungsmenge. $I$ beschreibt, wie viel Ladung pro Zeit transportiert wird. Ladung und Stromstärke sind daher nicht dieselbe physikalische Größe.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin konstanter Strom von $3\,A$ fließt zwei Sekunden lang. Welcher Ansatz ist richtig?
Lösung: $Q = 3\,A \cdot 2\,s$ — Für konstanten Strom gilt $Q = I \cdot t$. Die Einheit $A \cdot s$ ergibt Coulomb.
Frage 2 von 2SchwerEin Körper trägt $Q = -2{,}0\,nC$. Welche Aussage folgt sicher aus dem Vorzeichen?
Lösung: Der Körper besitzt einen Elektronenüberschuss. — Das Vorzeichen von $Q$ beschreibt die Ladungsbilanz. Es macht ohne weitere Angaben keine Aussage über eine Stromstärke.
Wie weist du elektrische Ladung nach?

Ein Elektroskop weist elektrische Ladung durch die Abstoßung gleichnamiger Ladungen nach. Ladung verteilt sich auf bewegliche Teile des Geräts; deren Abstoßung erzeugt einen sichtbaren Ausschlag.

Ein einfaches Elektroskop zeigt, dass Ladung vorhanden ist, und ermöglicht Vergleiche. Ohne zusätzliche Referenz liefert es jedoch weder einen exakten Zahlenwert in Coulomb noch ein eindeutiges Vorzeichen.

Ein Elektrometer kann Ladung quantitativ messen und einen Wert in Coulomb anzeigen.

Ladung lässt sich auch beim Entladen eines Körpers bestimmen. Dabei misst man die Stromstärke über die Zeit:

  • Bei konstantem Strom gilt $Q = I \cdot t$.
  • Bei veränderlichem Strom entspricht die transportierte Ladung der Fläche unter dem Strom-Zeit-Verlauf.
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Frage 1 von 2LeichtWelches Gerät zeigt elektrische Ladung durch einen Ausschlag an, ohne unmittelbar einen exakten Coulombwert zu liefern?
Lösung: Ein Elektroskop — Das Elektroskop dient vor allem dem Ladungsnachweis. Ein Elektrometer kann Ladung quantitativ angeben.
Frage 2 von 2MittelWarum darfst du $Q = I \cdot t$ nicht ohne Weiteres mit einem beliebigen einzelnen Stromwert verwenden?
Lösung: Die Formel setzt in dieser Form eine konstante Stromstärke voraus. — Ändert sich die Stromstärke, muss der gesamte Strom-Zeit-Verlauf berücksichtigt werden. Seine Fläche entspricht der übertragenen Ladung.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Elektrische Ladung
    • Bilanz: neutral, positiv oder negativ
    • Ladungsträger: Protonen und Elektronen
    • Wirkung: Anziehung oder Abstoßung
    • Übertragung: Elektronen wechseln den Körper
    • Berechnung: $Q = N \cdot e$ oder $Q = I \cdot t$
    • Nachweis und Messung: Elektroskop oder Elektrometer
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Einheit gehört zur elektrischen Ladung $Q$?
Lösung: Coulomb ($C$) — Elektrische Ladung wird in Coulomb angegeben. Dabei gilt $1\,C = 1\,As$.
Frage 2 von 3MittelEin Körper besitzt drei Elektronen weniger als Protonen. Welche Ladungsbilanz hat er?
Lösung: $Q = +3e$ — Drei fehlende Elektronen hinterlassen eine positive Bilanz von drei Elementarladungen.
Frage 3 von 3SchwerEin geriebener Kunststoffstab wird negativ, sein Reibpartner positiv. Welche Erklärung verbindet beide Beobachtungen richtig?
Lösung: Elektronen wurden vom Reibpartner auf den Kunststoffstab übertragen. — Der Kunststoffstab erhält Elektronen und wird negativ. Dem Reibpartner fehlen dieselben Elektronen, sodass er positiv wird.

Wenn du Vorzeichen, Einheit und Situation zuerst prüfst, kannst du Ladungsaufgaben zuverlässig ordnen: Die Elektronenbilanz erklärt die Ladungsart, die Ladungsarten erklären die Kraftwirkung und die passenden Größen bestimmen den Rechenweg.

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