Physik

Gedämpfte Schwingung: Fälle und Berechnung

Gedämpfte Schwingung: Fälle und Berechnung
Gedämpfte Schwingung: Fälle und Berechnung
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Bei einer gedämpften Schwingung wird die Amplitude mit der Zeit kleiner, weil das System Energie an seine Umgebung abgibt. Ohne neue Energiezufuhr kommt es schließlich zur Ruhe.

Du lernst, wie das Kraftmodell eines gedämpften Federpendels entsteht, wie du die Amplitudenabnahme berechnest und wie du Schwingfall, aperiodischen Grenzfall und Kriechfall unterscheidest.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum wird eine reale Schwingung kleiner?

Lenkst du ein Federpendel aus und lässt es los, tauschen sich zunächst Bewegungsenergie und Spannenergie der Feder aus. Reibung wandelt jedoch einen Teil dieser mechanischen Energie beispielsweise in Wärme um.

Die momentane Entfernung von der Ruhelage heißt Auslenkung oder Elongation $x(t)$. Der größte Betrag der Auslenkung innerhalb einer Schwingung ist die Amplitude $A$.

Dämpfung bedeutet nicht einfach, dass die Schwingung langsamer wird. Ihr wichtigstes Kennzeichen ist die mit der Zeit abnehmende Amplitude.

Merke

Eine freie gedämpfte Schwingung erhält nach dem Loslassen keine Energie von außen. Durch Energieverluste nimmt ihre Amplitude ab.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Beobachtung zeigt eindeutig eine Dämpfung?
Lösung: Die aufeinanderfolgenden maximalen Auslenkungen werden kleiner. — Entscheidend ist die Abnahme der Amplitude. Eine Ruhelage und wechselnde Bewegungsrichtungen können auch bei einer ungedämpften Schwingung auftreten.
Vom Kraftmodell zur Bewegungsgleichung

Wir betrachten eine Masse $m$ an einer Feder mit Federkonstante $k$. Die Federkraft ist proportional zur Auslenkung und zeigt zurück zur Ruhelage:

$$F_\mathrm{F}=-kx$$

Für eine lineare Dämpfung wird angenommen, dass die Reibungskraft proportional zur Geschwindigkeit $\dot x$ ist und ihr entgegenwirkt:

$$F_\mathrm{R}=-d\dot x$$

Dabei ist $d$ die Dämpfungskonstante. Dieses Modell passt nicht zu jeder realen Reibung, ist aber für viele Berechnungen eine nützliche Näherung.

Nach dem zweiten Newtonschen Gesetz gilt:

$$m\ddot x=-kx-d\dot x$$

Alle Terme auf eine Seite gebracht und durch $m$ geteilt ergeben:

$$\ddot x+\frac{d}{m}\dot x+\frac{k}{m}x=0$$

Mit der Abklingkonstante

$$\delta=\frac{d}{2m}$$

und der ungedämpften Eigenkreisfrequenz

$$\omega_0=\sqrt{\frac{k}{m}}$$

wird daraus die übersichtliche Normalform:

$$\ddot x+2\delta\dot x+\omega_0^2x=0$$

Gut zu wissen

Die Vorzeichen sind wichtig: Sowohl Federkraft als auch Reibungskraft wirken ihrer jeweiligen Ursache entgegen. Die Federkraft wirkt gegen die Auslenkung, die Reibungskraft gegen die Geschwindigkeit.

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Frage 1 von 1MittelWas geschieht bei unveränderter Masse, wenn die Dämpfungskonstante $d$ größer wird?
Lösung: Die Abklingkonstante $\delta$ wird größer. — Bei festem $m$ wächst $\delta=d/(2m)$ mit der Dämpfungskonstante $d$.
Wie nimmt die Amplitude ab?

Im Schwingfall lässt sich die Auslenkung in der Form

$$x(t)=A_0e^{-\delta t}\cos(\omega_dt+\varphi_0)$$

schreiben. $A_0$ und $\varphi_0$ werden durch Anfangsauslenkung und Anfangsgeschwindigkeit festgelegt.

Der Kosinus beschreibt das Hin und Her. Der Faktor

$$A(t)=A_0e^{-\delta t}$$

bildet die abnehmende Hüllkurve der Amplitude. Weil $\delta$ die Einheit $\mathrm{s}^{-1}$ besitzt, ist der Exponent $-\delta t$ einheitenlos.

Die gedämpfte Kreisfrequenz lautet:

$$\omega_d=\sqrt{\omega_0^2-\delta^2}$$

Daraus folgen Periodendauer und Frequenz:

$$T_d=\frac{2\pi}{\omega_d},\qquad f_d=\frac{\omega_d}{2\pi}$$

Da $\omega_d<\omega_0$ gilt, ist die gedämpfte Schwingung etwas langsamer als die ungedämpfte. Bei schwacher Dämpfung ist der Unterschied klein.

Da die mechanische Energie bei einem linearen Schwinger proportional zum Quadrat der Amplitude ist, nimmt sie im Modell mit dem Faktor $e^{-2\delta t}$ ab.

Beispiel

Nach $15\,\mathrm{s}$ beträgt die Amplitude nur noch $2\,\%$ ihres Anfangswerts. Gesucht ist $\delta$.

Aus $A(t)=A_0e^{-\delta t}$ folgt:

$$0{,}02A_0=A_0e^{-\delta\cdot15\,\mathrm{s}}$$

Nach dem Kürzen von $A_0$ und dem Logarithmieren erhältst du:

$$\ln(0{,}02)=-\delta\cdot15\,\mathrm{s}$$

Damit ist

$$\delta=-\frac{\ln(0{,}02)}{15\,\mathrm{s}}\approx0{,}261\,\mathrm{s}^{-1}$$

Die positive Abklingkonstante passt zum Kontext: Die Amplitude wird kleiner.

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Frage 1 von 1MittelZwei Systeme starten mit gleicher Amplitude. Welches klingt im linearen Modell schneller ab?
Lösung: Das System mit der größeren Abklingkonstante $\delta$. — Die Hüllkurve lautet $A(t)=A_0e^{-\delta t}$. Ein größeres $\delta$ verkleinert die Amplitude bei gleichem Zeitpunkt stärker.
Die drei Dämpfungsfälle unterscheiden

Welche Bewegung entsteht, entscheidet der Vergleich zwischen $\delta$ und $\omega_0$.

Schwingfall: $\delta<\omega_0$

Die Masse überquert die Ruhelage wiederholt. Ihre Amplitude nimmt dabei exponentiell ab. Die gedämpfte Kreisfrequenz $\omega_d$ ist reell und kleiner als $\omega_0$.

Aperiodischer Grenzfall: $\delta=\omega_0$

Das System schwingt nicht periodisch. Seine allgemeine Bewegung hat die Form

$$x(t)=e^{-\delta t}(C_1+C_2t)$$

Der Grenzfall ermöglicht die schnellste Rückkehr zur Ruhelage ohne Nachschwingen. Je nach Anfangsbedingungen kann einmaliges Überschwingen auftreten.

Kriechfall: $\delta>\omega_0$

Die charakteristischen Größen

$$\lambda_{1,2}=-\delta\pm\sqrt{\delta^2-\omega_0^2}$$

sind reell. Die Bewegung setzt sich aus zwei abklingenden Exponentialtermen zusammen. Das System kehrt ohne periodische Schwingung zurück, aber langsamer als im aperiodischen Grenzfall.

Merke

Wenig Dämpfung führt zum Nachschwingen. Kritische Dämpfung führt besonders schnell und ohne periodisches Nachschwingen zur Ruhelage. Zu starke Dämpfung lässt das System langsam zurückkriechen.

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Frage 1 von 2LeichtEin Messsignal überquert die Ruhelage mehrfach, während seine Spitzen kleiner werden. Welcher Fall liegt vor?
Lösung: Schwingfall — Wiederholte Überquerungen der Ruhelage kennzeichnen den Schwingfall.
Frage 2 von 2MittelFür ein System gilt $\omega_0=4\,\mathrm{s}^{-1}$ und $\delta=4\,\mathrm{s}^{-1}$. Wie verhält es sich?
Lösung: Es liegt der aperiodische Grenzfall vor. — Wegen $\delta=\omega_0$ ist das System kritisch gedämpft.
Dämpfung aus Messwerten bestimmen

Im Schwingfall kannst du aufeinanderfolgende Maximalamplituden $A_n$ und $A_{n+1}$ vergleichen. Liegt zwischen ihnen eine Periodendauer $T_d$, gilt:

$$q=\frac{A_n}{A_{n+1}}=e^{\delta T_d}$$

Daraus folgt:

$$\delta=\frac{\ln q}{T_d}$$

Der natürliche Logarithmus des Verhältnisses heißt logarithmisches Dekrement:

$$\Lambda=\ln q=\delta T_d$$

Beispiel

Gemessen werden $A_n=8{,}0\,\mathrm{cm}$ und eine Periode später $A_{n+1}=6{,}4\,\mathrm{cm}$. Die Periodendauer beträgt $2{,}0\,\mathrm{s}$.

Zuerst bestimmst du das einheitenlose Verhältnis:

$$q=\frac{8{,}0}{6{,}4}=1{,}25$$

Dann setzt du es ein:

$$\delta=\frac{\ln(1{,}25)}{2{,}0\,\mathrm{s}}\approx0{,}112\,\mathrm{s}^{-1}$$

Die Einheit und das positive Vorzeichen sind plausibel.

Alternativ kannst du mehrere Messwerte linearisieren:

$$\ln A(t)=-\delta t+\ln A_0$$

In einem Diagramm von $\ln A$ gegen $t$ sollten die Punkte daher annähernd auf einer Geraden liegen. Ihre Steigung ist $-\delta$.

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Frage 1 von 2MittelWarum muss bei zwei aufeinanderfolgenden abnehmenden Maxima $q=A_n/A_{n+1}$ größer als $1$ sein?
Lösung: Weil die frühere Amplitude $A_n$ größer als die spätere Amplitude $A_{n+1}$ ist. — Bei einer abklingenden Schwingung gilt $A_n>A_{n+1}>0$. Deshalb ist ihr Verhältnis größer als $1$ und $\ln q$ positiv.
Frage 2 von 2MittelEine Maximalamplitude sinkt innerhalb einer Periodendauer von $4{,}0\,\mathrm{s}$ von $10\,\mathrm{cm}$ auf $5\,\mathrm{cm}$. Welche Abklingkonstante ergibt sich näherungsweise?
Lösung: $\delta=\ln(2)/(4{,}0\,\mathrm{s})\approx0{,}173\,\mathrm{s}^{-1}$ — Das Verhältnis beträgt $q=10/5=2$. Mit $\delta=\ln q/T_d$ folgt $\delta=\ln(2)/(4{,}0\,\mathrm{s})\approx0{,}173\,\mathrm{s}^{-1}$.
Welche Dämpfung ist technisch sinnvoll?

Die passende Dämpfung hängt von der Aufgabe eines Systems ab.

  • Ein schwach gedämpftes Trommelfell soll nach einem Anschlag noch hörbar schwingen.
  • Eine Fahrzeugfederung soll Unebenheiten ausgleichen, aber nicht lange nachschwingen. Deshalb wird eine Dämpfung nahe dem aperiodischen Grenzfall angestrebt.
  • Ein stark gedämpfter Anzeigezeiger reagiert ruhig, erreicht seinen neuen Wert aber nur langsam.
Gut zu wissen

Das lineare Modell $F_\mathrm{R}=-d\dot x$ besitzt Grenzen. Reale Reibung kann etwa näherungsweise konstant oder proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit sein. Dann gelten die hier hergeleiteten Exponentialgesetze nicht automatisch.

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Frage 1 von 1SchwerEine Messanzeige soll nach einer Änderung möglichst schnell den Endwert erreichen, ohne mehrfach um ihn zu schwingen. Welche Abstimmung ist am geeignetsten?
Lösung: Eine Dämpfung nahe dem aperiodischen Grenzfall — Der aperiodische Grenzfall verbindet eine schnelle Rückkehr mit dem Ausbleiben periodischen Nachschwingens. Eine noch stärkere Dämpfung führt zum langsameren Kriechfall.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Gedämpfte Schwingung
    • Ursache: Energieabgabe durch Reibung
    • Modell: $\ddot x+2\delta\dot x+\omega_0^2x=0$
    • Schwingfall: exponentiell abnehmende Amplitude
    • Grenzfall: schnelle Rückkehr ohne periodisches Nachschwingen
    • Kriechfall: langsame nichtperiodische Rückkehr
    • Messung: Amplitudenverhältnis oder linearisierter Logarithmus
    • Anwendung: Dämpfung passend zur gewünschten Bewegung wählen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Formel beschreibt die Amplitudenhülle im Schwingfall?
Lösung: $A(t)=A_0e^{-\delta t}$ — Die Exponentialfunktion mit negativem Exponenten beschreibt das Abklingen.
Frage 2 von 3MittelFür ein System gilt $\delta<\omega_0$. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Das System kann die Ruhelage wiederholt überqueren. — Bei $\delta<\omega_0$ liegt der Schwingfall vor und $\omega_d=\sqrt{\omega_0^2-\delta^2}<\omega_0$.
Frage 3 von 3SchwerZwei Pendel haben dieselbe ungedämpfte Eigenkreisfrequenz. Pendel B besitzt eine größere Abklingkonstante, beide liegen aber noch im Schwingfall. Was folgt?
Lösung: Pendel B klingt schneller ab und besitzt die kleinere gedämpfte Kreisfrequenz. — Bei gleichem $\omega_0$ bewirkt ein größeres $\delta$ schnelleres Abklingen und eine kleinere gedämpfte Kreisfrequenz.

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