Physik

Mechanische Schwingungen einfach erklärt

Mechanische Schwingungen einfach erklärt
Mechanische Schwingungen einfach erklärt
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Eine mechanische Schwingung ist eine wiederholte Hin-und-her-Bewegung um eine stabile Gleichgewichtslage. Auslenkung, Rückstellkraft und Trägheit sorgen gemeinsam dafür, dass sich die Bewegung wiederholt.

Hier lernst du, Schwingungen zu erkennen, ihre Kenngrößen aus Messwerten und Diagrammen zu bestimmen und einfache harmonische Schwinger zu berechnen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Eine mechanische Schwingung erkennen

Stell dir eine Masse an einer Feder vor. Du ziehst sie aus ihrer Ruhelage und lässt sie los. Die Feder beschleunigt die Masse zurück. Wegen ihrer Trägheit bleibt die Masse in Bewegung, überschreitet die Ruhelage und erreicht auf der anderen Seite einen Umkehrpunkt. Dann beginnt der Ablauf in Gegenrichtung.

Definition

Gleichgewichtslage

Die Gleichgewichtslage ist die Lage, in der sich die wirkenden Kräfte ausgleichen. Eine kleine Auslenkung erzeugt bei einem stabilen Gleichgewicht eine Kraft zurück zu dieser Lage.

Für eine Schwingung werden drei Dinge benötigt:

  1. ein schwingungsfähiger Körper oder ein schwingungsfähiges System,
  2. eine Auslenkung aus der Gleichgewichtslage,
  3. eine rücktreibende Kraft.

Eine ideale Schwingung ist periodisch: Nach gleich langen Zeitabständen kehrt derselbe Bewegungszustand wieder. Dazu gehören nicht nur derselbe Ort, sondern auch dieselbe Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit.

Merke

Eine Bewegung durch die Ruhelage und zurück reicht noch nicht. Erst die wiederholte Hin-und-her-Bewegung um die Gleichgewichtslage ist eine Schwingung.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Bewegung ist eine mechanische Schwingung?
Lösung: Eine ausgelenkte Masse bewegt sich wiederholt an einer Feder hin und her. — Bei einer mechanischen Schwingung wiederholt sich die Bewegung um eine Gleichgewichtslage. Eine einmalige Bewegung und eine reine Rotation erfüllen dieses Merkmal nicht.
Frage 2 von 2MittelEin Körper passiert zweimal denselben Ort. Woran erkennst du, ob bereits eine vollständige Periode vergangen ist?
Lösung: Ort, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit stimmen wieder mit dem Anfangszustand überein. — Eine Periodendauer endet erst, wenn sich der gesamte Bewegungszustand wiederholt.
Amplitude, Periodendauer und Frequenz bestimmen

Die Bewegung lässt sich mit drei grundlegenden Größen beschreiben.

Definition

Auslenkung und Amplitude

Die Auslenkung $x$ gibt den momentanen Abstand von der Gleichgewichtslage mit Vorzeichen an. Die Amplitude $\hat{x}$ ist der Betrag der größten Auslenkung. Sie wird an den Umkehrpunkten erreicht.

Definition

Periodendauer und Frequenz

Die Periodendauer $T$ ist die Zeit für eine vollständige Schwingung. Die Frequenz $f$ gibt die Zahl der Schwingungen pro Sekunde an. Ihre Einheit ist Hertz: $1\,\mathrm{Hz}=1/\mathrm{s}$.

Beide Größen sind Kehrwerte:

$$f=\frac{1}{T} \qquad\text{und}\qquad T=\frac{1}{f}$$

Messwerte zuverlässig auswerten

Miss möglichst mehrere Schwingungen. Dadurch wirkt sich ein kleiner Fehler beim Starten oder Stoppen weniger stark aus.

Beispiel

Eine Feder führt in $12\,\mathrm{s}$ genau 8 vollständige Schwingungen aus. Die äußersten Auslenkungen liegen bei $+4\,\mathrm{cm}$ und $-4\,\mathrm{cm}$.

  1. Die Amplitude ist der größte Abstand von der Ruhelage: $\hat{x}=4\,\mathrm{cm}$.
  2. Die Periodendauer erhältst du aus Gesamtzeit geteilt durch Schwingungszahl:

$$T=\frac{12\,\mathrm{s}}{8}=1{,}5\,\mathrm{s}$$

  1. Daraus folgt die Frequenz:

$$f=\frac{1}{1{,}5\,\mathrm{s}}=0{,}67\,\mathrm{Hz}$$

Das System führt also ungefähr $0{,}67$ Schwingungen pro Sekunde aus.

Ein Auslenkung-Zeit-Diagramm lesen

In einem Auslenkung-Zeit-Diagramm steht die Zeit auf der waagerechten und die Auslenkung auf der senkrechten Achse. Die Amplitude liest du als größten Abstand zur Nulllinie ab. Die Periodendauer ist der waagerechte Abstand zwischen zwei gleichen Bewegungszuständen, zum Beispiel zwischen zwei aufeinanderfolgenden oberen Maxima.

Diagramm

Eine vollständige Schwingung

Eine vollständige Schwingung
0 s0 cm
0,5 s4 cm
1,0 s0 cm
1,5 s-4 cm
2,0 s0 cm

Die Werte zeigen eine Amplitude von $4\,\mathrm{cm}$. Nach $2{,}0\,\mathrm{s}$ sind Auslenkung und Bewegungsrichtung wieder wie am Anfang. Daher gilt $T=2{,}0\,\mathrm{s}$ und $f=0{,}5\,\mathrm{Hz}$.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Der größte Abstand von der Gleichgewichtslage heißt . Die Zeit für einen vollständigen Zyklus heißt . Bei $T=0{,}25\,\mathrm{s}$ beträgt die Frequenz .

Lösungen: Lücke 1: Amplitude; Lücke 2: Periodendauer; Lücke 3: 4 Hz. Amplitude und Periodendauer liest du an unterschiedlichen Achsen ab. Für die Frequenz verwendest du $f=1/T$.
Harmonische Schwingungen mathematisch beschreiben

Nicht jede Schwingung verläuft sinusförmig. Eine harmonische Schwingung liegt vor, wenn die rücktreibende Kraft der Auslenkung entgegengerichtet und ihr proportional ist.

Definition

Lineares Kraftgesetz

Für ein ideales Federpendel gilt

$$F_{\mathrm{rück}}=-D x$$

$D$ ist die Federkonstante. Das Minuszeichen zeigt: Bei positiver Auslenkung wirkt die Kraft in negative Richtung und umgekehrt.

Die Auslenkung einer harmonischen Schwingung kann als Sinus- oder Kosinusfunktion geschrieben werden. Beginnt der Schwinger bei der maximalen positiven Auslenkung, ist die Kosinusform praktisch:

$$x(t)=\hat{x}\cos(\omega t)$$

Die Kreisfrequenz $\omega$ hängt mit Frequenz und Periodendauer zusammen:

$$\omega=2\pi f=\frac{2\pi}{T}$$

Geschwindigkeit und Beschleunigung folgen aus den zeitlichen Ableitungen:

$$v(t)=-\omega\hat{x}\sin(\omega t)$$

$$a(t)=-\omega^2\hat{x}\cos(\omega t)=-\omega^2x(t)$$

Die letzte Gleichung zeigt erneut die Rückstellwirkung: Beschleunigung und Auslenkung zeigen stets in entgegengesetzte Richtungen.

Beispiel

Ein Schwinger startet bei $x=+\hat{x}$.

  • Am positiven Umkehrpunkt gilt $x=+\hat{x}$ und $v=0$. Die Beschleunigung zeigt mit maximalem Betrag zur Ruhelage.
  • Eine Viertelperiode später gilt $x=0$. Der Geschwindigkeitsbetrag ist maximal und $a=0$.
  • Nach einer halben Periode gilt $x=-\hat{x}$ und wieder $v=0$.
  • Nach einer ganzen Periode ist der Anfangszustand erreicht.

Der Schwinger ist also in der Ruhelage nicht in Ruhe. Gerade dort bewegt er sich am schnellsten.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWo ist bei einer harmonischen Schwingung der Geschwindigkeitsbetrag am größten?
Lösung: In der Gleichgewichtslage — In der Gleichgewichtslage ist die Auslenkung null, während der Geschwindigkeitsbetrag maximal ist.
Frage 2 von 2MittelEin Schwinger befindet sich am positiven Umkehrpunkt. In welche Richtung zeigt seine Beschleunigung?
Lösung: Zur Gleichgewichtslage — Am Umkehrpunkt sind Rückstellkraft und Beschleunigungsbetrag maximal, die Geschwindigkeit ist dagegen null.
Federpendel und Fadenpendel berechnen

Die Schwingungsdauer hängt vom Aufbau des Schwingers ab. Verwende eine Formel nur für das Modell, zu dem sie gehört.

Federpendel

Für eine Masse $m$ an einer idealen Feder mit Federkonstante $D$ gilt:

$$\omega=\sqrt{\frac{D}{m}}$$

$$T=2\pi\sqrt{\frac{m}{D}}$$

Eine größere Masse führt zu einer längeren Periodendauer. Eine härtere Feder mit größerem $D$ führt zu einer kürzeren Periodendauer. Im idealen harmonischen Modell hängt $T$ nicht von der Amplitude ab.

Beispiel

An einer Feder mit $D=5\,\mathrm{N/m}$ hängt eine Masse von $m=0{,}20\,\mathrm{kg}$.

$$T=2\pi\sqrt{\frac{0{,}20\,\mathrm{kg}}{5\,\mathrm{N/m}}}$$

$$T=2\pi\sqrt{0{,}04\,\mathrm{s^2}}=0{,}4\pi\,\mathrm{s}\approx1{,}26\,\mathrm{s}$$

Die Frequenz beträgt damit ungefähr

$$f=\frac{1}{1{,}26\,\mathrm{s}}\approx0{,}79\,\mathrm{Hz}$$

Die Einheiten passen: Unter der Wurzel bleibt $\mathrm{s^2}$, sodass das Ergebnis eine Zeit ist.

Fadenpendel

Für ein Fadenpendel der Länge $l$ gilt bei kleinen Auslenkungen näherungsweise:

$$T=2\pi\sqrt{\frac{l}{g}}$$

$g$ ist der Ortsfaktor. Unter dieser Bedingung hängt die Periodendauer nicht von der Pendelmasse ab. Die Formel beschreibt große Auslenkungen nicht zuverlässig.

Merke

Federpendel: Masse und Federkonstante bestimmen $T$. Fadenpendel: Länge und Ortsfaktor bestimmen $T$. Die Formeln dürfen nicht vertauscht werden.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDie Masse eines idealen Federpendels wird vervierfacht. Wie verändert sich seine Periodendauer?
Lösung: Sie verdoppelt sich. — Aus $T=2\pi\sqrt{m/D}$ folgt: Eine viermal so große Masse ergibt die doppelte Periodendauer.
Frage 2 von 2SchwerZwei Fadenpendel am selben Ort haben unterschiedliche Massen, aber gleiche Länge und kleine Auslenkungen. Wie unterscheiden sich ihre Periodendauern?
Lösung: Sie sind im idealisierten Modell gleich. — Bei kleinen Auslenkungen gilt $T=2\pi\sqrt{l/g}$. Entscheidend sind Länge und Ortsfaktor, nicht die Pendelmasse.
Energie, Dämpfung und äußere Anregung erklären

Bei einer ungedämpften Schwingung bleibt die gesamte mechanische Energie erhalten. Sie wechselt jedoch fortlaufend ihre Form.

  • An den Umkehrpunkten ist die Geschwindigkeit null. Die potenzielle Energie ist maximal, die kinetische Energie null.
  • In der Gleichgewichtslage ist der Geschwindigkeitsbetrag maximal. Dort ist die kinetische Energie maximal.
  • Zwischen diesen Zuständen werden potenzielle und kinetische Energie ineinander umgewandelt.
Definition

Dämpfung

Bei einer gedämpften Schwingung wird mechanische Energie beispielsweise durch Reibung in thermische Energie umgewandelt und an die Umgebung abgegeben. Dadurch nimmt die Amplitude mit der Zeit ab.

Ein reales System wiederholt wegen der abnehmenden Amplitude nicht exakt denselben Zustand. Es schwingt dennoch um seine Gleichgewichtslage, solange es diese wiederholt überschreitet. Je nach Stärke der Dämpfung kann es schwingen oder ohne Überschwingen zur Gleichgewichtslage zurückkehren.

Definition

Freie und erzwungene Schwingung

Bei einer freien Schwingung wird das System einmal ausgelenkt und danach sich selbst überlassen. Seine Eigenschaften bestimmen die Eigenfrequenz. Bei einer erzwungenen Schwingung wirkt fortlaufend eine äußere Anregung; das System schwingt mit der Erregerfrequenz.

Eine einmal angeschlagene Stimmgabel ist ein Beispiel für eine freie, in der Realität gedämpfte Schwingung. Eine regelmäßig angestoßene Schaukel ist eine erzwungene Schwingung.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Beobachtung weist unmittelbar auf Dämpfung hin?
Lösung: Die Amplitude nimmt mit der Zeit ab. — Dämpfung entzieht dem mechanischen System Energie. Sichtbar wird das gewöhnlich an einer abnehmenden Amplitude.
Frage 2 von 3MittelBei einer ungedämpften Schwingung passiert der Körper die Gleichgewichtslage. Welche Energieform ist dort maximal?
Lösung: Die kinetische Energie — In der Gleichgewichtslage ist der Geschwindigkeitsbetrag maximal. Deshalb ist dort auch die kinetische Energie maximal.
Frage 3 von 3SchwerEine Schaukel wird in gleichen Zeitabständen weiter angeschoben. Wie ordnest du die Bewegung ein?
Lösung: Als erzwungene Schwingung — Die wiederholten Stöße führen dem System von außen Energie zu. Das kennzeichnet eine erzwungene Schwingung.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Mechanische Schwingungen
    • Erkennen
      • Hin und her um eine Gleichgewichtslage
      • Rückstellkraft und Trägheit
    • Beschreiben
      • Amplitude $\hat{x}$
      • Periodendauer $T$ und Frequenz $f=1/T$
    • Harmonisches Modell
      • Sinus- oder Kosinusverlauf
      • $a=-\omega^2x$
    • Einfache Schwinger
      • Federpendel: Masse und Federkonstante
      • Fadenpendel: Länge und Ortsfaktor
    • Energie und Einflüsse
      • Wechsel zwischen potenzieller und kinetischer Energie
      • Dämpfung und äußere Anregung
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Gleichung verbindet Frequenz und Periodendauer?
Lösung: $f=1/T$ — Frequenz und Periodendauer sind Kehrwerte. Eine kurze Periodendauer bedeutet eine hohe Frequenz.
Frage 2 von 3MittelEin Diagramm zeigt aufeinanderfolgende obere Maxima bei $t=1\,\mathrm{s}$ und $t=4\,\mathrm{s}$. Wie groß sind Periodendauer und Frequenz?
Lösung: $T=3\,\mathrm{s}$ und $f=1/3\,\mathrm{Hz}$ — Gleiche aufeinanderfolgende Bewegungszustände liegen eine Periode auseinander. Danach folgt $f=1/T$.
Frage 3 von 3SchwerEine unbekannte Bewegung hat folgende Merkmale: Sie verläuft um eine Gleichgewichtslage, ihre Amplitude nimmt ab, und an den Umkehrpunkten ist die Geschwindigkeit null. Welche Beurteilung ist richtig?
Lösung: Es handelt sich um eine gedämpfte mechanische Schwingung. — Die Bewegung um die Gleichgewichtslage und die Umkehrpunkte kennzeichnen die Schwingung. Die abnehmende Amplitude zeigt den Energieverlust durch Dämpfung.

Prüfe dich zum Schluss: Kannst du an einer neuen Bewegung zuerst entscheiden, ob sie schwingt, dann $\hat{x}$, $T$ und $f$ bestimmen und schließlich begründen, ob ein harmonisches Modell oder eine Dämpfung vorliegt? Dann hast du den Kern des Lernwegs erreicht.

Passend dazu