Physik

Kernspaltung: Ablauf, Energie und Kettenreaktion

Kernspaltung: Ablauf, Energie und Kettenreaktion
Kernspaltung: Ablauf, Energie und Kettenreaktion
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Bei der Kernspaltung nimmt ein schwerer Atomkern ein Neutron auf und zerfällt in zwei mittelschwere Kerne. Dabei werden Energie und weitere Neutronen frei. Diese Neutronen können eine Kettenreaktion auslösen.

Auf dieser Seite lernst du, ein Spaltungsschema zu lesen, die Energiefreisetzung zu erklären und eine kontrollierte von einer unkontrollierten Kettenreaktion zu unterscheiden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie wird ein Urankern gespalten?

Ein Atomkern besteht aus Protonen und Neutronen. Beide Teilchen heißen zusammen Nukleonen. Die Protonenzahl legt fest, zu welchem Element der Kern gehört.

Definition

Neutroneninduzierte Kernspaltung

Bei der neutroneninduzierten Kernspaltung fängt ein schwerer Atomkern ein Neutron ein. Der dadurch angeregte Kern zerfällt in kleinere Kerne und setzt weitere Neutronen sowie Energie frei.

Beim häufig verwendeten Beispiel nimmt Uran-235 ein langsames Neutron auf. Kurzzeitig entsteht angeregtes Uran-236. Danach kann der Kern unter anderem in Barium-144, Krypton-89 und drei Neutronen zerfallen:

$$^{235}_{92}U + ^1_0n → ^{236}_{92}U^* → ^{144}_{56}Ba + ^{89}_{36}Kr + 3·^1_0n$$

Das Sternchen kennzeichnet den angeregten Zustand. Der Kern besitzt dabei zusätzliche Energie und ist nicht stabil.

Gut zu wissen

Barium-144 und Krypton-89 bilden nur einen möglichen Spaltkanal. Welche Spaltprodukte und wie viele Neutronen entstehen, ist statistisch verteilt. Eine einzelne Spaltung lässt sich daher nicht auf genau dieses Produktpaar festlegen.

Merke

Der typische Ablauf lautet: Neutroneneinfang → angeregter schwerer Kern → zwei mittelschwere Kerne + freie Neutronen + Energie.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung passt zur neutroneninduzierten Spaltung von Uran-235?
Lösung: Uran-235 fängt ein Neutron ein; der angeregte Kern zerfällt in kleinere Kerne und setzt Neutronen frei. — Bei der Spaltung wird ein schwerer Kern nach einem Neutroneneinfang in kleinere Kerne zerlegt. Eine Verschmelzung wäre eine Fusion.
Wie liest du das Reaktionsschema?

Links oben am Kernsymbol steht die Massenzahl oder Nukleonenzahl. Sie gibt die Gesamtzahl aus Protonen und Neutronen an. Links unten steht die Ordnungszahl oder Ladungszahl. Sie entspricht der Protonenzahl.

Bei einer Kernreaktion müssen die Summen beider Zahlen vor und nach der Reaktion übereinstimmen.

Beispiel

Nukleonenzahl prüfen:

Vorher: $235 + 1 = 236$

Nachher: $144 + 89 + 3·1 = 236$

Ladungszahl prüfen:

Vorher: $92 + 0 = 92$

Nachher: $56 + 36 + 3·0 = 92$

Beide Bilanzen stimmen. Das Schema ist hinsichtlich Nukleonen- und Ladungszahl ausgeglichen.

Merke

Prüfe bei einem Reaktionsschema getrennt: oben die Nukleonenzahlen, unten die Ladungszahlen.

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Frage 1 von 1MittelIn einem vorgeschlagenen Schema entstehen Barium-144 und Krypton-89 aus Uran-235 und einem Neutron. Wie viele freie Neutronen werden für eine ausgeglichene Nukleonenzahl benötigt?
Lösung: Drei Neutronen — Vor der Reaktion sind es $235 + 1 = 236$ Nukleonen. Die beiden Spaltkerne enthalten zusammen $144 + 89 = 233$. Es fehlen daher drei Neutronen.
Warum wird bei der Spaltung Energie frei?

Mittelschwere Kerne sind pro Nukleon stärker gebunden als sehr schwere Kerne wie Uran-235. Beim Übergang in diesen stärker gebundenen Zustand ist die Gesamtmasse der Produkte etwas kleiner als die Masse der Ausgangsteilchen.

Diese Massendifferenz heißt Massendefekt.

Definition

Massendefekt

Der Massendefekt $Δm$ ist die Differenz zwischen der Gesamtmasse vor und der Gesamtmasse nach einer Kernreaktion. Er entspricht nach $ΔE = Δm·c^2$ einer umgewandelten Energie.

Für den dargestellten Spaltkanal kann die Energie mit genauen Atommassen näherungsweise berechnet werden. Dabei werden die Bewegungsenergie des einfallenden Neutrons und eine mögliche Anregung der Produkte vernachlässigt.

Beispiel

Verwendete Massen:

  • Uran-235: $235{,}04392996\,u$
  • Neutron: $1{,}00866492\,u$
  • Barium-144: $143{,}92295281\,u$
  • Krypton-89: $88{,}91763058\,u$

Da vor der Reaktion ein Neutron und danach drei Neutronen vorkommen, bleiben nach dem Kürzen zwei Neutronenmassen auf der Produktseite:

$$Δm = 235{,}04392996\,u - 143{,}92295281\,u - 88{,}91763058\,u - 2·1{,}00866492\,u$$

$$Δm = 0{,}18601673\,u$$

Mit $1\,u·c^2 = 931{,}49\,MeV$ folgt:

$$ΔE = 0{,}18601673·931{,}49\,MeV ≈ 173{,}3\,MeV$$

Unter den genannten Annahmen werden bei diesem Spaltkanal also rund $173\,MeV$ frei.

Andere Näherungen können andere Werte liefern. Grobe Rechnungen mit gemittelten Bindungsenergien ergeben beispielsweise etwa $210$ bis $235\,MeV$. Solche Ergebnisse beziehen sich nicht auf dieselbe genaue Massenbilanz und dürfen deshalb nicht unbesehen gleichgesetzt werden.

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Frage 1 von 1MittelWarum setzt die Kernspaltung Energie frei?
Lösung: Die Produkte besitzen eine geringere Gesamtmasse; der Massendefekt entspricht freigesetzter Energie. — Die mittelschweren Produkte sind stärker gebunden. Ihre kleinere Gesamtmasse führt über $ΔE = Δm·c^2$ zur Energiefreisetzung.
Wie entsteht und wie regelt man eine Kettenreaktion?

Bei einer Spaltung entstehen meist mehrere schnelle Neutronen. Treffen geeignete Neutronen auf weitere Uran-235-Kerne, können sie neue Spaltungen auslösen. Dadurch entsteht eine Kettenreaktion.

Bei einer kontrollierten Kettenreaktion wird die Zahl der freien Neutronen so begrenzt, dass die Reaktion nicht fortlaufend anwächst. Bei einer unkontrollierten Kettenreaktion lösen immer mehr Neutronen weitere Spaltungen aus; die Zahl der Spaltungen steigt.

Frisch freigesetzte Neutronen sind für den Einfang durch Uran-235 häufig zu schnell. Ein Moderator bremst sie durch Stöße ab. Wasser kann diese Aufgabe übernehmen, weil seine Wasserstoffkerne ungefähr dieselbe Masse wie Neutronen besitzen und sie dadurch wirksam abbremsen.

Ein Moderator verringert jedoch nicht einfach die Zahl der Neutronen. Für die Regelung werden zusätzlich Stoffe benötigt, die Neutronen einfangen. Bor- und Cadmiumverbindungen eignen sich als solche Neutronenabsorber.

Beispiel

In einem vereinfachten Reaktormodell laufen zwei unterschiedliche Eingriffe ab:

  1. Der Moderator bremst schnelle Neutronen ab und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit weiterer Einfänge.
  2. Neutronenabsorber entziehen der Reaktion einen Teil der freien Neutronen.

Durch das abgestimmte Moderieren und Absorbieren lässt sich die Zahl weiterer Spaltungen begrenzen und die Kettenreaktion kontrollieren.

Merke

Der Moderator regelt vor allem die Geschwindigkeit der Neutronen. Neutronenabsorber regeln ihre verfügbare Anzahl.

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Frage 1 von 2MittelIn einem vereinfachten Reaktormodell lösen zu viele freie Neutronen weitere Spaltungen aus. Welche Maßnahme senkt ihre Zahl direkt?
Lösung: Mehr Neutronen durch Bor- oder Cadmiumverbindungen absorbieren — Neutronenabsorber fangen freie Neutronen ein. Dadurch stehen weniger Neutronen für weitere Spaltungen zur Verfügung.
Frage 2 von 2SchwerEin Stoff bremst Neutronen gut ab, nimmt aber kaum welche auf. Welche Aufgabe kann er erfüllen?
Lösung: Er kann als Moderator wirken. — Ein Moderator verringert die Geschwindigkeit schneller Neutronen. Für das gezielte Entfernen freier Neutronen werden absorbierende Stoffe benötigt.
Wodurch unterscheidet sich Spaltung von Fusion und Zerfall?

Drei Vorgänge werden leicht verwechselt:

  • Kernspaltung: Ein schwerer Kern zerfällt in mehrere leichtere Kerne. Eine induzierte Spaltung wird von außen, etwa durch ein Neutron, ausgelöst.
  • Kernfusion: Zwei leichte Kerne verschmelzen zu einem schwereren Kern.
  • Radioaktiver Zerfall: Ein instabiler Kern wandelt sich ohne einen auslösenden Neutroneneinfang um und gibt dabei Strahlung oder Teilchen ab.

Auch eine spontane Kernspaltung ist möglich. Sie geschieht ohne äußeren Auslöser, bleibt aber eine Spaltung, weil der schwere Kern in kleinere Kerne zerfällt.

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Frage 1 von 2LeichtWelcher Vorgang ist eine Kernfusion?
Lösung: Zwei leichte Kerne verschmelzen zu einem schwereren Kern. — Fusion bedeutet Verschmelzung leichter Kerne. Spaltung bedeutet Zerlegung eines schweren Kerns.
Frage 2 von 2SchwerEin instabiler Kern wandelt sich ohne ein einfallendes Neutron um und gibt Strahlung ab, zerfällt aber nicht in zwei mittelschwere Spaltkerne. Wie ordnest du den Vorgang ein?
Lösung: Als radioaktiven Zerfall — Entscheidend sind Auslöser und Ergebnis: Ohne Neutroneneinfang und ohne Aufteilung in Spaltkerne handelt es sich hier um radioaktiven Zerfall.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Kernspaltung
    • Auslösung und Ablauf
      • Neutroneneinfang
      • angeregter schwerer Kern
      • Spaltprodukte und freie Neutronen
    • Energiefreisetzung
      • stärkere Bindung der Produkte
      • geringere Produktmasse
      • Massendefekt mit $ΔE = Δm·c^2$
    • Kettenreaktion
      • Neutronen lösen weitere Spaltungen aus
      • Moderator bremst Neutronen
      • Absorber begrenzen die Neutronenzahl
    • Abgrenzung
      • Fusion verschmilzt leichte Kerne
      • radioaktiver Zerfall benötigt keinen auslösenden Neutroneneinfang
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWas entsteht bei der neutroneninduzierten Spaltung von Uran-235 grundsätzlich?
Lösung: Kleinere Kerne, freie Neutronen und Energie — Uran-235 fängt ein Neutron ein. Der angeregte Kern zerfällt in kleinere Kerne und setzt Neutronen sowie Energie frei.
Frage 2 von 4MittelWelche Rechnung prüft im Beispiel die Erhaltung der Nukleonenzahl korrekt?
Lösung: $235 + 1 = 144 + 89 + 3$ — Die Summe der Nukleonenzahlen beträgt auf beiden Seiten 236. Ladungszahlen werden in einer eigenen Bilanz geprüft.
Frage 3 von 4MittelWelche Aussage erklärt den Massendefekt richtig?
Lösung: Die geringere Masse der Produkte entspricht nach $ΔE = Δm·c^2$ der freigesetzten Energie. — Masse und Energie werden gemeinsam bilanziert. Die Abnahme der Ruhemasse zeigt sich als freigesetzte Energie.
Frage 4 von 4SchwerIn einem Modellreaktor werden die Neutronen ausreichend abgebremst, aber die Zahl weiterer Spaltungen wächst zu schnell. Welcher nächste Eingriff passt zum Modell?
Lösung: Mehr freie Neutronen mit Absorbern einfangen — Wenn bereits genügend moderiert wird, muss die verfügbare Neutronenzahl begrenzt werden. Neutronenabsorber wie Bor- oder Cadmiumverbindungen erfüllen diese Aufgabe.

Wenn du den Ablauf, beide Zahlenbilanzen, den Massendefekt und die beiden Regelungsaufgaben erklären kannst, hast du das Kernmodell der Kernspaltung verstanden.

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