Physik

Kernreaktionen: Gleichungen und Q-Wert verstehen

Kernreaktionen: Gleichungen und Q-Wert verstehen
Kernreaktionen: Gleichungen und Q-Wert verstehen
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Bei einer Kernreaktion verändert ein Atomkern nach dem Zusammenstoß mit einem Teilchen oder einem anderen Kern seinen Zustand oder seine Zusammensetzung. Du kannst mögliche Reaktionsgleichungen prüfen, indem du auf beiden Seiten die Massenzahlen und Kernladungszahlen addierst. Die Energiebilanz beschreibt der Q-Wert.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was macht einen Vorgang zur Kernreaktion?

Stell dir vor, ein Neutron trifft auf einen Atomkern. Der Kern kann das Neutron aufnehmen, ein anderes Teilchen abgeben oder sich spalten. Entscheidend ist: Der Vorgang wird durch den Zusammenstoß ausgelöst und der Kern verändert sich.

Definition

Kernreaktion

Eine Kernreaktion ist ein durch den Zusammenstoß mit einem Kern oder Teilchen ausgelöster Vorgang, bei dem ein Atomkern seinen Zustand oder seine Zusammensetzung ändert.

Ein elastischer Stoß zählt meist nicht als Kernreaktion: Die Stoßpartner ändern nur ihre Bewegung, nicht ihren inneren Zustand oder ihre Zusammensetzung.

Ein radioaktiver Zerfall beginnt dagegen spontan und ohne auslösendes Projektil. Im weiteren Themenfeld werden Zerfallsgleichungen ähnlich bilanziert; im engeren Sinn ist ein spontaner Zerfall aber keine Kernreaktion.

Merke

Ausgelöste Umwandlung nach einem Zusammenstoß: Kernreaktion. Spontane Umwandlung eines instabilen Kerns: radioaktiver Zerfall.

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Frage 1 von 1LeichtWelcher Vorgang ist eine Kernreaktion im engeren Sinn?
Lösung: Ein Neutron trifft auf Lithium-6; anschließend entstehen Tritium und Helium-4. — Bei einer Kernreaktion löst ein Stoß die Veränderung des Kerns aus. Ein elastischer Stoß ändert nur die Bewegung.
Wie liest du die Kernschreibweise?

Ein Kern oder Teilchen wird als $^{A}_{Z}X$ geschrieben. Dabei ist $X$ das Elementsymbol.

  • Die Massenzahl $A$ ist die Zahl der Nukleonen, also Protonen und Neutronen zusammen.
  • Die Kernladungszahl $Z$ ist die Zahl der Protonen. Sie bestimmt das Element.
  • Die Neutronenzahl ist $N=A-Z$.

Beispiel: $^{6}_{3}\mathrm{Li}$ enthält 3 Protonen und $6-3=3$ Neutronen.

Wichtige Teilchensymbole sind:

TeilchenSchreibweise$A$$Z$
Neutron$^{1}_{0}n$10
Proton$^{1}_{1}\mathrm{H}$ oder $p$11
Alphateilchen$^{4}_{2}\mathrm{He}$ oder $\alpha$42
Deuteron$^{2}_{1}\mathrm{H}$ oder $d$21
Tritiumkern$^{3}_{1}\mathrm{H}$ oder $t$31
Elektron$^{0}_{-1}e$0-1

Das Elementsymbol legt $Z$ eindeutig fest. Deshalb wird die untere Zahl in verkürzten Gleichungen manchmal weggelassen.

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Frage 1 von 1MittelWie viele Neutronen enthält $^{14}_{7}\mathrm{N}$?
Lösung: 7 — Es gilt $N=A-Z=14-7=7$.
Wie prüfst du eine Reaktionsgleichung?

Bei jeder Reaktionsgleichung müssen zwei Summen stimmen:

$$\sum A_{\mathrm{links}}=\sum A_{\mathrm{rechts}}$$

$$\sum Z_{\mathrm{links}}=\sum Z_{\mathrm{rechts}}$$

Gehe immer in dieser Reihenfolge vor:

  1. Schreibe für jedes Teilchen $A$ und $Z$ auf.
  2. Addiere links und rechts zuerst alle Massenzahlen.
  3. Addiere danach links und rechts alle Kernladungszahlen.
  4. Fehlt ein Teilchen, bestimme sein $A$ und $Z$ aus beiden Differenzen.
Beispiel

Prüfe die Reaktion

$$^{6}_{3}\mathrm{Li}+{}^{1}_{0}n\rightarrow{}^{4}_{2}\mathrm{He}+{}^{3}_{1}\mathrm{H}$$

Massenzahlen: links $6+1=7$, rechts $4+3=7$.

Kernladungszahlen: links $3+0=3$, rechts $2+1=3$.

Beide Summen stimmen. Die Gleichung ist hinsichtlich Nukleonenzahl und Kernladung ausgeglichen.

Ein fehlendes Teilchen bestimmen

Gegeben ist

$$^{14}_{7}\mathrm{N}+{}^{1}_{0}n\rightarrow{}^{14}_{6}\mathrm{C}+X$$

Für $X$ folgt aus der Massenzahl $15=14+A_X$, also $A_X=1$. Aus der Kernladungszahl folgt $7=6+Z_X$, also $Z_X=1$. Damit ist $X={}^{1}_{1}\mathrm{H}$, also ein Proton.

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Frage 1 von 2MittelWelches Teilchen fehlt in $^{107}_{47}\mathrm{Ag}+{}^{1}_{0}n\rightarrow{}^{108}_{47}\mathrm{Ag}+X$?
Lösung: Gammastrahlung mit $A=0$ und $Z=0$ — Die Differenzen sind $A_X=0$ und $Z_X=0$. Bei diesem Neutroneneinfang wird Energie als Gammastrahlung abgegeben.
Frage 2 von 2SchwerEine Gleichung ist bei $A$ ausgeglichen, aber nicht bei $Z$. Was folgt?
Lösung: Die angegebene Kernreaktion ist so nicht korrekt bilanziert. — Eine mögliche Kernreaktionsgleichung muss sowohl die Nukleonenzahl als auch die Kernladung erhalten.
Woran erkennst du Einfang, Spaltung und Fusion?

Beim Einfang nimmt ein Kern ein Teilchen auf. Beim Neutroneneinfang kann anschließend Gammastrahlung abgegeben werden:

$$^{107}\mathrm{Ag}(n,\gamma){}^{108}\mathrm{Ag}$$

Die Kurzschrift bedeutet:

$$\mathrm{Target}(\mathrm{Projektil},\mathrm{Ejektil})\mathrm{Endkern}$$

Hier trifft also ein Neutron auf Silber-107, Gammastrahlung tritt aus und Silber-108 bleibt zurück.

Bei der Spaltung zerfällt ein schwerer Kern in kleinere Kerne. Ein möglicher Kanal ist:

$$^{235}\mathrm{U}+n\rightarrow{}^{140}\mathrm{Ba}+{}^{94}\mathrm{Kr}+2n$$

Ein eingehendes Neutron löst den Vorgang aus; zwei Neutronen treten aus. Austretende Neutronen können weitere Spaltungen anstoßen. Ob daraus eine Kettenreaktion entsteht, hängt davon ab, wie viele dieser Neutronen tatsächlich weitere Kerne spalten.

Bei der Fusion verbinden sich leichte Kerne zu einem schwereren Kern. Im Lithium-Deuteron-Beispiel entsteht kurzzeitig Beryllium-8, das unmittelbar in zwei Alphateilchen zerfällt:

$$^{6}_{3}\mathrm{Li}+{}^{2}_{1}\mathrm{H}\rightarrow2\,{}^{4}_{2}\mathrm{He}$$

Merke

Erkenne zuerst die Veränderung: Aufnahme eines Teilchens ist Einfang, Zerlegung eines schweren Kerns ist Spaltung, Verbindung leichter Kerne ist Fusion.

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Frage 1 von 2LeichtWas zeigt die Kurzschrift $^{14}\mathrm{N}(n,p){}^{14}\mathrm{C}$?
Lösung: Stickstoff-14 nimmt ein Neutron auf; ein Proton tritt aus; Kohlenstoff-14 bleibt zurück. — In $\mathrm{Target}(\mathrm{Projektil},\mathrm{Ejektil})\mathrm{Endkern}$ steht $n$ für das Projektil und $p$ für das Ejektil.
Frage 2 von 2MittelWarum sind Neutronen häufig geeignete Projektile?
Lösung: Sie sind ungeladen und erfahren deshalb keine elektrische Abstoßung durch den positiv geladenen Kern. — Ohne elektrische Ladung müssen Neutronen keine Coulomb-Abstoßung überwinden. Das garantiert dennoch keine bestimmte Reaktion.
Wie bestimmst du die Reaktionsenergie?

Vor und nach einer Kernreaktion können die Gesamtmassen verschieden sein. Die Massendifferenz entspricht nach der Masse-Energie-Beziehung einer Energiedifferenz:

$$Q=(M_{\mathrm{vor}}-M_{\mathrm{nach}})c^2$$

Der Q-Wert gibt die Energiebilanz an:

  • $Q>0$: Die Reaktion ist exotherm und setzt Energie frei.
  • $Q<0$: Die Reaktion ist endotherm und benötigt Energie.

Wenn Massen in atomaren Masseneinheiten $\mathrm{u}$ gegeben sind, nutzt du

$$1\,\mathrm{u}\,c^2=931{,}49\,\mathrm{MeV}$$

Beispiel

Für

$$^{6}_{3}\mathrm{Li}+n\rightarrow{}^{4}_{2}\mathrm{He}+{}^{3}_{1}\mathrm{H}$$

sind gegeben:

  • $M(^{6}\mathrm{Li})=6{,}015122\,\mathrm{u}$
  • $M(n)=1{,}008665\,\mathrm{u}$
  • $M(^{4}\mathrm{He})=4{,}002603\,\mathrm{u}$
  • $M(^{3}\mathrm{H})=3{,}016029\,\mathrm{u}$

Zuerst bestimmst du die Massendifferenz:

$$\Delta M=6{,}015122+1{,}008665-4{,}002603-3{,}016029=0{,}005155\,\mathrm{u}$$

Dann rechnest du in Energie um:

$$Q=0{,}005155\cdot931{,}49\,\mathrm{MeV}\approx4{,}802\,\mathrm{MeV}$$

Der Q-Wert ist positiv. Die Reaktion setzt daher etwa $4{,}8\,\mathrm{MeV}$ frei.

Gut zu wissen

Der Q-Wert allein sagt nicht, wie wahrscheinlich eine Reaktion ist. Selbst eine exotherme Reaktion kann zunächst Energie benötigen, etwa damit zwei positiv geladene Kerne ihre elektrische Abstoßung überwinden.

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Frage 1 von 2MittelEine Reaktion hat $Q=-2{,}0\,\mathrm{MeV}$. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Die Reaktion ist endotherm und muss mindestens die fehlende Energie zugeführt bekommen. — Das Vorzeichen des Q-Werts beschreibt die Energiebilanz, nicht die Ladungsbilanz.
Frage 2 von 2SchwerEine Reaktion hat $Q>0$, findet bei sehr kleinen Projektilenergien aber kaum statt. Ist das ein Widerspruch?
Lösung: Nein. Eine positive Energiebilanz garantiert keine hohe Reaktionswahrscheinlichkeit und schließt eine Aktivierungsbedingung nicht aus. — Der Q-Wert sagt, ob insgesamt Energie frei wird. Er sagt nicht allein, ob die Partner die nötige Annäherung oder einen passenden Reaktionsweg erreichen.
Vertiefung: Wie kann eine Reaktion ablaufen?

Zwei Modelle beschreiben Grenzfälle des Reaktionsablaufs.

Bei einer Zwischenkernreaktion vereinigen sich die Stoßpartner zunächst zu einem Zwischenkern. Dieser zerfällt anschließend in Produkte. Seine Zerfallsart ist weitgehend unabhängig davon, wie er gebildet wurde.

Bei einer direkten Reaktion werden während des kurzen Kontakts ein oder mehrere Nukleonen übertragen. Beim Stripping gibt ein Projektil einen Bestandteil an den Targetkern ab; beim Pickup nimmt das Projektil ein Nukleon aus dem Target mit.

Reale Kernreaktionen können Anteile beider Mechanismen besitzen. Die Modelle sind also keine lückenlose Einteilung aller Vorgänge.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung passt zu einer Zwischenkernreaktion?
Lösung: Die Stoßpartner bilden zunächst einen Zwischenkern, der danach zerfällt. — Kennzeichnend ist die zweistufige Vorstellung: Bildung des Zwischenkerns, danach sein Zerfall.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Kernreaktionen
    • Auslöser: Zusammenstoß mit Kern oder Teilchen
    • Schreibweise: $^{A}_{Z}X$
    • Erhaltung: Summen von $A$ und $Z$
    • Typen: Einfang, Spaltung und Fusion
    • Energie: Q-Wert aus der Massendifferenz
    • Ablaufmodelle: Zwischenkernreaktion und direkte Reaktion
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche zwei Größen prüfst du beim Ausgleichen einer Kernreaktionsgleichung?
Lösung: Massenzahl $A$ und Kernladungszahl $Z$ — Erhalten bleiben die gesamte Nukleonenzahl und die gesamte Kernladung.
Frage 2 von 3MittelWelches Teilchen fehlt in $^{6}_{3}\mathrm{Li}+{}^{2}_{1}\mathrm{H}\rightarrow{}^{4}_{2}\mathrm{He}+X$?
Lösung: $^{4}_{2}\mathrm{He}$ — Links gilt $A=8$ und $Z=4$. Nach dem ersten Heliumkern fehlen daher $A=4$ und $Z=2$: ein weiterer Helium-4-Kern.
Frage 3 von 3SchwerZwei Gleichungen haben denselben positiven Q-Wert. Müssen beide gleich wahrscheinlich sein?
Lösung: Nein. Der Q-Wert beschreibt die Energiebilanz, nicht allein die Reaktionswahrscheinlichkeit. — Für eine mögliche Reaktion müssen zwar die Erhaltungssätze gelten. Wie häufig sie abläuft, hängt aber zusätzlich vom Reaktionsweg und von den Bedingungen ab.

Wenn du alle drei Aufgaben begründen kannst, kannst du Kernreaktionen erkennen, bilanzieren und ihre Energiebilanz deuten.

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