Treibhauseffekt: Physik einfach erklärt
Der Treibhauseffekt entsteht, weil die Atmosphäre Sonnenlicht vergleichsweise gut durchlässt, aber einen Teil der von der Erde ausgesandten Infrarotstrahlung absorbiert und wieder abstrahlt. Dadurch verliert die Erdoberfläche langsamer Energie und ist wärmer, als sie ohne Treibhausgase wäre.
Du lernst zunächst den natürlichen Effekt kennen. Danach untersuchst du, warum zusätzliche Treibhausgase das Strahlungsgleichgewicht verändern und weshalb das Bild vom gläsernen Treibhaus nur teilweise passt.
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Energie kommt an und muss wieder hinaus
Die Sonne liefert überwiegend kurzwellige Strahlung. Dazu gehören sichtbares Licht, Ultraviolettstrahlung und ein Teil der Infrarotstrahlung. Wolken, Teilchen und helle Oberflächen werfen einen Anteil zurück. Atmosphäre und Erdoberfläche absorbieren den Rest und erwärmen sich.
Die warme Erde gibt Energie als langwellige Infrarotstrahlung ab. Langfristig gilt:
Im Strahlungsgleichgewicht gibt das Erdsystem im Mittel genauso viel Energie an das Weltall ab, wie es von der Sonne absorbiert.
Ist die ausgehende Leistung kleiner als die absorbierte Leistung, nimmt das Erdsystem netto Energie auf und erwärmt sich. Mit steigender Temperatur wächst die abgegebene Wärmestrahlung stark, näherungsweise proportional zu $T^4$. Schließlich kann sich ein neues Gleichgewicht einstellen.
Warum wird durch vier geteilt?
Die Sonnenstrahlung trifft die Erde auf einer Querschnittsfläche. Verteilt man die aufgenommene Leistung über die gesamte Kugeloberfläche, entsteht der Faktor $1/4$.
Mit einer Sonnenleistung von $1367\,\mathrm{W/m^2}$ und einer reflektierten Fraktion von $a=0{,}30$ ergibt das vereinfachte Modell:
$$P_{\mathrm{abs}} = \frac{(1-a)\cdot 1367\,\mathrm{W/m^2}}{4}$$
$$P_{\mathrm{abs}} = \frac{0{,}70\cdot 1367\,\mathrm{W/m^2}}{4} = 239{,}225\,\mathrm{W/m^2}$$
Die Erde muss langfristig also ungefähr $239\,\mathrm{W/m^2}$ ins Weltall abstrahlen. Das ist ein globaler Modellmittelwert, keine überall gleichzeitig gemessene örtliche Leistung.
Treibhausgase verändern die Wärmestrahlung
Treibhausgase sind Bestandteile der Atmosphäre, die bestimmte Wellenlängen der Infrarotstrahlung absorbieren und wieder emittieren können. Dazu gehören Wasserdampf, Kohlenstoffdioxid ($CO_2$), Methan ($CH_4$), Lachgas und Ozon.
Absorption und Emission
Bei der Absorption nimmt ein Molekül Strahlungsenergie auf. Bei der Emission gibt es Energie als Strahlung wieder ab. Das ist keine Spiegelung: Die neue Strahlung wird in unterschiedliche Richtungen ausgesandt.
Ein Teil der emittierten Strahlung gelangt nach oben, ein anderer nach unten. Die nach unten gerichtete Gegenstrahlung vermindert den Netto-Energieverlust der Oberfläche. Die Oberfläche muss deshalb wärmer werden, um im Gleichgewicht insgesamt genug Energie abzugeben.
Stickstoff und Sauerstoff bilden zwar den größten Teil der Atmosphäre, wechselwirken aber wegen ihres symmetrischen Molekülbaus nur sehr schwach mit der entscheidenden Infrarotstrahlung. Die geringe Menge eines Gases sagt daher allein wenig über seine Strahlungswirkung aus.
Der natürliche Effekt macht die Erde lebensfreundlich
Ohne Treibhauswirkung läge die aus der Strahlungsbilanz berechnete effektive Temperatur der Erde bei ungefähr $255\,\mathrm{K}$ beziehungsweise $-18\,^\circ\mathrm{C}$. Die mittlere Oberflächentemperatur liegt dagegen ungefähr bei $+15\,^\circ\mathrm{C}$.
Der Unterschied beträgt im vereinfachten Vergleich:
$$15\,^\circ\mathrm{C} - (-18\,^\circ\mathrm{C}) = 33\,^\circ\mathrm{C}$$
Diese rund $33\,^\circ\mathrm{C}$ beschreiben die Wirkung des natürlichen Treibhauseffekts im globalen Mittel. Sie sind nicht die Temperatur an einem bestimmten Ort.
Die effektive Temperatur von etwa $-18\,^\circ\mathrm{C}$ ist außerdem nicht gleichbedeutend mit einer überall $-18\,^\circ\mathrm{C}$ kalten Oberfläche. Sie ist die Temperatur, die ein idealisiertes abstrahlendes System für die berechnete Gesamtleistung hätte.
Der natürliche Treibhauseffekt ist kein Umweltproblem, sondern eine Voraussetzung für die heutige lebensfreundliche Oberflächentemperatur. Problematisch ist seine zusätzliche Verstärkung.
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Kurzwellige erwärmt die Oberfläche. Die Erde sendet vor allem Infrarotstrahlung aus. Treibhausgase können einen Teil davon und erneut emittieren.
Zusätzliche Treibhausgase verschieben die Abstrahlung
Die untere Atmosphäre absorbiert in vielen Wellenlängenbereichen bereits einen großen Teil der Bodenstrahlung. Der verstärkte Treibhauseffekt lässt sich deshalb genauer über die wirksame Abstrahlungshöhe erklären.
Wirksame Abstrahlungshöhe
Die wirksame Abstrahlungshöhe ist ein vereinfachter Mittelwert für den Höhenbereich, aus dem Infrarotstrahlung das Weltall erreicht. Sie ist keine feste, scharf begrenzte Schicht und hängt von der Wellenlänge ab.
In der Troposphäre nimmt die Temperatur mit der Höhe im Mittel um ungefähr $6{,}5\,\mathrm{K}$ pro Kilometer ab. Erwärmte Luft steigt auf, dehnt sich bei geringerem Druck aus und kühlt dabei ab.
Mehr Treibhausgas verkürzt für bestimmte Wellenlängen die Strecke, die Strahlung ohne erneute Absorption zurücklegen kann. Daraus folgt diese Kette:
- Die wirksame Abstrahlung ins All verlagert sich im Mittel nach oben.
- Die höhere Luft ist zunächst kälter.
- Sie strahlt deshalb weniger Energie ins Weltall ab.
- Die absorbierte Sonnenleistung ist vorübergehend größer als die Ausstrahlung.
- Atmosphäre und Oberfläche erwärmen sich.
- Die höhere Abstrahlungsregion wird warm genug, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Das Bild einer einzelnen Abstrahlungsschicht ist ein Modell. Tatsächlich stammt die Strahlung je nach Wellenlänge aus unterschiedlichen Höhen. Wolken, Wasserdampf, Konvektion und Ozeane beeinflussen den Vorgang zusätzlich.
Natürlich, anthropogen und rückgekoppelt
Der anthropogene Treibhauseffekt ist die vom Menschen verursachte Verstärkung des natürlichen Effekts. Vor allem die Verbrennung fossiler Rohstoffe erhöht die $CO_2$-Konzentration. Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und weitere Prozesse setzen unter anderem Methan und Lachgas frei.
Mehr $CO_2$ und andere langlebige Treibhausgase verändern die langwellige Ausstrahlung. Die dadurch ausgelöste Erwärmung kann weitere Veränderungen anstoßen.
Rückkopplung
Eine Rückkopplung ist eine Folge der anfänglichen Erwärmung, die diese Veränderung verstärkt oder abschwächt.
Wasserdampf ist ein wichtiges Beispiel für eine verstärkende Rückkopplung:
- Zusätzliches $CO_2$ verändert die Strahlungsbilanz und erhöht die Temperatur.
- Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf enthalten.
- Wasserdampf absorbiert ebenfalls Infrarotstrahlung.
- Dadurch wird die anfängliche Erwärmung verstärkt.
Wasserdampf ist also zentral für den natürlichen Treibhauseffekt. Bei der gegenwärtigen Verstärkung wirkt er vor allem als temperaturabhängige Rückkopplung.
Drei häufige Denkfehler prüfen
„Treibhausgase reflektieren Wärme“
Das ist als grobes Bild missverständlich. Physikalisch genauer sind Absorption, Energieaustausch durch Molekülstöße und Emission in unterschiedliche Richtungen.
„Das echte Gewächshaus beweist den atmosphärischen Mechanismus“
Ein Gewächshaus lässt Sonnenlicht hinein, erwärmt Boden und Luft und beeinflusst Wärmestrahlung. Seine Scheiben verhindern aber zusätzlich, dass warme Luft frei aufsteigt und sich mit kalter Außenluft mischt. Dieser unterdrückte Luftaustausch trägt wesentlich zur Erwärmung bei. Die Erdatmosphäre besitzt kein Glasdach und lässt Konvektion zu.
„Die CO₂-Wirkung ist bereits vollständig gesättigt“
$CO_2$ absorbiert nicht bei allen Wellenlängen gleich stark. Neben stark absorbierenden Bereichen gibt es weniger stark gesättigte Randbereiche. Außerdem nimmt die Luftdichte mit der Höhe ab. Zusätzliches $CO_2$ kann deshalb weiterhin die Höhen verändern, aus denen Strahlung das Weltall erreicht.
Physikalische Klimabehauptungen bewerten
Eine einzelne Wetterbeobachtung ist kein vollständiger Test des Treibhauseffekts. Wetter beschreibt einen kurzfristigen Zustand; Klima bezieht sich auf statistische Muster über lange Zeiträume. Auch natürliche Schwankungen können einzelne Jahre oder Regionen beeinflussen.
Prüfe eine Behauptung in vier Schritten:
- Größe klären: Geht es um Temperatur, Strahlungsleistung, Gaskonzentration oder ein einzelnes Wetterereignis?
- Zeitraum prüfen: Wird ein kurzer Ausschnitt mit einem langfristigen Trend verwechselt?
- Mechanismus prüfen: Passt die Behauptung zu Energiebilanz, Absorption, Emission und Abstrahlungshöhe?
- Unsicherheit beachten: Ist die Aussage eine Messung, eine Modellrechnung, ein bedingtes Szenario oder ein Werturteil?
Behauptung: „Ein kalter Wintertag widerlegt die globale Erwärmung.“
Die Beobachtung kann für den genannten Ort und Tag stimmen. Sie beschreibt aber Wetter und keine langfristige globale Temperaturentwicklung. Ein einzelner kalter Tag widerlegt weder den Treibhauseffekt noch einen Klimatrend.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Treibhauseffekt
- Sonnenenergie: kurzwellige Strahlung wird teilweise absorbiert
- Erdoberfläche: sendet langwellige Infrarotstrahlung aus
- Treibhausgase: absorbieren und emittieren Infrarotstrahlung
- Natürlicher Effekt: erhöht die mittlere Oberflächentemperatur
- Anthropogene Verstärkung: zusätzliche Gase stören die Energiebilanz
- Abstrahlungshöhe: verlagert sich im Mittel nach oben
- Rückkopplungen: können die anfängliche Erwärmung verstärken oder abschwächen
Abschluss-Check
Du kannst den Treibhauseffekt erklären, wenn du die ganze Kette verbinden kannst: Sonnenenergie → Oberflächenerwärmung → Infrarotstrahlung → Absorption und Emission → veränderte Energiebilanz → neue Gleichgewichtstemperatur.
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