Physik

Strahlungshaushalt der Erde einfach erklärt

Strahlungshaushalt der Erde einfach erklärt
Strahlungshaushalt der Erde einfach erklärt
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Der Strahlungshaushalt der Erde beschreibt, wie Energie von der Sonne eintrifft, reflektiert oder aufgenommen und schließlich wieder in den Weltraum abgegeben wird. Nimmt das System Erde–Atmosphäre mehr Energie auf, als es abgibt, erwärmt es sich. Bei einem Defizit kühlt es ab.

Auf dieser Seite verfolgst du die wichtigsten Energieflüsse, berechnest eine vereinfachte Bilanz und erkennst, warum Atmosphäre, Treibhauseffekt und globale Mittelwerte richtig eingeordnet werden müssen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Von der Sonne bis zurück ins Weltall

Die Sonne ist der einzige nennenswerte Energieeintrag in das thermische System Erde. Sie sendet überwiegend kurzwellige Strahlung aus. Dazu gehören ultraviolette Strahlung, sichtbares Licht und ein Teil der Infrarotstrahlung.

Die viel kühlere Erde gibt die aufgenommene Energie überwiegend als langwellige Wärmestrahlung im Infrarotbereich ab. Diese von der Erde ausgehende Strahlung heißt auch terrestrische Strahlung.

Definition

Strahlungsbilanz und Strahlungshaushalt

Die Strahlungsbilanz ist die rechnerische Gegenüberstellung ein- und ausgehender Strahlung. Der Strahlungshaushalt umfasst zusätzlich die beteiligten Energieflüsse und ihre Wechselwirkungen.

Jeder Körper oberhalb des absoluten Nullpunkts von etwa −273 °C gibt Strahlung ab. Mit steigender Temperatur nimmt seine Strahlungsleistung überproportional zu. Außerdem reicht das Spektrum heißerer Körper weiter in den kurzwelligen Bereich. Deshalb strahlen sowohl Sonne als auch Erde, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Beispiel

Ein warmer Stein leuchtet für dein Auge nicht. Trotzdem gibt er unsichtbare Infrarotstrahlung ab. Dieses Beispiel zeigt: Strahlungsenergie muss nicht sichtbar sein.

Merke

Kurzwellige Sonnenstrahlung bringt Energie zur Erde. Die erwärmte Erde gibt Energie überwiegend als langwellige Infrarotstrahlung ab.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage unterscheidet solare und terrestrische Strahlung richtig?
Lösung: Die Sonnenstrahlung ist überwiegend kurzwelliger, die Wärmestrahlung der Erde überwiegend langwelliger. — Die heißere Sonne besitzt einen größeren kurzwelligen Anteil. Die kühlere Erde strahlt vor allem langwellig im Infrarotbereich.
Warum global nur etwa ein Viertel ankommt

Die Solarkonstante gibt die Strahlungsleistung auf einer senkrecht zur Sonnenstrahlung stehenden Fläche oberhalb der Atmosphäre an. In den vorliegenden Modellen liegt sie bei ungefähr 1367 bis 1368 W/m².

Dieser Wert gilt nicht als Mittelwert für die gesamte Erdoberfläche. Die Erde fängt Sonnenstrahlung mit ihrer kreisförmigen Querschnittsfläche auf, verteilt die Energie aber über ihre viermal so große Kugeloberfläche. Außerdem liegt stets eine Erdseite im Dunkeln.

$$1367 : 4 = 341{,}75$$

Je nach Rundung und Modell wird die globale mittlere Einstrahlung deshalb mit etwa 340 bis 341 W/m² angegeben.

Definition

Albedo

Die Albedo ist der Anteil der einfallenden Sonnenstrahlung, der reflektiert wird. Eine Albedo von 0,30 bedeutet: 30 % werden zurückgeworfen und 70 % aufgenommen.

Vollständiges Rechenbeispiel

In einem vereinfachten Modell treffen global gemittelt 340 W/m² ein. Davon werden 30 % reflektiert.

  1. Reflektierte Strahlung:

$$0{,}30 · 340 = 102$$

Es werden 102 W/m² reflektiert.

  1. Absorbierte Strahlung:

$$0{,}70 · 340 = 238$$

Das System nimmt 238 W/m² auf. Im Gleichgewicht muss es im Mittel auch 238 W/m² an den Weltraum abgeben.

Gut zu wissen

Die Werte sind globale und zeitliche Mittelwerte. Sie beschreiben nicht die momentane Einstrahlung an einem bestimmten Ort.

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Frage 1 von 1MittelEin Modell erhält 340 W/m² Sonnenstrahlung und reflektiert 25 %. Wie viel wird absorbiert?
Lösung: 255 W/m² — Der absorbierte Anteil beträgt 75 %. Daher gilt: 0,75 · 340 W/m² = 255 W/m².
Was die Atmosphäre mit Wärmestrahlung macht

Die Atmosphäre ist für einen großen Teil der kurzwelligen Sonnenstrahlung durchlässig. Wolken, Teilchen und die Erdoberfläche reflektieren jedoch einen Teil. Andere Anteile werden bereits in der Atmosphäre oder an der Oberfläche absorbiert.

Die erwärmte Oberfläche sendet langwellige Wärmestrahlung aus. Treibhausgase und Wolken absorbieren einen großen Teil davon und emittieren, also senden, ihrerseits Strahlung in alle Richtungen aus:

  • nach oben in Richtung Weltraum;
  • nach unten als atmosphärische Gegenstrahlung zur Erdoberfläche.

Dieser Vorgang ist keine bloße Reflexion. Die Atmosphäre nimmt Strahlungsenergie auf und gibt anschließend selbst Strahlung ab.

Definition

Natürlicher Treibhauseffekt

Der natürliche Treibhauseffekt entsteht, weil Bestandteile der Atmosphäre langwellige Wärmestrahlung absorbieren und wieder emittieren. Die Gegenstrahlung verringert die Abkühlung der Oberfläche.

Ohne diese atmosphärische Rückwirkung läge die berechnete globale Mitteltemperatur bei ungefähr −18 °C. Mit dem natürlichen Treibhauseffekt beträgt sie etwa 15 °C. Die Differenz liegt bei rund 33 °C.

Ein kleiner Teil der Wärmestrahlung kann durch das atmosphärische Fenster unmittelbar entweichen. Damit ist ein Wellenlängenbereich um etwa 10 µm gemeint, in dem die Atmosphäre nahezu vollständig durchlässig ist.

Steigt die Konzentration von Treibhausgasen wie CO₂, verändert sich, welcher Anteil der langwelligen Strahlung absorbiert und reemittiert wird. Das verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt. Dieser zusätzliche Einfluss wird anthropogener Treibhauseffekt genannt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die Sonne liefert überwiegend Strahlung. Die Erdoberfläche sendet überwiegend Wärmestrahlung aus. Treibhausgase einen Teil dieser Wärmestrahlung.

Lösungen: Lücke 1: kurzwellige; Lücke 2: langwellige; Lücke 3: absorbieren und reemittieren. Entscheidend sind die unterschiedliche Wellenlänge und der Vorgang in der Atmosphäre: Aufnahme und erneute Aussendung statt bloßer Reflexion.
Warum die Oberflächenbilanz mehr als Strahlung enthält

Eine quantitative Modellbilanz teilt die global gemittelten 340 W/m² so auf:

  • 100 W/m² werden reflektiert;
  • 80 W/m² werden in der Atmosphäre absorbiert;
  • 160 W/m² werden von der Erdoberfläche absorbiert.

Die Bilanz schließt:

$$340 = 100 + 80 + 160$$

Die Oberfläche erhält in diesem Modell zusätzlich 342 W/m² Gegenstrahlung. Ihre gesamte Energiezufuhr beträgt daher:

$$160 + 342 = 502$$

Die Oberfläche emittiert 398 W/m² als langwellige Wärmestrahlung. Rechnerisch verbleiben:

$$502 - 398 = 104$$

Diese 104 W/m² müssen durch weitere Energieflüsse abgeführt werden. Dazu gehören:

  • latente Wärme: Energie für Verdunstung, die bei der Kondensation wieder frei wird;
  • sensible Wärme: Energieübertragung durch erwärmte, aufsteigende Luft.

Das Modell nennt dafür gerundet 82 W/m² latente und 21 W/m² sensible Wärme. Zusammen sind das 103 W/m². Die Abweichung von 1 W/m² entsteht durch die gerundeten Ausgangswerte.

Merke

Für die Energiebilanz der Erdoberfläche reicht Wärmestrahlung allein nicht aus. Auch Verdunstung, Kondensation und aufsteigende warme Luft übertragen Energie.

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Frage 1 von 1MittelWarum ist die Rechnung 82 W/m² + 21 W/m² = 103 W/m² kein Beweis gegen das Modell, obwohl zuvor 104 W/m² übrig blieben?
Lösung: Die angegebenen Energieflüsse sind gerundet und können deshalb eine kleine Differenz ergeben. — Die sichtbaren Teilwerte sind gerundet. Deshalb müssen ihre Summen nicht jede ebenfalls gerundete Gesamtgröße exakt treffen.
Wann sich die Erde erwärmt oder abkühlt

An der Obergrenze der Atmosphäre betrachtet man das gesamte System Erde–Atmosphäre. Im langfristigen Gleichgewicht entspricht die aufgenommene Energie der Energie, die durch Reflexion und Wärmestrahlung in den Weltraum zurückkehrt.

Merke

Energieaufnahme größer als Energieabgabe bedeutet Erwärmung. Energieaufnahme kleiner als Energieabgabe bedeutet Abkühlung.

Ein vereinfachtes Beispiel nennt 340 W/m² Einstrahlung und insgesamt 339 W/m² Rückgabe an den Weltraum:

$$340 - 339 = 1$$

Der Energieüberschuss beträgt in diesem Modell 1 W/m². Andere Auswertungen nennen etwa 0,6 oder 0,9 W/m². Diese Werte stammen aus unterschiedlichen Zeiträumen, Modellständen und Rundungen. Sie sind daher nicht als exakt gleiche Messgröße zu behandeln. Gemeinsam zeigen sie einen kleinen positiven Energieüberschuss.

Globale Werte sind keine Ortswerte

Die Strahlungsbilanz eines Ortes hängt unter anderem vom Einfallswinkel, der Tageslänge, der Bewölkung und der Oberfläche ab. Verschiedene Flächen reflektieren unterschiedlich stark:

  • Schnee: etwa 40 bis 90 %;
  • Wüste: etwa 20 bis 45 %;
  • Wald: etwa 5 bis 20 %.

Eine hohe Albedo bedeutet stärkere Reflexion und zunächst geringere Absorption. Für eine vollständige regionale Klimabeurteilung reichen diese Einzelwerte jedoch nicht aus, weil zusätzlich Atmosphäre und Wärmetransport wirken.

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Frage 1 von 1SchwerEine Schneefläche wird durch eine dunklere Oberfläche ersetzt. Was folgt im vereinfachten Modell bei gleicher Einstrahlung?
Lösung: Die Albedo sinkt, daher wird mehr Sonnenenergie absorbiert. — Dunklere Oberflächen reflektieren in diesem Vergleich weniger. Der absorbierte Anteil der Sonnenstrahlung steigt. Weitere Rückwirkungen sind damit noch nicht vollständig beschrieben.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Strahlungshaushalt der Erde
    • Energiezufuhr: kurzwellige Sonnenstrahlung; global etwa ein Viertel der Solarkonstante
    • Aufteilung: Reflexion durch Albedo; Absorption in Atmosphäre und Oberfläche
    • Energieabgabe: langwellige terrestrische Strahlung; atmosphärisches Fenster
    • Atmosphäre: Absorption und Reemission; Gegenstrahlung und natürlicher Treibhauseffekt
    • Oberflächenbilanz: Wärmestrahlung; latente und sensible Wärme
    • Bilanzänderung: Überschuss führt zur Erwärmung; Defizit führt zur Abkühlung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas beschreibt die Albedo?
Lösung: Den Anteil der einfallenden Strahlung, der reflektiert wird — Die Albedo ist ein Anteil ohne eigene Einheit. Hohe Albedo bedeutet starke Reflexion.
Frage 2 von 3MittelVon 340 W/m² werden 102 W/m² reflektiert. Wie viel absorbiert das System?
Lösung: 238 W/m² — Für die absorbierte Energie ziehst du die Reflexion von der Einstrahlung ab: 340 W/m² − 102 W/m² = 238 W/m².
Frage 3 von 3SchwerEin Diagramm zeigt über mehrere Jahre im Mittel 341 W/m² aufgenommene und 340 W/m² abgegebene Energie. Welche Schlussfolgerung ist fachlich angemessen?
Lösung: Das System besitzt in diesem Zeitraum einen mittleren Energieüberschuss von 1 W/m² und erwärmt sich tendenziell. — Die Differenz beträgt 1 W/m². Es handelt sich um einen globalen und zeitlichen Mittelwert, nicht um eine Aussage über jeden Ort und jeden Zeitpunkt.

Prüfe dich zum Schluss: Kannst du den Weg der Energie von der kurzwelligen Einstrahlung über Reflexion und Absorption bis zur langwelligen Abgabe erklären? Kannst du außerdem begründen, warum Atmosphäre, nichtstrahlungsgebundene Flüsse und die Grenzen globaler Mittelwerte zur vollständigen Erklärung gehören?

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