Politik

Bundestagswahl: Stimmen, Ablauf und Wahlrecht

Bundestagswahl: Stimmen, Ablauf und Wahlrecht
Bundestagswahl: Stimmen, Ablauf und Wahlrecht
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Bei der Bundestagswahl wählen die Wahlberechtigten die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Die Erststimme bezieht sich auf eine Person im Wahlkreis. Die Zweitstimme bestimmt maßgeblich, wie viele der 630 Sitze eine Partei erhält. Der Bundestag beschließt Gesetze, kontrolliert die Bundesregierung und wählt den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum ist die Bundestagswahl wichtig?

Deutschland ist eine parlamentarische Demokratie. Die Bevölkerung entscheidet nicht über jedes Gesetz unmittelbar. Stattdessen wählt sie Abgeordnete, die alle Bürgerinnen und Bürger vertreten. Alle Abgeordneten zusammen bilden den Deutschen Bundestag.

Der Bundestag wird regulär alle vier Jahre gewählt. In besonderen politischen Situationen kann es schon früher zu einer Neuwahl kommen.

Zu den wichtigsten Aufgaben des Bundestags gehören:

  • Gesetze beschließen und ändern;
  • über den Staatshaushalt entscheiden;
  • die Bundesregierung kontrollieren;
  • den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin wählen;
  • über internationale Verträge und Einsätze der Bundeswehr entscheiden.
Definition

Abgeordnete

Abgeordnete sind gewählte Mitglieder eines Parlaments. Sie beraten politische Fragen, stimmen über Entscheidungen ab und vertreten dabei die gesamte Bevölkerung.

Du wählst den Kanzler oder die Kanzlerin also nicht direkt. Deine Stimmen beeinflussen zunächst die Zusammensetzung des Bundestags. Dessen Mitglieder wählen später die Regierungsspitze.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt die Bundestagswahl richtig?
Lösung: Die Wahlberechtigten bestimmen die Zusammensetzung des Bundestags. — Bei der Bundestagswahl werden Abgeordnete gewählt. Der neu zusammengesetzte Bundestag wählt anschließend den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin.
Wie unterscheiden sich Erst- und Zweitstimme?

Deutschland ist in 299 Wahlkreise eingeteilt. Auf dem Stimmzettel kannst du zwei verschiedene Entscheidungen treffen.

Definition

Erststimme

Mit der Erststimme wählst du eine bestimmte Kandidatin oder einen bestimmten Kandidaten aus deinem Wahlkreis. Sie entscheidet darüber, wer den Wahlkreis gewinnt. Seit der Wahlrechtsreform reicht ein Wahlkreissieg bei Kandidierenden einer Partei jedoch nicht immer allein für den Einzug in den Bundestag aus.

Definition

Zweitstimme

Mit der Zweitstimme wählst du die Landesliste einer Partei. Der Anteil der Zweitstimmen bestimmt maßgeblich, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag erhält. Deshalb ist die Zweitstimme für das Kräfteverhältnis zwischen den Parteien entscheidend.

Eine Landesliste ist eine von einer Partei für ein Bundesland festgelegte Reihenfolge von Kandidierenden. Sie wird bei der Verteilung der einer Partei zustehenden Sitze berücksichtigt.

Merke

Erststimme: Person im Wahlkreis. Zweitstimme: Stärke einer Partei und Zahl ihrer Sitze.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Mit der Erststimme wählst du eine im Wahlkreis. Die ist für die Sitzanzahl einer Partei maßgeblich. Die Kandidierenden einer Partei auf Landesebene stehen auf einer .

Lösungen: Lücke 1: Person; Lücke 2: Zweitstimme; Lücke 3: Landesliste. Achte auf die Wirkung der Stimmen: Die Erststimme richtet sich auf eine Person, die Zweitstimme auf eine Partei und deren Landesliste.
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Frage 1 von 1MittelEine Wählerin unterstützt die Kandidatin A im Wahlkreis, möchte aber Partei B bei der Sitzverteilung stärken. Welche Wahl passt dazu?
Lösung: Erststimme für Kandidatin A und Zweitstimme für Partei B — Die beiden Stimmen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Deshalb ist es möglich, mit der Erststimme eine Person und mit der Zweitstimme eine andere Partei zu wählen.
Wie werden die 630 Sitze verteilt?

Seit der Bundestagswahl 2025 besteht der Bundestag grundsätzlich aus 630 Abgeordneten. Die Zweitstimmen bestimmen, wie viele Sitze den Parteien zustehen. Das unterscheidet das heutige System vom Wahlrecht bis 2021, unter dem Überhang- und Ausgleichsmandate den Bundestag vergrößern konnten.

Definition

Zweitstimmendeckung

Ein Wahlkreissieg einer Parteikandidatin oder eines Parteikandidaten führt nur dann zu einem Sitz, wenn dieser Sitz durch das Zweitstimmenergebnis der Partei im betreffenden Bundesland gedeckt ist.

Ein vereinfachtes Beispiel

Beispiel

Eine Partei gewinnt in einem Bundesland drei Wahlkreise. Nach ihrem Zweitstimmenergebnis stehen ihr dort aber nur zwei Sitze zu.

  1. Zuerst wird festgestellt, dass die Partei in diesem Bundesland zwei Sitze erhält.
  2. Danach werden ihre drei Wahlkreissieger nach ihren Erststimmenanteilen geordnet.
  3. Die beiden Wahlkreissieger mit den höchsten Anteilen erhalten die beiden gedeckten Sitze.
  4. Der dritte Wahlkreissieger zieht trotz seines Sieges nicht ein, weil kein weiterer Sitz durch Zweitstimmen gedeckt ist.

Der entscheidende Gedanke lautet: Die Erststimme entscheidet über den Vergleich im Wahlkreis, aber die Zweitstimme begrenzt die Zahl der Sitze einer Partei.

Vertiefung: Wer wird bei der Sitzverteilung berücksichtigt?

Grundsätzlich werden Parteien berücksichtigt, die bundesweit mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen erhalten.

Für die Bundestagswahl 2025 galt aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts außerdem eine Übergangsmaßgabe: Eine Partei unter fünf Prozent wurde bei der Sitzverteilung berücksichtigt, wenn ihre Kandidierenden mindestens drei Wahlkreise gewannen. Diese Übergangslösung darf nicht mit der früheren Grundmandatsklausel als unverändert fortbestehender Regel verwechselt werden.

Davon getrennt besteht eine gesetzliche Ausnahme für Landeslisten von Parteien nationaler Minderheiten. Für sie gilt die Fünf-Prozent-Sperrklausel nicht.

Gut zu wissen

Ältere Erklärungen nennen häufig 598 Mindestsitze sowie Überhang- und Ausgleichsmandate. Sie beschreiben das Wahlrecht bis 2021 und dürfen nicht ungekennzeichnet auf die Bundestagswahl 2025 übertragen werden.

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Frage 1 von 2MittelEine Partei erhält in einem vereinfachten Bundesland zwei Sitze nach Zweitstimmen, gewinnt dort aber drei Wahlkreise. Was folgt für ihre Parteikandidierenden?
Lösung: Höchstens zwei ihrer Wahlkreissieger erhalten dort einen Sitz. — Die zwei durch Zweitstimmen gedeckten Sitze begrenzen, wie viele Wahlkreissieger dieser Partei in dem Bundesland einziehen können.
Frage 2 von 2SchwerEine Partei bleibt unter fünf Prozent, gewinnt aber mindestens drei Wahlkreise. Welche Aussage passt zur Übergangsmaßgabe für die Wahl 2025?
Lösung: Sie wird trotzdem bei der Sitzverteilung berücksichtigt. — Die vom Bundesverfassungsgericht angeordnete Übergangsmaßgabe verbindet die Unterschreitung der Fünf-Prozent-Hürde mit mindestens drei gewonnenen Wahlkreisen. Sie ist von der Minderheitenparteien-Ausnahme zu unterscheiden.
Wie gibst du deine Stimme ab?

Grundsätzlich dürfen deutsche Staatsangehörige ab 18 Jahren an der Bundestagswahl teilnehmen. Zusätzlich gelten Regeln zum Wohnsitz; für dauerhaft im Ausland lebende Deutsche bestehen besondere Voraussetzungen. Das Wählerverzeichnis sorgt dafür, dass Wahlberechtigte nur einmal abstimmen.

Vor der Wahl erhalten eingetragene Wahlberechtigte normalerweise eine Wahlbenachrichtigung. Sie nennt unter anderem das zuständige Wahllokal.

Im Wahllokal läuft die Stimmabgabe in wenigen Schritten ab:

  1. Wahlhelferinnen oder Wahlhelfer prüfen die Wahlberechtigung.
  2. Du erhältst einen Stimmzettel.
  3. Du setzt deine Kreuze unbeobachtet in der Wahlkabine.
  4. Du faltest den Stimmzettel und wirfst ihn in die Wahlurne.

Alternativ kannst du Briefwahl beantragen. Der Wahlbrief muss rechtzeitig bei der zuständigen Wahlbehörde eingehen.

Wer Unterstützung benötigt, darf eine selbst gewählte Hilfsperson einsetzen. Diese muss den erklärten Willen der wählenden Person umsetzen. Hilfsmittel wie Wahlschablonen und barrierefreie Wahllokale erleichtern die Teilnahme.

Definition

Wahlgrundsätze

Die Wahl ist frei, weil niemand eine bestimmte Entscheidung erzwingen darf. Sie ist gleich, weil jede Stimme dasselbe Gewicht hat. Sie ist geheim, weil niemand beobachten oder kontrollieren darf, was du ankreuzt.

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Frage 1 von 1LeichtWarum wird in einer Wahlkabine gewählt?
Lösung: Damit die Wahlentscheidung geheim bleibt. — Die Wahlkabine schützt dich vor Beobachtung und Druck. Unterstützung ist möglich, muss aber deinem erklärten Willen folgen.
Was geschieht nach der Wahl?

Nach dem Schließen der Wahllokale zählen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer die Stimmen aus. Erste Hochrechnungen sind berechnete Schätzungen. Das amtliche Ergebnis entsteht erst durch die vollständige Prüfung und Feststellung der Stimmen.

Aus der Sitzverteilung ergeben sich mögliche Mehrheiten. Eine absolute Mehrheit bedeutet mehr als die Hälfte aller Sitze.

Eine einzelne Partei erreicht diese Mehrheit nur selten. Deshalb verhandeln Parteien häufig über eine Koalition, also über eine gemeinsame Regierung. Sie müssen sich auf politische Ziele und die Verteilung von Regierungsämtern einigen.

Die Abgeordneten außerhalb der Regierungsmehrheit bilden die Opposition. Sie kontrolliert die Regierung, kritisiert deren Vorhaben und macht politische Alternativen sichtbar.

Schließlich wählt der Bundestag den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin. Die Bundesregierung besteht aus der Regierungsspitze und den Bundesministerinnen und Bundesministern.

Merke

Wahlentscheidung → Stimmenverteilung → Sitze und Mehrheiten → mögliche Koalition → Kanzlerwahl und Regierungsbildung.

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Frage 1 von 1MittelKeine Partei besitzt mehr als die Hälfte der Sitze. Was ist eine typische Folge?
Lösung: Mehrere Parteien verhandeln über eine Koalition. — Fehlt eine Alleinmehrheit, suchen Parteien häufig Partner für eine gemeinsame Mehrheit. Der Kanzler oder die Kanzlerin wird weiterhin vom Bundestag gewählt.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bundestagswahl
    • Bedeutung
      • Abgeordnete wählen
      • Politik mitbestimmen
    • Zwei Stimmen
      • Erststimme für eine Person
      • Zweitstimme für Parteistärke und Sitze
    • Sitzverteilung
      • 630 Sitze
      • Zweitstimmendeckung
    • Wahlgrundsätze
      • frei
      • gleich
      • geheim
    • Folgen
      • Mehrheiten und Koalitionen
      • Kanzlerwahl
      • Regierung und Opposition
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Stimme bestimmt maßgeblich die Zahl der Sitze einer Partei?
Lösung: Die Zweitstimme — Die Zweitstimme ist für das Kräfteverhältnis der Parteien und die Zahl ihrer Sitze maßgeblich.
Frage 2 von 3MittelPartei P gewinnt in einem Bundesland vier Wahlkreise, erhält dort aber nur drei durch Zweitstimmen gedeckte Sitze. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Drei ihrer Wahlkreissieger können dort einen Sitz erhalten. — Die Zahl der gedeckten Sitze begrenzt den Einzug auf drei Wahlkreissieger. Entscheidend ist dabei die Reihenfolge ihrer Erststimmenanteile.
Frage 3 von 3SchwerWelche Wirkungskette beschreibt die parlamentarische Demokratie richtig?
Lösung: Die Bevölkerung wählt den Bundestag; Mehrheiten ermöglichen eine Regierung; der Bundestag wählt den Kanzler oder die Kanzlerin. — Die Bundestagswahl wirkt über die Zusammensetzung des Parlaments. Aus den dortigen Mehrheiten entstehen Regierungsmöglichkeiten und die Kanzlerwahl.

Du hast das Thema verstanden, wenn du bei einem neuen Beispiel zuerst fragst: Wie viele Sitze erhält die Partei nach Zweitstimmen, welche Wahlkreissiege sind gedeckt und welche Mehrheit kann daraus entstehen?

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