Politik

Bundestagswahlrecht: Erst- und Zweitstimme

Bundestagswahlrecht: Erst- und Zweitstimme
Bundestagswahlrecht: Erst- und Zweitstimme
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Bei der Bundestagswahl hast du zwei Stimmen: Mit der Erststimme wählst du eine Person im Wahlkreis, mit der Zweitstimme eine Partei. Für die Verteilung der 630 Sitze ist vor allem die Zweitstimme maßgeblich. Seit der Wahl 2025 führt ein Wahlkreissieg deshalb nicht mehr automatisch zu einem Sitz.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was bewirken deine zwei Stimmen?

Deutschland ist in 299 Wahlkreise eingeteilt. Auf dem Stimmzettel triffst du zwei getrennte Entscheidungen.

Definition

Erststimme

Mit der Erststimme wählst du eine kandidierende Person aus deinem Wahlkreis. Wer dort die meisten Erststimmen erhält, gewinnt den Wahlkreis. Für einen Sitz im Bundestag muss dieser Wahlkreissieg nach dem 2025 angewandten Wahlrecht zusätzlich durch Zweitstimmen gedeckt sein.

Definition

Zweitstimme

Mit der Zweitstimme wählst du die Landesliste einer Partei. Die Zweitstimmen bestimmen maßgeblich, wie viele der 630 Sitze eine berücksichtigte Partei insgesamt erhält und wie diese Sitze auf ihre Landeslisten verteilt werden.

Merke

Erststimme: Welche Person? Zweitstimme: Wie viele Sitze für die Partei? Für die Größe einer Fraktion ist die Zweitstimme entscheidend.

Beispiel

Du hältst eine Person aus deinem Wahlkreis für überzeugend, bevorzugst aber das Programm einer anderen Partei. Dann kannst du mit der Erststimme die Person und mit der Zweitstimme die andere Partei wählen. Beide Stimmen müssen also nicht an dieselbe Partei gehen.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt die Zweitstimme richtig?
Lösung: Sie bestimmt maßgeblich den Sitzanteil einer Partei im Bundestag. — Den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin wählen später die Abgeordneten des Bundestags. Die Zweitstimme beeinflusst zuvor die Stärke der Parteien im Parlament.
Frage 2 von 2MittelDu möchtest Person A im Wahlkreis unterstützen, bevorzugst aber Partei B. Was ist möglich?
Lösung: Erststimme für Person A und Zweitstimme für Partei B. — Du kannst deine Stimmen aufteilen: Die Erststimme gilt einer Person, die Zweitstimme einer Partei.
Wann ist ein Wahlkreissieg gedeckt?
Definition

Zweitstimmendeckung

Ein Wahlkreissieg ist durch Zweitstimmen gedeckt, wenn der Partei im betreffenden Bundesland genügend Sitze aus ihrem Zweitstimmenergebnis zustehen. Gewinnt sie dort mehr Wahlkreise als ihr Sitze zustehen, können nicht alle Wahlkreissieger in den Bundestag einziehen.

Das verhindert, dass zusätzliche Wahlkreissitze den durch die Zweitstimmen bestimmten Parteienproporz verändern. Es entstehen deshalb keine Überhang- und Ausgleichsmandate mehr.

Beispiel

Vereinfachter Landesfall: Partei A gewinnt vier Wahlkreise. Aus ihrem Zweitstimmenergebnis stehen ihr in diesem Bundesland aber nur drei Sitze zu.

  • Wahlkreissiege: 4
  • durch Zweitstimmen gedeckte Sitze: 3
  • nicht gedeckte Wahlkreissiege: 4 − 3 = 1

Damit können in diesem vereinfachten Fall nur drei der vier Wahlkreissieger einziehen. Das Beispiel zeigt allein das Prinzip; die wirkliche Sitzverteilung berücksichtigt die bundesweiten Zweitstimmen und ihre Verteilung auf die Landeslisten.

Gut zu wissen

Ein häufiges Missverständnis lautet: „Wer im Wahlkreis die meisten Erststimmen hat, sitzt auf jeden Fall im Bundestag.“ Das traf auf das frühere Wahlrecht zu. Seit der Bundestagswahl 2025 gilt zusätzlich die Zweitstimmendeckung.

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Frage 1 von 1MittelPartei C gewinnt in einem vereinfachten Landesfall fünf Wahlkreise, erhält dort aber nur vier durch Zweitstimmen gedeckte Sitze. Was folgt daraus?
Lösung: Einer der fünf Wahlkreissiege ist nicht gedeckt. — Fünf Wahlkreissiege treffen auf vier gedeckte Sitze. Daher können höchstens vier dieser Wahlkreissiege zu Sitzen führen.
Welche Parteien werden bei der Sitzverteilung berücksichtigt?

Grundsätzlich muss eine Partei mindestens 5 Prozent der gültigen Zweitstimmen erreichen. Diese Fünf-Prozent-Sperrklausel soll verhindern, dass sich die Sitze auf sehr viele kleine Parteien verteilen und Mehrheiten besonders schwer entstehen.

Für die Bundestagswahl 2025 waren zwei getrennte Ausnahmen wichtig:

  • Grundmandatsausnahme: Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 30. Juli 2024 wurde die Sperrklausel bis zu einer gesetzlichen Neuregelung zusammen mit dieser Ausnahme angewandt. Eine Partei unter 5 Prozent konnte an der Sitzverteilung teilnehmen, wenn sie mindestens drei Wahlkreise gewann.
  • Parteien nationaler Minderheiten: Ihre Landeslisten sind gesetzlich von der Fünf-Prozent-Sperrklausel ausgenommen. Diese Regel ist von der Grundmandatsausnahme zu unterscheiden.
Merke

Drei gewonnene Wahlkreise und die Ausnahme für Parteien nationaler Minderheiten sind nicht dieselbe Regel.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Für die Sitzzahl einer Partei ist vor allem die maßgeblich. Die Grundmandatsausnahme knüpft an mindestens gewonnene Wahlkreise an. Parteien nationaler Minderheiten bilden eine .

Lösungen: Lücke 1: Zweitstimme; Lücke 2: drei; Lücke 3: getrennte gesetzliche Ausnahme. Achte auf die drei verschiedenen Fragen: Welche Stimme bestimmt die Sitzzahl? Wie viele Wahlkreise verlangt die Grundmandatsausnahme? Welche Ausnahme besteht unabhängig davon?
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Frage 1 von 1SchwerEine Partei erhält 4,7 Prozent der Zweitstimmen und gewinnt drei Wahlkreise. Wie war das bei der Bundestagswahl 2025 einzuordnen?
Lösung: Sie konnte aufgrund der Grundmandatsausnahme an der Sitzverteilung teilnehmen. — Die drei Wahlkreissiege öffnen den Zugang zur proportionalen Sitzverteilung. Wie viele Sitze die Partei erhält, richtet sich weiterhin nach den Zweitstimmen.
Was änderte sich gegenüber dem früheren Wahlrecht?

Die Regeln verschiedener Bundestagswahlen darfst du nicht vermischen. Besonders wichtig ist der Vergleich mit dem bis zur Wahl 2021 angewandten System.

FrageWahlrecht bis 2021Bundestagswahl 2025
Vorgesehene beziehungsweise feste Sitzzahl598 Ausgangssitze; der Bundestag konnte wachsen630 Sitze
Wirkung eines WahlkreissiegsWahlkreissieger zog grundsätzlich direkt einEinzug nur bei Zweitstimmendeckung
Mehr gewonnene Wahlkreise als zustehende SitzeÜberhangmandate konnten entstehenkeine zusätzlichen Überhangmandate
Ausgleich für andere ParteienAusgleichsmandate sicherten das Parteienverhältniskeine Ausgleichsmandate nötig
Grundmandatsregeldrei Wahlkreissiege als Ausnahme zur Sperrklauselfür 2025 aufgrund der gerichtlichen Übergangsmaßgabe weiter zu berücksichtigen
Beispiel

Liest du, ein Bundestag habe 598 Ausgangssitze und könne durch Überhang- und Ausgleichsmandate größer werden, beschreibt der Text das frühere System. Die Angaben „630 Sitze“ und „Zweitstimmendeckung“ kennzeichnen dagegen das bei der Bundestagswahl 2025 angewandte System.

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Frage 1 von 1SchwerZwei Texte widersprechen sich: Einer verspricht jedem Wahlkreissieger einen Sitz, der andere verlangt Zweitstimmendeckung. Was prüfst du zuerst?
Lösung: Auf welche Bundestagswahl und welchen Rechtsstand sich die Texte beziehen. — Wahlrecht kann reformiert werden. Jahresangaben, Sitzzahl und Begriffe wie Überhangmandat oder Zweitstimmendeckung helfen dir, den Rechtsstand einzuordnen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bundestagswahlrecht 2025
    • Erststimme: Person im Wahlkreis
    • Zweitstimme: Sitzzahl der Partei
    • Zweitstimmendeckung: Wahlkreissieg braucht einen zustehenden Sitz
    • Bundestag: 630 Sitze
    • Sperrklausel: grundsätzlich 5 Prozent
    • Ausnahmen: Grundmandate und nationale Minderheiten getrennt prüfen
    • Früheres Recht: Überhang- und Ausgleichsmandate möglich
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Stimme ist für die Zahl der Parteisitze maßgeblich?
Lösung: Die Zweitstimme. — Die Zweitstimme bestimmt den proportionalen Sitzanteil der berücksichtigten Parteien.
Frage 2 von 3MittelEine Partei gewinnt in einem vereinfachten Bundesland zwei Wahlkreise, erhält dort aber drei gedeckte Sitze. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Beide Wahlkreissiege können durch Zweitstimmen gedeckt sein. — Zwei Wahlkreissiege benötigen zwei gedeckte Sitze. Da drei Sitze zustehen, reicht die Deckung für beide aus; der weitere Sitz kann über die Landesliste besetzt werden.
Frage 3 von 3SchwerPartei D erhält bei einem Ergebnis nach den Regeln der Wahl 2025 weniger als 5 Prozent der Zweitstimmen, gewinnt keinen Wahlkreis und ist keine Partei einer nationalen Minderheit. Was folgt?
Lösung: Sie wird bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt. — Ohne 5 Prozent, drei gewonnene Wahlkreise oder die getrennte Minderheiten-Ausnahme fehlt in diesem Fall der Zugang zur Sitzverteilung.

Du kannst das System prüfen, indem du immer drei Fragen stellst: Welche Stimme wirkt? Wie viele Sitze stehen der Partei zu? Welcher Rechtsstand gilt?

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