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Bundesverfassungsgericht: Aufgaben einfach erklärt

Bundesverfassungsgericht: Aufgaben einfach erklärt
Bundesverfassungsgericht: Aufgaben einfach erklärt
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Das Bundesverfassungsgericht prüft, ob staatliches Handeln mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Es schützt damit die Verfassung und die Grundrechte. Es beschließt aber keine eigenen Gesetze und entscheidet nicht, welche Politik es am besten findet.

Deine Lernziele

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Warum gibt es das Bundesverfassungsgericht?

Bundestag, Bundesregierung, Behörden und Gerichte müssen das Grundgesetz beachten. Doch was geschieht, wenn darüber Streit entsteht? Dann kann das Bundesverfassungsgericht unter den jeweils geltenden Voraussetzungen angerufen werden.

Definition

Bundesverfassungsgericht

Das Bundesverfassungsgericht, kurz BVerfG, ist ein unabhängiges Gericht und ein eigenes Verfassungsorgan mit Sitz in Karlsruhe. Sein Maßstab ist das Grundgesetz. Deshalb wird es auch „Hüter der Verfassung“ genannt.

Das Gericht gehört zur Judikative, also zur rechtsprechenden Gewalt. Es kontrolliert zum Beispiel, ob ein Gesetz oder eine staatliche Maßnahme Grundrechte verletzt. Seine Entscheidungen sind unanfechtbar und für die staatlichen Organe bindend.

Das BVerfG ist jedoch keine zusätzliche Instanz für jeden gewöhnlichen Rechtsstreit. Zuerst muss geklärt werden, ob ein verfassungsrechtliches Verfahren zulässig ist und ob gerade dieses Gericht zuständig ist.

Merke

Das Bundesverfassungsgericht fragt nicht: „Ist diese Politik besonders klug?“ Es fragt: „Ist dieses staatliche Handeln mit dem Grundgesetz vereinbar?“

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Frage 1 von 1LeichtWelche Frage gehört zur Kernaufgabe des Bundesverfassungsgerichts?
Lösung: Ist ein staatliches Gesetz mit dem Grundgesetz vereinbar? — Das Gericht kontrolliert staatliches Handeln am Maßstab des Grundgesetzes. Politische Zweckmäßigkeit entscheidet es nicht.
Wie gelangt eine Verfassungsfrage zum Gericht?

Das Gericht wird nicht von selbst tätig. Jemand muss ein dafür vorgesehenes Verfahren einleiten. Wer das darf und was geprüft wird, hängt von der Verfahrensart ab.

Ein möglicher Weg sieht so aus:

  1. Eine staatliche Stelle handelt oder ein Gesetz wird angewendet.
  2. Eine Person, ein Gericht oder ein staatliches Organ erkennt eine mögliche Verfassungsfrage.
  3. Das BVerfG prüft zunächst Zuständigkeit und Zulässigkeit.
  4. Nur wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, prüft es die Verfassungsfrage inhaltlich.
  5. Die staatlichen Stellen müssen die Entscheidung beachten.
Beispiel

Eine Behörde trifft eine Entscheidung. Eine betroffene Person meint, dadurch werde eines ihrer Grundrechte verletzt. Das bedeutet noch nicht, dass das BVerfG sofort über die Sache entscheidet. Zunächst wird geprüft, ob die Beschwerde zulässig ist und ob das BVerfG zuständig ist. Erst danach kann es untersuchen, ob tatsächlich ein Grundrecht verletzt wurde.

Gut zu wissen

Die Aussage „Jede Person kann jedes beliebige Gesetz einfach in Karlsruhe anfechten“ ist zu weit. Eine Verfassungsbeschwerde hat genaue Voraussetzungen. Eine behauptete Grundrechtsverletzung allein garantiert noch keine inhaltliche Entscheidung.

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Frage 1 von 1MittelEine Person hält eine staatliche Entscheidung für ungerecht. Was folgt daraus unmittelbar?
Lösung: Es muss zunächst geprüft werden, ob ein zulässiges verfassungsrechtliches Verfahren vorliegt. — Vor einer Sachentscheidung prüft das Gericht unter anderem, ob es zuständig ist und ob die Voraussetzungen des Verfahrens erfüllt sind.
Welche Verfahren gehören zu seinen Aufgaben?

Verschiedene Konflikte benötigen verschiedene Verfahren. Entscheidend ist, wer eine Verfassungsfrage stellt und was geprüft werden soll.

VerfahrenZentrale PrüffrageMöglicher Ausgangspunkt
VerfassungsbeschwerdeHat die öffentliche Gewalt Grundrechte verletzt?Eine betroffene Person rügt staatliches Handeln.
Konkrete NormenkontrolleIst ein entscheidungserhebliches Gesetz mit dem Grundgesetz vereinbar?Ein Gericht hält ein anzuwendendes Gesetz für verfassungswidrig.
Abstrakte NormenkontrolleIst Bundes- oder Landesrecht mit höherrangigem Recht vereinbar?Bestimmte staatliche Organe beantragen eine Prüfung.
OrganstreitWurden Rechte oder Zuständigkeiten eines Verfassungsorgans verletzt?Verfassungsorgane streiten über ihre Befugnisse.
Bund-Länder-StreitWelche Rechte und Pflichten haben Bund und Länder im Streitfall?Bund und ein Land sind sich über Zuständigkeiten uneinig.
ParteiverbotsverfahrenIst eine Partei verfassungswidrig?Ein antragsberechtigtes Verfassungsorgan stellt einen Antrag.
Beispiel

Ein Fachgericht soll einen Fall entscheiden. Dafür müsste es ein Gesetz anwenden, das es für unvereinbar mit dem Grundgesetz hält. Das Fachgericht verwirft das Gesetz nicht einfach selbst, sondern kann die Verfassungsfrage dem BVerfG vorlegen. Das ist eine konkrete Normenkontrolle.

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Frage 1 von 2MittelEin Gericht hält ein Gesetz, das es in einem laufenden Fall anwenden müsste, für verfassungswidrig. Welches Verfahren passt?
Lösung: Konkrete Normenkontrolle — Bei der konkreten Normenkontrolle legt ein Gericht eine entscheidungserhebliche Gesetzesfrage dem Bundesverfassungsgericht vor.
Frage 2 von 2SchwerBundestag und Bundesregierung streiten darüber, ob Rechte des Bundestages verletzt wurden. Welcher Konflikttyp liegt am nächsten?
Lösung: Organstreit — Im Organstreit klärt das Gericht Rechte und Zuständigkeiten von Verfassungsorganen.
Wie ist das Gericht aufgebaut und geschützt?

Das Bundesverfassungsgericht besteht aus 16 Richterinnen und Richtern. Sie arbeiten in zwei gleichberechtigten Senaten mit jeweils acht Mitgliedern. Innerhalb der Senate gibt es Kammern mit jeweils drei Mitgliedern.

Bundestag und Bundesrat wählen jeweils die Hälfte der Mitglieder. Für die Wahl ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Die Amtszeit beträgt zwölf Jahre; eine Wiederwahl ist ausgeschlossen.

Diese Regeln erschweren es, das Gericht dauerhaft von einer einzelnen politischen Mehrheit abhängig zu machen:

  • Die Zweidrittelmehrheit verlangt breite Zustimmung.
  • Die lange Amtszeit löst die Tätigkeit von kurzen Wahlperioden.
  • Der Ausschluss der Wiederwahl verringert den Anreiz, Entscheidungen an einer möglichen Wiederwahl auszurichten.
  • Eine eigene Verwaltung und ein eigener Haushalt unterstützen die institutionelle Arbeitsfähigkeit.
Merke

Richterinnen und Richter werden von politischen Organen gewählt. Nach der Wahl dürfen diese Organe ihnen trotzdem keine Entscheidungen vorschreiben.

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Frage 1 von 1MittelWelche Kombination stärkt die Unabhängigkeit der Richterinnen und Richter besonders?
Lösung: Zweidrittelwahl, zwölfjährige Amtszeit und keine Wiederwahl — Mehrere Regeln wirken zusammen: breite Zustimmung bei der Wahl, eine lange Amtszeit und der Ausschluss der Wiederwahl.
Macht das Gericht Politik?

Urteile des BVerfG können große politische Folgen haben. Erklärt das Gericht eine Regelung für verfassungswidrig, muss der Gesetzgeber sie möglicherweise ändern oder neu gestalten. Dadurch verändert sich der politische Handlungsspielraum.

Trotzdem ist das Gericht nicht selbst der Gesetzgeber:

  • Das Parlament entscheidet innerhalb des verfassungsrechtlichen Rahmens über politische Ziele und konkrete Regelungen.
  • Das BVerfG kontrolliert, ob dieser Rahmen eingehalten wird.
  • Es darf politische Zweckmäßigkeit nicht an die Stelle des Grundgesetzes setzen.
  • Es kann nur entscheiden, wenn es in einem vorgesehenen Verfahren angerufen wird.
Beispiel

Das Gericht stellt fest, dass eine gesetzliche Regelung Grundrechte verletzt. Es kann damit eine verfassungsrechtliche Grenze benennen und eine Neuregelung notwendig machen. Welche zulässige politische Lösung gewählt wird, bleibt grundsätzlich Aufgabe des Gesetzgebers.

Die Macht des Gerichts bleibt ein demokratisches Spannungsfeld. Seine Kontrolle begrenzt staatliche Macht und schützt Grundrechte. Zu enge Vorgaben könnten jedoch den Spielraum des gewählten Parlaments verkleinern. Deshalb ist die Unterscheidung zwischen verfassungsrechtlicher Kontrolle und politischer Gestaltung so wichtig.

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Frage 1 von 1SchwerDas BVerfG erklärt eine gesetzliche Regelung für verfassungswidrig. Welche Aussage beschreibt die Rollen richtig?
Lösung: Das Gericht setzt den verfassungsrechtlichen Rahmen; der Gesetzgeber gestaltet darin eine zulässige Neuregelung. — Die Entscheidung bindet die staatlichen Stellen. Die politische Ausgestaltung bleibt innerhalb des Grundgesetzes grundsätzlich Aufgabe des Gesetzgebers.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bundesverfassungsgericht
    • schützt Grundgesetz und Grundrechte
    • prüft Gesetze und staatliches Handeln
    • entscheidet nur in vorgesehenen Verfahren
    • besteht aus zwei Senaten mit je acht Mitgliedern
    • ist unabhängig von politischen Weisungen
    • bindet staatliche Stellen durch seine Entscheidungen
    • begrenzt Politik, ersetzt aber nicht den Gesetzgeber
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelcher Maßstab leitet die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts?
Lösung: Das Grundgesetz — Das BVerfG kontrolliert staatliches Handeln am Maßstab des Grundgesetzes.
Frage 2 von 4MittelEine Person behauptet, durch eine Behörde in einem Grundrecht verletzt worden zu sein. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Eine Verfassungsbeschwerde kann in Betracht kommen; ihre Zulässigkeit muss geprüft werden. — Individueller Grundrechtsschutz ist eine wichtige Aufgabe des Gerichts. Dennoch gelten genaue Voraussetzungen.
Frage 3 von 4SchwerWarum gefährdet die Wahl durch Bundestag und Bundesrat nicht automatisch die richterliche Unabhängigkeit?
Lösung: Weil breite Mehrheiten, lange Amtszeit, fehlende Wiederwahl und das Verbot politischer Weisungen die Unabhängigkeit stützen. — Politische Organe wirken an der Wahl mit. Mehrere institutionelle Regeln trennen die spätere Rechtsprechung jedoch von politischen Weisungen.
Frage 4 von 4SchwerEin Gerichtsurteil zwingt das Parlament, eine verfassungswidrige Regelung zu ändern. Warum wird das BVerfG dadurch nicht selbst zum Gesetzgeber?
Lösung: Es bestimmt die verfassungsrechtlichen Grenzen, während das Parlament die zulässige politische Regelung gestaltet. — Das Gericht schützt den Rahmen des Grundgesetzes. Politische Gestaltung innerhalb dieses Rahmens bleibt Aufgabe der demokratisch gewählten Organe.

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