Europawahl: Ablauf, Stimmen und Parlament
Bei der Europawahl wählen die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union alle fünf Jahre das Europäische Parlament. Deine Stimme beeinflusst, welche politischen Kräfte dort Gesetze, Haushalt und Kontrolle der EU mitgestalten.
Auf dieser Seite erfährst du, wie die Wahl grundsätzlich funktioniert, was 2024 in Deutschland galt und was nach der Stimmabgabe geschieht.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bewirkt deine Stimme?
Das Europäische Parlament ist das einzige EU-Organ, das die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar wählen. Es vertritt ihre Interessen auf europäischer Ebene.
Das Parlament
- gestaltet und verabschiedet gemeinsam mit dem Rat der Europäischen Union EU-Gesetze,
- genehmigt den EU-Haushalt und kontrolliert die Verwendung des Geldes,
- wählt die Präsidentin oder den Präsidenten der Europäischen Kommission,
- prüft und bestätigt die Mitglieder der Kommission,
- kontrolliert die Arbeit anderer EU-Institutionen.
EU-Regeln betreffen beispielsweise Wirtschaft, Energie und Klima. Die Wahl entscheidet deshalb nicht über jede einzelne Sachfrage. Sie entscheidet aber mit darüber, welche politischen Mehrheiten solche Fragen bearbeiten.
Mehr Stimmen für eine Partei bedeuten in der Regel mehr Sitze und damit mehr Möglichkeiten, Entscheidungen im Europäischen Parlament zu beeinflussen.
Welche Regeln schützen die Wahl?
Die Einzelheiten der Europawahl unterscheiden sich zwischen den Mitgliedstaaten. Überall gelten jedoch gemeinsame demokratische Grundsätze.
Allgemeine Wahl
Wahlberechtigte EU-Bürgerinnen und EU-Bürger dürfen teilnehmen, wenn sie die jeweils geltenden Voraussetzungen wie das Mindestalter erfüllen.
Freie Wahl
Du entscheidest ohne Zwang oder unzulässigen Druck. Es müssen verschiedene Wahlmöglichkeiten bestehen.
Geheime Wahl
Niemand darf beobachten, was du ankreuzt, oder verlangen, dass du deine Entscheidung offenlegst.
Direkte Wahl
Du wählst die zur Wahl stehende Partei, Liste oder Kandidatur unmittelbar. Es gibt keine zwischengeschalteten Wahlpersonen, die an deiner Stelle die eigentliche Wahl treffen.
EU-Bürgerinnen und EU-Bürger dürfen in ihrem Heimatstaat oder in dem EU-Staat wählen und kandidieren, in dem sie wohnen. Sie dürfen jedoch nur einmal an derselben Europawahl teilnehmen.
Wie werden Stimmen zu Sitzen?
Bei der Europawahl wirken zwei verschiedene Verteilungsregeln zusammen.
Innerhalb eines Mitgliedstaates
Die Wahl ist eine Verhältniswahl: Eine Partei mit einem größeren Stimmenanteil erhält grundsätzlich einen größeren Anteil der Sitze, die diesem Staat zustehen.
Zwischen den Mitgliedstaaten
Die Sitze werden degressiv proportional verteilt. Bevölkerungsreiche Staaten erhalten insgesamt mehr Sitze. Bevölkerungsarme Staaten erhalten jedoch im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl mehr Sitze.
Für die Wahlperiode 2024–2029 wurden 720 Sitze auf 27 Mitgliedstaaten verteilt. Deutschland erhielt mit 96 Sitzen das größte Kontingent. Jeder Mitgliedstaat erhielt mindestens 6 und höchstens 96 Sitze.
Deutschland hat deutlich mehr Einwohner als Malta und deshalb insgesamt viel mehr Sitze. Ein deutscher Abgeordneter vertritt aber mehr Menschen als ein maltesischer Abgeordneter. Kleinere Staaten erhalten so trotz ihrer geringen Bevölkerung eine wirksame Vertretung.
Proportional beschreibt hier die Verteilung der Sitze auf Parteien nach ihrem Wahlergebnis. Degressiv proportional beschreibt die Verteilung der Sitzkontingente auf die Mitgliedstaaten.
Wie funktionierte die Wahl 2024 in Deutschland?
In Deutschland durften 2024 erstmals auch 16- und 17-Jährige an der Europawahl teilnehmen. Gewählt wurde am 9. Juni 2024.
Jede wählende Person hatte eine Stimme. Mit ihr wurde eine geschlossene Liste gewählt. Das bedeutet: Du konntest eine Liste als Ganzes ankreuzen, aber weder einzelne Personen auswählen noch ihre Reihenfolge verändern.
Parteien konnten eine gemeinsame Liste für ganz Deutschland oder unterschiedliche Landeslisten aufstellen. Die deutschen 96 Sitze wurden proportional zu den Stimmen der Parteien verteilt. Für die genaue Zuteilung wurde das Verfahren Sainte-Laguë/Schepers verwendet.
2024 gab es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel. Eine Partei musste also nicht erst einen festgelegten Mindestanteil wie 3 oder 5 Prozent erreichen. Dadurch hatten kleinere Parteien bessere Chancen auf ein Mandat.
Die Aussage „eine Stimme“ gilt hier für das deutsche Wahlsystem von 2024. Die nationalen Regeln sind nicht überall gleich. Davon zu unterscheiden ist die EU-weite Regel, dass eine Person nur einmal an derselben Europawahl teilnehmen darf.
Wer nicht im Wahllokal wählen konnte, konnte Briefwahl beantragen. Im Wahllokal dienten Personalausweis oder Reisepass zur Identifikation; die Wahlbenachrichtigung erleichterte den Ablauf.
Was geschieht nach der Wahl?
Die Gewählten bleiben nicht einfach als geschlossene nationale Gruppen nebeneinander. Die meisten schließen sich mit Abgeordneten aus anderen Staaten zu Fraktionen zusammen.
Fraktion
Eine Fraktion ist ein Zusammenschluss von Abgeordneten mit ähnlichen politischen Überzeugungen. Im Europäischen Parlament umfasst sie Mitglieder aus mehreren EU-Staaten.
Für die Wahlperiode 2024–2029 gilt: Eine Fraktion benötigt mindestens 23 Abgeordnete aus mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten. So arbeiten politische Verbündete über Staatsgrenzen hinweg zusammen.
Nach der Wahl läuft der Weg vereinfacht so ab:
- Die gewählten Abgeordneten bilden Fraktionen.
- Das Parlament wählt in seiner ersten Plenartagung seine Präsidentin oder seinen Präsidenten.
- Es kann danach die Präsidentin oder den Präsidenten der Europäischen Kommission wählen.
- Es prüft und bestätigt anschließend das gesamte Kollegium der Kommissionsmitglieder.
Im Gesetzgebungsprozess haben die Institutionen unterschiedliche Rollen: Die Europäische Kommission erarbeitet Vorschläge. Parlament und Rat beraten sie und nehmen sie an, wenn sie zustimmen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Europawahl
- demokratische Grundsätze
- allgemein, frei, geheim und direkt
- Stimmabgabe
- nationale Parteien und Listen
- einmalige Wahlteilnahme
- Sitzverteilung
- proportional zwischen Parteien
- degressiv proportional zwischen Staaten
- Europäisches Parlament
- Gesetzgebung mit dem Rat
- Haushalt und Kontrolle
- Wahl und Prüfung der Kommission
- Zusammenarbeit nach der Wahl
- transnationale Fraktionen
- demokratische Grundsätze
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du den vollständigen Weg erklären kannst: Wahlentscheidung → Parteisitze → Fraktionen und Mehrheiten → parlamentarische Entscheidungen.
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